Nr. 25

22. Jahrgang

Die Gleichheit

Zeitschrift für die Interessen der Arbeiterinnen

Mit den Beilagen: Für unsere Mütter und Hausfrauen und Für unsere Kinder

Die Gletchheit erscheint alle vierzehn Tage einmal. Preis der Nummer 10 Pfennig, durch die Poft vierteljährlich ohne Bestellgeld 55 Pfennig; unter Kreuzband 85 Pfennig. Jabres- Abonnement 2,60 art.

Inhaltsverzeichnis.

Stuttgart

4. September 1912

Genossinnen, auf zum Kampfe gegen Teuerung und Hungersnot!- Die Frauenerwerbsarbeit im Deutschen Reiche. IV. Ein staat­licher Musterbetrieb" in Straßburg . Von Luise Zieg. Die Frau in der Industrie und Landwirtschaft Württembergs. VI. Von m. Gegen die Schwestern"-Ausbeutung! Von P. M. Grempe. Aus der Bewegung: 130371 weibliche Mitglieder.

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Von der Agi­tation. Aus den Organisationen. Die sozialdemokratische Frauenbewegung in den Unterweserorten.- Jahresberichte der Genossinnen Stettins und Lübecks. Politische Rundschau. Von H. B. Gewerkschaftliche Rundschau. Aus der Textilarbeiter­bewegung. Von sk. Die deutschen Drechslereiarbeiter. Von fk. -Gewerkschaftliche Arbeiterinnenorganisation Österreichs . Von a. p. Notizenteil: Dienstbotenfrage. Arbeitsbedingungen der Arbeite­rinnen. Fürsorge für Mutter und Kind.- Sozialistische Frauen­bewegung im Ausland. Frauenstimmrecht. Verschiedenes. -

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Genossinnen, auf zum Kampfe gegen Teuerung und Hungersnot!

Von Woche zu Woche sind die Fleischpreise höher und höher gestiegen! Weitere Preissteigerungen stehen in sicherer Aus­sicht!

Dabei haben die Fleischpreise längst jene des Teuerungs­jahres 1906 überstiegen. Der Fleischkonsum nimmt deshalb in Arbeiterkreisen rapide ab.

Das Brot ist teuer und nicht minder das Gemüse und die Kartoffeln!

Für die Milch werden Preise bezahlt, die man vor einigen Jahren nicht für möglich gehalten hätte. Die Butter hat Apothekerpreis und ist auf dem Tische des Arbeiters mehr und mehr zum Leckerbissen geworden!

Doch nicht nur Nahrungsmittel, auch andere Gebrauchs­gegenstände werden uns fortgesezt verteuert. Wir nennen hier nur das Petroleum, das um 2 bis 3 Pf. pro Liter ge­steigert ist, und die Streichhölzer, für die eine Preissteige­rung um mindestens 10 Prozent dieser Tage angekündigt

wurde!

Ein Fünftel, ja oft ein Viertel und mehr des Einkom­mens der minder bemittelten Bevölkerung wird durch die schier unerschwinglich hohen Wohnungsmieten verschlungen.

Und um das Maß des Jammers voll zu machen, zeigt der Arbeitsmarkt, trotzdem wir uns inmitten einer Hochkon­junktur befinden, ein starkes überangebot von Arbeits­fräften, und ein weiteres Steigen der Arbeitslosigkeit ist mit Sicherheit für die Wintermonate vorauszusagen.

Wo aber die Arbeiterschaft mit Lohnforderungen an die Unternehmerschaft herantritt, da setzt es harte, schwere Kämpfe um die geringste Erhöhung der Löhne.

Und gleichzeitig schreien und drängen die Scharfmacher nach Knebelungsgesetzen gegen die organisierte Arbeiterschaft.

Genossinnen! Diese Zustände sind unerträglich geworden! Sie peitschen die Arbeiterschaft zum Kampfe, zum heißen, leidenschaftlichen Kampfe gegen Knechtschaft und Ausbeutung!

Zuschriften an die Redaktion der Gleichbeit find zu richten an Frau Klara Zetkin ( Zundel), Wilhelmshöhe, Post Degerloch bei Stuttgart . Die Expedition befindet sich in Stuttgart , Furtbach- Straße 12.

Bei diesem Kampfe aber müßt ihr doppelt und dreifach Beladenen in erster Reihe stehen.

Doch ihr sollt nicht allein kommen, wenn der Ruf an euch ergeht zu machtvollem Protest gegen Hunger und Unter­drückung, ihr sollt die uns Fernstehenden aufrütteln und mitreißen. Sagt es ihnen, den Frauen und Männern, die bisher in Gleichgültigkeit und Teilnahmlosigkeit unserem Kampfe gegenüberstanden, daß sie ein Verbrechen an sich, an ihrer Familie, an ihrer ganzen Klasse begehen, wenn sie weiter so tatenlos beiseite stehen.

Sucht ihren Zorn, ihren heiligen' Zorn zu entfachen ob der Tatsache, daß wir hungern und entbehren müssen dank einer Zoll- und Steuerpolitik, die uns den Bissen Brot vom Munde reißt und einer Handvoll Großgrundbesitzern die Taschen füllt; dank einer Zollpolitik, die den Industrie­baronen den Zusammenschluß in Kartellen und Ringen er­leichtert, mit deren Hilfe sie unsere Ausraubung und Anebe­lung um so gründlicher besorgen können; dank einer Zoll­und Steuerpolitik, die uns zwingt, unsere blutigen Zins­groschen dem unersättlichen Militarismus und der Welt­politik zu opfern.

Ruft vor allem die Frauen auf, die als Arbeiterinnen, mit Hungerlöhnen abgespeist, doppelt unter der schrecklichen Teuerung leiden, die als Hausfrauen in banger Sorge sehen, daß ein schrecklicher Gast, die Not, sich eingestellt hat und am Marke ihrer Lieben zehrt.

Stachelt die Mütter auf, deren Lieblinge vom Würge­engel Tod dahingerafft wurden, weil sie bereits im Mutter­leib hungern mußten und weil ihnen, kaum geboren, die natürliche Nahrung fehlte, da die Unterernährung die Milch der Mutterbrust versiegen ließ.

Stachelt sie auf, die Mütter, die vor Angst und Sorge um ihre erwachsenen Kinder nicht froh werden, weil sie der gräßliche Gedanke quält, die Not könnte ihre Tochter in den Sumpf der Prostitution, ihren Sohn auf die Bahn des Ver­brechens drängen.

Holt sie heraus, die Frauen aus den Hütten der Heim­arbeit, aus den dumpfen Mietfasernen, aus den Werkstätten und Fabriksälen, vom Bau und vom Felde; ein langer, end­los langer Bug der Hungernden und Darbenden muß auf­marschieren, muß sich mit uns vereint zum Kampfe stellen gegen Hungersnot und Teuerung.

Millionenfach muß der Ruf erschallen: Nieder mit dem Brot- und Fleischwucher! Nieder mit Ausbeutung und Rechtlosigkeit!

J. A.: Luise Biez.

Die Frauenerwerbsarbeit im Deutschen Reiche.

IV.

Die Entwicklung der Frauenerwerbsarbeit im Deutschen Reiche zwingt den Blick noch auf andere soziale Verände­rungen als jene, die wir bereits behandelt haben. Es hat