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Die Gleichheit
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Krieg und Volksernährung.
Bei Ausbruch des Krieges war es sofort klar, daß die Versorgung Deutschlands mit Lebensmitteln auf Schwierigkeiten stoßen muß, wenn sich der Krieg in die Länge zieht. Trozz aller Behauptungen, die bei Behandlung der Zollfragen seitens der Agrarier aufgestellt wurden, ist eben die deutsche Landwirtschaft unter normalen Verhältnissen nicht in der Lage, Nahrung für Menschen und Vieh in genügenden Mengen zu produzieren. An Brotforn muß ungefähr ein Drittel des konsumierten Weizens aus dem Ausland herbeigeschafft werden. Dagegen wurde in den letzten Jahren Roggen in bedeutenden Mengen aus Deutschland ausgeführt. Aber dieser Überschuß über den Eigenbedarf entstand nur, weil durch die Ausfuhrprämien die Ausfuhr zu einem besonders rentablen Geschäft für Landwirte und Händler wurde. Man baute daher Roggen im Überfluß an auf Kosten des Anbaues von Futterstoffen für das Vieh. Diese Stoffe Mais, Gerste, Reisabfälle, Stleie, Erbsen, Olsamen - wurden in gewaltigen Mengen vom Ausland eingeführt. Ferner bedarf es in normalen Zeiten der Einfuhr von Vieh( besonders Schweinen), von tierischen Produkten( Schmalz, Margarine, Butter, Eier), schließlich der Einfuhr von Gemüse, Reis, Obst. Die Statistik spricht hier eine eindringliche Sprache: im Jahre 1912 bezifferte sich der Wert der eingeführten Lebensmittel auf 2945 Millionen Markt, die Ausfuhr auf 790 Millionen Mark.
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Sobald nun infolge des Krieges die Zufuhr abgeschnitten wurde, entstand die Frage, wie kann für die Ernährung von Menschen und Vieh gesorgt werden? Gleichzeitig galt es aber auch, dem Wucher vorzubeugen, damit nicht einzelne, die Not des Volkes ausnüßend, die Preise in die Höhe trieben. Der Vorstand der Sozialdemokratischen Partei und der Generalkommission der Gewerkschaften Deutschlands haben denn auch sofort im August der Regierung und der Öffentlichkeit einen Blan unterbreitet, der darauf hinauslief, 1. die Ernte möglichst sorgfältig zu besorgen, 2. dem Boden abzuringen, was irgend noch möglich war( im August war noch manche Möglichkeit gegeben, bis Eintritt des Winters den Boden auszunüßen, zum Beispiel durch Anbau schnell wachsender Futterfräuter), 3. eine rationelle Verwertung der vorhandenen Vorräte her
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beizuführen, 4. der Preistreiberei entgegenzutvirken.- Diese Vorschläge wurden zunächst wenig beachtet. Es mag daran vor allem der Siegesrausch der ersten Kriegswochen schuld sein. Die deutschen Truppen besetzten Belgien und standen nach furzer Zeit in der Nähe von Paris , drangen in Polen vor, ohne ernsthaften Widerstand zu finden. Da mochten die„ maßgebenden Streife" glauben, der Krieg würde in furzer Zeit siegreich zu Ende geführt werden und man brauche sich um die Zukunft nicht zu sorgen. Es kam anders, und die Dinge stehen heute so, daß ein Ende des furchtbaren Ringens jegt, nach einem halben Jahre, nicht abzusehen ist.
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Jene Sorglosigkeit mußte sich indessen schwer rächen. Da man zunächst alles dem beliebten freien Spiel der Kräfte" überließ, wurde eine Vergeudung von Nahrungsmitteln getrieben, die unverantwortlich ist. So stellte sich vor allem heraus, daß gewaltige Mengen von Roggen als Viehfutter verwendet wurden. Zwar wurde vor solchem Treiben eifrig gewarnt, auch die Regierungen und die Organisationen der Landwirte erhoben ihre Stimme dagegen, nur nützte das herzlich wenig.
Für den einzelnen Landwirt aber stand die Sache so, daß vor allem sein wertvollstes Besitztum, das Vieh gefährdet war. Am Vich hängt vor allem das Herz des Bauern, es ist, abgesehen von dem materiellen Wert, sein Stolz. Nun wurden sofort die Preise sämtlicher Futtermittel von den Spefulanten unheimlich in die Höhe getrieben; Hafer und Gerste waren bald so teuer wie der Roggen, ja vielfach wurden sie zurückgehalten waren überhaupt nicht zu haben. Wer will sich da wundern, wenn der Bauer, ehe er seine Tiere hungern ließ, Roggen, der noch in der Scheune oder in den Mieten lag, verfütterte und ebenso Kartoffeln. Nicht minder schlimm war, daß große Mengen Roggen und Kartoffeln in den Brennereien zu Schnaps verarbeitet wurden;
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Endlich griff der Bundesrat ein: am 28. Oktober erging eine Verordnung, die Höchstpreise für Brotgetreide festsetzte, die Verfütterung von Roggen verbot, die Branntweinbrennerei einschränkte. Dabei wurden was die Hauptsache war für Futtermittel keine Höchstpreise eingeführt, und deshalb mußte auch das Verbot wirkungslos bleiben. Denn jetzt wurden die Futtermittel teurer als Roggen, und da hieß es dem Bauern zu viel zumuten: er sollte seinen Roggen billiger verkaufen als den Hafer oder die Gerste! Es ist begreiflich, daß er da lieber die Strafe riskierte. Ein rationelles Haushalten mit den vorhandenen Bodenerzeugnissen war eben nur möglich, wenn man von Anfang an, solange noch die ganze Ernte zur Verfügung stand, eingegriffen hätte. Es galt vor allem die Ernährung der Menschen sicherzustellen, und zu diesem Zweck hätte die Verfügung über Brotforn und Kartoffeln durch Verstaatlichung der Vorräte dem einzelnen entzogen werden müssen. Dann galt es die vorhandenen Futtermittel so zu verwerten, daß eine möglichst große Anzahl Tiere damit hätte durchgehalten werden können. Hierbei mußte vor allem dafür gesorgt werden, daß die Milchfühe erhalten werden und das Arbeitsvieh, erst darüber hinaus wäre das Schlachtvieh zu berücksichtigen. Weil der gesamte Viehbestand nicht durchgehalten werden kann, wäre es notwendig gewesen beizeiten einen Teil zu schlachten, da ja heute die Mittel gegeben sind, in Kühlräumen Fleisch für lange Zeit aufzubewahren und auch auf andere Weise es zu konservieren. Durchführbar wäre das nur gewesen, wenn unverzüglich großzügige Genossenschaften der Landwirte geschaffen worden wären und die Städte ihrerseits mitgewirkt hätten durch planmäßige Arbeit bei Aufstapelung der Vorräte. Nur so konnte das Interesse der Allgemeinheit und gleichzeitig der Landwirte gewahrt werden. Das wären wahrhaftig noch lange keine sozialistischen Maßnahmen gewesen, denn nach wie vor hätte Kauf und Verkauf der Produkte als Ware stattgefunden, nach wie vor wären die Produktionsmittel Privateigentum geblieben, nach wie vor