Nr. 25 Die Gleichheit 2l9 meldeten sich 72 Arbeiterinnen zur Aufnahme in den Fabrikarbeiterverband. In Röthenbach reichte der Saal zur Aufnahme der Besucher nicht aus; zahlreiche Zuhörer standen außen vor den Fenstern. Zu dieser Versammlung hatten sich sämtliche Meister einer dortigen Fabrik eingefunden, in der gegen 1000 Arbeiter unter höchst ungünstigen Lohn- und Arbeitsverhällnissen arbeiten. Die Unterzeichnete bewies in ihrem Referat den anwesenden Meistern, daß sie gar nicht nötig hätten, sich für etwas Besseres zu halten als die Arbeiter. Sie müßten auch schwer genug für ihr tägliches Brot arbeiten und hätten deshalb gar keine Ursache, besonders für die Firma einzutreten. Nach dem Referat verlangte der überwachende Beamte, daß die Minderjährigen den Saal verlassen sollten, weil nun die Debatte beginne. Der Vorsitzende verwahrte sich jedoch ganz energisch dagegen. In die Versammlung in Kolbermor hatten die Christlichen zwei junge Leute als Stenographen gesandt. Hoffentlich haben die beiden dabei etwas gelernt. Auch in Puchheim war der Saal dicht besetzt, und zwar vor allem von den Arbeiterinnen und Arbeitern einer Fabrik, in der Haus- und Straßenmüll zu Dünger verarbeitet wird. Die Arbeiterinnen müssen dort den ganzen Tag, von 6 Uhr morgens bis 6'/, Uhr abends, in dem Müll herumwühlen und Holz, Kohlen, Lumpen Papier , Glas, Eisen, Geldstücke usw. heraussuchen. Das bringt der Firma im Jahre ein schönes Stück Geld ein. Damit sich die Arbeiterinnen nichts aneignen, werden sie ab und zu durchsucht. Bei dieser unappetitlichen und gesundheitsgefährlichen Beschäftigung ist eine Verkürzung der Arbeitszeit unbedingt notwendig, um so mehr, als die Frauen zum großen Teil von der Bahn abhängig sind, so daß sie oft morgens oder abends eine Stunde auf den Zug warten müssen. Durch einmütiges Vorgehen war es den Arbeiterinnen im Vorjahr gelungen, eine Lohnerhöhung durchzusetzen.— Für die Agitation unter den Tabakarbeilern und -arbeiterinnen in Elsaß und Baden muß noch weit mehr getan werden als bisher. Von den ungefähr 43000 Arbeitern und Arbeiterinnen, die in den Betrieben für die Organisation in Frage kommen, steht die übergroße Mehrzahl dem Organisationsgedanken noch ganz teilnahmlos gegenüber. Dabei verdienen diese Arbeiter nach dem Jahresbericht des Dr. Bittinann Durchschnittslöhne von 493 Mk. im Jahre. In fast allen Versammlungen wurde darüber geklagt, daß die Behandlung sehr viel zu wünschen übrig lasse. In der Kaiserlichen Manufaktur in Straßburg sind sogar dreitägige Aussperrungen verhängt worden wegen Zuspätkommens. Hoffentlich kommt auch für die Tabakarbeitor und-arbeiterinnen in Elsaß und Baden bald die Zeit, wo sie mit Hilfe einer strammen Organisation derartigen Zuständen ein Ende bereiten können. Dazu bedarf es freilich noch einer eingehenden und unermüdlichen Agitations- und Aufklärungsarbeit. Marie Wackwitz . Anfangs dieses Monats fand in Lechhausen eine öffentliche Versammlung statt, in welcher Genosse Klement über die Forderung des Wahlrechts und freien Vereins- und Versammlungsrechts für das weibliche Geschlecht referierte und großen Beifall für seine Ausführungen fand. Die schon in Nummer 22 mitgeteilte Resolution, welche dem bayerischen Landlag übermittelt werden soll, fand einstimmige Annahme. Genossin Zeh forderte die Versammelten auf, die Worte des Referenten zu beherzigen und der gewerkschaftlichen und politischen Organisation beizutreten. Sie machte außerdem Propaganda für die„Gleichheit", die nicht nur den Frauen geisttge Nahrung gebe, sondern auch durch eine besondere Kinderbeilage zur Unterhaltung und zur Erziehung der Kinder im sozialistischen Sinne beitrage. Adelheid Zeh. In einer sehr stark besuchten öffentlichen Frauenversammlung zu München , die Anfang November tagte, referierte Genossin Greifenberg-Augsburg über die„Stellung der Frau in der heuttgen Gesellschaft". Die Referentin schilderte den wirtschaftlichen Kampf des weiblichen Geschlechts, den die kapitalistische Produktionsweise verursacht habe. Die Statistik berichte, daß von 18S2 bis 189ö die Zahl der weiblichen Arbeiter um 19 Prozent, die der männlichen aber nur um 15 Prozent gestiegen ist. Und trotzdem dürfe die die Frau noch heut kein Wort bei der Gesetzgebung mitreden, wohl aber müsse sie Steuern für den Staatshaushalt aufbringen. In ihren weiteren Ausführungen kritisierte Genossin Greifenberg die schlechte Volksschulbildung und forderte zum Schlüsse auf, kräftig mitzuarbeiten an der Erkämpfung des allgemeinen Frauenwahlrechts. Stürmischer Beifall belohnte die Referentin. In der Diskussion wies Genossin Lachenmeyer auf den Frauen- und Mädchenbildungsverein hin, durch den die Frauen sich Wissen verschaffen können, und empfahl das Abonnement der„Münchener Post". 41 neue Mitglieder für den Frauenverein wurden gewonnen. Rosa Fleischmann. In einer öffentlichen Frauen- und Mädchenversammlung in Bielefeld , die im November stattfand, wurde die Abrechnung vom letzten Geschäftsjahr gegeben. Nach ihr betrugen die Einnahmen zusammen 500,12 Mk., die Ausgaben 279,65 Mk. Es ist sonach ein Barbestand von 220,47 Mk. vorhanden. Unter den Ausgaben befinden sich 150 Mk., die dem Agitationsfonds der deutschen Genossinnen in Berlin überwiesen wurden. Die Versammlung wählte als Vertrauensperson die Genossin Köllner und als deren Stell- oertreterin Genossin Schlingmann. Darauf hielt Genosse Schreck einen Vortrag über:„Die Poesie im Leben der Frau". Die Anwesenden lauschten dem Referenten mit sichtlichem Interesse und dankten ihm mit warmem Beifall. Nach kurzer Debatte schloß Genossin Kölln er die Versammlung mit der Mahnung, das Gehörte zu beherzigen. /l. Anfang November fand in Meißen eine öffentliche Frauenversammlung statt, in der Genossin Jhrer-Berlin über„Die Frau im Klassenkampf" referierte. Die Rednerin zeigte die Ursachen auf, die das fortwährende Steigen der gewerblichen Frauenarbeit bedingen, und schilderte die Lasten der proletarischen Frau, die außer der Arbeit in der Familie auch noch in der Fabrik oder in der Heimindustrie fronen muß. Sie wandte sich gegen die grausame Kinderarbeit und forderte die proletarischen Eltern auf, ihre Kinder zu aufgeklärten Menschen zu erziehen. Den Männern machte sie es zur Pflicht, ihre Frauen der Organisation zuzuführen. Die gut besuchte Versammlung nahm den Vortrag mit reichem Beifall auf. Martha Forchel. Jahresbericht der Genossinnen von Erlangen . Im September vorigen Jahres wurde in Erlangen ein Verein der Frauen und Mädchen der Arbeiterklasse gegründet, dem 42 Frauen und Mädchen sofort beitraten. Im Laufe des Jahres stieg die Mitgliederzahl auf 100, ging aber wieder auf 87 zurück. Das neue Vereinsjahr hat jedoch schon wieder Zuwachs gebracht. Im ganzen fanden 131 Aufnahmen statt. Die Gesamteinnahmen des Vereins betrugen 414 Mk., die Ausgaben 392 Mk. Unter den Ausgaben befinden sich 32 Mk., die an den Agitationsfonds der Genossinnen abgeführt worden sind. 120 Mk. wurden für die„Gleichheit" ausgegeben, 40 Mk. für das Austragen derselben und das Einkassieren der Beiträge und 33 Mk. für Agitation. Es fanden 16 Vereinsversammlungen und 3 öffentliche Frauenversammlungen statt. In 10 Versammlungen hielten Genossinnen und Genossen Vorträge, in den übrigen wurde verschiedenes Belehrende gelesen. Bei den Vorarbeiten zu den Reichstagsund Landtagswahlen halfen die Genossinnen durch Falzen und Kuvertieren von Wahlliteratur. Im Laufe des Sommers agitierten sie für den Handschuhmacherverband und führten ihm 40 weibliche Mitglieder zu. Demnächst werden sie für den Textilarbeiterverband agitieren. Um dem Unterhaltungsbedürfnis ein wenig Rechnung zu tragen, wurden ein Masken- und ein Stiftungskränzchen abgehalten. Für die jungen Mädchen findet wöchentlich ein Näh- und Flickabend statt, damit sie besser an der Verein gefesselt werden. Zu dieser Veranstaltung waren die Genossinnen gezwungen, da am Ort ein katholischer Arbeiterinnenverein besteht, der 300 Mitglieder hat und Koch-, Näh- und Bügelkurse abhält. Für das neue Jahr wurden in den Vorstand die Genossinnen Hüttner, Ruppenstein, Winkler, HemmerbacherundRadlerge- wählt. Die Verwaltung wird bemüht sein, auch künstig ihr Bestes zu tun, um zu beweisen, daß die Organisation lebensfähig ist. Marg. Hüttner. Delegiert« der außerordentlichen Frauenkonferenz zu Berlin waren aus: Altona : Linchen Baumann; Berlin : Ida Baar, Fräulein Förster, Fräulein Heinrich; Bernburg : Frau Günther für den ll. Anhalter Wahlkreis; Branden burg a. H.: Frau Behrendt; Chemnitz : Helene Wagner; Crefeld : Wilhelm Reimes; Düsseldorf : Wilh. Kahler; Essen a. Ruhr: Frau Deuper; Frankfurt a. M.: Johanna Tesch ; Grabow -Stettin : Emma Kuschet; Halle a.S.: Anna Sachse; Hamburg : Luise Zieh, Luise Kähler; Hannover : Elise Evers; Kiel : Theodora Niendorf; Leipzig : Frau Hennig; Lucken walde : Berta Hube; Magdeburg : Frau Knöfler; Kreis Nieder-Barnim : Elise Neumann; Regensburg : Magda Hagen; Spandau : Frau Strehlke; Kreis Teltow -Beeskow : Marie Thiel; Zerbst : Frau Fräßdorf. Als Gäste waren anwesend: Genossin Baader, die Vertrauensperson der Genossinnen Deutschlands , als Einberuferin der Konferenz; Genossin Zettin als Redakteurin der„Gleichheit"; Genosse Eberhardt-Charlottenburg als Vertreter des Parteivorstandes; Genosse Boeske als Vertreter des Verbandes der sozialdemokratischen Wahlvereine Berlins und Umgegend; Genosse Schmidt, GewerkschastssekretärvonHannover; Genosse Poetzsch vom Verband der Gastwirtsgehilfen. Weibliche Delegierte zum Landesparteitag der preußischen Sozialdemokratie. An den Verhandlungen des zweiten Parteitags der preußischen Genossen nahmen 18 weibliche Delegierte teil. Fast alle größeren Zentren der proletarischen Frauenbewegung, die zu der außerordentlichen Frauenkonferenz delegiert hatten, waren auch durch Genossinnen auf dem Parteitag vertreten. Die Gleichberechtigung der Geschlechter in der Sozialdemokratte ward dadurch bekundet, daß Genossin Weyl als Schriftführerin dem Bureau angehörte, das die Verhandlungen leitete, und daß Genossin Neumann in die fünfzehngliedrige Kommission gewählt ward, welche den Organisationsentwurf beriet. An den Debatten beteiligten sich die Genossinnen Thiel, Weyl und Zieh. Genossin Thiel begründete es, daß die Genossinnen ihren Antrag, das Frauenwahlrecht betreffend, zurückzogen, da die Forderung dieser Reform in der Resolution der Referenten Adler und Arons enthalten war. Die prinzipielle und praktische Bedeutung des Eintretens für das Frauenwahlrecht bei dem bevorstehenden Wahlrechtskampf wies Genossin Zieh überzeugend nach, die in ihrer Rede außerdem scharf die Notwendigkeit betonte, den Kampf für die Demokratisierung des Wahlrechts als proletarischen Klassenkampf zu führen und jede Illusion auf Unterstützung seitens der bürgerlich-liberalen Parteien fahren zu lassen. In einer zweiten, nicht minder eindrucksvollen Rede begründete Genossin Zietz eine Resolution, welche gleichzeitig eine Sympathiekundgebung für Genossen Liebknecht und ein Kampfesruf gegen den Militarismus war. Genossin Weyl vertrat in trefflichen Ausführungen die Anträge der Berliner Genossinnen, die Errichtung kommunaler Kindergärten betreffend, und wies dabei auf die Verpflichtung der Eltern hin, auch der häuslichen Erziehung ihrer Nachkommen vermehrte Sorgfalt zuzuwenden. Politische Rundschau. Die parlamentarische Saison hat begonnen. Reichstag und preußischer Klassenlandtag tagen, und die Minister stehen Rede und Antwort und offenbaren die Absichten der Regierungen. Für das arbeitende Volk sind sie nichts weniger als erfreulich. Die Sozialdemokratte hat im Reichstag in Form einer Interpellation die Forderung gestellt, daß in dieser Zeit der hereinbrechenden Krise, da die Arbeitslosigkeit schon weitere Kreise zu ziehen beginnt und dazu eine Teuerung der wichtigsten Lebensmittel tritt, wenigstens die künstliche Verteuerung der Nahrung beseitigt werde, die durch die Lebensmittelzölle und andere Maßnahmen, wie Grenzsperren für ausländisches Vieh, herbeigeführt wird'. Die Antwort der Reichsregierung, erteilt von dem neuen Staatssekretär für Sozialpolitik, war ein schroffes Nein. Erstens würde die Aufhebung der Zölle auf Getreide uns nichts helfen, meinte Herr v. Bethmann-Hollweg , weil die Teuerung allgemein sei, und zweitens sei die Aufhebung nicht angängig, weil sie die Landwirtschaft— lies die Großgrundbesitzer— schädigen würde. Das eine Argument schlägt das andere tot. Kann die Aufhebung der Zölle nichts nützen, wird sie keine Verbilligung des Brotes bringen, so kann von einer Schädigung der Großgrundbesitzerinteressen keine Rede sein— wird d i e aber befürchtet, so ist damit zugestanden, daß das deutsche Volk durch Aufhebung der Zölle zu billigerem Brote kommen könnte. Und das würde allerdings der Fall sein, da die Teuerung des Getreides zwar allgemein, aber in Deutschland am höchsten ist: steht doch der Preis hier um den vollen Betrag des Zolles höher als auf dem Weltmarkt. Qber solche unbequeme Tatsachen, die der sozialdemokratische Redner Genosse Scheidemann scharf hervorhob, glitt aber der Staatssekretär still hinweg und mit ihm die Redner der Agrarier aller Parteien, der Konservativen, der Nattonalliberalen und des Zentrums, die die Regierungsertlärung mit aufrichtigem Dank entgegennahmen. Der Arbeiter mag nur darben, damit der Junker die standesgemäße Lebenshaltung nicht herabzusetzen brauchr. Die Teuerung ist gar nicht so schlimm, denn sie ist ja vorübergehend, und vorübergehender Hunger tut nicht weh. So meinen offenbar die Wucherzöllner. Interessant war die Haltung der getreuen Blockknappen vom Freisinn. Der Redner der Volkspartei, Herr Gyßling, versicherte, daß der Freisinn unentwegt die Zölle bekämpft— in der Theorie. Aber man solle doch nicht immer davon reden. Und die zeitweise Aufhebung der Zölle ist bedenklich. Die Freisinnige Vereinigung schickte Herrn Naumann vor, der etwas mannhafter austrat und sich auch für die Aufhebung der Zölle erklärte, aber doch nicht unterlassen konnte, den Junkern einige Worte der Entschuldigung für eine frühere temperamentvolle und sehr treffende Kennzeichnung der Zollwucherpolitik zu sagen. In der Sonne des Blockes wird die freisinnige Bekämpfung der Hungerzölle maßvoll, wie der Zentrumsagrarier Herold speziell Herrn Gyßling dankend bezeugte. Eme zweite Interpellation der Sozialdemokratie forderte Maßnahmen gegen die vom Kohlensyndikat künstlich herbeigeführte Kohlennot und Kohlenteuerung. Genosse Molkenbuhr, der sie begründete, ging bei der Gelegenheit dem von allen bürgerlichen Parteien gern und laut gesungenen Liede von der gewaltigen Steigerung der Arbeiterlöhne mit amtlichem Material wirksam zu Leibe. Als Maßregeln, die imstande wären, den für Industrie und Landwirtschaft und alle Haushaltungen unentbehrlichen Brennstoff, den Kraft- und Wärmespender, vor künstlicher llberteuerung zu bewahren, bezeichnete er die Überführung der Bergwerke— der vom Privatkapitalismus wie vom preußischen Fiskus ausgebeuteten, der sich in der Preispolitik vom Kohlensyndikat nicht unterscheidet und es in der Ausbeutung und Knechtung der Bergarbeiter noch übertrifft— in das Eigentum und die Verwaltung des Reichs, den Maximalarbeitstag für die Bergleute, die Schaffung billiger Transportwege(Kanäle) und die Aufhebung der Ausnahme-Eisenbahntarife, die die Kohlenausfuhr begünstigen. Kein Redner aus dem Hause wagte die Kohlenwucherer in Schutz zu nehmen— die Kohlenteuerung erscheint selbst den Junkern verwerflich, die die Brotteuerung gerne sehen. Denn Getreide verkaufen die Herren, Kohle aber kaufen sie. Mit einer Herabsetzung der Kohlenpreise wären alle Parteien sehr zufrieden, doch die radikalen Vorschläge der Sozialdemokratie gefallen ihnen nicht. Eine Änderung der Gütertarife ist alles, was sie riskieren. Selbst eine solche konnte aber der Regierungsvertreler, der preußische Handelsminister Delbrück , nicht einmal sicher in Aussicht stellen. Er war der einzige, der die Kohlenbarone gegen den Vorwurf des Wuchers etwas zu verteidigen suchte; was nicht zu verwundern braucht, da der preußische Staat als Kohlenverkäufer nicht viel weniger auf dem Kerbholz hat als jene- Dem Hinweis Molkenbuhrs auf die Knechtung der staatlichen Bergarbeiter im Saarrevier setzte der Herr Minister kühn die Forderung entgegen, man solle ihm nachweisen, daß er jemals einen Bergarbeiter der staatlichen Betriebe in seinen staatsbürgerlichen Rechten beeinträchtigt habe. Die Mehrheit machte es durch Vertagung der Weiterberatung dem Genossen Huö unmöglich, den Nachweis zu erbringen, daß das System der Knechtung und llberzeugungsvergewaltigung, wie es seinerzeit der Prozeß Krämer-Hilger enthüllt hat, unverändert fortdauert, unbeschadet der guten oder schlechten Absichten des Herrn preußischen Bergwerksministers Delbrück . Die beiden Interpellationen haben gelehrt, daß das deutsche Volk von der Regierung und den bürgerlichen Parteien auch nicht die geringste Linderung der Not zu erwarten hat, die Teuerung und Krise bringen. Die ersten Tage der Etatsberatung im Reichstag zeigten, daß es zum Ausgleich obendrein noch neue indirekte Steuern beschert er-
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17 (9.12.1907) 25
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