Nr. 8

26. Jahrgang

Die Gleichheit

Zeitschrift für die Interessen der Arbeiterinnen

Mit den Beilagen: Für unsere Mütter und Hausfrauen und Für unsere Kinder

Die Gleichheit erscheint alle vierzehn Tage einmal. Preis der Nummer 10 Pfennig, durch die Poft viertelfährlich ohne Bestellgeld 55 Pfennig; unter Kreuzband 85 Pfennig.

Jabres- Abonnement 2,60 Mart.

Inhaltsverzeichnis.

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Stuttgart

7. Januar 1916

Friedensfragen und Kriegskredite.- Konferenz der deutschsprachigen Sozialistinnen in den Vereinigten Staaten . Von f.r.- Die mili­tärische Jugendvorbereitung. Von Mathilde Wurm . Aus der Bewegung: Genosse Vaillant t. Lina Scherzer- Berlin+. Agitationsversammlungen im Kreise Landeshut- Boltenhain- Jauer. Notizenteil: Für den Frieden. Sozialistische Frauenbewegung im Ausland. Frauenstimmrecht.- Gewerkschaftliches.- Dienst botenfrage.

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Friedensfragen und Kriegskredite.

Mehr als alle früheren Kriegstagungen des Reichstags hat die im Dezember Anspruch auf gespannteste Aufmerksamkeit und eingehende Würdigung. Am 9. Dezember machte die so­zialdemokratische Fraktion den Versuch, durch ihre Frie­densinterpellation Klarheit über die Kriegsziele der deutschen Regierung zu erlangen. Genosse Scheide mann begründete die Interpellation mit dem Hinweis auf die ungeheuren, stetig noch wachsenden Opfer des Weltkriegs in allen Ländern, Man müsse die Furcht vor falschen Deu tungen abwerfen und endlich auch vom Frieden reden. Genosse Scheidemann verwies auf die Fraktions­erklärung vom 4. August 1914, die davon ausging, daß die Kultur und Unabhängigkeit Deutschlands in Gefahr seien. Die Erklärung hatte gefordert, daß dem Kriege ein Ende ge­macht werden müsse, sobald das Ziel der Sicherung erreicht und die Gegner zum Frieden geneigt seien. Sie hatte einen Frieden verlangt, der Freundschaft zu den Nachbarländern ermögliche. Das Ziel der Sicherung, so meinte Genosse Scheidemann , sei mun erreicht, es sei falsch, zu warten, bis der Besiegte den Frieden anbiete. Das sei überhaupt nicht mög­lich bei einem ganz Europa aufwühlenden Koalitionskriege. Der könne und solle vom Frieden reden, der militärisch und wirtschaftlich so gestellt sei, daß seine Worte nicht als Geständ­nis der Schwäche mißdeutet zu werden vermöchten. Es seien auch in Deutschland Eroberungspläne ausgeheckt worden, die die Mehrheit des Volkes sicher ablehne, wenn sie darüber sprechen dürfe. Im Ausland aber würden solche Dinge dazu benützt, um die Fortsetzung des Krieges gegen Deutschland als eine Notwendigkeit hinzustellen. Annexionen volks­fremder Gebiete, sagte Genosse Scheidemann , verstoßen gegen das Selbstbestimmungsrecht der Völker und schwächen zugleich die innere und äußere Einheit des deutschen Nationalstaates. Natürlich wendete sich der sozialdemokratische Redner auch gegen alle Annerionsgelüfte der feindlichen Staaten und ver­wies auf die sozialistische Friedensarbeit in England wie Italien . Rönnte die Presse", meinte er, frei über die Kriegsziele und den Friedenswil­len schreiben, mit elementarer Gewalt fäme der Friedenswille in allen Ländern zum Durchbruch." Auch die deutsch - österreichische Bruderpartei teile die von ihm vorgetragenen Ansichten. Zur Erreichung fapitalistischer Sonderinteressen wolle das Volk nicht das Leben auch nur eines einzigen Soldaten aufs Spiel gesetzt wissen.

Buschriften an die Redaktion der Gleichheit find zu richten an Frau Klara Zetkin ( Zundel), Wilhelmshöhe, Post Degerloch bei Stuttgart . Die Expedition befindet sich in Stuttgart , Furtbach- Straße 12.

Genosse Scheidemann hat die sozialdemokratische Inter­pellation rein mit Gründen der Menschlichkeit und vor allem der rechtverstandenen politischen Klugheit begründet. Er geht aus von der amtlichen Anschauung, daß Deutschland zu diesem Kriege keinerlei Veranlassung gegeben hat, daß das Proleta­riat an dem ungeschmälerten Bestand des bürgerlichen Staates dasselbe Interesse hat wie jede andere Bevölke­rungsklasse. Seine Forderungen stellt er im Interesse nicht einer bestimmten Klasse, sondern des bürgerlichen National­staates selber und erwartet einen dauernden Frieden von der klugen Mäßigung der bürgerlichen Staatsmänner. Nach seiner Anschauung können also auch im Zeitalter des Impe­rialismus bürgerliche Staaten als friedliche Nachbarn neben­einander hausen, wenn nur ihre Diplomaten und Staats­männer geschickt genug sind. Eine Theorie das, der bekannt­lich die bürgerlichen Friedensgesellschaften huldigen, die von internationalen Abmachungen, Schiedsgerichtsverträgen und ähnlichen Abkommen die Garantierung des Weltfriedens

erwarten.

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Genosse Scheidemann hat in seinen Ausführungen auf die Friedensarbeit Macdonalds in England und von ves in Italien hingewiesen. Aber diese Friedensarbeit geht von wesentlich anderen Voraussetzungen aus. Das italienische amtliche Stenographenbureau hat die Rede von Treves zum Beispiel wie die des Genossen Lucci im italienischen Parla­ment bis zur Unkenntlichkeit verstümmelt. Wie nachträglich durch Spezialberichte bekannt wird, haben die italienischen Genossen vom Boden des Klassenkampfes aus ihre Regie­rung angegriffen und ihren herrschenden Klassen die histo­rische Verantwortung für den Krieg feineswegs abgenom­men. Sie sehen nach wie vor in der zielklaren Arbeit für den internationalen Sozialismus die einzige wirkliche Bürg­schaft eines dauernden Völkerfriedens.

Der Reichskanzler gab in seiner Antwort der Genugtuung darüber Ausdruck, daß Genosse Scheidemanns Nede jede Mißdeutung der Interpellation als Geständnis militärischer oder wirtschaftlicher Schwäche unmöglich gemacht habe. Er stellte die wirtschaftliche und militärische Stärke Deutschlands in Gegensatz zu den, wie er meinte, immer noch bestehenden Vernichtungsabsichten der Gegner. Dann kam er zu folgenden ebenso inhalts- wie folgenschweren Äußerungen:

.... Solange diese Verstrickung von Schuld und Unkenntnis bei den feindlichen Machthabern besteht, und diese Geistesverfassung die feindlichen Völker beherrscht, wäre ein Friedensange bot von unserer Seite eine Torheit, die den Krieg nur verlängern würde. Mit Friedensäußerungen von unserer Seite fommen wir nicht vorwärts. Frie­densangebote unserer Feinde, die der Würde und Sicherheit des Deutschen Reiches entsprechen, sind wir, ich wiederhole es immer wieder, allezeit bereit, zu diskutieren. In dem vollen Bewußtsein unserer unbestreitbaren und unerschütterlichen glänzenden mili­tärischen Erfolge lehnen wir jede Verantwortung für die Fort­setzung des Unheils ab. Es soll nicht heißen, daß wir den Krieg auch nur einen Tag verlängert haben, weil wir noch dieses oder jenes Faust pf and dazu erobern wollen. Unsere allgemei