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gkoMs und anmutig. Was ihr in den Sinn kommt, perlt sofort über ihre Zunge Sie verschenkt leicht ihr ganzes Herz, um es ebenso leicht wieder zurückzunehmen. Kurz entschlossen geht sie an olles heran, weiß überall Gunst zu erwerben, liebenswürdig und anmutig zu jeder Zeit Einfälle und Wünsche durchzusetzen. Sie kenn! ihre Macht und liebt es, zu herrschen. Beim Spiel mit den Kinder» gibt sie den Ton an. Sie läßt keine Widerrede gelten Um so härter trifft Seppis Widerstreben ihre Eigenliebe. Aber sie hängt an Seppi wie er an ihr. Sie beherrscht ihn, doch sie be- schützt und belehrt ihn auch. Sie ist die Lebensgewandtere. Ihr gehört alle Initiative. Schnell und geschickt findet sie sich zurecht in Dingen, Namen, Wegen und Pfaden Sie beobachtet gern und scharf, hat über alles eine Meinung. Wo sie etwas nicht oersteht, dichtet sie etwas hinein. Und sie plaudert gern und viel. Wie ein Büchlein plätschert ihre Rede. Seppi liebt dieses Plätschern. Er fühlt sich wohl dabei. Nur selten wirst er ein Wort dazwischen. Lange Sätze bereiten ihm Mühe. Ursel macht es ihm leicht. Sie fragt nicht oft nach seiner Meinung. Und sie wartet meist nicht auf die Antwort. Ihre Frage hat unbewußt mehr den Zweck, sich zu vergewissern, ob er auch ganz bei ihrer Sache ist. Ursel beobachtet viel. Sieht und weiß manches vom Leben. Seppi» aber weiß vom Tode. Was wollen die alle da?" fragt Ursel, der Menschenmenge folgend, die in den kleinen Friedhos strömt. Einer... ist gestorben", erklärt Seppi mühsam. Was ist das,.gestorben'?" sragt Ursel wieder. Seppi schweigt. Er denkt angestrengt nach:In die Erde... nian wird in die Erde gelegt und bekommt Blumen." Warum wird man aber gestorben?" Weil... weil der Vati krank war"... Und Seppis Blick wandert in der Richtung, wo Vater liegt.. Ursel wird still Schaut mit weit offenen Augen. Aengstliche Hast ist in dem Blick, in der Bewegung, mit der sie ihn fortzieht. Gestern erst war Mutter wieder krank Sie läßt seine Hand los und rennt davon. Kaum kann er ihr solgen. Angesichts des Hauses verlangsamt sie den Schritt. Mutti dari keine Ausregung haben, hat der Onkel Doktor gesagt. So leise es gehen will, öffnet sie die Stubentür. Lugt hinein. Drinnen sitzt Mutter im Lehnstuhl. Kleln, bleich, schmal, gelblich, fahl. Aus den Zehenspitzen läuft das Kind zu ihr. Bist du wieder da, mein Urselchen?" sagt die Mutter mit matter Stimme. Zärtlich streichelt das Kind der Mutter Wangen . Blickt ihr forschend ins Gesicht.Lach einmal, Mutti!" Es wird ein schmerz- liches Lächeln...Nicht so, du mußt richtig lachen, Mutti!" Lasclia Roser.thal. Warum kein Mädchenname?" Eines schönen Tages betritt der Gehilfe des Vorsitzenden der Finanzabteilung das Ortskommissariat. Er nickt zum Gruße, legt die Mitgliedskarle der Abteilung für Arbeiterbildung auf den Tisch nieder und sagt mlt trockener Höflichkeit: Zur gefälligen Kenntnisnahme, so wahr ich ein Russe bin, ich heiße Seinjon. Semjon aber keineswegs Sophie. Die Mitglieds- karte, die Sie mir ausgestellt haben, enthält die Bestätigung, daß ich Mitglied des Verbandes der Buchdrucker bin. Und dazu den Namen Sophie. Was soll das eigentlich heißen?" Ja?" lieh sich der Sekretär des Ortskommissariats vernehmen. Zeigen Sie mal her. Hm... tja... so was kann schon vor- kommen. Der Statistik der Eouvernementsabteilung für Arbeiter- bildung ist eben ein Versehen unterlaufen. Es ist alles möglich." Der Gehilfe des Vorsitzenden runzelt die Brauen und wieder- holt: Semjon heiße ich der Name hat nicht die entfernteste Aehnlichkeit mit Sophie. Ich ersuche Sie, den Fehler richtigzu- stellen." £jm..., wie denken Sie sich das Genosse?" Der Sekretär des Ortstommissariats ist tief beleidigt.Wie dürfte ich ein offizielles Dokument, das den Amtsstempel trägt, abändern. Um so mehr, wenn es sich darum handelt, einen weiblichen Namen in einen männlichen zu verwandeln..., so was erlaubt sich nicht ein- mal der Bszirksrat, geschweige denn eine gewerkschaftliche Organi- sation" Aber gestatten Sie..., versetzen Sie sich einmal in meine Lage! Soll ich immerfort als Sophie herumlaufen?" entrüstet sich der Gehilfe des Vorsitzenden. Der Sekretär des Ortskommissariats zuckt die Achseln.Ihre Lage ist bei weitem nicht so mißlich Bor kurzem, da geriet ich wohl in eine recht böse Lage In der Mitgliedskarte eines Genosien war das Jahr 1S?3 als Geburtsjahr eingetragen worden. Das lief unserem Verantwortungsgefühl zuwider: wir sind nicht befugt, Minderjährige einzustellen. Bei Ihnen kommt das allerdings nicht in Frage. Und was ficht das Sie an? Warum kein Mädchenname? Im Gegenteil, es könnte Ihnen bezüglich des Arbeitsschutzes von Vorteil werden, denn Frauen find von der Nachtarbeit befreit, ge- nießen auch sonst mancherlei Erleichterungen." Was geht mich das alles an" entgegnete der Gehilfe des Orts- kommifsarials.Ich mache mir nicht das mindeste daraus. Ich bitte..." Wenn Sie das nichts angeht, so doch den Verband." Der Sekretär sprach streng.Der Verband wird sich schon drum kümmern. Ich finde es obendrein seltsam, Genosse, daß Sie noch so rückständige Vorurteile hegen, Sie sind ja eine noch junge Frau und dazu gebildet." Ich bin aber keine Frau! Teufel noch mal! Seit wann heißt eine Frau Semjon?" Der Gehilfe des Kommissars war in voller Wut. Der Sekretär des Ortskommissariats tat noch eininal einen Blick in die Mitgliedskarte, warf den Kopf zurück und fuchtelte mit den Armen.Da steht es klar und deutlich zu lesen:Sophie". Schwarz auf Weiß. Halten Sie das etwa für einen männlichen Namen? Sie scheinen es eigens darauf abgesehen zu haben, einem vielbeschäftigten Menschen seine Zeit zu rauben." Das.. das ist ja... der Teufel mag wissen, was das heißen soll", erhob der Gehilfe des Kommissars seine Stimme.Semjon, Semjon bin ich und nicht irgendeine Sophie. Semjon!" Der Sekretär sagte: Da haben wir's: echte Weiberlogik. Tatsache. Dokument, Statistik, Berbandsabteilung und Gouoerncmentsabteilung für Arbeiterbildung, alles klar auf der Hand und da wollen Sie noch ihren eigenen Kopf durchsetzen! Vor allen Dingen kein Geschrei. Sie meinen wohl, da Sie eine Frau sind, ist Ihnen olles erlaubt? Lasjen Sie die Karte hier. Ich will bei der Gouvcrnementsabtei- lung anfragen, vielleicht ist da was zu machen." Der Gehilfe des Vorsitzenden ging. Er war recht böser Stim- mung. Er ging und schüttelte den Kopf und murmelte nachdenklich und betrübt vor sich hin:Sophie... ein. was soll das in der Tat. Wenn sie mich alsOktoberrevolution" oder alsProletarische Revolution" eingetragen hätten... aber... Sophie!..." kAus dem Niu fischen übertragen.) Crasters Knßkampf Dr. Craster, der bekannte amerikanische Förderer verAnti- kußbewegung", hat sich nach England eingeschtfft, um dort gleich. falls für feine Theorie der Gefährlichkeit des Küssens Anhänger zu werben. In Newark , der Hauptstadt des amerikanischen Staates New Jersey , in der Dr. Eraster als Chefarzt des Stäotifchen K ankenhaufes wirkt, bekamen u. a. sämtliche Babys auf ihre Lätzchen den Satz gestickt:Bitte küssen Sie mich nicht, ich möchte gesund bleiben." Dr. Eraster hält zwar nicht das Küssen selbst für eine Krankheit, vertritt aber die Meinung, daß durch diesen körper- lichen Aktivismus zu leicht Krnnkheitsteim« übertragen werden. Aus dem gleichen Grunde ist Dr. Craster auch ein Feind de» Lippenstiftes, dessen Nebrige Schicht auf Bakterien dieselbe An- ziehungskraft ausüben soll wie eine Fliegendüte auf Fliegen. Vater bekommt Haue. Hans-Heinz ist erst drei Jahre alt, aber ein tapfrer kleiner Burfch. Und auf feine Muter, an der er mit eifersüchtiger Liebe Hängt, läßt er nichts kommen. Er fühlt sich durchaus als ihr Be« schütz« und wehe, wenn ihr jemand zu nahe tritt! So kam es neulich beinahe zu einer Katastrophe, als die Mutti im Familienbad im Scherz mit dem Vater einen Boxkampf inszenierte. Trotzdem der Bater der Angegriffene war, sah er sich plötzlich seinem hoffnungsvollen Sprößling gegenüber, der ihn zornig anschrie: Läßt du das fein, sonst latsch ich dir eine!" Die entrüstete Mutter. Unten auf der Straße geht«ine Mutter mit ihrem kleinen Mädchen vorbei.Mutti," höre ich die helle Kinderstimme plappern, denk mal, was ich heute nacht geträumt Hab! Ich Hab geträumt, ich Hab«in Bäby bekommen!" Und prompt ertönt die empörte Antwort der Mutter: Pfui, schäm dich!" <?r klart seine« Bater auf. Einmoderneres" Kind ist Karl. Als sein Vater ihm getegeni- lich einer schlechten Zensur ins Gewissen redet, sich jetzt endlich zu« sammenzunehmen. sonst würde ihm dieses Mal das Christkind auch nichts zu Weihnachten bringen, sagt der neunsährige Bub entrüstet: Mensch, glaubst du noch an das Christkind? Ich bin sicher, du glaubst auch noch an den Klapperstorch..