arbeit. Gerade in dem Umstand, daß auf industriellem Gebiete als Ganzes genommen eine Sonderausstellung der Erzeugnisse weiblicher Arbeit nicht nöthig, ja nicht möglich ist, um die gleichwerthigen Leistungen des weiblichen und männlichen Geschlechts darzuthun, liegt der Beweis für die wirthschaftliche Gleichheit beider, auf welcher sich mit der Zeit ihre gesellschaftliche Gleichheit aufbauen wird.
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Allerdings bedeutet für die Proletarierin die wirthschaftliche Gleichstellung mit dem Manne heutzutage nur die Gleichstellung mit ihm unter der nämlichen kapitalistischen Fuchtel der Lohnsklaverei. Ihre Emanzipationsbestrebungen können folglich auch nicht wie die der bürgerlichen Frauen zum Ausdruck gelangen durch eine geben es gern zu hochinteressante Ausstellung, welche beweist, daß das weibliche Leistungsvermögen auf dem oder jenem Gebiete erfolg= reich mit dem männlichen Wirken zu konkurriren vermag. Was die Proletarierinnen gethan und thun, um ihre volle Befreiung zu erringen, das liegt auf dem Gebiete des Klassenkampfes, das äußert sich in ihrem Vereins- und Versammlungsleben, in ihrer Mitarbeit an gewerk schaftlichen und sozialistischen Kongressen, in ihrer Betheiligung an den Kämpfen ihrer männlichen Klassengenossen auf wirthschaftlichem und, soweit es möglich, auf politischem Gebiete. Soll eine Ausstellung eine Uebersicht geben von den Emanzipationsbestrebungen der Arbeiterinnen, so muß sie dieselben zeigen als Streiterinnen im Klassen tampfe, mit ihrem Wirken und Ringen nicht im Gegensatz zu der Männerwelt ihrer Klasse, vielmehr in Gemeinschaft mit dieser im Gegensatz zu dem Kapitalisten und der kapitalistischen Gesellschaftsordnung. Eine derartige Uebersicht kann aber nicht aus den Kreisen bürgerlicher Frauenrechtlerinnen geschaffen werden, sie muß aus dem proletarischen Lager selbst hervorgehen.
Wohl diesen Erwägungen folgend, hat sich das Chicagoer Frauenkomité in letzter Zeit an Frau Liebknecht gewendet, um diese zur Mitwirkung heranzuziehen. Frau Liebknecht hat sich in Verbindung gesetzt mit Frl. Baader und anderen Frauen, welche innerhalb der Arbeiterinnenbewegung thätig sind, und wir hoffen, demnächst über die von dieser Seite geplanten Schritte berichten zu können. Das Chicagoer Komité hat außerdem vor ungefähr einem Jahr an Frau Ihrer( Velten ) das gleiche Ersuchen gestellt, und die unermüdliche Vorkämpferin der deutschen Arbeiterinnenbewegung ist bereits damit beschäftigt, durch Zusammenstellung der Statuten von Fach- und Bildungsvereinen der Proletarierinnen einen Ueberblick über deren Emanzipationsbestreb ungen zu schaffen. Wir empfehlen die am Schlusse ds. Bl. befindliche Aufforderung unserer Genossin der Beachtung aller Arbeiterinnenorganisationen.
" Papa, um Gotteswillen, was ist Dir?"
" Ich fühle, daß es zu Ende geht... knie hierher mein Kind... ich danke Dir für die vielen Freuden, die ich an Dir erlebte, und für Deine aufopfernde Pflege... und ich bitte Dich um Verzeihung, daß ich nicht besser für Deine Zukunft sorgte ich kann nichts dafür. Mein Trost ist Madame Lenoir bei ihr bist Du gut aufgehoben. Sei immer aufrichtig mit ihr wie mit einer Mutter wenn dieser junge Mann dieser Monsieur dieser Monsieur Leon wieder da ist, weise ihn an Madame Lenoir. Vergiß mich nicht, mein kleines Veilchen... weine nicht so, mein armes Kind. Ich sterbe gern, ich wollte nicht so als Krüppel leben Dir zur Last. Verpflege nur unsern alten Marco. So und nun höre und nun höre ich den Doktor kommen... er wird mir nicht mehr helfen." In der That, es war der Arzt, den die Wärterin herbeigeholt hatte, und wie Bernard gesagt er konnte nicht mehr er konnte nicht mehr helfen. Der Brand war zu der Wunde gekommen, ein heftiges Fieber stellte sich ein, und nach einer langen, von Delirien und Todeskampf erfüllten Nacht gab der arme alte Clown seinen Geist auf.
Violette, auf welche zu viele Leiden auf einmal hereingebrochen waren, verfiel selbst in ein so heftiges delirendes Fieber, daß sie erst drei Tage nach Bernards Beerdigung zur Besinnung fam. Die Wärterin und die Portierin hatten sie gepflegt, und nun erzählten sie ihr, daß der Hausadministrator die Begräbnißkosten bestritten habe und dem jungen Mädchen die Erlaubniß ertheilt, noch vierzehn Tage dazubleiben, nach welcher Frist die Wohnung jedoch geräumt werden müsse.
Violette nickte zu alledem mit dem Kopfe; sie verstand, daß sie ganz allein auf der Welt stand.
Wo ist Marco?" frug sie, ihres einzigen Freundes gedenkend. " Der ist bei mir," antwortete die Portiersfrau, ich habe den braven Pudel sehr gerne. Er hat aber so viel ge
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Briefe an die Leserin der„ Gleichheit:
Bon S. Kokosky. II.
Nachdem der Mann auf die Ihnen im vorigen Briefe vorgeführte Weise seine höhere geistige Natur bewiesen zu haben glaubt, ist es für ihn auch selbstverständlich, daß er der geborene Gesetzgeber und Vormund der Frau ist. Er ist der Lenker ihrer Geschicke, und seine überlegene Einsicht hat ihren Verstandesmangel zu decken. Den Besitz der Eigenschaften, welche die Voraussetzungen eines Vormundes, den die Frauen wie die zweite Vorsehung zu verehren haben, bilden, Güte und Gerechtigkeit, giebt sich der Mann gar nicht erst die Mühe nachzuweisen. Mit der Macht ist der Herrscher immer im Besitz aller Tugenden. Und welche Tugenden hat nicht alle der Mann bei sich entdeckt! Nicht allein die bedeutendere Hirnmasse hat er aufzuweisen, sondern auch einen ganz besonders beschaffenen Magen. Ja, ja, liebe Leserin, so ist es. Einen guten Braten und ähnliche Annehmlichkeiten versteht nur der Mann recht zu genießen; die Frau kann sie wohl zubereiten, aber den Genuß voll und ganz zu würdigen, ist ihr versagt, denn die Natur verlieh ihr neben dem kleineren Verstandskasten auch noch die größere Bedürfnißlosigkeit. Der letzte Rest der Gewissensbedenken des herrschenden Mannes ist nunmehr gehoben; was er der Frau immer versagen oder vorenthalten mag, er thut ihr damit kein Unrecht, und sie empfindet es auch nicht als solches in ihrer natürlichen Bedürfnißlosigkeit."
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Es geht dem Manne gegenüber der Frau wie dem Bourgeois gegenüber dem Arbeiter. Der übersättigte Prot, der nach üppigem Male einen Arbeiter ein Stück groben Brotes herunterschlingen sieht, empfindet eine Art Neid; zugleich aber regen sich in ihm Zweifel, ob er auch in gerechter Weise den Arbeitsertrag des Arbeiters mit diesem theile, ob der Antheil des Arbeiters nicht zu hoch bemessen sei. Denn wozu bedürfe der Arbeiter eines so hohen Lohnes; ein solcher könnte ihm höchstens seine beneidenswerthe Bedürfnißlosigkeit rauben, der Kapitalist vollzieht also nur ein gutes Werk, wenn er bei der ersten besten Gelegenheit, bei der geringsten Geschäftsstockung den Lohn noch etwas weiter herabdrückt. Nicht umsonst schalt Lassalle auf die„ verdammte" Bedürfnißlosigkeit der Arbeiter, die zu beseitigen die Hauptaufgabe wäre. Durch jahrtausendlange Knechtschaft hat man die große Masse des arbeitenden Volkes der über die äußerste Nothdurft hinausgehenden Lebensbedürfnisse entwöhnt, so daß selbst Luft und Licht als entbehrliche Lurusgegenstände erscheinen, wie ein oberflächlicher Blick in die Wohnungs- und Arbeitsräume der Arbeiter zeigt.
heult, daß ich ihn von hier entfernte, damit Sie Ruhe hätten, Mademoiselle."
,, Bringen Sie mir ihn, ich bitte," bat Violette. ,, Gern, armes Fräulein."
Und das gute alte Thier wurde herbeigeholt. Es stürzte auf Violette los und leckte ihre Hände. Die Waise schlang ihre Hände um Marcos Hals, grub ihr blasses Gesicht in seine Mähne und weinte da lange, lange, die ersten lindernden Thränen nach ihrem großen Verlust.
Nach zwei Tagen fonnte sie aufstehen. Sie entließ die Wärterin und bezahlte sie mit einem goldenen Armband, das sie noch von ihrer Mutter hatte. Dann ging sie aus, Arbeit suchen. Sie trat in mehrere Kunstblumenläden und trug sich an, doch wurde sie überall mit dem Bescheide abgewiesen, man brauche Niemand. Dazu nickte Violette immer schweigend und ergeben das Köpfchen und ging weiter. Es war, als paßten ihr die abweisenden Antworten sie fühlte sich so furchtbar unglücklich, daß es ihr eine eigene Genugthuung gewährte, das Maß ihrer Leiden sich häufen zu sehen.
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Dennoch ging sie zu Madame Martin, der Portiersfrau, sich Rath zu holen und übergab derselben noch ein letztes Schmuckstückchen mit der Bitte, es für sie zu verkaufen.
Madame Martin brachte dem jungen Mädchen dreißig Francs für das Geschmeide, und gab ihr den Nath, sich behufs Arbeit an ein Arbeitsvermittlungsbureau zu wenden und ein Inserat in die ,, Petites annonces " zu schicken.
Violette that wie man ihr sagte, jedoch erfolglos. Die Einlagsumme im Bureau sowie die Insertionskosten schmälerten arg ihr kleines Kapital, und die Zeit fam immer näher, wo sie ihre Wohnung verlassen mußte. Sie kaufte täglich nur ein Laibchen Brot für sich und ein paar Knochen für Marco.