Für unsere Kinder
Nr. 25 ooooooo Beilage zur Gleichheit ooooooo 1912
land.
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Inhaltsverzeichnis: Der junge Arbeiter. Bon Alfons Petzold. ( Gedicht.) Sedan . Von RoIm Luftballon zum Nordpol . Von Sven Hedin . Mutter Krickente und ihre Reise über Land. Von Ernest Seton Thompson. ( Schluß.)- Der musikalische Esel. Von R. Reinid.( Gedicht.)
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Jn Dämmerfrühe muß ich schon gehn
Ins Haus der Mühe Und Eisen drehn. Wie hart und spröde Jst doch der Stahl, Ich schürf' und löte In langer Qual.
Der Eisenspäne Schartiger Rand Frißt mir wie Zähne Blutig die Hand. und jede Stunde In dieser Haft Schlägt eine Wunde Der Jugendkraft.
Es war an einem Sommertag des Jahres 1870. Während die Menschen sonst durch die Straßen hasteten und kaum einen Blick für einander hatten, blieben sie heute überall in kleinen Gruppen stehen. Ihre Gesichter waren ernst und sorgenvoll. Gerüchte schwirrten von Mund zu Mund. Niemand wußte, was Wahres daran war. Seit Wochen schrieben ja allerdings die Zeitungen, daß man schweren Zeiten entgegen gehe. Sollte nun wirklich der Krieg mit Frankreich ausbrechen? Sollte morgen vielleicht schon das blutige Ringen beginnen? Ja, aber warum mußte denn der Krieg kommen? Langsam und bedächtig schreitet der alte Martins die Straße entlang. Er ist ein schmächtiger Mann, auf den ersten Blick erkennt man, daß er Schneider ist. Unterm Arm trägt er ein sorgfältig zusammengelegtes schwarzes Tuch, in dem er eben einem Kunden den bestellten Anzug gebracht hat. Nun ist er auf dem Wege nach Hause. Auch er hat vernommen, wovon man sich überall erzählt. Das hat ihn nach denklich gemacht und bange Sorge in ihm ge
weckt.
Endlich biegt er in eine Nebenstraße ein; vor einem Hause hält er; dort im dritten Stocke wohnt er mit seiner Frau und seinem Sohne schon lange Jahre.
Das erste, was er spricht, als er seine Wohnung betreten, ist: Mutter, weißt du schon, es gibt Krieg!"
"
Seine Frau sitzt am Fenster im Lehnstuhl. Sie hat sich den Schemel unter die Füße ge= schoben und strickt. Krieg?" wiederholt sie langfam, indes sie mit großen Augen zu ihrem Manne aufschaut, und hastig setzt sie hinzu: " Dann muß ja auch Karl mit!?"
Sie läßt den Strumpf in den Schoß sinken, so daß eine der Nadeln klirrend zur Erde fällt. Ihre Hände zittern.
Ihr Mann legt unterdes seinen Backen auf den Tisch.„ Sie sagen's alle auf der Straße, es muß wohl wahr sein, und Karl muß dann ja mit!"
Die beiden Alten sizzen am Fenster sich schweigsam gegenüber. Die Abendsonne fällt herein. Doch heute achten sie nicht auf ihr goldenes Leuchten. Ihre Gedanken weilen bei ihrem Sohne, ihrem einzigen Sohne. Sie sehen ihn im bunten Rock marschieren, weit, weit, im fremden Lande, und die Kugeln sausen und pfeifen, und rotes Blut tränkt den Boden.
Da wird die Tür aufgerissen. Karl ist's, ein junger, kräftiger Mann von einigen zwanzig Jahren. Er kommt in seinem Tischlerkittel. Im Sturmschritt ist er die Treppe heraufgestürmt. Sein Herz klopft, und sein Gesicht ist rot. Mutter, Vater, habt ihr gehört?" Beide nicken leise.
,, Und du mußt mit, Karl?" fragt die Mutter voll Sorge.
" Ja, Mutter, da hilft wohl nichts." Eine Träne rollt der alten Frau über die Backen.
Wein doch nicht, Mutting, ich komme ja wieder, alle Kugeln treffen doch nicht."
Er nimmt ihr Gesicht zwischen die Hände und schaut sie zärtlich an, und die Mutter muß über ihren großen Jungen lächeln.
Am Abend sitzen alle drei im Zimmer um die brennende Lampe. Sonst ist's gemütlich. Aber heute sind alle einfilbig, und früh schon gehen sie schlafen.
Aber die Mutter kann nicht einschlafen. Sie liegt mit offenen Augen in den Kissen. Sie muß soviel denken. Warum ist denn eigentlich Krieg? Warum muß sie ihren Sohn, den sie unter bitteren Schmerzen geboren hat, für Sen