Notizenteil.
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war sie schließlich zu einer Sizung mit dem Filialvorstand des Textilarbeiterverbandes bereit. Dieselbe fand am 6. August statt und verlief vollkommen resultatlos. Die Fabrikanten wiesen jedes Zu
Die Behnstundenbewegung der Textilarbeiter in geständnis schroff zurück und nur der versöhnlichen Haltung der
Seit reichlich zwanzig Jahren sucht die Textilarbeiterschaft von Crimmitschau dem Unternehmertum eine Verbesserung der Arbeitsbedingungen abzuringen. Dieselbe ist ein dringendes Erfordernis, sollen nicht Tausende fleißiger Proletarier nebst ihren Familien in fulturunwürdiger Weise dahin vegetieren. Die Ära des Kampf s um Einschränkung der kapitalistischen Ausbeutung und Milderung der proletarischen Not wurde 1882 durch eine Bewegung der Weber und Weberinnen um Verkürzung der Arbeitszeit eingeleitet, welche mit einem glänzenden Erfolg abschloß. Von da bis heute hat die Crim mitschauer Textilarbeiterschaft ihr berechtigtes Ringen nicht eingestellt. Erklärlich genug. Die jammerhaften Verhältnisse dauerten weiter, die es heraufbeschworen, ja sie verschärften sich mit der steigenden Intensivität der geforderten Arbeit, der Krise, der Verteuerung aller Lebensbedürfnisse. Allerdings wurde der Kampf seitens der Ausgebeuteten mit wechselndem und meist leider mit geringem Erfolg geführt. So vor allem in der verhängnisvollen organisationslosen Zeit nach 1887, als auf Grund des Sozialistengesetzes schmachvollen Angedenkens die Fachorganisation der Weber unterdrückt worden war und die Arbeiter und Arbeiterinnen jeglichen Rückhalts an einer festgefügten, mittelreichen Gewerkschaft ermangelten. Ein Umschwung zum besseren trat seit 1895 in dem Maße ein, als die Zentralorganisation unter den Textilarbeitern Crimmitschaus festen Fuß zu fassen begann. Sie klärte die Massen auf, weckte sie zur flaren Erfenntnis ihrer Solidarität und gab den einzeln Schwachen das erhebende, hoffnungsreiche Bewußtsein, vereinigt eine Macht zu sein, mit der auch das verstockteste Unternehmertum rechnen muß. Mit dem Kampfesmut wuchs auch die Kampfesfähigkeit. In dem und jenem Betrieb setzten die Arbeiter und Arbeiterinnen dank ihres solidarischen Vorgehens und der Unterstützung der Organisation kleine Verbesserungen ihrer Lage durch. 1899 erachteten sie die Situation für reif, mit einer durchgreifenden, allgemeinen Forderung an die Fabrikanten heranzutreten. Sie verlangten die Herabsetzung der Arbeitszeit von elf auf zehn Stunden, erklärten aber ausdrücklich, daß sie die Reform nur auf friedlichem Wege zu erringen trachteten. Prozig und kurzerhand wurde das Begehren von den Herren abgewiesen, die der Sprachgebrauch aus Brotnehmern in Brotgeber verwandelt. In fühlvernünftiger Würdigung der Lage verzichtete die Textilarbeiterschaft ihrer Erklärung entsprechend auf einen Streif. Statt ihre Kräfte in einem aussichtslosen Kampfe aufzureiben, ging sie daran, ihr Rüstzeug für ein späteres erfolgreiches Ringen zu vervollkommnen. Die Organisation wurde gestärkt und gefestigt, durch Erhöhung der Beiträge leistungsfähiger gestaltet, der Einbeziehung und gewerkschaftlichen Schulung der Arbeiterinnen größere Bedeutung beigelegt 2c. Die eingeschlagene Tattit bewährte sich. Trotz anfäng lichen zähen Widerstandes mußten sich die Unternehmer unter anderem darein ergeben, mit den Arbeiterausschüssen zu verhandeln, die von den Arbeitenden gewählt wurden. Was die Hauptforderung der Spinner und Weber anbelangt, die Einführung des Zehnstundentags, so wurde sie jedes Jahr aufs neue erhoben, aber ebenso regelmäßig von den ausbeutenden Textilbaronen zurückgewiesen.
In diesem Jahre nun haben die Lohnstlaven des Textiltapitals die Zeit für gekommen erachtet, ihre Forderung mit höchstem Nachdruck zu erheben, ihre Verwirklichung zunächst auf friedlichem Wege zu erstreben, jedoch bei anhaltender Steifnackigkeit des Unternehmertums auch schließlich die Waffe des Streifes anzuwenden. Die gedeihliche Entwicklung des Verbandes und die allgemeine Situation in der Crimmitschauer Textilindustrie ver= heißen ihrer Meinung nach einen Sieg über Profitsucht und Prozzenhochmut der Kapitalisten. Am 25. Juli nahmen zwei imposante Versammlungen der Textilarbeiter Stellung zu der Frage. Sie erklärten die Einführung des Zehnstundentags in gesundheitlicher und kultureller Hinsicht für eine Notwendigkeit. Um die Reform auf dem Wege friedlicher Verständigung herbeizuführen, beauftragten sie den Gesamtvorstand der Filiale des Textilarbeiterverbandes, beim Crimmitschauer Spinnerei und Fabrikantenverein Schritte einzuleiten, welche zur Durchführung der zehnstündigen Arbeitszeit unter Beibehaltung des Lohnes für die Hilfsarbeiter sowie zehnprozentiger Lohnerhöhung für die Attordarbeiter beitragen". Die Unternehmerorganisation antwortete im Gegensatz zu allen Erfahrungen, daß die Verteuerung der Produktion eine Verkürzung der Arbeitszeit nicht zulasse, jedoch wolle sie die Angelegenheit dem Verband sächsischer Textilindustriellen in Chemnitz unterbreiten, ohne dessen Zustimmung sie nichts bewilligen könne. Um bindende Erklärungen gedrängt,
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Arbeitervertretung ist es zu danken, daß die Verhandlungen nicht abgebrochen wurden. Drei überfüllte Versammlungen, an denen 4500 Personen teilnahmen, verurteilten am Abend des Sigungstages scharf die Antwort der Unternehmer, betonten aber, daß von einem weiteren Vorgehen solange Abstand zu nehmen sei, als die Verhandlungen noch schwebten. Die Arbeiterschaft mehrerer Betriebe hatte bereits die Einreichung der Kündigung beschlossen. Sie wurde aufgefordert, dies nur mit Vorbehalt zu tun. Die Kündigung sollte zurückgenommen sein, falls bis zum 8. August befriedigende Zugeständnisse gemacht worden wären. In fünf Betrieben wurde diesen Bedingungen entsprechend die Arbeit gekündigt. Wenige Stunden später erhielten 7300 Arbeiter und Arbeiterinnen seitens ihrer Anwender die Kündigung, mit anderen Worten: es ward ihnen die Aussperrung angedroht. In ihrer Wut verschonten die Herren Fabrikanten nicht einmal die unorganisierten Spinner und Weber mit der Kündigung.
Auch den weiteren Versuch der Arbeiter, eine Einigung herbeizuführen, beantworteten die organisierten Unternehmer in ausweichender Weise, hinter der schlecht verhüllt das Ansinnen bedingungsloser Unterwerfung lauert. Die verhängten Kündigungen sollen nur zurückgenommen werden, wenn die Arbeiter und Arbeiterinnen schriftlich und öffentlich die Versicherung abgeben, zu den alten Bedingungen die Arbeit aufnehmen zu wollen. Ist diese Forderung erfüllt, so wird der Spinnereiund Fabrikantenverein gnädigst beim Vorstand des Verbandes sächsischer Textilindustriellen vorstellig werden, daß er in absehbarer Zeit" die einheitliche Regulierung beziehungsweise Verkürzung der jetzigen Arbeitszeit in die Wege leitet. Auch gegenüber dieser geradezu herausfordernden Verschleppung der Reform auf Sankt Nimmerlein hat die Crimmitschauer Textilarbeiterschaft in anerkennenswerter Weise fühles Blut und friedliche Haltung bewahrt. Sie beauftragte den Vorstand der Gewerkschaft, das Gewerbegericht als Einigungsamt anzurufen und die Verhandlungen fortzusetzen. Die vorstehenden Tatsachen sprechen eine beredte Sprache. Unzweideutig bekunden sie, auf welcher Seite der ehrliche Wille zu friedlicher Verständigung zu finden ist, auf welcher dagegen ein provozierendes Pochen auf die Macht. Wenn in der Crimmitschauer Textilindustrie ein Kampf entbrennen sollte, der dem Wirtschaftsleben des Ortes tiefe Wunden schlägt: die Unternehmer allein tragen die Schuld daran. Das sei heute schon nachdrücklich festgestellt.
Wie in dem ruhmreichen Streik der Meeraner Weber, so ist in der eingeleiteten Bewegung und in dem eventuellen Kampfe der Crimmitschauer Textilarbeiter für Erringung des Zehnstundentags die Haltung der Frauen von ausschlaggebender Bedeutung. Wir sind überzeugt, daß sie dem leuchtenden Beispiel ihrer Schwestern gleich zielbewußt und opferfreudig ihre volle Schuldigkeit tun werden. Für die Arbeiterinnen der Textilindustrie kommt der Verkürzung der Arbeitszeit auf zehn Stunden eine sehr große Bedeutung zu. Die Dringlichkeit der Reform wird erwiesen durch die erschütternde Tatsache, die Ärzte konstatiert, die verschiedene Fabrikinspektoren gelegentlich der Erhebung über den sanitären Maximalarbeitstag und auch sonst noch verzeichnet haben. Die Textilarbeiterinnen sehen meist schon mit dreißig Jahren welt und gealtert aus und erwecken den Eindruck, daß sie ihr Leben im Zustand chronischer Ermüdung dahinschleppen. Was aber die kapitalistische Ausbeutung durch lange Arbeitsdauer und andere ungünstige Arbeitsbedingungen an den Frauen sündigt, das wird über ihre Person hinaus ihrem Teuersten, ihrem Kinde zum Verderben. Der Gewerbeaufsichtsbeamte für Zwickau , in dessen Amtsbezirk Crimmitschau liegt, berichtet, daß in Orten, die Sitze der Textilindustrie sind, die körperliche Entwicklung der Arbeiter sich verschlechtert. Und noch vernichtendere Anklage gegen die überderen Folgen die lange Dauer der mäßige Ausbeutung der Frau Arbeitslast steigert erheben die Ziffern über die SäuglingssterbArbeitslast steigert lichkeit. Von 817 im Jahre 1899 in Crimmitschau geborenen Kindern verstarben vor Vollendung des ersten Lebensjahres 223-27,3 Prozent. In der Stadt Wildenfels , die im gleichen Inspektionsbezirk liegt, aber nur wenige Fabriken hat, wurden im genannten Jahre 98 Kinder lebend geboren. Unter Einrechnung der totgeborenen Kinder starben von ihnen vor vollendetem ersten Lebensjahre 17= 16,3 Prozent, nach Abzug der Totgeburten nur 11,2 Prozent. Wenn nicht die Rücksicht auf die eigene menschenwürdige Existenz die Textilarbeiterin zur Kämpferin für die Verkürzung des Arbeitstags macht, so muß es die Mutterliebe, die Mutterpflicht tun. Daß die geheischte Reform sehr gut ohne Schädigung der Industrie gewährt werden kann, haben erst neuerdings die Ergebnisse der letzten Reichsenquête unanfechtbar beſtätigt. Die Crimmitschauer Textilarbeiterinnen stehen gegenwärtig als Preisfechterinnen für den Zehnstundentag in der gesamten deutschen
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