Nr. 2

Die Gleichheit

sondern vor allen Dingen um die gefeßlichen Schutzbestimmungen für Arbeiterinnen herumzukommen. Die jetzt in dieser Industrie beschäftigten Arbeiterinnen fordern nämlich einen Maximal­arbeitstag und bestehen auf strenger Beobachtung der bundesrät­lichen Verordnungen. Die Unternehmer wollen sich aber durch diese ihren Profit nicht schmälern laffen. Sie haben keine Empfindung für die Tatsache, daß die unsaubere und anstrengende Beschäf­tigung einen besonderen Schuß der Arbeiterinnen verlangt, sollen fie nicht an ihrer Gesundheit Schaden leiden. Der Geldbeutel ist das einzige Ding, das zu ihnen redet.

In der Nordhäuser Kautabakindustrie wurde durch die Hilfe des Tabatarbeiterverbandes eine Lohnbewe­gung ohne Arbeitseinstellung mit Erfolg durchgeführt. Für die in Lohn und Afford beschäftigten Arbeiter und Arbeiterinnen wurden beachtenswerte Lohnzahlungen durchgefeßt, die auf das Jahr berechnet rund 100 000 Mt. ausmachen. Der Tabatarbeiter berband stand bisher nur mit der Tabakarbeitergenossenschaft im Tarifverhältnis. Nunmehr gelang es ihm, die obigen Lohnbewe­gungen bei einer Anzahl Firmen tariflich festzulegen, so daß etwa für ein Drittel der Nordhäuser Kautabatarbeiter und-arbeite­rinnen Löhne und Arbeitszeit bis zum 1. April 1915 auf tariflicher Grundlage vereinbart sind. Die Metallarbeiterbewe= gung im Kölner Bezirk schreitet erfolgreich, wenn auch langsam, für die Arbeiter vorwärts. Das Ziel dieser Bewegung ist bekanntlich eine Verkürzung der Arbeitszeit. Jn 26 Betrieben mit 8986 beschäftigten Arbeitern erfolgte bereits eine Regelung der Arbeitszeit, und zwar ist sie meist auf 56 Stunden in der Woche festgesetzt worden.

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Während, wie wir in letter Nummer meldeten, die Differenzen in der Würstefabrik von Heine& Co. in Halberstadt beigelegt sind, weigert sich die Firma Chr. Förster am selben Ort, für ihr Personal gleiche Arbeitsbedingungen einzuführen. Im Köl­ ner Verkehrsgewerbe wurde von Kutschern, Kraftwagen­führern und Fuhrunternehmern gemeinsam ein Streit gegen eine neue Polizeiberordnung geführt, die die Fahrer sehr belästigt. Der Verkehr ruhte vollständig, Arbeitswillige waren nicht vorhanden. Die Polizeibehörde sah sich gezwungen, mit der Streiffommission zu berhandeln, und sie mußte die sofortige Aufhebung einiger Här­ten der neuen Verkehrsordnung zusagen und für andere Bestim­mungen eine ruildere Handhabung versprechen.

Der christliche Gewerkschaftskongreß tagt in Dresden . Die Offentlichkeit war auf seine Tagesordnung besonders gespannt. Man mußte erwarten, daß sie eine Behandlung der Kardinalfrage für die christlichen Gewerkschaften bringen werde: ob die katho­ lische Kirche so gnädig sein will, die christlichen Gewerkschaften zu dulden oder nicht. Doch diese Frage steht nicht auf der Tagesord­nung. Dafür wird Herr v. Berlepsch ein Referat über sein Lieb­lingsthema halten: Das reichsgefeßliche Einigungsamt. Die Streifbruchgewerkschaften werden dabei vermutlich auf ihre Rech nung kommen. Der Geschäftsbericht der Christlichen enthält selbst­verständlich die üblichen Beschimpfungen der freien Gewerkschaf­ten und der sozialdemokratischen Partei und Versuche, ihre Taktik herabzusetzen. Unsere Gewerkschaften werden zur Abwechslung wieder einmal bemitleidet, daß fie sich unter das Joch der roten Revolutionspartei beugen müssen. Nach dem Chemnizer Parteitag war in den Christenblättern von der völligen Verwässerung und von der Wadenstrümpflerei der Sozialdemokratie zu lesen. Die München - Gladbacher Schule ist doch etwas Feines! Wir werden auf den Kongreß zurückommen. Zur Stunde, wo wir schreiben, ist er noch nicht vorüber.

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Aus der Textilarbeiterbewegung. Nach 27 Wochen heißen Ringens haben die streifenden Arbeiter der Firma Mautner in Langenbielau ihren Kampf erfolgreich beendet. Der Streit brach aus, weil die schwerreiche Firma den Reichenbacher Tarif" einführen wollte, der geringere Löhne vorsah, als in Langenbielau gezahlt wurden. Dieser Tarif gelangt nun zwar doch zur Einführung, aber stark verändert durch erhebliche Zuschläge. Besonders wertvoll für die Arbeiter ist, daß bei dem Vierstuhl­system nur 20 Prozent in Wegfall kommen, während sonst in Schlesien 30 Prozent abgerechnet werden. Der neue Tarif ist für zwei Jahre festgelegt und von der Firma wie den Organisations­bertretern unterschrieben worden. Die Unterschrift beider vertrag­schließenden Seiten, so selbstverständlich sie eigentlich ist, bedeutet für die schlesischen Textilmagnaten etwas ganz Unerhörtes. Um diesen Preis hätte die Firma schon bei Beginn des Kampfes den Frieden haben können, sie wollte jedoch den Arbeitern mit allen Mitteln eine Lohnherabsehung aufzwingen. Das ist der Firma nicht gelungen trotz aller ihrer Millionen. Der Ausgang des Kampfes ist der Geschlossenheit der Arbeiter, ihrer Organisation

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zu danken. Die Firma hat alle Minen springen lassen, um Ar­beitswillige heranzuziehen, die Leitung der Organisation war aber immer in der Lage, dies zu vereiteln. Die Folgen des Kampfes werden der Firma noch recht fühlbar werden, da gegen 200 der besten Arbeiter und Arbeiterinnen während des Ausstandes in anderen Betrieben untergebracht worden sind und im Eulen­gebirge bekanntermaßen Mangel an Arbeitskräften besteht. Schlesiens Textilarbeiter mögen sich an diesem Kampfe ein Bei= spiel nehmen. Nur in der Organisation liegt ihre Stärke! In Mülhausen i. E. steht die Textilarbeiterschaft seit zwölf Wochen in einem größeren Kampfe. Gefordert wurde dort neben entsprechender Lohnerhöhung der freie Sonnabendnach­mittag". Als die Arbeiter in zwei Betrieben ihre Forderung durch Arbeitsniederlegung durchzudrücken versuchten, erfolgte in sechs Betrieben die Aussperrung. Der Kampf hat jetzt auf Bühl bei Geb weiler übergegriffen, wo bei der Firma Rogelet 200 Arbeiter ebenfalls die Arbeit einstellten, da die Firma sich weigerte, die Anfertigung von Streifarbeit zu unterlassen. Zur Zeit sind 1000 Arbeiter an dem Kampfe beteiligt. Die Christen" begehen auf Befehl ihrer Leitung Streifbruch und arbeiten weiter. Die Mülhausener Aussperrung zieht ihre Kreise bis in das Bank­gewerbe. In den sechs größten Bankgeschäften Mülhausens be­stand schon seit längerer Zeit am Sonnabend die englische Arbeits­zeit. Jetzt haben die Banken auf Betreiben der Textilindustriellen am Sonnabendnachmittag ihre Schalter wieder geöffnet, nach dem Motto: Schlechte Beispiele verderben gute Sitten". Wie der Kampf im Elsaß ausgeht, ist heute noch nicht abzusehen, aber das können wir den Unternehmern heute schon verraten: der Textilarbeiterber band ruht nicht eher, als bis der freie Sonnabendnachmittag auf der ganzen Linie errungen ist! Das ist er vor allem den Arbeite. rinnen schuldig. Einen sehr schönen Erfolg haben die Arbeiter durch die vor kurzem zum Abschluß gebrachte Bewegung in den Streichgarnwebereien in Reichenbach i. V. erzielt. Die Bewegung erstreckte sich auf 42 Betriebe mit 2650 Beschäf tigten, von denen 1250 Frauen sind. Sie brachte 617 Arbeitern eine Verkürzung der Arbeitszeit um 22 Stunden in der Woche und 1100 Arbeitern eine Lohnerhöhung von wöchentlich 2 Mr. Die Arbeitszeit ist nun in allen Streichgarnwebereien Reichenbachs die gleiche, und für alle Weber und Weberinnen gilt jebt ein einheit licher Lohntarif. Der Erfolg ist nur der geschlossenen Kraft unserer Organisation zu danken. Versuche anderer Organisationen, die Massen für ihre Sonderzwecke einzufangen, find fläglich gescheitert. Und das ist gut so. Während dieser Bericht in Druck geht, wird wenn nicht alles trügt ein größerer Kampf in der Mecha­nischen Weberei Linden A.-G." in Hannover ausge brochen sein. Die Firma hatte im vorigen Jahre auf Drängen der Arbeiter eine Teuerungszulage bon 1,20 M. in der Woche ge währt. Die Arbeiter verlangen jetzt die Umrechnung der Teue­rungszulage auf den Grundlohn und eine Lohnerhöhung von 10 Prozent, ferner für alle im Stundenlohn beschäftigten Arbeiter eine Erhöhung der Löhne um 5 Pf. in der Stunde. Nennenswerte Zugeständnisse hat die Firma, die hauptsächlich Samte herstellt, bis jetzt nicht gemacht, obgleich sie nach ihren eigenen Angaben bis Ende 1913 zu lohnenden Preisen voll beschäftigt ist. Die Mode, die seit mehreren Jahren den Samt lebhaft bevorzugt, bringt ihr be­trächtliche Gewinne.' Da ist es nicht mehr als billig, daß bet dem guten Geschäftsgang auch die wertschaffenden Arbeiter fich eine beffere Entlohnung sichern. In Betracht kommen 890 Arbeiter und 736 Arbeiterinnen, die nahezu alle organisiert sind. Um die Bewegung zu zersplittern, haben die Christen ihre Forderungen getrennt eingereicht. Gücklicherweise bilden sie nur eine verschwin dende Minderheit und können daher keinen Schaben anrichten. sk. Der Deutsche Holzarbeiterverband hat im ersten Halbjahr 1912 um 8036 Mitglieder zugenommen, so daß deren Gesamtzahl am 1. Juli 190 786 betrug. Hiervon waren 183 147 männliche, 6680 weibliche und 959 jugendliche Personen. Unter den Ausgaben des Berbandes steht, wie die Holzarbeiterzeitung" berichtet, die Ar­beitslosenunterstübung mit 778 038 Mt. an erster Stelle, was mit den Zahlen der Arbeitslosenstatistik zusammen auf eine ungünstige Lage des Gewerbes schließen läßt. Die Krantenunterstützung er­forderte 514 919 Mr., die Streitunterstübung aber nur 496 926 Mt., das ist etwa ein Drittel der in dem gleichen Zeitraum des Vor­jahres hierfür verbrauchten Summe. Insgesamt wurden im ersten Halbjahr für Unterstüßungen rund 2 Millionen Mark verausgabt. Trotzdem Tonnten dem Vermögen des Verbandes rund dreiviertel Millionen Mark zugeführt werden. Dieses betrug am 1. Juli 1912 in Haupt-, Gau- und Lokalkaffen zusammen 5 825 271 Mt. Ein borläufiger Abschluß der Streifstatistik des Verbandes ergab 494 Lohnbewegungen mit 23 222 Beteiligten. Das Ergebnis der

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