Nr. 19

Die Gleichheit

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und angeblich auch die Interessen der Arbeiter vertritt: vom Zentrum! Selbst wenn das Werk in dieser Gestalt nicht Gesetz wird und das Zentrum noch in letzter Stunde wieder von der Regierungskrippe fortgestoßen werden sollte, wird es für alle Zeit vor dem Volke die Verantwortung für diese grimmig volts. feindliche Reform" zu tragen haben. A

lich im Tabakverbrauch wird der Rückgang nicht ausbleiben, da die Vecteuerung durch die Steuer viele Raucher zu einer Einschränkung ihres Konsums zwingt. Ganz besonders müßte auch die Zündholzsteuer die Arbeiter schädigen. Sie würde eine sehr erhebliche Verteuerung der Zündhölzchen im Gefolge haben: ein Hinaufschnellen des Preises für ein Zehnpfennigpaket auf 25 Pf. Eine ftarfe Einschränkung des Verbrauchs und Vers wendung von allerlei Ersagmitteln stets brennende Spiritus lämpchen und dergleichen müßte sich fühlbar machen, und die Zeche hätten die ohnehin gering entlohnten Zündholzarbeiter des Weltbundes für Frauenstimmrecht.

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und arbeiterinnen zu zahlen in Gestalt von Verlust ihrer Be­schäftigung oder schwerem Lohndruck. Der Kohlenausfuhrzoll wird die Kohlen im Inland verteuern. Die Kohlengruben­besitzer haben durch ihre mächtigen Vereinigungen den deutschen Markt in der Gewalt und können daher die Belastung durch den Zoll mittels erhöhter Preise auf die deutschen Verbraucher abwälzen. Eine Preiserhöhung auf den ausländischen Märkten dürfen die Herren nicht wagen, weil sie da die Konkurrenz der englischen, belgischen, französischen und österreichischen Kohlen auszuhalten haben. Die Verteuerung der von der Industrie verbrauchten Kohlen wird zum großen Teil auch wieder der Verbraucher in erhöhtem Preis der Industrieprodukte decken müssen. Wenn man übrigens den Anteil der Wohlhabenden an allen diesen Steuern erwägt, so darf man nicht vergessen, daß sie bei der Fahrkartensteuer eine direkte Entlastung auf Kosten der Reisenden vierter und dritter Klasse erfahren sollen.

So ist es natürlich nicht zu hoch gegriffen, wenn man von den 366 Millionen, die diese Verbrauchssteuern und Zölle von der Braufteuer bis zur Fahrkartensteuer bringen sollen, 350 Millionen als Belastung der Arbeiterklasse und des kleinen Mittelstandes rechnet, die Kleinbauern inbegriffen.

Diesen 350 Millionen, die die Proletarier, fleinen Bürger und Bauern zahlen sollen, stehen ganze 18 Millionen Lurus­fteuern" gegenüber, die Seftsteuer mit 8, die Parfüm, Seifen­und Zahnwassersteuer mit 10 Millionen Mart. Diese Lurus­steuern treffen dabei noch nicht einmal ausschließlich die Reichen. Die Steuer auf Parfüms, wohlriechende Seifen und Zahn­waffer muß zu einem gewissen Teil auch von den Arbeitern und Kleinbürgern getragen werden, denn auch von ihnen werden billige wohlriechende Seifen, Haaröl, Pomade und Zahnwasser gebraucht, und eine Einschränkung solchen Verbrauchs wäre ficherlich fein Kulturfortschritt.

Die reinen Besitzsteuern der Rumpffommission Wertzu wachssteuer auf Grundstücke, Umsatzstempel und die Kotierungs­steuer auf Wertpapiere sollen nach den Ansätzen der Kom­miffion 140 Millionen Mark bringen. Sicherlich lassen die verbündeten Konservativen und Zentrümler hier noch erheblich abhandeln, und wenn die Regierung ihren Vorschlägen die Santtion erteilt, so werden noch bedeutende Beträge im Inter­esse der einflußreichen Börsianer und Industriemagnaten ab­gesetzt werden. Bemerkenswert ist die Geschicklichkeit und Un­verschämtheit, mit der die Großgrundbesizer sich bei dieser Befitbesteuerung fast völlige Steuerbefreiung zu sichern unternehmen. Börse, Industrie, Handel und städtischer Grundbesitz würden von diesen vorläufig angesetzten 140 Millionen ungefähr drei Viertel, der ländliche Groß grundbesitz aber höchstens ein Viertel zu tragen haben! Das Fazit des konservativ- klerikalen Werkes also ist: 350 Millionen werden der Arbeiterklasse und den kleinen Bürgern und Bauern aufgehalst, das bewegliche Kapital und der städ­tische Grundbesitz sollen ungefähr 130 Millionen zahlen, und der ländliche Großgrundbesiz, das heißt die Junkerschaft, über­nimmt gnädigst 40 Millionen Mark. Zehntausende von Ar­beitern aber verlieren ihre Arbeit und Hunderttausende haben mit äußerster Schwierigkeit zu rechnen, ihre jezigen ohnehin unzureichenden Löhne zu behaupten. Während das Elend des Proletariats vermehrt wird, erhalten die Junker ihr Privi legium garantiert, den Staat weiter bei der Einkommensteuer­einschätzung gröblich übers Ohr zu hauen.

Und dieses Wert wird nicht von den Junkern, sondern auch von der Partei gezeichnet, die angeblich eine Volkspartei ist

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Der Londoner Kongreß

( Schluß.)

H. B.

Die Frage der Taktik, welche sich dem Kongreß aufdrängte, war aller Nebensächlichkeiten entkleidet in ihrem wesent lichen Kern die folgende: Müssen die bürgerlichen Frauenstimm­rechtsorganisationen im Kampfe für die politische Emanzipation nicht alle Mittel anwenden, welche unter den gegebenen Um­ständen Erfolg versprechen? Dürfen sie daher nicht auch solche Kampfesmittel gebrauchen, die noch nicht von der Tradition geheiligt worden sind, ja die im Gegensatz zu ihr stehen? Kampfesmittel, die vielleicht von dem Anstandskodex bürger­licher Kreise gemißbilligt werden, welche den politischen Kampf mit Kaffeekränzchenschwatz verwechseln; Kampfesmittel, die in Konflikt mit Polizei, Gerichten, Regierung bringen, furz mit allen öffentlichen Gewalten, in denen sich für die besitzenden und herrschenden Kasten und Klassen die heilige Ordnung segensreich" verförpert.

Diese Frage lag der frauenrechtlerischen Tagung nicht als theoretisches Problem vor, als Doktorfrage über ungelegte Eier. Eine unzweideutige Antwort heischend trat sie in der sehr kon­freten Gestalt des Vorgehens der englischen Suffragettes an sie heran. Und dieses Vorgehen hatte die Frage in Wirklich­feit bereits durch die Praxis beantwortet, noch ehe daß sie zur Diskussion gestellt worden war. In der Tat: die englischen Suffragettes hatten bewiesen, daß die rücksichtslose Anwendung aller verfügbaren Kampfesmittel der Forderung des Frauen­rechts wie jedem politischen Ziel nüßlich ist. Mit robustem realpolitischem Instinkt hatten sie die alte Taktik ,, weiser Mäßi­gung" und" flugen Wohlverhaltens" beiseite geschoben, die ab­zuschmeicheln hofft, wo es abzutrogen, zu erobern gilt. Eine marktschreierische Reklame, die einen Barnum als Stümper er­röten machen könnte, hatten sie in den Dienst ihrer Sache ge­stellt, wie die planmäßige Störung der öffentlichen Ruhe und Ordnung" in den Straßen, in den geweihten Räumen des Barlaments. Sie waren vor einer systematischen Belästigung" der Minister und führenden Politiker, vor einem schonungs­losen Kleinkrieg gegen die liberale Regierung und seiner Frucht: vermehrter Macht der Konservativen ebensowenig zurückgeschreckt wie vor Handgemenge mit den Polizisten, vor Gefängnis und Geldstrafen. Und der Erfolg? Kein Zweifel: die Suffragettes haben die Forderung des Frauenstimmrechts in der kurzen Spanne von etwa zwei Jahren mehr gefördert, als die alte bewährte" Taktif das in langen Zeitläufen getan hat.

War damit nicht die Entscheidung über die Frage der frauenrechtlerischen Taktik und das Verhalten des Weltbundes" zu den Suffragettes gegeben? So sollte man meinen, wenn man die Entwicklung der Dinge unter dem Gesichtswinkel einer einheitlichen," unpolitischen Nichts- als- Frauenbewegung" be­trachtet. Da jedoch besagtes Püppchen nicht Blut, sondern nur Sägespäne im Leibe hat, kam es anders. Und das gründlich. Die englischen Suffragettes waren durch ihre Taktik in Gegensatz zu den Vertreterinnen der ehrwürdigen Praxis des Maßhaltens" geraten, die man unter dem Namen der Suffragists " zusammen­faßt. Und dieser Gegensatz hatte sich ein anscheinender Wider­spruch!-gerade mit den wachsenden Erfolgen der neuen Kampfes­methoden stetig verschärft. Noch auf dem Amsterdamer Kongreß des Weltbundes" standen Suffragettes und Suffragists freund­nachbarlich nebeneinander. Welch ein Schauspiel und welch ein Beispiel! Die Schwesternschaft des gesamten weiblichen Ge schlechts ist doch kein leerer Wahn, fie trozt allen Meinungs­unterschieden über die Tattit, sie überbrückt ebenso die partei­