nur die fein, ob Umformung gleichbedeutend mit der Ichgebundenheit zu lösen. Es ist darum gewiß tein. Zufall, Auflösung ift.
Neu ist der Plan der Stadt ohne Familie feineswegs. Es handelt sich hier um eine alte tebiings. Idee des utopischen Sozialismus, die in zahlreichen Zus Punftsromanen gestaltet ist, wo Mütter thre Kinder an Anstalten abgeben, nähren, ohne zu wiffen, ob sie ein fre ndes oder ein eigenes Kind an der Bruft haben, mit der Ideologie, daß die Mutter ihre Mütterlichkeit unbegrenzt allem, was junges Leben heißt, spenden foll, und der Illufion, daß wir auf solche Welle den brüderlichen Menschen erziehen.
Das erträumte Gebilde ist feine natürlich gegebene Form, überall im höheren Zierleben, auch bei gesellschaftlich lebenden Arten, beobachten wir engere Beziehungen, namentlich der Mütter an ihr elgenes Kind. Bei den Herdentieren haben wir melstens die Mutterfamille. Wir haben auch gesellschaftlich lebende Tiere mit Elternfamille. Kaninchen leben monogam im Herdenverband, ebenso finden wir die Elternfamilie bei manchen Affenarten. So beobachten wir bel Gorillas, daß die Schlafnester familienweise geordnet angelegt werden, die der Kinder nahe bei denen der Eldern. Es ist nicht anzunehmen, daß bei der stärkeren Ausbildung des Gehirns beim Menschen diese engeren Beziehungen, die schon das Tier hat, nicht feelisch vertieft oder gar wieder aufgegeben
wären.
Die Famille ist also nicht nur ein wirtschaftliches, Jondern auch ein biologisches Gebilde und behält als folches befondere Aufgaben auch in einer anders geordneten Wirtschaft. Also Umgestaltung, nicht Auflösung der Familie. Eine Jozialistische Gefeitschaft tonn hie Erziehung der Kinder nicht den Eltern überlassen, das ist aber nicht gleichbedeutend damit, daß ein Intimeres Zusammenleben von Eltern und Kindern unmöglich gemacht wird.
Sehr fraglich erscheint, ob die Heranbildung des Kollektivmenfchen wirftich auf die geplante Weise erreicht wird. Gewiß, die Individualistische Eralehung fällt bel der Anftalte erziehung fort. Da für fehlen manche Gemeinschaft fördernde Momente, die die Familie bot. Erotische Liebesverbundenheit, Baterschafts- und Mutterschaftserlebnis lösen bei vielen Menschen erst die Fähigkeit aus, sich in andere hlueinzudenten; fie geben einen mächtigen Impuls, fich aus
daß im allgemeinen die Menschen mit Familie bessere Erzieher, audy fremder Kinder, sind als die alleinstehenden.
Fraglich ist weiter, ob die neue Art der Erziehung jeder Eigen art gerecht wird. Die intellektuell Begabten werden in den Kinderheimen zweifellos vorzügliche
Förderung ihrer Gaben und ein großes Feld zur Betätigung ihres Geltungstriebes finden.
Gs ist aber zu befürchten, daß die weniger Begabten, die förperlich wenig Begünstigten, alle, die mit Hemmungen zu fämpfen haben, an der Liebe und Förderung darben werden, die heute die Mutter felbstverständlich jedem Kinde entgegenbringt. Eines hat die Familie, wie ein Gegner der Familienerziehung, G. Wyneden, es einmal ausgedrückt hat, jeder Anstaltserziehung gegenüber voraus: se ist die einzige Stätte, wo der Menfch Liebe empfängt, nicht em Irgendwelcher Borzüge willen, sondern unabhängig von leinem Wert.
Wir erwarten vom Sozialismus nicht eine einseitige Intelligenz kultur, in der einige wenige zu vorzüglichen Diftatoren ausgebildes werden, sondern Befriedigung der mannigfach veranlagten Menschen, auch derjenigen mit geringeren intellektuellen Bedürfnissen, und eine gehobene Plattform der Masse.
Wir stehen erst am Beginn der pfychologilchen Wiffenfchaften. Es fehlen uns leider noch völlig Forschungen darüber, unter welchen Bedingungen und wie weit überhaupt Gemeinfdjaft möglich ist, wie fie gefördert oder gehemmt wird. Rußland ist das großartigste Experimentierfeld, das wir uns denfen können. Leider geht man dort nicht mit der Auffassung, daß es sich um ein Erperl ment handelt, an solche Aufgaben heran, sondern man verfolgt eine Dottrin Das Ergebnis wird die kommende Generation zeigen. Einstweilen ist es erlaubt skeptisch zu sein Es wäre möglich, daß diefe Form der Kollektionenschen, die für alle genau das gleiche bedeutet, Differenzierung nicht anerkennt, den Begriff der Verfön lichkeit aufgibt, der in Jahrhunderte langem Kulturausstieg erworben wurde, nicht einen Fortschritt bedeutet, sondern ein Zurückfinfen auf den Zustand früherer Primitivität, der für den heutigen er widelten Menschen unerträglich ist. Maria Krische.
Schulzensuren zu Ostern.
Bor Beginn der Osterferien herrscht große Aufregung im SchulHaufe. Zeugnisse werden verteilt. Angst und Freude, Haß, Stolz und Wul bringt das kleine weiße Stückchen Papier . Tells froh und tells tief bedrückt verlassen die Kinder den Schulhof. Daheim warten neugierig Eltern, Großmütter und Tanten. Belohnung, Schläge, Vorwürfe, Strafen, harte Worte, Tränen....
Was war geschehen? In langen Konferenzen hatten Lehrer und Lehrerinnen versucht, die Leistungen der Schüler in Wertzahlen abzumeffen. Ein nergebliches Bemühen! Was bedeutet eine Zahl da, wo in ständigem Ausgleich Begabung, persönlicher Kraftauf wand und soziales Milieu ihr wechselseitiges Splet treiben?
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Rechnen sehr gut."- ,, Schreiben genügend." Was lagen diese Worte? Nichts, wirklich nichts! Ein absolutes Werturteil im Zeitalter der Relativität. Ein leberbleibset aus vergangenen Tagen. Spielend erringt der Begabte die gute Note". Die Mühe des unbegabten Kirdes bleibt unberücksichtigt. Will man etmo der Na. tur eine Zensur ausstellen, daß sie einige Kinder schlecht, andere gut befähigte? Sdreiben genügend". Dabel müht fich mit größtem Fleiß eine leine Kinderhand ab, um in der vorschriftsmäßigen Art die Buchstaben in das Heft zu schreiben. Stundenlang vergebens. Splefend erledigt in wenigen Minuten das begabte Kind seine Auf gabe. Wer möchte da behaupten, daß Zeugnisse den tatsächlichen Leistungen der Kinder gerecht werden?
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Doch nicht nur die Begabung spielt bei Beurteilung der Leistung elne entscheidende Rolle, sondern auch
das Joziale Millen
ist von größter Wichtigkeit. Kennt ihr die Kinder, die früh schon vor der Schule zu Hause arbeiten müssen, die ihre Geschwister waschen, tämmen und anziehen, die Stube fegen, Feuer machen und Kaffee lochen? Kennt ihr sie alle, die um 8 Uhr milde zur Schule tommen? Kennt ihr fle, deren Ge anten während des Diftates in banger Sorge nach Hause sdwe'fen, ob Bater wohl Geld bradte? Ob Mutter Arbeit bekommen? Wist ihr, daß vlele Kinder ein ruhiges Bidhchen haben, um ihre Haus, aufgaben zu machen? Der einzige Tisch der Famille ft Mutters
Arbeitsplatz. Außerdem wird daran gegeffen. Schularbeiten find Lurus. Kaum ist das farge Mittageffen verzehrt. heißt es Kinder. warten, Gänge besorgen und aufräumen. Rebenbel, halb im Stehen, weri en flüchtig die Aufgaben hingeschrieben. Der Lärm der Ge fchwister stört jede ernste Denfarbeit.
Auch Schwachsinn ist eine Broletarierkrankheit. Richt etwa, als ob man den Verstand mit Geld faufen tönnte. Das nicht. Aber wie ganz anders werden die schwachen Anlagen von Kindern reicher Eltern gefördert? Da ist das Kinderfräulein. das bei den Schut arbeiten hilft und das unermüdlich all die Dinge erklärt, die im Unterricht nicht verstanden wurden. Wenn dies nicht ausreicht, gibt es obeni rein noch Nachhilfeunterricht. Dann kommt der House lehrer, schließlich geht's in die Preffe" und mancher Dammlop macht auf diesem Wege jogar feine Reifeprüfung und bringt es zum Akademiker.
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Und ein schwachbegabtes Arbeiterkind? Mangelnde Begabung, Krankheit und Arbeit bringen es immer weiter im Unterricht zu rild.
Niemand hat Zeit
bei den Schularbeiten zu helfen, niemand kann das versäumte Benfum dem Kinde flarmachen. Es bleibt fißen. Verletzt in feinem Innern scheidet es aus seinem bisherigen Klassenverband aus. Auch im zweiten Jahr wird es nicht beffer. Die Freude an der Schule und am Lernen ist längst dahin. Da bleibt als letter Ausweg nur die Hitfsschule übrig. Glaubt ihr, tas lei übertrieben? Leder nicht. Wer die sogenannten Hilfsschulkinder" genauer betrachtel, wird erfahren, daß ein großer Teil der Schüler nur infolge fchlechter häuslicher Verhältnisse den Weg zur„ DovenDie schwachen Anlagen erstickten in der Idule" genommen hat. Not des Alltags.
In Breußen sind die Noten für Betragen fortgefallen. Dar ob herrfert in reaktionären Eltern- und Lehrerfreißen großes Weh flagen. Nunmehr hätten die Eltern überhaupt tetne Kontrolle über das Betragen ihrer Kinder in der Schule. Stimmt das? Hat uns nicht die demokratische Entwicklung unserer Zeit eine stet mirt.