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Der Mensch.
Von Maxim Gorki . Deutsch von M. Feofanoff. II.
Sieh! er ist müde, er wankt und stöhnt; das erschreckte Herz sucht nach dem Glauben und sehnt sich nach zarten Liebkosungen der Liebe.
Die Gleichheit
zu schaffen auf den unzerstörbaren, von dem Gedanken geschmiedeten Stützen der Freiheit, der Schönheit und der Achtung vor den Menschen.
Ein unbarmherziger Feind der schmachvollen Armut der menschlichen Wünsche will ich, daß jeder Mensch ein Mensch werde.
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Sinnlos, schmachvoll und widerlich ist dies ganze Leben, Und die drei Vögel, die die Schwäche geboren- Trost in dem die übermäßig harte Sklavenarbeit des einen losigkeit, Verzweiflung, Gram, drei schwarze, häßliche darauf hinausgeht, daß die anderen sich an Brot und Bögel, flattern drohend über seine Seele, und alle Geistesreichtümern übersättigen. Verflucht seien alle Vorsingen sie ihm ein düsteres Lied, daß er ein geringes, urteile, alle Voreingenommenheiten und Gewohnheiten, friechendes Tier, daß sein Bewußtsein beschränkt, sein die das Gehirn des Menschen gleich einem flebrigen Gedanke machtlos und der heilige Stolz lächerlich sei, Spinngewebe umgarnt haben! Sie lassen nicht leben und daß er sterben werde, was er auch tun möge. fie vergewaltigen die Menschen. Ich werde sie zerstören. Sein gemartertes Herz zittert bei diesem lügenhaften und Meine Waffe ist der Gedanke und der feste Glaube bösen Liede, die Stacheln des Zweifels stechen sein Hirn, an die Freiheit des Gedankens, an seine Unsterblichkeit und in den Augen glänzt eine Träne der Kränkung... und das ewige Wachsen seiner erschaffenden Kraft Und wenn der Stolz sich in ihm nicht empört, dann unversiegender Quell meiner Kraft! jagt der Schrecken des Todes den Menschen gebieterisch in das Gefängnis des Glaubens, die Liebe zieht ihn mit siegesbewußtem Lächeln in ihre Arme und verbirgt hinter den lauten Versprechungen von Glück die traurige Ohnmacht sich zu befreien und den habgierigen Despotismus des Instinkts.
Im Bunde mit der Lüge singt ihm die zaghafte Hoffnung von den Freuden der Ruhe, singt vom stillen Glücke des inneren Friedens und lullt mit weichen, schönen Worten den schlummernden Geist ein, stößt ihn in den Sumpf des süßen Nichtstuns und in die Krallen der Langeweile, ihrer Tochter.
Und unter den Eingebungen von kurzsichtigen Gefühlen sättigt er eilends sein Gehirn und sein Herz mit dem angenehmen Gifte jener zynischen Lüge, die unverhohlen lehrt, daß es für den Menschen nur den einen Weg gibt -den zum Viehstalle der ruhigen Selbstzufriedenheit. Aber der Gedanke ist stolz, und der Mensch ist ihm teuer. Er beginnt den bösen Kampf mit der Lüge, und das Feld des Kampfes ist das Herz des Menschen.
Wie ein Feind verfolgt er ihn, wie ein Wurm bohrt er sich in sein Gehirn, wie eine trockene Hige verwüstet er die Brust, und wie ein Henter martert er den Menschen, indem er ohne Erbarmen sein Herz mit der stark machenden Kälte der Sehnsucht nach der ernsten Wahrheit, nach der großen Wahrheit des Lebens zusammenpreßt, die, wenn sie auch langsam wächst, doch deutlich durch den Nebel der Irrtümer, wie eine vom Gedanken geborene Feuerblume sichtbar ist.
Wenn aber der Mensch mit dem Gifte der Lüge unheilbar vergiftet ist und schon fest glaubt, daß es auf Erden kein höheres Glück gibt, als ein voller Magen und eine volle Seele, daß es keine höheren Genüsse gibt, als Sättigung, Ruhe und die kleinen Bequemlichkeiten des Lebens dann senkt der Gedanke traurig seine Flügel denn die triumphierenden Sinne halten ihn gefangen. Er schlummert- und überläßt den Menschen der Gewalt seines Herzens.
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Der Gedanke ist mir ein ewiger und einzig nie trügender Leuchtturm im Nebel des Lebens, ein Feuer im Dunkel seiner schmachvollen Verirrungen; ich sehe- er brennt immer heller, immer tiefer beleuchtet er die Abgründe der Geheimnisse, und ich gehe in den Strahlen der Unsterblichfeit ihm nach immer! höher! und vorwärts! Für den Gedanken gibt es feine unzerstörbaren Festen und keine unantastbaren Heiligtümer weder auf Erden, noch im Himmel. Alles wird durch ihn erschaffen, und das gibt ihm das heilige, gute Recht, alles zu zerstören, was die Freiheit seines Gedeihens hindern könnte.
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Ich gebe ruhig zu, daß Vorurteile die Trümmer alter Wahrheiten sind, und daß die Wolken von Irrtümern, die heute über dem Leben schweben, alle aus der Asche alter Weisheiten erschaffen sind, die die Flamme desselben Gedankens, der sie einst ins Leben gerufen, verbrannt hat.
Und ich sehe ein, daß nicht die siegen, die die Früchte des Sieges an sich nehmen, sondern nur die, die auf dem Felde des Kampfes bleiben...
Den Sinn des Lebens sehe ich in dem Schaffen, und das Schaffen ist sich selbst genug und ist unbeschränkt!
Ich gehe, um möglichst heller die Flammen anzuzünden, um möglichst tiefer das Dunkel des Lebens zu erleuchten. Und mein Untergang ist mein Lohn. Anderen Lohn brauche ich nicht. Ich sehe: die Macht ist schmachvoll und langweilig; der Reichtum schwer und dumm, und der Ruhm ein Vorurteil der Menschen, das entstanden ist aus dem Unverständnis der Menschen, sich selbst zu schätzen, und ihrer sklavischen Gewohnheit, sich zu erniedrigen.
Zweifel! ihr seid nur Funken des Gedankens, nichts weiter. Sich selbst an sich versuchend gebärt er euch von dem überflusse der Kräfte und nährt euch mit seiner Kraft! Es naht der Tag. In meiner Bruft werden sich mein Gefühlsleben und meine unsterblichen Gedanken zu einer großen Flamme vereinen; mit dieser Flamme werde ich aus der Seele alles Dunkle, Grausame und Böse ausbrennen, und ich werde den Göttern gleichen, die mein Gedanke erschafft hat und noch schafft.
Und gleich einer verpesteten Wolfe senkt sich von allen „ Alles im Menschen, alles für den Menschen!" Sieh! von neuem, majestätisch und frei, den stolzen Seiten die faule Alltäglichkeit die Tochter der gemeinen Langeweile auf den Menschen nieder und umhüllt mit Kopf hoch erhoben, schreitet er langsam, jedoch mit festen beißendem, grauem Rauche sein Gehirn, sein Herz und seine Schritten über die Asche alter Vorurteile, allein im grauen Augen! Und der Mensch verliert sich selbst, seine Schwäche Nebel der Irrtümer. Hinter ihm der Staub der Vermacht ihn zu einem Tiere ohne Stolz und ohne Gedanken. gangenheit und vor ihm eine Menge Rätsel, die kalt Wenn aber dann die Empörung in ihm auflodert, feiner harren. Sie sind zahllos wie die Sterne in den dann weckt sie den Gedanken auf, und von neuem schreitet grundlosen Tiefen des Himmels, und für den Menschen er weiter, allein durch die Dornhecken seiner Fehler, allein gibt es fein Ende des Wegs. inmitten der brennenden Funken seiner Zweifel, allein inmitten der Trümmer alter Wahrheiten!
Majestätisch, stolz und frei, schaut er mutig in die Augen der Wahrheit und spricht zu seinen Zweifeln: Ihr lügt, wenn ihr sagt, daß ich schwach, daß mein Bewußtsein beschränkt sei! Es wächst. Ich weiß es sehe es fühle es es wächst in mir! Ich merke das Wachstum meines Bewußtseins an der Stärke meiner Qualen und weiß, wenn es nicht mehr wachsen würde, daß ich dann weniger zu leiden hätte als früher.
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Aber mit jedem Schritte wünsche ich immer Größeres, fühle ich immer mehr, sehe ich immer mehr und tiefer, und dieses rasche Wachstum meiner Wünsche ist das mächtige Anwachsen meines Bewußtseins! Jetzt ist es in mir gleich einem Funken- aber, was hat das zu sagen? Denn Funken sind auch die Mütter von Riesenflammen. In Zukunft werde ich die Riesenfackel in der Dunkelheit der Welt sein! Ich bin berufen, die ganze Welt zu er leuchten, das Dunkel ihrer geheimen Rätsel zu zerstreuen, die Harmonie zwischen mir und der Welt zu finden und wenn ich das ganze düstere Chaos dieser gequälten Welt beleuchtet habe den ganzen bösen Schmutz von
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ihr in das Grab der Vergangenheit wegzufegen. Ich bin berufen, die Knoten aller Irrtümer und Fehler
zu lösen, die die erschreckten Menschen zu einem blutigen und widerlichen Knäuel von Tieren, die sich gegenseitig auffressen, zusammengeschnürt haben!
So schreitet der rastlose Mensch vorwärts! höher! immer vorwärts! und immer höher!
Lied eines Sklaven.
Von Swatopluk Cech.*
Und ob sie dich auch lästern und dich schelten, Du bist, o Freiheit, unsrer Hoffnung Hort; Du wehst wie Feuerhauch durch alle Welten Und lebst in aller Herzen Sehnsucht fort; Dein Festchoral tönt wie von einer hehren, Von einer em'gen Glocke früh und spät; Des Morgens bist du unser erst Begehren, Des Abends bist du unser lett Gebet. Wenn uns das Meer in weite Fernen ladet, Der Sturmwind trozig uns das Haar zerwühlt, Wenn er die Stirne uns, die müde, badet Und ach! ihr allzu heißes Sinnen fühlt, Wenn stolz der Adler sich vor uns erhebet Und schwingenmächtig durch die Bläue steu'rt, Dann ballt sich uns die Faust, die Lippe bebet, Weil dein Gedanke, Freiheit, uns befeu❜rt. D, wie aus einer halbvergeßnen Märe So reizend tönst du her aus ferner Zeit, Als ob dein Tönen nur ein Echo wäre, Das täuschend rauscht von Zeit zu Ewigkeit.
Aus„ Lieder eines Gtlaven". Stuttgart , Verlag J. H. W. Diez Neues ste enthält wahre Perlen traftvoller, freiheitssehnsüchtiger Poeste.
Ich bin berufen, alles Alte, alles Enge und Schmutzige nachf. Wir empfehlen unseren Leserinnen diese Gedichtſammlung dringend. umzustürzen, zu zerstören und zu zertreten und-
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Nr. 7
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Und doch! Ein Lügner ist, dem Trug verbindet, Wer sagt, daß Freiheit nur ein Märchen sei; Denn Wahrheit ist's, was die Geschichte fündet: Schon lang ist's her, doch unser Volt war frei. Du bist es, Freiheit, die dem Kind gewesen Ein Lichtgebild mit goldnem Stirnenband, So oft Geschichte ihm der Ahn gelesen; In dir der Jüngling die Geliebte fand- Dein hehres Bild, es führte ihn durchs Leben Dich sah er steigen aus der Zeiten Schoß; Für dich das Schwert einst glorreich zu erheben, Das war sein Traum ein Traum, erhaben groß. Dem Mann jedoch, dem unterjochten Manne, Bist du ein lichter Stern ob dunklem Tal, Ein Stern in seinem finstern Sklavenbanne, Sein heimlich Sinnen, seine füße Dual. Wie das gelobte Land sieht er dich winken Aus einem fernen sanften Morgenrot Und ach! ein zweiter Moses, dich versinken, Wenn hoffnungslos das Auge schließt der Tod. Db, Freiheit, deinen Namen, den erlauchten, Die Seichtheit schmähte, allem Edlen taub, Ob schnöder Selbstsucht Jünger ihn mißbrauchten Und fühllos niedertraten in den Staub, Ob dunkler Knechtschaft dunkle Partisane Zum Schlagwort ihres Truges ihn erwählt Und ihn geschrieben auf des Luges Fahne Du bist es doch, auf die die Zukunft zählt. Dich wahren wir im tiefsten Herzensgrunde- Wir wissen wohl, wie teuer du uns bist; Daß du uns fehlst, das lehrt uns Stund ' um Stunde Die Hand, die plündernd nimmt, was unser ist. Uns, die zermartert wir von tausend Streichen, Vom Dorn gestochen, der so bitter sticht, Uns leuchtet lodernd durch das Herz dein Zeichen- In unsrer Seele schallt es: Freiheit, Licht!
Mascha.
Gedicht in Prosa von Jwan Turgenjeff.
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Ms ich in Petersburg lebte viele Jahre sind seit dem verflossen, ließ ich mich, so oft ich einen Miets futscher nahm, mit demselben stets in ein Gespräch ein. Namentlich unterhielt ich mich gern mit den Nachts tutschern, armen Bauern aus der Umgegend von Peters burg, welche in der Hoffnung auf einen bescheidenen Ver dienst mit ihren kleinen ockerbestrichenen Schlitten und ihren armseligen Rößlein nach der Hauptstadt kommen.
Da fuhr ich wieder einmal mit einem solchen Kutscher ... Es war ein Bursch von zwanzig Jahren, hochgewachsen, von kräftigem, stattlichem Aussehen. Er hatte blaue Augen und rote Wangen. In geringelten Büscheln drang das blonde Haar unter der tief in die Stirn herabgezogenen geflickten Müze hervor... Und wie hatte er nur diesen zerriffenen kleinen Kittel auf diese Riesenschultern bekommen!
Allein das hübsche, bartlose Gesicht des Kutschers er schien mir finster und traurig.
Ich knüpfte ein Gespräch mit ihm an. Auch aus seiner Stimme hörte ich tiefe Traurigkeit heraus.
" Was fehlt dir, Freund?" fragte ich.„ Warum bist du so niedergeschlagen? Drückt dich vielleicht irgend ein Leid?"
Der Bursch antwortete nicht sogleich." Ja, Herr, ja," erwiderte er endlich. Und zwar ein Leid, wie es nicht schlimmer werden kann. Meine Frau ist gestorben."
Und du hattest sie sehr lieb diese deine Frau?" Der Bursch wandte sich nicht nach mir um; er neigte nur ein wenig den Kopf.
„ Ja, Herr, ich liebte sie. Acht Monate sind schon ver floffen... aber vergessen kann ich sie nicht. Beständig nagt's mir am Herzen... Und was brauchte sie zu sterben? Sie war so jung, so gesund!... Da an einem einzigen Tage rafft die Cholera sie hin."
" Und war sie auch gut?"
" Ach, Herr!" entgegnete der Armste mit einem schweren Seufzer, wie herzlich lebten wir miteinander! Und sie ist ohne mich gestorben. Als ich hier erfuhr, sie sei schon beerdigt, eilt' ich sofort nach Hause, in mein Heimatsdorf. Als ich ankam, war schon Mitternacht vorbei. Ich trete in die Hütte, bleibe mitten in der Stube stehen und sage leise: Mascha, he Mascha! Nur das Heimchen zirpt... Da fang' ich an zu weinen, setze mich auf die Erde und schlage mit der Hand auf den Boden... O, du unersätt licher Schoß der Erde!... Du hast sie verschlungen... verschlinge nun auch mich!... Ach, Mascha!"
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Mascha!" fügte er plötzlich in gedämpftem Ton hinzu. Und ohne die Zügel aus den Händen zu lassen, wischte er sich mit dem Handschuh die Tränen aus den Augen, schüttelte sie ab, zuckte die Achseln und sprach kein Wort mehr. Als ich aus dem Schlitten stieg, gab ich ihm ein kleines Trinkgeld. Er machte mir eine tiefe Verbeugung, nahm mit beiden Händen die Müze ab und fuhr dann langsam weiter über die gleichmäßige Schneefläche der einsamen Straße, über welcher der graue Nebel des Januarfrostes hing. Verantwortlich für die Redaktion: Fr. Klara Bettin( Bundel), Wilhelmshöhe Post Degerloch bei Stuttgart . Druck und Verlag von Paul Singer in Stuttgart .
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