Für unsere Kinder Tage Signalscheiben, bei Nacht Signallaternen, die dem Lolomotivsühre: die bestimmten Zeichen geben. Unser Zug muß natürlich seine Fahrt in einer genau berechneten Zeit zurücklegen. Des halb wird dem Lokomotivführer eine bestimmte Geschwindigkeit vorgeschrieben, mit der er fahren muß. über Brücken, bei Biegungen, sogenannten Kurven, hat der Zug langsamer zu fahren, wie auf freier, gerader Strecke. Schilder und Laternen geben wieder dem Loko motivführer Anweisungen, in welchem Tempo die Strecke zu befahren ist. Die roten Tafeln und Laternen bedeuten immer Warnungs signale, daß entweder der Zug zu halten hat oder mit Vorsicht weitergeführt werden muß. Die grünen Schilder und Laternen zeigen an, daß die Strecke in Ordnung ist. So ergibt sich also, daß das scheinbare Durcheinander von Tafeln, Laternen, Masten und Apparaten eine planmäßige Anordnung von Ginrichtungen ist, die für die Sicherheit des Bahnbetriebs notwendig sind. Unser Zug hält, wir sind am Ziel und steigen aus. Während wir dem Ausgang zustreben, werfen wir im Vorübergehen noch einen Blick auf die Lokomotive. Stöhnend und dampfend scheint sie sich zu verschnaufen von der Arbeit, die sie geleistet hat. Erst jetzt gewahren wir, wie kunstvoll auch diese Maschine gestaltet und ausgebildet ist. Der langgestreckte Kessel ist mit Wasser gefüllt und angeheizt worden. Dem Dampf, der sich durch die erzeugte Hitze im Kessel gebildet hat, wird es nun zu eng in seinem Raum, er strebt irgend einem Aus gang zu. Der Ausgang steht ihm nur in den Dampszylinder offen, und hier treibt der Dampf den Dampskolben rastlos hin und her. Der Dampskolben wiederum steht durch ein schweres Eisengestäng« mit den Rädern der Lokomotive in Verbindung, diese werden in Umdrehung versetzt, bewegen die Lokomotive und damit den ganzen Zug. Die Erfindung der Dampf maschine, die Ausbildung der Lokomotive bis zu ihrer heutigen Vollendung ist eine gewaltige Leistung, die der menschliche Geist erreicht hat. Aber über der loten Maschine dürfen wir nicht die beiden Mensche» vergeffen, die dort von ihrem Führerstand aus das Menschen gewühl herabsehen: den Heizer und den Loko motivführer. Der Heizer mußte während der Fahrt die Maschine immer wieder mit neuen Kohlen speisen und dafür sorgen, daß die Z�euersglut nicht zum Erlöschen kam. Der Lokomotivführer hatte Hebel und Ventile zu gebrauchen, um die Lokomotive zu lenken und zu leiten. Mit aufmerksamem Blick mußte er während der ganzen Fahrt alle die mannig fachen Signalzeichen beobachten, von denen wir gesprochen haben. Wehe, wenn durch irgend einen unglücklichen Zufall die beiden Männer die Herrschaft über die Maschine verlieren, dann gleicht die Loko motive einem ungezähmtem Pferd, das sich losgerissen hat und nun mit tiefgesenktem. störrischem Kops dahinsaust, überall Tod und Verderben mit sich bringend. So ist die Sicher heit der Eisenbahnfahrt vor allen Dingen von den fleißigen und wachsamen Menschen ab hängig, die darauf achten müssen, daß all» die kunstvoll ausgedachten Signale und Ein richtungen richtig gehen und richtig beobachtet werden.»tch-rd Wowl. o o o Der Clown. Don»etartth Vtervrdt. Gefüllt ist der ZirkuS, das wandernde Sau». Trompeten m»d Trommeln erschallen daraus. Sylphide ' mit flatternder Schleife sich wiegt, Durch feurige Reife der Pony fliegt. DaS Staunen wächst, o berückendes Schau«! Doch wo bleibt der Bajazzo,' was feiert der Clown? In klirrender Schellentracht er sich schmiegt Ans Bett eines Weibs, das im Sterben liegt. Zu Füßen deS Lager«, am schmalen Rand Lehnt weinend ein Kind im Amorgewand. „Verlaß mich nicht, Harry, ach bleibe, bleib! War dir ja stets ein treues Weib.� „Ich muß; man begehrt'S; hörst die Menge du nicht? Gott , gehe nicht also mit uns ins Gericht!� Sie umschlingt ihn krampfhaft, zum andernmal Ruft's„Harry" von draußen— ihm bleibt keine Wahl. Er küßt sie, er reißt sich hinweg mit Macht And eitt verzweifelt hinaus in die Nacht; ' Sylphide ist ein weiblicher Lustgeist. ' Der Bajazzo ist der Lustiamacher im Zirkus, also der Clown. Der Ausdruck Bajazzo stammt von dem Wort Pagliass» ab, mit dem man in Italien die Lustigmacher herumziehender Komödiandentruppeu bezeichnet.
Ausgabe
6 (10.5.1909) 16
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