100 Die Gleichheit Nr. 7 die ungezogenen Nationen. Haben das nicht die Batterien verkündet, die des Kommandos harrend gegen die preußi­schen Wahlrechtskämpfer aufgefahren werden sollten? Die verderbendrohenden Mündungen der Maschinengewehre im Mansfelder Streikrevier? Die bekannten Worte, daß der Soldat auf Vater und Mutter schießen müsse, wenn der oberste Kriegsherr es befiehlt? Wer über diese Zusammenhänge noch im unklaren sein könnte, den muß der patriotische Trommelwirbel belehren, unter dem alle bürgerlichen Parteien im Wahlkampf Rü­stungswahnwitz und Kolonialabenteuer als die Rettung des Vaterlandes rühmen, Rüstungswahnwitz und Kolonialaben­teuer auch um den Preis, daß die Völker auf den Schlacht­feldern des Weltkriegs verbluten oder von dem Zoll- und Steuerwucher meuchlings gewürgt werden. An den Massen zu zeigen, daß sie das frivole Spiel der Besitzenden und Herrschenden durchschauen I Ihre Politik ist die der sozia­listischen Internationale, die den Völkern den Frieden sichert und ihren Bedrückern unversöhnlichen Kampf ansagt. Dar­um sind die Massen gewillt, wenn es drauf und drankommt, ihre ganze und stärkste Macht die Macht der gekreuzten Arme gegen den Krieg einzusetzen und die mordlüsternen Prozentpatrioten zum proletarischen Frieden zu zwingen. Diese Willensbekundung muß der 12. Januar bestätigen. Den Kriegshetzern, den Förderern des Militarismus und der Weltmachtspolitik auch nicht die Stimme eines aufgeklärten proletarischen Mannes, nicht die Wahlhilfe einer einzigen denkenden Proletarierin. Alle Kräfte vereint bis zum äußersten angespannt, um der Todfeindin des Militarismus und seines Geschwisters, der Sozialdemokratie, den Sieg zu sichern. Heute liegen die Dinge so, daß die Lohnsklaven der kapitalistischn Ordnung in diesem Feinde die ganze Ordnung selbst mit all ihren Greueln bekämpfen. Im Ringen mih ihm kann es kein Paktieren, keine Lässigkeit geben. Auf, gegen den Feind I Die Teuerung. Für die Lese- und DiskusfionSabende. Von Käte Duncker . Aber auch auf dem dritten Produktionsgebiet, dein der Urproduktion, müßten Angebot und Nachfrage mit­einander übereinstimmen, wenn ein ungestörter Verlauf des Wirtschaftslebens gesichert sein soll. Die Urproduktion, vor allem Landwirtschaft und Viehzucht, liefert der indu­striellen Produktion die Rohstoffe, der Arbeiterschaft die Lebensmittel. Wenn die Nachfrage nach den verschiedensten Jndustrieprodukten wächst, wenn die Profite steigen, wenn neue Betriebe gegründet und alte erweitert werden, dann steigt natürlich auch der Bedarf an Rohstoffen aller Art: an Eisen und Kohle, an Baumwolle, Wolle, Häuten, Kautschuk, Holz usw. Zugleich wird auch die Nachfrage nach Arbeitskräften größer, es steigen die Löhne. Und mit der Arbeiterzahl und den Arbeiterlöhnen wächst der Bedarf an Lebensmitteln, vor allem an Getreide. Dabei stellt sich aber ein tiefgehender Unterschied zwischen der Aus­dehnungsfähigkeit von Industrie und Urproduktion heraus. Die Industrie kann ihre Produktion durch Einstellung neuer und leistungsfähigerer Maschinen sowie durch Vermehrung ihrer Arbeitskräfte rasch und fast unbeschränkt ausdehnen. Landwirtschaft und Viehzucht dagegen können ihre Pro­duktion nicht willkürlich beschleunigen: sie sind dabei an natürliche Bedingungen gebunden: die Landwirtschaft an den verfügbaren Boden, an die Zeitspanne zwischen Saat und Ernte, an all die unbeeinflußbaren Faktoren, die den Aus­fall der Ernte bestimmen: die Viehzucht an die oft sehr langen Zeiträume, die vergehen, ehe die Tiere die Schlacht­reife oder die Fähigkeit zur Milch- oder Wolleproduktion erreichen. So bleibt die Erzeugung der Lebensmittel und der industriellen Rohstoffe hinter dem schnell gesteigerten Bedarf der Industrie zurück, und ihre Preise steigen daher schneller als die Preise der Jndustrieprodukte. Dadurch sinken die Profite der industriellen Unternehmer.Gleich­zeitig sieht sich die Arbeiterklasse gezwungen, einen größeren Teil ihres Einkommens für die unentbehrlichsten Lebens­mittel auszugeben: sie kann daher weniger Industrie- Produkte kaufen.... Die hohen Preise der Rohstoffe und die sinkende Nachfrage nach Jndustrieprodukten setzen der Erweiterungs- und Gründungstätigkeit der Industrie Schranken. Es sinkt die Nachfrage nach Produktionsmitteln (Maschinen, Werkzeugen usw.), die Industriezweige, die die Produktionsmittel erzeugen(Eisenindustrie, Maschinen­industrie), können ihre während der Hochkonjunktur erwei­terten Betriebe nicht mehr voll beschäftigen. Sie entlassen Arbeiter. Mit dem Stocken der Gründungstätigkeit, mit dem Sinken der Profite, mit der Ausdehnung der Arbeits­losigkeit sinkt nun die Nachfrage nach allen Waren. Die industrielle Krise naht heran."(Bauer.) Wir haben hier also eine weitere Ursache der Krisen ge­funden in der Tatsache, daß die Produktion von Rohstoffen und Lebensmitteln, an natür- liche Schranken gebunden, mit der stürmi­schen Entwicklung der Industrie in den Zei­ten des guten Geschäftsganges nicht Schritt halten kann. Und dieses Mißverhältnis zwischen der schnellen Ausdehnung der Industrie und der langsamen Ausdehnung der Urproduktion macht sich stets in einer emp­findlichen Verteuerung von Lebensmitteln und Rohstoffen fühlbar. Damit wären wir nach langem Umweg wieder bei der Teuerung angelangt: Die Anarchie der Produk­tion bewirkt, daß die industrielle Produk­tion höchst ungleichmäßig und sprunghaft vor sich geht, und daß dabei die langsame Ausdehnungsfähigkeit der Urproduktion unberücksichtigt bleibt: das Mißverhält­nis zwischen beiden ist eine Hauptursache der allgemeinen Verteuerung der Lebens­mittel. Das Mißverhältnis zwischen industrieller und landwirt­schaftlicher Produktion wird aber noch dadurch vermehrt, daß die letztere in allen Kulturstaaten allmählich zurückgeht, denn alle Staaten streben danach, ausAgrar­staaten Industriestaaten zu werden. Einst träumte England davon, die Werkstatt der Welt sein und bleiben zu können, der alle übrigen Länder Lebensmittel und Rohstoffe liefern und Jndustrieprodukte abnehmen müßten. Aber neben England trat bald Deutschland auf den Plan, bis Mitte der siebziger Jahre noch ein vorzugsweise Getreide ausführendes und Jndustrieprodukte einführendes, jetzt längst ein Getreide einführendes und Jndustrieprodukte ausführendes Land. Österreich-Ungarn , Rußland und Amerika lieferten ihm Rohprodutte und nahmen ihm seinen Überfluß an Jndustrieprodukten ab. Heute ist Österreich-Ungarn bereits in die Reihe der Länder eingerückt, die große Weizenmengen auS dem Allsland einführen müssen. Auch in Rußland hat die Entwicklung zum Industriestaat begonnen, wenn sie auch durch den Absolutismus stark gehemmt wird. So scheidet ein Staat nach dem anderen als Ge­treidelieferant aus, um als Getreidekäufer wieder auf dem Weltmarkt zu erscheinen. Der Weltbedarf vo Getreide wächst und mit ihm steigen die Getreidepreise. Die Vereinigten Staaten von Amerika wachsen zum größten Industriestaat der Welt heran; ihre eigene Bevölkerung ver­braucht einen schnell steigenden Teil ihrer Ernte. Die Weizeu- ausfuhr der Vereinigten Staaten ist daher im letzten Jahr­zehnt beträchtlich gesunken." Auch die amerikanische Weizeu- produttion nimmt feit einigen Jahren nicht mehr zu. Sic betrug:*"' - Nach KautSky , Der Weg zur Macht. Hamburger AgitatiouS- auSgabe, Seite SV.