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heit zusehends verfällt, weil die gebotene Kost in keinem Verhältniß zur verausgabten Kraft steht.
Aufzeichnungen über die Jahresausgaben von 44 Arbeiterfamilien:| manchesmal halbhungrig vom Tische aufsteht, daß seine GesundBeim Fleischverbrauch ist zu bemerken, daß die Arbeiter vielfach auf die minderwerthigen Fleischsorten angewiesen sind, neben Pferdefleisch, Pferdelunge, Pferdeleberkäse, Pferdewurst, die bei den niedrigen Gesammtausgaben sich öfter finden, kommen Ausgaben für Kopffleisch, Ochsenfuß. Euter, Rindsleber, Nieren, Milz , Herz sehr häufig vor. Die Ausgaben für Wurst nehmen einen relativ erheblichen Antheil des Budgets ein, was bei dem Wasserreichthum und der niederen Qualität der genossenen Würste nicht als erfreulich zu betrachten ist." Und es sind nicht einmal die schlechtest gestellten Arbeiterschichten, von deren Fleischverbrauch das Vorstehende gilt. Ausdrücklich wird in der Einleitung der angezogenen Broschüre erklärt: Was aus der Darstellung der hier verarbeiteten 44 Arbeiterhaushaltungsrechnungen hervorgeht, ist nicht die Lage der Nürnberger Arbeiterschaft, sondern, von einzelnen Ausnahmen abgesehen, die der besser und bestgestellten Schichten derselben." Die Statistik über die Schlachtungen läßt übrigens ein scharfes Streiflicht auf den Fleischverzehr der proletarischen Massen fallen. Sie weist für die letzten Jahre in den Großstädten und Industriezentren einen steigenden Verbrauch von Pferde- und Hundefleisch nach. In Sachsen erstreckte sich 1901 die Fleischbeschau auf 10908 Pferde und 2502 Hunde. Nicht die Herrschaftsköchinnen aber sind es, die Pferde- und Hundeschlächtereien aufsuchen, die die Freibank umdrängen, es sind hohlwangige, versorgte, abgearbeitete Proletarierinnen.
Angesichts dieser Lage der Dinge nun ein unerhörtes Hinaufgehen der Fleischpreise! Und das obendrein in Zeiten der Krise, wo Tausende gesunkenen, unregelmäßigen, unsicheren Verdienst haben, wo weitere Tausende arbeitslos, brotlos auf dem Pflaster liegen! Und das obendrein beim Nahen des Winters mit seinen erhöhten Ausgaben für Feuerung, Beleuchtung, Kleidung 2c.! Kein Zweifel: die ständige Fleischnoth der proletarischen Massen muß da zu unheimlicher Höhe wachsen, muß Entbehrungen anderer Art nach sich ziehen, die Gesundheitsverhältnisse in nachtheiligster Weise beeinflussen, eine Einschränkung der bescheidenen Ausgaben für Bildung und Erholung bewirken und troß alles Knappsens und Darbens die Sorgen grauenvoll steigern.
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Wer aber leidet bitterer unter der Fleischtheuerung und ihren Folgen als die Arbeiterfrau, als die Arbeiterin? Zehntausende und Aberzehntausende von Lohnsklavinnen, die mit ihrem Wochen verdienst nicht über 8 bis 9 Mt. Hinauskommen, können sich schon bei normalen Preisen nie ausreichende Fleischkost gönnen. Nicht genügend an Fleisch und sei es gleich recht billig- vermögen Zehntausende und Aberzehntausende proletarischer Familienmütter aufzutischen, die mit einem Wirthschaftsgeld von 10 bis 12 Mt. den Wochenbedarf einer fünf und sechsköpfigen Familie decken müssen und dabei womöglich noch etwas für Kleidung, Brennmaterial 2c. ,, sparen" sollen. Theuerungspreise für Fleisch, und es mehren sich für die Einen wie die Anderen die Tage, wo vom mittäglichem Speisezettel das Kosthäppchen Schweinernes" oder ausgekochtes Kuhfleisch gestrichen werden muß, wo Pferdewurst und Hering als begehrte, kaum erschwingliche Zukost zu Brot und Kartoffeln erscheinen, wo Speck und Schmalz aus der Schublade oder dem Küchenschrank verschwinden. Soweit aber die Ausgaben für Fett, Wurst, Fleisch nicht umgangen werden können, heißt es sie wett machen durch doppeltes und dreifaches Sparen an anderen dringenden Bedürfnissen oder durch aufreibendere Erwerbsfrohn. Drückend empfindet es dann die Arbeiterin an dem Stechen im gebeugten Rücken, an der Schwere der Glieder, an der Unluft zur Lektüre, daß Entbehrungen und Anstrengungen im Bunde an den Kräften ihres Körpers zehren, ihren Geist müde und stumpf machen, ihren Willen lähmen. Die Arbeiterfrau aber muß sich mit noch Härterem abfinden. Mag sie aus der Tiefe ihres mütterlichen Empfindens heraus mit Opfermuth an der eigenen Lebenshaltung noch so viel abbrechen, mag sie heucheln, daß sie einen unüberwindbaren Abscheu gegen Fleisch hat, oder daß häutige Abschnigel ihre Lieblingsbissen sind: sie ist außer Stande, die Ihrigen vor Entbehrung zu schüßen. Sie ist Zeuge, wie mit der verschlechterten Ernährung die blassen Rosen auf den Wänglein der Kleinen schwinden, wie die mageren, welken Gesichtchen noch magerer und welker werden. Sie muß es geschehen lassen, daß der Mann
Und warum der Proletarierin diese Theuerung, diese Noth? Weil die Wirthschaftspolitik des Deutschen Reiches im Zeichen der Losung steht: Gott schüße die deutsche Schweinewirthschaft, und wenn darüber das Volkswohl, die Volksgesundheit zum Teufel geht; weil sie den Armen nimmt, um den Reichen zu geben. In der That: nicht natürliche Verhältnisse sind es, welche die Fleischnoth, die Fleischtheuerung verursachen, vielmehr künstliche, die durch die Raffgier der Junkersippe und der ihr verbündeten Schlotfürsten geschaffen wurden. Deutschland erzeugt nicht genug Schlachtvieh. Eine Autorität auf dem Gebiete der deutschen Viehwirthschaft, Schäfereidirektor Heyne, hat seiner Zeit berechnet, daß bei Zugrundelegung des sehr mäßigen Fleischkonsums von 1893 das Gesammtschlachtgewicht des deutschen Viehs um 344,7 Millionen Kilo hinter dem Bedarf zurückbleibt. Das deutsche Volt ist mithin für seinen Fleischverzehr auf die Zufuhr aus dem Auslande angewiesen. Es hat ein Lebensinteresse daran, daß Vieh, Fleisch, Fleischwaaren in genügender Menge und zu billigen Preisen über die Grenze kommen. Das Geldsacksinteresse der großen Schweineund Rinderzüchter fordert dagegen Verminderung der Einfuhr, damit die Preise in die Höhe getrieben werden.
Einfuhrzölle auf alle Vieharten und Fleisch vertheuern seit 1879 den Bedarf des deutschen Volkes künstlich. Und damit nicht genug. Zu den preissteigernden Zöllen sind nach und nach immer mehr, immer schärfere Maßregeln getreten, welche die Grenze gegen die Einfuhr von Vieh, von geschlachteten Thieren, Speck, Wurst, Büchsenfleisch, Schinken 2c. absperren. Nicht um Hunderte, nein um Tausende von Millionen hat in der Folge das werkthätige Volk seinen Fleischbedarf theurer zahlen müssen. Die Grenzsperre vor Allem ist Schuld an den gegenwärtigen Theuerungspreisen für Fleisch und Fleischwaaren. Sie hat bewirkt, daß auf allen großen deutschen Märkten der Auftrieb von Schlachtvieh ganz bedeutend zurückgegangen ist, in Berlin zum Beispiel in den 4 Monaten vom April bis Juli dieses Jahres um 25000 Stück gegen das Vorjahr. Nach der Allgem. Fleischerzeitung" wurden in den 6 ersten Monaten des Jahres 1902 an 51 Schlachthöfen großer und fleiner Städte 197214 Schweine weniger geschlachtet als in dem gleichem Zeitraum von 1901. Die Grenzsperre hat damit die Vieh- und Fleischpreise in die Höhe getrieben. In allen Grenz ländern ist das Fleisch erheblich billiger als in Deutschland . Und das Schlimmste: noch steht der deutschen Bevölkerung ein weiteres Anziehen der Preise in sicherer Aussicht. Mit dem 1. April 1903 treten die Bestimmungen des Fleischbeschaugesezes in Kraft, welche sich auf die Einfuhr frischen und zubereiteten Fleisches beziehen. Und der Zolltarifentwurf sieht eine geradezu verbrecherische Steigerung der Einfuhrzölle auf Vieh und Fleisch vor.
Eitel Lug und Trug ist es, wenn die Maßregeln der Grenzsperre mit der Rücksicht auf die Volksgesundheit, mit Rücksicht auf die Abwehr von Viehseuchen zu rechtfertigen gesucht werden. Den nicht durch solche Maßregeln geschüßten Engländern, Belgiern, Schweizern 2c. bekommt das gefährliche" amerikanische Büchsenfleisch 2c. ganz vorzüglich. Ebenso den deutschen Marinetruppen, für die in Auslandshäfen große Vorräthe davon aufgekauft worden sind. Und offenes Geheimniß ist es, daß das deutsche Vieh weit weniger durch die eingeführten ausländischen Thiere mit Seuchengefahr bedroht wird, als durch die Unreinlichkeit in den Ställen und durch ungeeignete Fütterung.
Die proletarische Frau läßt sich durch die Salbadereien der zollwucherischen Presse kein X für ein U vormachen. Mit Nach druck wird sie ihre Interessen vertheidigen, indem sie die Aufhebung der Grenzsperre, die Beseitigung aller Maßregeln fordert, welche das Fleisch vertheuern. Das schuldet sie nicht blos sich selbst, das schuldet sie ihrem Manne, der einer kräftigen Soft bedarf, soll er als leistungsfähiger Arbeiter genügend für den Unterhalt der Familie verdienen, das schuldet sie vor Allem ihren Kindern, die nur bei gesunder Ernährung zu einem gesunden, tüchtigen Geschlecht heranwachsen können. Nieder mit dem Fleischwucher, nieder mit jeder Besteuerung der Lebensmittel ist ihre Losung!