Für unsere Kinder 99 Unter einer alten Eiche tief drinnen im Walde haben die Jünglinge ein Grab ge graben und die Höhlung mit kleinen, flachen Steinen ausgelegt. Ringsherum haben sie riesige Felsblöcke gelagert, die sie mühsam aus dem Waldboden herausgegraben und heran gewälzt haben. Schon kommt der Zug der Klagenden und Jammernden. Vier Männer tragen den Toten auf der Schulter daher; der ist in sein bestes Gewand gehüllt; im Gürtel stecken seine Axt und seine Messer. Dahinter folgt das Weib des Toten, ein uraltes Mütter lein, gebückt am Stabe, gestützt von den Söhnen, und dann die Enkel und Enkelkinder und alle Volksgenossen. Nun ist der Zug am Grabe angelangt. Aus rauhen Kehlen schallt dumpfer Klagegesang zu den Wipfeln der alten Eichen empor. Sie rühmen seinen Mut, seine Unerschrockenheit, seinen klugen Rat; sie wissen zu erzählen von kühnen Taten des Toten, den sie nie vergessen wollen. Dann senken die Träger den Leichnam in die Gruft hinein. Dort liegt der Alte mit schneeweißem Haar und geschlossenen Augen. Sie decken ihn mit weichen Fellen zu und legen ihm zur Seite seine Spieße und Messer. Dann bedecken sie das Grab mit Steinen, und hoch herüber wälzen sie, damit das Grab ihres Führers nie vergessen werde, drei der mäch tigsten Blöcke. Senkrecht ragen sie empor, und auf sie türmt die junge Mannschaft endlich einen riesigen flachen Felsblock. Nun kann er ausruhen von allem Streit und aller Arbeit. Die alten Eichen rauschen und raunen weihevoll. Unter wehmütigem Klagegesang begeben sich alle ins Dorf zurück, zum täglichen Leben, zur täglichen Arbeit. O o o Kalter Frühlingsabend. Nein vogelruf, verlassen liegt das Feld. Fern grenzt der Wald: Vas ist das Große Schweigen, Und hinter ihm, als letzte Spur der Welt, will langsam eine fahle Wolke steigen. Kam' doch einlsus, klippklapp, umstaubt, umbellt, war' nur ein wenig Grün erst in den Zweigen, ksätt' sich der drollige Slarmatz eingestellt, Granada.* Von M. Andersen Nexö . Granada hat den Ruf, einer der schönsten Plätze der Welt zu sein. Die Stadt liegt da, wo die Sierra Nevada ihre Ausläufer strahlenförmig der Bega zu sendet wie gewaltige oberirdische Wurzeln. Der neue Stadtteil breitet sich gemächlich auf der Ebene aus mit geräumigen horizontalen Straßen und Ulmenolleen(Alamädas) oder keilt sich zwischen den Bergen ein, folgt Tälern und Flußbetten und endet in dünnen Strahlen weit drinnen im Schöße der Sierra. Die ältere Stadt hat sich diese Bequemlichkeit nicht leisten können. Die Unsicherheit alter Zeiten spricht deutlich aus diesen allen Stadtvierteln, wo die Häuser in dicht gepackter Masse sich an die steilen Bergrücken klammern wie eine Schar aufgescheuchter Bergziegen und viele friedliche Jahrhunderte lang so stehen geblieben sind, Bau auf Bau getürmt, immer noch weit nach dem Feinde ausspähend in erstarrter Panik. Steile Treppengäßchen führen durch die Stadt, und allerorten gucken maurische Über reste hervor. Bald ist es eine große gewölbte Zisterne, mit glasierten Fliesen geschmückt, bald das Überbleibsel einer kleinen Moschee oder einer Torwölbung, die den Zweck hatte, feindliche Vorstöße zu erschweren. Ringsum in den Mauern sind Reste von Stuckbogen, die auf einer oder zwei Marmorsäulen ruhen, und da und dort blickt man in einen ganz maurischen Hof. Die Häuser bilden hier das wunderlichste Wirrwarr von Dachteilen, drei eckigen Mauern und kleinen über die Dächer hängenden Gärten; in diesem steilen über einander sieht es aus, als fei all dies bunt drunter und drüber geworfen; das dritte Stock werk eines Gebäudes läuft gerade in den Keller des Nachbarhauses. Dann wird die Steigung selbst für Treppen zu steil, und der Weg muß sich in langgestrecktem Zickzack aufwärts winden. Die Häuser können nur an der Innenseite hängen, wo sieden Berg als Rückenwand benüyen, außen hat man eine weiße Brustwehr mit einzelnen schlanken Zy pressen über sich und das blaue Luftmeer. Und man steigt weiter, hinein in ein endloses Labyrinth von Hütten und verwitterten Mauer resten, in denen der Feigenbaum wächst. Un beschreiblicher Schmutz herrscht hier, die Gäß- chen sind ungangbar vor Abfällen und Ex- " Aus: M. Andersen NexS, Sonnentage. Leipzig , G. Mcrseburger.