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Die Gleichheit
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öcgcnwatt. von iuliwig ver Wandler sinnt, wohin den Schritt er richte, Das Herz verstummt, weiß nicht, wofür es schlage: Äein Jubel bebt in ihm und keine Klage, Sein Glauben und sein Hoffen ward zunichte. Wo eine Heimat flch die Sehnsucht dichte, Auf jeder Lippe steht die stille Frag«; In jedem Aug' der Durst nach einem Tage, Der diese �stacht mit seiner Klarheit lichte. So brütet Schwüle auf des Lebens Wogen, Wenn eine alte Zeit hinabgegangen Und noch die neu« nicht heraufgezogen. Wann wirst du schwinden, ahnungsschweres Bangen? Man steht ja längst am dunkeln Himmelsbogen Der neuen Sonne erste Strahlen prangen.
Lleber Vulkanen. Von Leon Hovy. Weil er»gehetzt" hatte unter den Brüdern und»Aufruhr" gepredigt gegen die Herren, lag der Leitner Johann nun auf der Straße, im klingenden Frost. Sein junges Weib bangte der bittersüßen Stunde entgegen, da es zum erstenmal durch das dunkle Tor der Schmerzen in das stillgeahnte Land der Mutterfreude treten sollte. Eisig wehte der Wind; des Weibes Herz erschauerte und klammerte sich an des Mannes Trotz. Die»Herren der Berge" hatten sich zusammengetan und einander das Versprechen abgenommen, jeden ihrer Heloten aufs Pflaster zu werfen, der es wagen würde, als Rufer im Streit die Kameraden zu tKeschlossenheit und Trotz zu mahnen. Da unten in den Städten tobte der Kampf, daß eS davon hin und wieder einmal bis zu den öden Bergen heraushallte. Aber die Herren hielten die Zügel so straff in der Hand, daß lange kein Begehren in den Gefesielten zum Bewußtsein kam. Zwölf Stunden Arbeit, Kartoffeln und trockenes Brot: die Faust in den Nacken euch dummen Teufeln! Aus der großen Weltesse, unter der Millionen das Feuer schürten, sprühten vereinzelte Funken bis hinauf, wo die Ärmsten über Vulkanen in der Fron verdarben. Unter ihren armseligen Hütten hatte sich vor Jahrtausenden der Schlund der Erde geöffnet und zornig ausgespien, was schlecht und unverdaut im Bauche des Kolosses geruht. Und abermals Jahrtausende hatten mit ihren Umwälzungen das Maul des Riesen verstopft. Auf den Höhen fronte nun ein armes hungerndes Ge- s /echt. Weber und Messerschmiede, Glasbläser und Spielzeugverfertiger plagten sich mit Weib und Kind, so viel zusammenzuscharren, um eine dürftige Maske für die Fratze des Hungers erschwingen zu können, vor dessen Zähnefletschen ihnen graute. Das Wort von der Wohltat der Arbeit war zum Hohn geworden.„Ihr habt zwar nichtst, aber das habt ihr wenigstens regelmäßig!" So der Trost- und Warnspruch der Arbeitgeber,—»darum freut euch der Arbeit, die wir in eure Hände legen!" Wie ein hallendes Hohngelächter fegte der Sturm durch die Bäume, packte die Stämme und prallte sie gegen einander, als wollte er aus umnebelten Hirnen ..> Funken der Erkenntnis schlagen. Klirrend prasselten die Eisbehänge der Aste zu Boden wie alte Satzungen verbrauchter Zeiten. Der götzenzertrümmernde, weg- bahnende Sturm ließ ein fernes Licht erkennen, zu dem der Weg noch weit und mühsam war. Aber es leuchtete doch. Tie Leute oben über den toten Vulkanen waren nicht feig, aber die ewige Knechtschaft hatte eiserne Klammern um ihren Willen geschmiedet und ihr Kraftbewußtsein gelähmt. Wie eine glühende Kohle schwelte es unter dem Wust graublinkender Asche. Manchmal bäumte sich eins der müden Herzen aus und ein brünstiges Stammeln rang sich empor: wenn doch der Sturm käme! Hin und wieder flogen Funken aus der großen Esse der Zeit herauf. Ein Agitator kam und schoß den Pfeil einer glühenden Rede in elendsmorsche Herzen. Die Flamme züngelte und lohte empor und Augen blitzten, doch bald war der Stumpfsinn wieder da mit den Sorgen um die Hungerexistenz. Die Herren waren wie Spürhunde auf dem Posten und warfen jeden auf die Gaffe, der ihnen als Hetzer erschien. Ter Leittier Johann war der erste, der es wagte, sein Menschentum zu bekennen und zu wahren. Ihn hatte die Erkenntnis von seiner Brüder Not so tief getroffen, daß er sein eigenes Wohl und Wehe darüber vergaß. Ein Fieber nach Wissen war über ihn gekommen. Als er zu sehen begann und zu begreifen, hielt keine Macht der Welt ihn davon zurück, das flammende Wort unter die zagenden Kameraden zu werfen: Proletarier, vereinigt euch! Die Schweißhunde der Herren hatten ihn aufs Korn genommen. Erst bellten sie; der Tapfere lackte nur.
Dann bissen sie zu, grausam fletschend, die ganze Meute. Er flog aufs Pflaster, keiner gab ihm Arbeit, ihm und seinem jungen Weibe, der blonden Marie. Ter Leitner stieg in grimmigem Trotz durch die Lichtung des Waldes, höher hinauf nach der Ode. Er hatte den letzten Versuch gemacht, Arbeit zu bekommen. Ter Faktor der Weberei halte ihn noch einmal vor die Alternative gestellt: entweder— oder! Mit anderen Worten: heuchelnde Demut oder— Hunger. Die Herren der Berge glaubten ihn in den Staub gedcmütigt zu haben, aber er lachte ihrer. Ihnen ins Gesicht den lachenden Trotz, im Herzen brennende Sorge um Marie. Seit Ansang des Monats hauste er mit seinem Weib im— Armenhaus. Er hatte die Miete nicht bezahlen können, und weil das Haus, in welchem sie gewohnt hatten, dem„Herrn" gehörte, mußten sie die Wohnung räumen. Es gab keinen anderen Ausweg als die elende Hütte abseits des Ortes, die nian das Armenhaus nannte. Hier hatte er seinen Webstuhl aufgestellt, um zu versuchen, auf eigene Rechnung ein»Stück" zu weben; das erforderliche Garn hatte er glücklicherweise noch beschaffen können. Leittier stieg schneller hinan. Eine innere Angst hielt ihn in den letzten Tagen beständig gefangen. Marie lag allein in der elenden Hütte. Sie war leidend, und die schwere Stunde konnte über Tag oder Nacht hereinbrechen. Das Brot war knapp, und wenn es einen Steinivurs abwärts Holz die Hülle und Fülle gab, sie mußten frieren, am Tage in dem halbverfallenen Raum, in der Nacht in den dünnen Betten. Der Mann war unten beim Krämer gewesen und hatte ein bißchen Kaffee und Zucker und andere nützliche Sachen für den Haushalt auf Kredit erhalten. Der Krämer ivar ein guter Kerl und traute dem ins Elend gedrängten Weber und seiner geraden Ehrlichkeit. Ter Schnee knirschte wie frischgeschütteter Kies unter den dicken Sohlen. Ein eisiger Wind verschlug dem Vorwärtsdrängenden den Atem, daß er ab und zu stehen bleiben mußte. Aber bei dem Gedanken an das einsame Weib eilte er aufs neue rasch empor. Als Leitner an der»Teufclskanzcl" augelangt war, lehnte er sich einen Augenblick gegen den Felsen und schaute in der Richtung ins Tal, aus der er gekommen war. Tort unten lag die Villa des„Herrn". Aus den Fenstern der oberen Zimmer flutete eine breite Lichtwelle hinaus auf die Schneeebene. Sie mochten wohl Gesellschaftsabend haben oder so etwas, die da unten. Weiter links die Höhen hinaufsteigend schimmerten verstteute Lichtlein aus den Hütten der Arbeiter. Schüchtern flimmernd schienen sie um Verzeihung zu bitten für die Kühnheit, daß sie brannten. Und es war dem stillen Mann ani Felsen, als verschlänge das große Licht da unten im Tal mit seinem aufdringlichen Schein die Schar der kleinen müden Lichter in der Runde, Stück um Stück. Und doch hatte jedes von seinem kärglichen Glanz das Beste geben müssen, um jenem die Kraft zu seinem hellen Schein zu spenden! Der Leitner ballte die Faust; ein grimmiger Gedanke enttang sich seinem Hirn: Begehrlich? Nein, begehrlich seid ihr nicht, ihr armen, kleinen Lichter dort, die ihr nicht einmal ein einziges Teilchen von eurem Rechte zu leuchten fordert. Ein froher Gedanke stieg mit wärmender Kraft in seiner Seele auf: es niuß gelingen, die dürftigen Lichtlein da drüben, deren jedes nur ein Glühwurm scheint, zu e>. w mächtigen Flamme zu einen, die das gleißende Licht da unten nicht mehr zu fürchten braucht. Es wird, es muß gelingen! Über dem Gedanken an das Glück seiner Brüder hatte er das eigene Unglück ganz vergessen. Gestärkt und innerlich erhoben schritt er dem dürsligen Heim entgegen. Als die Gruppe verkrüppelter Föhren vor ihm ausrauchte, hinter der das Armenhaus wie ein Bettter lag, der seine Blöße mit Lumpen decken will, schlug sein Herz stark und bang. Eine Welle heißer Zärtlichkeit quoll in ihm auf: Marie, du Liebe! Aber wie der Blitz in ein reifes Garbenfeld schlug ein wilder, haßgeborener Gedanke in seine liebeglüheude Seele: Mein Weib, wie haben sie dich geqält und— o, mein Kind! Noch schläft's im Mutterschoß, und schon schüttelt mich Sorge um das Ungeborene! Wie kann aus dem Schöße der Notgepeinigten ein starkes, schicksalbesiegendes Leben sich lösen! Verflucht, die ihr unS schon im Mutterleib in Fesseln schlagt! „Marie!" Angstgefoltert stürmte er mit langen, raschen Schrillen dem Häuschen zu. Als er ihm näher kam, stutzte er und blieb verwundert stehen. Aus dem windschiefen kleinen Schornstein stieg eine blaue Rauchsäule kerzengerade in die frostklare Luft. Was ist das? Liegt Marie nicht mehr zu Bett, oder...! Er sprang mit mächtigen Sätzen zur Hütte hinauf und stieß die Türe aus. Ein dünneS Kindcrstimmchen weinle ihm entgegen. Sein Herz wollte stille stehen. Da hörte er mehrere Stimmen, und aufatmend sagte er:„Wie bin ick kroh!"
Als er ins niedere Zimmer trat, sah er zwei Kameraden und die alte Hebamme des Torfes beisammenstehen. Er schob sie wortlos beiseite und stand am Lager seiner Frau. Wachsbleich, mit geschlossenen Augen lag Marie, das Gesicht nach der Wand gekehrt. „Marie!" gurgelte seine rauhe Stimme wie ein unterdrückter Schrei. Da wendete sie den Kopf mit Mühe ein wenig, schlug die Augen auf und ließ sie lange in seinem-Blick ruhen, der zitternde Angst und steigenden Jubel umschloß. Und was ihm aus den großen braunen Augen seines Weibes entgegenschlug, war so keusch und seelenbezwingend, daß er das Haupt in ehrfurchtsvollem Schweigen neigte. Marie löste die müden Arme vom Kissen und hob sie ihm bebend entgegen. Da neigte er den Kopf noch tiefer, daß sie die Arme um seinen Nacken legen konnte. So verharrten sie sekundenlang in tiefem Schweigen. Tie drei auf der anderen Seite des Zimmers wagten kaum zu atmen. Als der Leitner Johann wieder hoch und stark wie sonst vor ihnen stand, reichten die Kameraden ihm die Hände, und er sagte glücklich:„Daß ihr hier seid, das freut mich. Auf euch Hab' ich gebaut— nicht für mich, für uns alle. Ihr müßt mir helfen!" Und die Männer nickten und sagten einfach:»Versteht sich von selbst, Genosse!" Das Wort»Genosse" flog wie ein Sonnensttahl durch den ärmlichen Raum. Dann hielt die alte Hebamme dem jungen Vater ein Bündelchen entgegen, aus dem das weinende Stimmchen drang:„Da Haft du dein Christkind!" Und als er fragend aussah, setzte sie hinzu:»Morgen ist Weihnacht!" „Weihnacht— ich hatte es ganz vergessen," sagte Leiwer nachdenklich,»Weihnacht ist nur für die, die etwas geschenkt bekommen!" Da alte Weiblein sah den jungen Vater mit einem vorwurfsvollen Blicke an, und er beschaute sich das Kind nun erst richtig. Armselig war es schon und, ach, so klein! Aber—! Wie eine schöne Hoffnung blühte es in ihm empor: ein Junge ist's— wenn der einmal ein Heiland würde den Armen und Ärmsten hier oben! Er drückte das kleine Bündel wie eine seltene Kostbarkeit an seine Brust, daß die Alte laut aufschrie und es ihm hastig aus den Händen nahm. Die Männer lachten. Leitner Johann fuhr sich mit der Hand über die Stirne und sagte zu sich selbst:»Nur keine Hirngespinste! Es soll ein ganzer Kerl werden, mein Junge. Wir anderen aber wollen nicht auf den Heiland warten, wir wollen arbeiten und uns selbst erlösen!" Ein neues Christkind ist auf die Berge gestiegen zu den Annen, die über Vulkanen der Erlösung entgegenhungern. Und dieses Christlind wird sie erlösen.
Mcne ückel. von emäNllcl Seidel. Hei, wie die Tafeln sind geschmückt, Wie klar die Kerzen erglommen! Wer singt und lacht und Rosen pflückt, Der ist zum Zest willkommen. Musik erklingt den Saal heraus, Schöne Mädchen warten auf In leichten, losen Gewanden. Sie tanzen um das goldene Kalb, Sie fallen ihm gar zu Lützen , Sie rufen: eh' das Laub wird falb, Hilf du die Lust uns dützen! Ucberschäumt im Kelch der Wein— Ich drücke mich stumm in den Winkel hinein. Mir schaudert das Her; im Leibe. Mir ist'», durchsichtig wird die Wand, Und draußen dicht und dichter Da drängen sich bei Lackeldrand Diel tausend Hungergesichter: Durchs Gewühl mit riesigem Leib Herschreitet kampsgeschürzt ein Weib, Sie trägt blutrot eine Mühe. Und sieh, der Boden wird zu Glas, Und drunten seh' ich sitzen Den Tod mit Augen hohl und gratz Und mit der Sense blitzen; Särg' aus Särge ring» getürmt— Doch drüberhin wie rasend stürmt Der Tanz mit pfeifen und Geigen. Sie haben Augen und sehen'» nicht, Sie prassen fort und lachen. Sie hören's nicht, wie zum Gericht Schon Balk' und Säule krachen; Lauter jauchzt der Geige Ton— Ihr Männer, ihr Weiber von Babylon, Mens Tekel, Upharsin! verantworlltch für die SteSaNton: Ar.«lara ZerNn lZuntUl. WUHelmthS»» Post Teg-rloch de> Stuttgart. «rua im» vertag«an Paul Stnger tu Stuttgart .