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Nr. 21

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21. Jahrgang

Die Gleichheit

Zeitschrift für die Interessen der Arbeiterinnen

Mit den Beilagen: Für unsere Mütter und Hausfrauen und Für unsere Kinder

Die Gleichhelt erscheint alle vierzehn Tage einmal. Preis der Nummer 10 Pfennig, durch die Poft vierteljährlich ohne Bestellgeld 55 Pfennig; unter Kreuzband 85 Pfennig.

Jahres- Abonnement 2,60 Mart.

Inhaltsverzeichnis.

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Stuttgart

17. Juli 1911

Der achte Kongreß der deutschen Gewerkschaften. Kapitalistische Sozial­reform". III. Von Luise Ziek." Harmonie der Interessen." Von Julian Borchardt. - Genossenschaften und Arbeiterbewegung. Von h. d. Vom ersten Kongreß des Frauenbundes in Italien . Von Angelika Balabanoff. Für und wider das Frauenwahlrecht. Ein erfolgreicher Tarifabschluß in der Portefeuilles- und Reiseartikelindustrie. Von H.-d. Aus der Bewegung: Von der Agitation. Konferenz ber Jugendausschüsse Mittelfrankens. Zweiter Jahresbericht der Kinderschutzkommission für Meißen und Umgegend. Politische Rundschau. Von H. B. Ge­werkschaftliche Rundschau. Aus der Holzarbeiterbewegung. Bon fk. Aus der Textilarbeiterbewegung. Von h. j. Zum Streit in den Singerschen Nähmaschinenwerken. Notizenteil: Wohnungsfrage.- Frauenstimmrecht. Die Frau in öffent­lichen Aemtern. Berschiedenes.

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Der achte Kongreß

der deutschen Gewerkschaften.

Die Dresdener Tagung hat die toten Zahlen der Berichte über die Entwicklung der freien Gewerkschaftsverbände durch ein Stück fraftvolles, blühendes Leben illustriert. Sie ließ die Macht erkennen, welche diese festgefügten Organisationen zu Schutz und Truz für die Interessen der Ausgebeuteten dem ausbeutenden Unternehmertum entgegensetzen können; sie zeigte aber darüber hinaus auch die Geschlossenheit ihrer Reihen und die überlegene Entschlossenheit, mit der sie dem Feind jeden Fuß Boden seines Herrschaftsgebiets streitig zu machen ge­sonnen sind. Dem Feinde, über dessen Natur und Wesen keine Täuschung vorhanden ist, und dem die freien Gewerkschaften zielklar des Proletariats eigene Kraft entgegenstellen. Durch alle Verhandlungen und Beschlüsse der 386 Delegierten, die zu­sammen 2276395 Mitglieder vertraten, schimmerte der Boden des Bewußtseins vom Klassenkampf zwischen Kapital und Arbeit hindurch, auf dem die zentralisierten Verbände stehen, und aus dem ihr Handeln Richtung und Stärke empfängt. Trat dementsprechend auf dem Kongreß ihr Charakter als proletarische Kampfesorganisationen und damit ihr Gegensatz zu der bürgerlichen Gesellschaft unzweideutig in die Erscheinung, so nicht minder ihr unzerstörbarer Zusammenhang mit den beiden anderen Strömen der modernen Arbeiterbewegung: den Genossenschaften und der Sozialdemokratie. Wie könnte es auch anders sein angesichts der Situation, welche dem kämpfenden Proletariat durch die fortschreitende Entwicklung des Kapita lismus geschaffen wird und die ihr entsprechende Erweiterung und Vertiefung der Klassengegensätze, die in den gewaltigen Streits und Aussperrungen der letzten Jahre wie in den poli­tischen Dingen ihren Ausdruck gefunden hat. Diese Entwicklung trennt die Gewerkschaften von allen sozialen Mächten, die au der Ausbeutung der schaffenden Bevölkerung teil haben und sie aufrecht erhalten wollen sei es auch unter gemilderten Formen, und sie führt auf der anderen Seite alle Verteidiger der proletarischen Klasseninteressen zu einer unwiderstehlichen Phalanx zusammen.

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Mit erhebender, mustergültiger Arbeitsfreudigkeit hat sich der Kongreß der Doppelaufgabe gewidmet, die Gewerkschaften immer

Zuschriften an die Redaktion der Gleichheit find zu richten an Frau Klara Zetkin ( 3undel), Wilhelmshöhe, Poft Degerloch bei Stuttgart . Die Expedition befindet sich in Stuttgart , Furtbach- Straße 12.

beffer zum Kampf gegen die kapitalistische Ausbeutung zu rüsten, gleichzeitig aber auch die breitesten Massen der Ausgebeuteten selbst in steigendem Maße wehrtüchtig für diesen Kampf zu machen. Die Dringlichkeit solchen Wirkens hatte Genossen Legiens martige Eröffnungsrede scharf umrissen gezeigt. Feinde ringsum! so läßt sie sich zusammenfassen: ein Unternehmertum, das sich fest und fester zusammenschließt, um in planmäßigem Angriff die Macht der Gewerkschaften zu brechen, eine Ne­gierung, die hört, was die Arbeiter fordern, und tut, was die Kapitalisten wollen. Nur die zusammengefaßte eigene Kraft der Proletarier zwingt die Widerstände, die sich ihrem Aufstieg entgegenstemmen.

Nicht über Einzelheiten der gewerkschaftlichen Rüstung wurde in der Hauptsache in Dresden beraten, sondern über die große Frage der finanziellen Unterstützung bei Kämpfen, deren Anforderungen auch die Kraft der gut ausgebauten, leistungs­starten Organisationen übersteigen. Die Zeitläufe der Riesen­streiks und Niesenaussperrungen, die die Existenz von Hundert tausenden erschüttern, haben diese Frage nahegelegt. Zwei Wege zu ihrer Lösung zeigten die vorliegenden Anträge. Nach dem einen soll unter Verwaltung der Generalfommission die Grün­dung einer allgemeinen Unterstüßungskasse erfolgen, nach dem anderen haben bei großen Kämpfen an die Stelle der bisherigen freiwilligen Sammlungen feste Beiträge zu treten, welche vou den der Generalfommission angeschlossenen Verbänden ent­sprechend ihrer Mitgliederzahl erhoben werden. Der Kongreß überwies die Anträge nebst den dazu gestellten Abänderungs­vorschlägen der nächsten Vorständekonferenz.

Das schärffte Schwert taugt nichts ohne den starken Arnt, der es führt, ohne den zielsicheren Willen, der es lenkt. So wenig irgendwie die Bedeutung der materiellen Leistungstüchtig feit unserer Gewerkschaften übersehen oder auch nur unterschätzt werden darf, so notwendig ist es, ebenfalls ihr geistiges Be­reitsein nach seiner weittragenden Wichtigkeit zu werten. Die Dresdener Beratungen sollten auch in dieser Beziehung die Wehr und Waffen der Organisationen vervollkommnen und schärfen. Dies war der Sinn der Anträge über die gewerk. schaftlichen Unterrichtskurse, wie der Verhandlungen über Bildungsbestrebungen und Bibliothekwesen in den Gewerkschaften. Wie die Dinge liegen, mußte leider die erstere Frage unvermeidlich mit einer Personenfrage verquickt sein: Sind die Herren Bernhard und Calwer geeignete Lehr­fräfte für die Gewerkschaftsschule? Wir sagen leider, weil in der Folge das äußere Um und Auf den Blick für die sachliche Bedeutung des ganzen Problems trübte oder richtiger von ihr ablenkte. Denn im letzten Grunde entpuppt sich auch die vor liegende Personenfrage als eine Sachfrage. In der Tat: nicht daß die genannten Herren außerhalb der Sozialdemokratie stehen, ist der springende Punkt, aus dem Widerspruch gegen ihre Mitwirkung an den gewerkschaftlichen Unterrichtskursen erwachsen ist, sondern warum dies nicht mehr der Fall ist. Und sehen wir bei der Beantwortung dieser Frage von allen rein persönlichen unerquicklichen Umständen ab, so bleibt als ausschlaggebend eine Unvereinbarkeit der von Calwer und Bern­