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Die Gleichheit

vorstands. Nach der Errichtung des Sekretariats begann eine Zeit reger Tätigkeit. Unser Organ, die Gleichheit" wurde 1911 gegründet, es konnte jedoch während des Balkankrieges 1912/13 nicht erscheinen. Am 1. Juli 1914 zählte es trotzdem 3000 Abonnenten. Das Blatt erschien zweimal monatlich und hatte zuletzt eine Beilage, Die Zukunft", für unsere Kinder. Die Gleichheit" fand bei den arbeitenden Frauen Serbiens großen Anklang, sie wurde gern gelesen und wirkte besonders agitatorisch für die politischen und wirtschaftlichen Ziele der Partei. Am 1. Mai 1914 nahmen mehr als 2000 Frauen an der sozialdemokratischen Rundgebung teil, und das war das Verdienst der Gleichheit". Bald brach der Weltkrieg aus, und unser Blatt konnte nicht weitererscheinen.

Unsere Bewegung hatte mit der Zeit mehr und mehr Er­folge aufzuweisen. Es konnten zwei Landeskonferenzen ab­gehalten werden. Die erste fand am 28. Mai 1911 statt und war mit 22 Delegierten beschickt. Man zählte damals nur 222 gewerkschaftlich und 139 politisch organisierte Frauen. Die zweite Landeskonferenz tagte am 29. Januar 1914, es nahmen 28 Delegierte an ihr teil. Nach dem erstatteten Bericht war eine rege Tätigkeit entfaltet worden. Es hatten 3 große Ver­sammlungen und 4 Vorträge stattgefunden, außerdem 30 Sizungen und Besprechungen der leitenden Genosjinnen, 9000 Flugblätter waren durch Hausagitation zur Verteilung ge­langt. Die Hausagitation wurde auch sonst gepflegt. Genos­finnen suchten die Arbeiterinnen in ihren Wohnungen auf, weil sich das als die beste Art erwies, die Frauen aufzu­klären und zu gewinnen. Unsere Bemühungen waren mit Er­folg gekrönt, denn wir zählten im Jahre 1914 schon 3000 gewerkschaftlich organisierte Frauen, die sich auf das ganze Land verteilten und fast alle auch der Partei beigetreten waren.

Es muß ausdrücklich bemerkt werden, daß auch in Serbien die Arbeit zur Erweckung des weiblichen Proletariats weit schwerer ist als die Agitation unter den männlichen Prole­tariern. Von dem Augenblick an, wo bei der Proletarierin das Gefühl und die Erkenntnis von der Notwendigkeit und Bedeutung des Kampfes wachgerufen ist, beginnt ihre geistige Erhebung, die innere Befreiung von Irrtümern, Schwächen und der Macht der Tradition, kurz von der Sklavengesinnung, die der Seele des Weibes jahrhundertelang eingepflanzt worden ist. Die Frauen denken dann über ihre Lage in der Gesellschaft nach, wie über die Gründe ihrer Unterordnung unter den Mann. 1914 kam es in allen Textilfabriken zu Leskovac zu einer allgemeinen Aussperrung der Arbeiter, beziehungsweise zu einem Streit. Den Anlaß dazu gab unsere Maifeier, an der alle Arbeiter teilgenommen hatten. In den Textilfabriken waren die Arbeitsbedingungen ganz schlecht, geradezu unerträglich. Die solidarisch handelnden Arbeitgeber verstießen gegen alle Vorschriften der Gewerbeordnung. So beschloß die Arbeiter­schaft, den Kampf aufzunehmen. Er dauerte vom 18. Mai bis 10. Juli und mußte nur infolge der Kriegserklärung abge­brochen werden. Dieser Kampf wurde in mustergültiger, idealer Solidarität von 840 Arbeiterinnen geführt, es gab in den Betrieben nur einige wenige Arbeiter. Keine einzige Streif­brecherin wurde verzeichnet, keine Verräterin an der Organi­fation. Das war ein erster und echt proletarischer Kampf der arbeitenden Frauen Serbiens .

Auch während des Weltkriegs war das Sekretariat der sozia­ listischen Frauen tätig. Die Genoffinnen haben durch die sozial­demokratischen Abgeordneten der serbischen Skuptschina( Par­Iament) ein Memorandum übergeben, in dem sie das Elend der Arbeiterinnen und Arbeiterfrauen und ihrer Kinder schil derten und von der Stuptschina ein Gesetz forderten zur Unter­stüßung der Familien der Krieger und Notleidenden. Das selbe Schriftstück wurde auch der Regierung zugestellt. Es war von 3000 Frauen unterzeichnet. Auf Grund dieser Eingabe wurde in der Shuptschina ein Unterstügungsgesetz angenommen, nach dem alle Krieger- und Armenfamilien Beihilfe. erhalten sollten.

Seit der Begründung des Sekretariats waren die Verhält­nisse für die Entwicklung und Betätigung unserer sozialistischen

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Frauenbewegung fast stets außerordentlich ungünstig. Serbien hat von 1911 bis 1915 vier blutige Kriege geführt. Es ist nicht nötig, über das namenlose Elend, das sie uns brachten, zu schrei­ben, weil die ausländischen Genossinnen den Krieg und seine zerstörenden Folgen kennen gelernt haben. Wir serbischen Ge­nossinnen haben bis zur Niederlage Serbiens unsere Aufgaben gewissenhaft zu erfüllen gesucht, jetzt gibt es jedoch keine Mög­lichkeit, daß die sozialistische Frauenbewegung als selbständige Bewegung existiert und wirkt. Wir hoffen, daß die Bewegung unserer Schwestern in Deutschland und allen Ländern kraft­voll vorwärts schreitet, den sozialistischen Idealen treu dienend. Die sozialdemokratischen Frauen Serbiens würdigen mit größter Freude die Betätigung und Stellungnahme der Genosjinnen, die unentwegt für unsere bessere Zukunft kämpfen, indem sie für die Ideen des internationalen Sozialismus mit Wort und Tat wirken. Trotz dem Donner der Kanonen, troß der Bom­ben und Granaten, die fast bis auf den heutigen Tag Ver­nichtung und Grauen in unser Land tragen, grüßen wir unsere deutschen Schwestern, unsere Schwestern aller Länder mit dem alten internationalen Ruf: Es lebe das große Ringen des klassenbewußten Proletariats der ganzen Welt! Es lebe der internationale Sozialismus! Es lebe die sozialistische Frauen­Libertas. bewegung aller Länder!"

Gewerkschaftliche Rundschau.

Auch im zweiten Kriegsjahr haben die Zentralverbände ihre Aufgaben erfüllen können. Nach einer Statistik der Ge= neralkommission der Gewerkschaften für das Jahr 1915 haben die weiteren Einberufungen der Mitglieder zum Heeresdienst auf die Tätigkeit der Gewerkschaften etwas lähmend zurückgewirkt. Besonders hat es sich fühlbar gemacht, daß es in der Folge an Vertrauensleuten und Funktionären mangelte. Mein trotz dieser und anderer Hemmungen haben sich die Ge­werkschaften den schweren Kriegsnöten gewachsen gezeigt. Dafür liefert die vorliegende Statistik den Beweis. Streits und Aussperrungen von Bedeutung fanden im Berichtsjahr nicht statt. Dagegen kam es vielfach zu Lohnbewegungen wegen Teuerungszulagen. Die Aufbesserung der Löhne beziehungsweise die Gewährung von Kriegszulagen wurden meist durch Verhandlungen erreicht, nicht selten haben die Militär­behörden dabei mitgewirkt. Zu den vielen Aufgaben, die den Ge­werkschaften infolge des Krieges erwuchsen, gehörte insbesondere auch die Fürsorge für die Familien der Kriegs­teilnehmer und für die Kriegsbeschädigten. In der Kriegsbeschädigtenfürsorge stoßen die Gewerkschaften mit ihrer Tätigkeit leider noch häufig auf Widerstände bei den Be­hörden. Die Frage der Arbeitsvermittlung wurde durch den Krieg für die Gewerkschaften besonders brennend.

Vor Kriegsausbruch hatten die Gewerkschaften ohne die Ver­bände der Hausangestellten und der Landarbeiter rund 2/2 Mil­lionen Mitglieder. Im Jahre 1915 schlossen sie mit 982 863 Mit­gliedern ab. Unter den Gewerkschaftsmitgliedern wurden 172 101 weibliche gezählt. Der Mitgliederverlust ist leider nicht allein auf die Einberufungen zum Heeresdienst zurückzuführen, es ist auch die unangenehme Tatsache festzustellen, daß trop der außerordentlich starken Zunahme der Frauenarbeit 43 700 weib­liche Mitglieder den gewerkschaftlichen Organisationen verloren gegangen sind. Erfreulich ist es, daß im Laufe des Jahres 1916 die rückläufige Bewegung zum Stillstand kam, daß eine bemer­fenswerte Zunahme der weiblichen Mitglieder erfolgte. Auch Män­ner find den Gewerkschaften fahnenflüchtig geworden. Selbstver ständlich haben die Einnahmen an Beiträgen durch den Rückgang der Mitglieder eine gewaltige Verminderung erfahren. Die Ge­samteinnahme ging von rund 70 800 auf 41 500 Mt. zurück. Die Gewerkschaften waren trotzdem in der Lage, ihre bisherigen finanziellen Verpflichtungen vollauf erfüllen zu können, sie ber­mochten namentlich die Unterstützung der Krieger­familien durchzuführen. Für diese wurden seit Kriegsausbruch bis Juni 1916 rund 18 Millionen Mark aufgewendet. Die Ausgaben für Krantenunterstübung verringerten sich start, auch die für Not stands unterstützung gingen von etwa 3/2 millionen im Jahre 1914 auf 1 800 000 mt. im Jahre 1915 zurück. Während die Gesamtausgaben im Jahre 1914 79% Mil­lionen Mark betrugen, beziffern sie sich im Jahre 1915 noch nicht ganz auf 35 Millionen. Die Daheimgebliebenen haben die Pflicht,