Nr. 21

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24. Jahrgang

Die Gleichheit

Zeitschrift für die Interessen der Arbeiterinnen

Mit den Beilagen: Für unsere Mütter und Hausfrauen und Für unsere Kinder

Die Gleichheit erscheint alle vierzehn Tage einmal. Preis der Nummer 10 Pfennig, durch die Post vierteljährlich ohne Bestellgeld 55 Pfennig; unter Kreuzband 85 Pfennig.

Jahres- Abonnement 2,60 Mart.

Inhaltsverzeichnis.

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Stuttgart

8. Juli 1914

Die Be­Der Gewerkschaftskongreß zu München . Von H. Jäckel. teiligung der Frauen an den Neuwahlen der Krankenkassenorgane. Von Fr. Kleeis.- Statharina Breschto- Breschkowskaja. Von Edda Tenenbaum.( Schluß.) Die Arbeiterinnen in den Drechslerei­

betrieben. Von fk.

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Zwei Arbeiterinnenstreits im Ausland: 1. Ein Streit von Textilarbeiterinnen in Holland . Von Anna Adelaar- Fürth. 2. Der Streit der italienischen Tabatarbeiterinnen. Bon Angelita Balabanoff. Material zur Tagesordnung der britten Internationalen Sozialistischen Frauenkonferenz in Wien : Aus Deutschland . I. Von Luise Biez.

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Aus der Bewegung: Der Berliner Arbeiterjugend Sonnenwendfeier. Ferienwanderungen der Arbeiterkinder von Groß- Stettin. Die freie Jugendbewegung in Nürnberg . Politische Rundschau. Aus der Hand­Von A. Th. Gewerkschaftliche Rundschau. lungsgehilfenbewegung. Von F. O.

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Sozialistische

Notizenteil: Berufsgefahren der Arbeiterinnen. Frauenbewegung im Ausland.- Frauenstimmrecht. Die Frau in öffentlichen Ämtern.

Zuschriften an die Redaktion der Gleichheit sind zu richten an Frau Klara Zetkin ( Zundel), Wilhelmshöhe, Post Degerloch bet Stuttgart . Die Expedition befindet sich in Stuttgart , Furtbach- Straße 12.

tarischen Idee überzeugt ist. Und diese Sicherheit ist ge­gründet auf eine nahezu sechzigjährige Erfahrung gewerk­schaftlich organisierter Arbeiter in Deutschland und die Er­fahrungen der Arbeiter der Welt. Die imposanten Zahlen, die Legien dem Kongreß über die Entwicklung in den letzten drei Jahren vorlegen konnte, rechtfertigen durchaus die freu­dige Zuversicht und den unbedingten Glauben an die Zu­kunft der deutschen Gewerkschaften. 2548 700 Mitglieder waren auf dem Kongreß vertreten gegen 2017 000 im Jahre 1911; eine große Armee von Klassenkämpfern, zusammen­gefügt im Sturm und Drang .

Denselben Geist und kühne Initiative atmete der Bericht, den Robert Schmidt über die Sozialpolitische Abteilung" erstattete. Wenn die herrschenden Kreise den Boden des gleichen Rechtes verlassen, dann ist für uns die Grundlage der Taktik verschoben. Die deutsche Arbeiterklasse verzichtet nicht auf den Kampf

Der Gewerkschaftskongreß zu München . gegen kapitalistische Herrſchsucht und Ausbeutung. Sie wird

Ruhig, ohne lärmenden Streit und scharfen Kampf der Meinungen vollziehen sich in der Regel die Verhandlungen der Gewerkschaftskongresse. Hier ist es äußerst selten, daß schwierige Fragen der Taktik und komplizierter Gesetz­gebungsmaterien des kapitalistischen Klassenstaats behandelt werden, wie sie die politische Partei des proletarischen Klassen tampfes von Zeit zu Zeit erörtern muß und die auf den so­zialdemokratischen Parteitagen zu heftigen Zusammenstößen der auseinandergehenden Meinungen führen. Periodisch stattfindende Konferenzen der Gewerkschaftsvorstände klären in internen Sizungen die Ansichten. Dazu kommt eine ge­wollte Zurückhaltung und Nichteinmischung der Gewerk­schaftsfunktionäre in den Streit des Tages um mehr oder weniger rein politische Probleme. Um so mehr müssen die lauten Anklagen und scharfen Kampfansagen wirken, die diesmal in dem gemütlichen" München von den ersten Führern der deutschen Gewerkschaftsbewegung jenen Schich­ten der herrschenden Klassen und ihren Regierungen ent­gegengeschleudert wurden, die sich anschicken, das heiligste Grundrecht des Proletariats, das Koalitionsrecht, anzu­tasten, und die davon faseln, daß ein Stillstand der Sozial­reform notwendig sei. Es waren Warnungssignale, die von diesem Kongreß an die Regierungen gerichtet wurden, die sich nur als geschäftsführende Ausschüsse der besitzenden Klassen betrachten". Es waren schmetternde Trompetenstöße, die das gesamte Proletariat aufriefen zur Einigkeit, zur Be­reitschaft, zum Kampfe.

Die Gewerkschaften denken nicht daran, auf ihre sozial­politische Tätigkeit zu verzichten weil sie nicht darauf ver­zichten können. Troßend Polizeischikanen und Verfolgungen werden wir es verstehen, uns den neuen Verhältnissen anzu­passen. Wir lassen uns unsere proletarische Jugend nicht nehmen, die wir für uns, für das Proletariat erziehen," so rief am ersten Tage Legien den Feinden mit der Sicher­heit des Kämpfers au, der von der Sieghaftigkeit der prole

den Weg für den Aufstieg sich bahnen." Der erschreckend schnelle Verbrauch vieler Millionen Arbeiter durch den immer raffinierter ausgestalteten Produktionsprozeß; die brutale Ausmerzung der verbrauchten, noch im besten Alter stehenden Proletarier durch die Kapitalisten; die völlige Rechtlosigkeit der Ausländer und die entsegliche Roheit, mit der sie be­handelt werden; der jährliche Massenmord auf dem Schlacht­feld der Industrie auf der einen Seite, auf der anderen, dicht daneben der wachsende Reichtum der Kapitalistenklasse; die hohen Gewinne und die beispiellose Macht der, 300 Stapital­könige", die die Schicksale Europas in der Hand haben: alle diese Tatsachen beleuchten vor der breitesten Öffentlichkeit, wie frivol das Verlangen der Scharfmacher ist, die sozial­politische Gesetzgebung solle Halt machen. Schmidt zeigte, wie rückständig die neuere sozialpolitische Gesetzgebung Deutschlands im Vergleich zu der in England und anderen Ländern ist. Die Jammerhaftigkeit unseres Bürgertums trat zum Greifen in die Erscheinung, als er unter stürmi­schem Beifall des Kongresses jenes Mannes gedachte, der als einer von den wenigen" wacker und entschieden gegen die Scharfmacher und ihre Pläne ankämpfte: Professor Bren­tano. Tüchtige Referate von Bauer über die Mängel der Reichsversicherungsordnung und Sabath über den nötigen Heimarbeiterschutz reihten sich wertvoll ergänzend an Schmidts Abrechnung. In drei Resolutionen schloß sich der Kongreß den Forde­rungen der Referenten nach Fortführung der Sozialreform, Änderung der Reichsversicherungsordnung und Durchfüh­rung des Heimarbeiterschußes an.

von

Wenn Legien den Jagowschen Plänen und Schmidt den auf Einstellung der Sozialpolitik abzielenden Agitationen ent­gegentrat, so kennzeichnete Schlicke die Heuchelei der Scharf­macher, die nach Arbeitswilligenschutz schreien, fälschlich die Arbeiterverbände des Terrorismus beschuldigen und dabei selbst den schärfsten und schmutzigsten Terrorismus üben. Die parteiische Behandlung der organisierten Proletarier durch