sozialem Gebiete Gott weiß was zu leisten. Nun liegt allerdings meines Erachtens die Minderwerthigkeit seiner Leistungen zum großen Theil in seiner Zusammensetzung und Leitung begründet. Zum Theil aber auch in dem Mangel an genügenden Fonds für die Durch­führung seines Arbeitsprogramms. Und doch verfügt der englische Zentralausschuß über Geldmittel, wie sie die deutschen Genossinnen für ein ähnliches Unternehmen aus eigenen Kräften wohl schwerlich aufzubringen vermögen! Genossin Brauns Vorschlag schließt von vornherein verschiedene der Ursachen aus, welche die geringen Leistungen der englischen Organisation bedingen. Aber kann die deutsche proletarische Frauenbewegung die für Durchführung des Arbeitsprogramms nöthigen Personen- und Geldkräfte abstoßen, ohne daß ihre Hauptaufgabe darunter leidet? Von der Beantwortung dieser Frage hängt es ab, ob die Genossinnen in der angegebenen Richtung vorgehen können oder nicht. Ausschlaggebend dafür ist nicht blos die Gewähr für tüchtige Leistungen auf Grund des vor­geschlagenen Arbeitsprogramms, vielmehr in erster Linie die Rücksicht auf die Lösung der Hauptaufgaben einer sozialistischen Bewegung. Genossin Braun bejaht die Frage bezüglich der vorhandenen Kräfte. Ich vermag ihrem Urtheil nicht unbedingt beizutreten und werde die Gründe dafür in einem zweiten Artikel entwickeln. ___ Klara Zetkin . Aus der Bewegung. Politische Organisation der proletarischen Frauen in Hamburg . Am Schluß des vorigen Jahres gehörten den drei sozial­demokratischen Vereinen Hamburgs 348 Frauen an. Die Zahl der männlichen Mitglieder betrug 11065. Unseres Wissens schließen erst seit zwei Jahren die Hamburger Genossinnen sich in nennenswerther Zahl den sozialdemokratischen Vereinen an. Die vorstehende Zahl ivürde dann also immerhin einen hübschen Ansang bedeuten, und die Genossinnen anderer Staaten, wo die Frauen ebenfalls nicht durch das Vereinsgesetz behindert sind, können sich an dem Vorgehen der Hamburgerinnen ein Beispiel nehmen. Die Behörden im Kampfe gegen die staatSgcfahrlichen Proletarierinnen. Seit es in Preußen kaum noch Arbeiterinnen­vereine aufzulösen giebt, seit auch Kommissionen und Komites von rechtswegen" strangulirt worden sind: staatsretten die pflichteifrigen Behörden energisch gelegentlich von Festen und Versammlungen gegen umstürzlerische Frauengelüste. So gefiel es in Hannover der Polizei Ein Traum. Eine Weihnachls-Tegendr von W. Korolenko. 6. Die Mittelthür öffnete sich und herein trat ein ganz alter Herr niit langem weißen Bart, der ihm bis über den Gurt herab­hing. Er war in kostbare, Makar unbekannte Pelze und Stoffe gekleidet und halte an den Füßen mit Peluche eingefaßte warme Stiefel, wie sie Makar nur beim alten Heiligenbildermaler gesehen hatte, lind beim ersten Blick auf den alten Herrn erkannte Makar in ihm sofort denselben, den er in der Kirche auf den Bildern gemalt gesehen hatte. Hier war nur sein Sohn nicht bei ihm, Makar glaubte daher, daß dieser ausgegangen sei. Dafür kam aber eine Taube hereingeflogen, die sich, nachdem sie sich über dem Haupte des Greises hin und hergeschwungen hatte, auf sein Knie niederließ. Der alte Herr glättete die Taube mit seiner Hand, indem er sich auf den eigens für ihn bereit gestellten Stuhl setzte. Das Antlitz des alten Herrn war so gut, daß Makar nur auf ihn zu blicken brauchte, wenn das Herz ihm zu schwer wurde; und gleich fühlte er sich freier. Ihm wurde es aber trotzdem schwer ums Herz, weil er sich plötzlich seines ganzen Lebens erinnern konnte, ja, selbst der ge­ringsten Kleinigkeiten; er erinnerte sich eines jeden Schrittes und jeden Axthiebes und jeden gefällten Baumes und jeden Betruges und jeden Glases Branntwein, das er getrunken hatte. Er schämte sich und ihm wurde bange ums Herz. Doch wieder schaute er in das Gesicht des Alten und er wurde ruhiger und muthiger. Erhoffte sogar, manches verbergen zu können. Der alte Herr blickte auf ihn und fragte, woher er komme, wer und wie alt er sei, wie er heiße. Als Makar ihm geantwortet hatte, fragte der alte Herr: Was hast du in deinem Leben gethan?" unerforschlichem Rathschluß, das für Neujahr geplante Familienfest desZentralverbandes der Maurer" mit der Begründung des be kannten Z 8 des preußischen Vereinsgesetzes zu verbieten. DerZentral­verband der Maurer" soll ein politischer Verein sein, eine von ihm arrangirte Festlichkeit wird in eine politische Vereinsversammlung umgekrempelt, und siehe da! ohne Hexerei ist der Grund fertig, warumFrauenspersonen, Schüler und Lehrlinge" an der Veranstal­tung nicht theilnehmen dürfen. In der nämlichen Stadt wurde der GesangvereinHoffnung" für politisch erklärt und ihm angezeigt, daß von dem geplanten SylvestervergnügenFrauenspersonen, Schüler und Lehrlinge" auszuschließen seien. Und abermals in Hannover wurde es einem Gesangverein unter Hinweis auf den famosen§ 8 untersagt, zu einer für den 24. Januar geplanten Festlichkeit, die aus Vorträgen und Tanz bestehen sollte,Frauenspersonen, Schüler und Lehrlinge" zuzulassen. Der Gesangverein führt allerdings den gefähr­lichen NamenFerdinand" warum heißt er nichtAegir"? besteht aber seit beinahe dreißig Jahren, ohne daß die Polizei seine verbrecherische politische Natur entdeckte. Erst nachdem er demBund der vereinigten Arbeiter-Liedertafeln von Hannover und Umgegend" beigetreten ist, und nachdemin den Vereinsversammlungen wieder­holt Lieder mit ausgesprochen politischer Tendenz zum Vortrag ge­bracht worden sind", wurde den Behörden klar, welcher Basilisk im Schatten der Kunst hauste. So wurde den Frauen in den drei Fällen die Gelegenheit zu politischer Frevelthat vorsehungsfroh ent­zogen. Wie erschütternd hätte es auch auf die preußische Monarchie eingewirkt, wenn Proletarierinnen sündhaften OhresLiedern mit politischer Tendenz" gelauscht, wenn sie sich derpolitischen" Aktion schuldig gemacht hätten, etwa gar einen Galopp oder Walzer mit sozialdemokratischer Tendenz" zu tanzen. Aber während die Be­hörden fürsorglichst über die politische Unbeflecktheit der proletarischen Frauen wachen, ist es ihnen jedenfalls entgangen, daß bürgerliche Damen dem Laster politischer Interessen verfallen. Der sogenannte Alldeutsche Verband ", der sich über ganz Deutschland erstreckt und zweifellos als ein politischer Verein im Sinne des preußischen Vereins­gesetzes betrachtet werden muß, konnte in demselben Hannover eine Versammlung abhalten, zu der auch Damen eingeladen und erschienen waren. Die Versammlung beschäftigte sich allerdings nicht mit so hochpolitischen Dingen wie Singen und Tanzen. Sie hörte na sagen wir ein literarisches Referat des bekannten Flottenagitators Kapitän-Lieutenant a. D. Weyer überUnsere Marineverhält­nisse und die Nothwendigkeit der Flottenvermehrung". Du weißt es ja selbst", sagte Makar,bei dir muß es wohl angeschrieben sein." Makar versuchte den alten Herrn, da er sich überzeugen wollte, ob wirklich alles bei ihm angeschrieben wäre. Sage selbst", sagte der alte Herr. Makar raffte sich auf. Er überzählte alle Arbeiten, und obgleich er sich eines jeden Axtschlages und eines jeden gefällten Stammes, jeder Furche, die er mit seiner scharfen Pflugschar gezogen hatte, erinnerte, fügte er doch Tausende von Holzfuhren, Hunderte von Balken und Hunderte Pud Korn hinzu. Nachdem er alles vorgezählt hatte, wandte sich der Herr an den Priester Iwan:Bring mir mal das Buch hierher!" Da sah Makar, daß dieser beim Herrn als Schreiber diene und wurde sehr böse darüber, daß er als Landsmann und Freund es ihm nicht früher mitgetheilt hatte. Der Priester Iwan brachte ein großes Buch, öffnete es und las. Sieh mal nach", sagte der alte Herr,wie viel Balken waren es?" Der Pope Iwan sah darnach und sagte traurig:Er fügte dreitausend Stück hinzu." Er lügt", rief Makar auffahrend,er hat sich sicher geirrt, denn er ist ein Trunkenbold gewesen und starb eines schlimmen Todes." Schweige!" sagte der alte Herr,hat er je von dir Ueber- flüssiges genommen für gelesene Messen oder Taufen? Hat er dich an Gebühren übervortheilt?" Nein, das nicht!" erwiderte Makar. Siehst du", sagte der Herr,ich weiß es auch selbst, daß er einen guten Schluck liebte..." Der alte Herr war böse. Lies jetzt die Sünden vom Buche ab, denn er ist ein Lügner und ich glaube ihm nicht mehr", sagte er dem Priester Iwan.