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Der Schaden, den die Kapitalisten in Folge des Achtstundentags erleiden würden, ist demnach zum mindesten ein sehr fraglicher. Dagegen steht außer jedem Zweifel der Nutzen, der durch seine Einführung der Arbeiterklasse erwächst. Allerdings würden die Arbeiter und Arbeiterinnen von diesem Nutzen dadurch etwas einbüßen, daß sie gezwungen wären, schneller und kräftiger zu arbeiten. Aber die Stunden, die sie der Ausbeutungslust der Kapitalisten abringen, bleiben doch voll und ganz zu ihrer eigenen Verfügung. Wie groß diese Errungenschaft beim Achtstundentag für Deutschland allein wäre, das wollen wir durch etliche Zahlen zeigen.
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Die Zahl der Lohnarbeiter des Deutschen Reichs, die landwirthschaftlichen inbegriffen, darf auf Grund der Ergebnisse der Unfallversicherung auf mindestens 13 Millionen geschätzt werden. Berechnen wir die durchschnittliche thatsächliche Arbeitszeit mit wenigstens 11 Stunden täglich, so greifen wir damit entschieden noch viel zu niedrig. Gegenüber der 11stündigen Arbeitszeit bedeutet der Achtstundentag eine Verkürzung von drei Stunden. Das ergiebt für die ganze deutsche Arbeiterbevölkerung 39 000 000 Stunden frei verfügbare Zeit Jahre. Das Menschenleben zu 60 Jahren gerechnet, ist das Ergebniß 75 Menschenleben täglich oder 26 645 volle Menschenleben im Jahre. Mehr als zwei Dutzend Tausende von Menschenleben würden also durch den Achtstundentag Jahr aus Jahr ein in Deutschland allein den Krallen des Kapitalismus entrissen werden! Wollen wir aber den Gesammtlebensnutzen dieser Verkürzung der Arbeitszeit rechnerisch ungefähr feststellen, so müssen wir in Betracht ziehen, daß die gesammte Arbeitsperiode einer Arbeiter und Arbeiterinnengeneration auf mindestens 30 Jahre geschätzt werden muß. Der Einzelne würde durch den Achtstundentag im Jahre genau 12 Monate gewinnen, während der 30 Arbeitsjahre also 45 Monate 334 Jahre. Der Vortheil ist also für den Einzelnen durch diese Zeitersparniß gleich dem, als wenn er um ca. 4 Jahre länger gelebt hätte. Dabei ist nicht einmal in Betracht gezogen, daß bei einem kürzeren Arbeitstag die Gesundheit überhaupt weniger schnell aufgerieben und verwüstet wird, und daß dieser Umstand ganz wesentlich zur Verlängerung des Lebens der Arbeiter und Arbeiterinnen beiträgt. Für die gesammte Arbeiterschaft würde das die erschreckende Summe von 146 Millionen Lebensjahren ausmachen!
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Wir sagen die erschreckende" Summe, weil die betreffende Zahl gleichzeitig angiebt, wie viel Menschenleben gegenwärtig durch die übermäßig lange Arbeitszeit unnütz vergeudet werden, unnütz selbst vom tapitalistischen Standpunkte aus, weil sie, in Folge der allgemeinen Herabsetzung der Arbeitsfähigkeit, die gesellschaftliche Produktion nicht steigern, den kapitalistischen Reichthum nicht mehren, Niemand Vortheil bringen und doch genau soviel verbrauchte Menschenleben darstellen. Welche Unmasse von Glend, harter Anstrengung, verbrauchten Muskeln, Nerven, vergossenem Schweiß! Und wozu? für wen? Für Niemand, für keinen Zweck, blos weil es die herrliche, närrische fapitalistische Weltordnung so haben will! Ist das nicht empörend? Wäre es nicht eine sündige Thorheit, das fernerhin zu dulden? So erhebt euch denn, ihr Männer und Frauen der Arbeit, vereinigt euch und trotzt dem gierigen Kapital das Leben ab, das es euch raubt! Der Achtstundentag ist die Losung!
Unterricht im Sozialismus.
1.
Hanny flüffert.
Aber in dem neuen Leben, Wenn die schönre Sonne scheint, Wird es dann auch Küsse geben? Werden Thränen auch geweint?
Und die Mädchen und die Frauen Welche Stelle haben sie? Wirksam, frei will ich sie schauen, Sonst mag ich die Zukunft nie!
Sei beruhigt, süßes Leben,
Wonn' und Weh bleibt stets vereint. Küsse wird es immer geben, Thränen werden auch geweint. Und die Mädchen und die Frauen Schwingen sich empor und frei Wirksam schaffen sie und bauen An dem neuen Weltgebäu!
2.
Hanny fragt.
Aber wenn die Sonne aufgeht In der neuen, schön'ren Welt,
Wie sie ausschaut und ihr Lauf geht,
Das erzähl' mir, Liebster! Gelt?
71
Leicht versteh' ich, froh erwart' ich Dort, wo nicht mehr reich und arm, Wie dann aufhört tausendartig Elend, Jammer, Noth und Harm.
Doch die Gleichheit schafft mir Grauen, Macht die Zukunft Alles gleich, Wird ihr Farbenbild nicht schauen Trüb', einförmig, öd' und bleich? Giebt es keine höchsten Kronen, Wird das Maß auf Erden klein, Und das Niedere wird thronen, Das Gemeine Herrscher sein.- Fanny, deine Zukunftsfrage Spiegelt sich in Wald und Flur. Von der Gleichheit Antwort sage Dir ein Bild aus der Natur. Bist Du über weite Heide Je gewandert, süßes Kind, Wo mit ödem, braunen Kleide Alle Pflanzen niedrig sind?
Wo kein Rauschen und kein Flüstern Dich umfängt mit Liebesgruß, Nur die starren Kräuter kniſtern Knirschend unter Deinem Fuß? Und Dir ist, als mußt Du weinen, Todesschwermuth packt Dich an; Denn des Niedern und Gemeinen Urbild hat Dir's angethan.
Solche Gleichheit schafft das Heute, Es erniedert alle Höhn, Unerbittlich wird zur Beute Ihm, was herrlich, hoch und schön. Aber ward Dir Kunde nimmer Von der Palmenwälder Pracht, Deren Frucht und Blüthenschimmer Selbst den Forscher staunen macht? Deren Blätterkronen schweben Ueber ihm im Hetherzelt, Deren Wipfelhäupter leben Wie in einer andern Welt? Von den Palmen, die als Brüder Stehen stolz und gleich und frei, Und ihr Rauschen tönet nieder Eine Wundermelodei?
Solche Gleichheit muß ein Morgen Bringen mit der Sonne Pracht; Vorwärts kämpfend laßt uns sorgen, Daß zu Ende geh' die Nacht!
Alle Menschen sind erhoben Und sie werden alle gleich
Nicht nach unten, nein nach oben In dem neuen Weltenreich. Gleich wie die lebend'ge Flamme Sprüht nach oben nur empor, Hufwärts strebend an dem Stamme Prangt der Menschheit Blüthenflor.
3.
Fanny fragt wieder.
Von der Zukunft frei und hehr, Von dem lichten Gegensatz
Zu der düstern Qualenwelt
Die uns heut in Banden hält,
Was mir noch verborgen blieb, Trauter Schatz!
Sag' mir mehr!
Oeffne mir des Wissens Thor!
Horch auf, mein Lieb!
In Dein köstlich kleines Ohr Flüstr' ich diese Antwort Dir:
Heilig ist die Arbeit für und für! Der Mensch ist Arbeiter geworden,
Wenige strenge Arbeitsstunden
Ans Maschinenwerk gebunden.
Dann in der Freiheit wonnigem Schein Bleiben sonnige Stunden sein.
Der Arbeiter ist Mensch geworden! Aus der Arbeit Pflichtgebäude Kehrt er heim zur Lebensfreude, Zum Wissen vom Schönen, Zum Genießen des Schönen, Zum Schaffen des Schönen!
Leopold Jacoby.