Nr. lS 22. Jahrgang Die Gleichheit Zeitschrist für die Interessen der Arbeiterinnen Mit den Beilagen: Für unsere Mütter und Kausfrauen und Für unsere Kinder Die erschein! alle»lerzev» Tage einmal. Peel« der Nummer 10 Pfennig, durch dt« Poll vteneljSdrlt« »dn, Bestellgeld S» Pfennig; unter streu, dan»« Pfennig. Zadre«»Adonnement Z.K« Mark. Stuttgart 15. April 1912 Zuschriften an die Redaktion»er«leichvett sind ,u richten an ffrau Klara Zetkin (Zundeli. Wtldelm«d0»«, Post Degerloch dei ölurrgarl. Die Ssvedilion destndet Nch m Slurrgart. ffurrdach-Strah«>Z. Inhaltsverzeichnis. .Entbehrungslöhne" der Textilköniae. Von Hermann Jackel.— Preußische Jugendpflege. Bon 51. 5V.— Hausagitation. Von Luise Zietz. — Die Kinder von Lawrence. Von Meta L. Stern. — Mädchenhandel. Von 5l. Xt. Aus der Bewegung: Von der Agitation.— Fortschritte der proletarischen Frauenbewegung in Bremerhaven , Lebe und Geestemünde . — Von der proletarischen Frauenbewegung in Mainz-Mombach in den Jahren 1V10 und löll.— Proletarische Jugendbewegung. — Politische Rundschau. Bon kl. L.— Gewerkschaftliche Rundschau.— Aus der Textilarbeiterbewegung. Von b.j.— Aus dem Jahresbericht für 1911 des Deutschen Textilarbeiterverbandes. Von k. seil.— Genossenschaftliche Rundschau. Von tt. X. Notizenteil: Dienstbotenfrage.— Arbeitsbedingungen der Arbeiterinnen.— Wohnungsfrage.— Frauenstimmrecht.— Sozialistische Frauenbewegung in, Allsland.— Die Frau in öffentlichen Ämtern. Entbehrungslöhne" der Tertilkönige. In den Kreisen unserer Textilunternehmer herrscht Heulen und Zähneklappern. Das Jahr 1311 brachte einem Teil der großen Besitzer nicht den gewünschten und gewohnten Gewinn. Ganz besonders groß ist der Jammer der Baumwollspinner. Bisher hatten sie doch Jahr für Jahr so schöne Profite gemacht. Auch die schlechten Jahre der Webereien berührten sie nicht. Um so schmerzlicher ist für sie der Ausfall des Jahres 1911, und in beweglichen Worten schildern diese „Armen" das Elend des Textilkapitals und stellen tiefsinnige Forschungen an, ob es sich überhaupt noch lohnt, Gelder in der Textilindustrie anzulegen. Der einzige Trost in dieser schweren Zeit ist für sie, daß sie alle berichten können: das Jahr 1912 eröffnet wieder sehr günstige Aus- sichten. Wenn die Gunst des Jahres 1912 sich in klingende Münze umgesetzt hat, dann werden hoffentlich unsere Tertilkönige ihren jetzigen Schmerz männlich überwunden haben und werden wieder zum Bewußtsein gelangt sein, daß es sich als Textilkapitalist doch immerhin recht gut leben läßt. Man wird neue Spindeln, neue Webstühle aufstellen und die Betriebe vergrößern und sich sonnen im Glücke kapitalistischer Profitjägerei.„Nach uns die Sintflut," nach diesem Grund- satz hat man gehaust seit mehr denn 50 Jahren. Und man ist dabei mächtig und immer reicher geworden, und man wird es weiter so halten. Höchstens daß man die Zahl der in der Textilindustrie sich mehrenden Konventionen und Kartelle noch vergrößert. Seit 1890 bis heute wurde in Deutschland die Spindel- Zahl in Baumwolle fast verdoppelt, sie stieg von 6 000 000 auf 11000 000. Tie Zahl der mechanischen Baumwollwebstüble wurde im gleichen Zeitraum von 128 000 auf 260 000 hinaufgeschraubt. Die Svindelzahl der Erde hat sich in diesen 21 Jahren von 87 000 000 auf 135 000 000 erhöht, und die An- läge des Kapitals in Textilunternehmungen bat sich reichlich gelohnt. Das Kapital im Betrag von 624 280 393,71 Mk., das 1909 in Deutschland in den 342 Aktiengesellschaften der Textilindustrie angelegt war, brachte ansebnliche Gewinne. 360 098 907 Mk. Gewinn wurden in fünf Jahren, von 1905 bis 1909, herausgewirtschaftet. Außerdem wurden den„schwer arbeitenden" Aufsichtsräten in dem gleichen Zeitraum 29 402 097 Mk. an Tantieme bezahlt, und die gut besoldeten Direktoren erhielten hohe Gratifikationen. Fünf Jahre gaben also mehr als die Hälfte des ganzen Kapitals zurück. Auf ein Jahr berechnet, ergibt das eine Verzinsung des Aktienkapitals der Textilindu- st r i e v o n 1 2,4 Prozent. Das ist jedoch nicht der ganze Gewinn. Tie hohen Erträgnisse gestatteten hohe Abschreibungen, außerdem hohe Rücklagen zu den verschiedensten Fonds. Die S p e z i a l r e s e rv e f o n d s, Dividendenfonds, Vorsichtsfonds, WohlfahrtsfondS usw. betrugen allein 1909 113565840 Mk. Die höchsten Gewinne brachte die Zwirnerei- und Nähfadenindustrie. Sie erzielte einen Neingewinn von 3 335 301,40 Mk. im Durchschnitt des Jahres bei einem Aktienkapital von 18 826 600 Mk., das ist gleich einer Verzinsung von 17,7 Prozent. Ihr folgt die I u t e i n d u st r i e mit 6 264 089.40 Mk. Gewinn bei 35 865 800 Mk. Kapital. das ist gleich 17,4 Prozent Verzinsung. Dann folgt die Spitzen-, Tüll- und Gardinenfabrikation mit 4186 698,80 Mk. Jahresgewinn bei 26 640 000 Mk. Aktienkapital. Der Betrag entspricht einer Verzinsung von 15,7 Prozent. Die Baumwollindustrie steht an vierter Stelle. Sie muß sich mit einer Verzinsung von 14,3 Prozent „begnügen" und mit einem Jahresreingewinn von 27 470764,20 Mark bei einem Aktienkapital von 191 836 927,71 Mk. Es kommen 98 Gesellschaften dabei in Frage. Des weiteren folgen nun der Reihe nach: Seilerei- undTauwerk- i n d u st r i e: 12 Aktiengesellschaften mit 24 231 002 Mk. Kapital und 3 343 980,60 Mk. Gewinn, das ist eine Verzinsung des Kapitals von 13,8 Prozent. Wollwäscherei, Wollkämmerei und Kammgarnspinnerei: 51 Aktiengesellschaften mit 142073714 Mk. Kapital und 16 710501 Mark Gewinn, das ist eine Verzinsung des Kapitals in der Höhe von 11.7 Prozent. Flachs- und Leinenindustrie: 29 Aktiengesellschaften mit 53 363 000 Mk. Kapital und 4 405 299 Mk. Gewinn, das ist eine Verzinsung des Kapitals von 8,2 Prozent. Tuch- und Buckskinindu- st r i e: 25 Aktiengesellschaften mit 37 194 650 Mk. Kapital und 2 895 870 Mk. Gewinn, das ist eine Verzinsung des Kapitals in Höhe von 7,7 Prozent. Veredlungsindustrie: 33 Aktiengesellschaften mit 42 305 500 Mk. Kapital und 2 390 949.40 Mk. Gewinn, das ist eine Verzinsung des Kapitals von 5.6 Prozent. Die verschiedenen anderen Branchen brachten es zusammen auf 6 896 747 Mk. Gewinn bei 51943 000 Mk. Aktienkapital in 43 Gesellschaften. Hier hat man es mit einer Verzinsung des Aktienkapitals in der Höbe von 13,2 Prozent zu tun. In der Baumwollspinnerei lassen sich Schlüsse auf die Rentabilität der gesamten Spinnereien ziehen. Die Spinnereien sind fast durchgehends Großbetriebe: auch die in privatem Besitz. Die Aktienspinnereien hatten 4 999 621 Spindeln. Nach den Feststellungen der Bremer Baumwollbörse gab es 1909 in Deutschland 9 543 682
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23 (15.4.1912) 15
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