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Die Gleichheit

Persönlichkeit gegen die geistigen Bindungen des Mittelalters vollzog sich in Deutschland in der welthistorischen Bewegung, die sich an den Namen Luthers knüpft und die wir Reformation zu nennen uns gewöhnt haben. In seinen großen Jahren von 1517 bis 1520 hat Luther wie ein Revolutionär nicht bloß gesprochen, sondern auch gehandelt, und die Schriften, die er damals schrieb, liefen wie Feuerbrände in die Reihen der Gegner. Allein es war das Verhängnis deutscher Geschichte, daß diese große Freiheitsbewegung sehr bald der Reaktion zum Opfer fallen mußte, und daß Luther selber dazu ent­scheidende Hilfe leistete. Außerlich gesehen war Deutschland noch zu Luthers Zeit wirtschaftlich in glücklichster Entwicklung. Der Reichtum und die Bracht besonders der füddeutschen Städte war niemals größer gewesen. Und doch befand sich das Reich schon in entscheidendem Abstieg. Die Verschiebung der See­wege durch die großen geographischen Entdeckungen, die so viel zur Befreiung der Persönlichkeit aus den Fesseln mittel­alterlicher Gebundenheit beitrug, sollte gerade in Deutschland nicht zu voller Auswirkung gelangen. Das Reich, das politisch schon seit dem dreizehnten Jahrhundert der Auflösung ent­gegentaumelte, ging nunmehr auch wirtschaftlich seiner Zer­feizung entgegen. Die Geldwirtschaft verfiel, der Handel ver­fam, rohe, längst überwundene Naturalwirtschaft kam wieder auf, die Wissenschaften flohen das verarmende Land, bis dann endlich im siebzehnten Jahrhundert der Dreißigjährige Strieg mit seiner grenzenlosen Verwüstung deutscher Kultur das Schlußsiegel unter diese Entwicklung trostlosen geistigen wie wirtschaftlichen Niederganges drückte.

Es war klar, daß die lutherische Bewegung von dieser Ent­wicklung entscheidend beeinflußt werden mußte. Diese tief in der unglückseligen Weltlage Deutschlands begründeten ma­teriellen Bedingungen waren es, die dem Luthertum je länger um so schärfer den Charakter des Reaktionären, Fortschritts­und Bildungsfeindlichen aufprägten. Schon Luther wetterte über die Hure Vernumft " und predigte die Allmacht der Obrig­keit, was damals nichts anderes hieß, als die Allmacht der fleinen Landesfürsten mit ihren oft höchst wunderlichen" Ein­fällen und Methoden predigen. Gegen die revolutionären Bauern nahnt er die schärfste Stellung ein und sprach die scheußlichen Worte:" Ihr Blut komme über meinen Hals!" Das erstartende Landesfürstentum, dieses geschichtliche Kenn­zeichen deutscher Ohnmacht und Zerseßung, konnte in Luther und seiner Bewegung mit Recht sein stärkstes Bollwerk er­blicken, und so kam es, daß die großen befreienden Losungen, mit denen Luther in seinen großen Jahren begonnen hatte, bald wie eine Karikatur auf das Lutherium wirkten. Gegen­über der freieren Stellung des reformierten Bekenntnisses sant das Luthertum auf die gebundene Stellung des Katholi­zismus zurück, und beide Kirchen, die das innere Deutschland von Ende des sechzehnten bis ins achtzehnte Jahrhundert voll­kommen beherrschten, Luthertum und Katholizismus, haben gemeinsam den freien Aufschwung der Geister systematisch niedergehalten. Nicht in Deutschland , sondern in den Nieder­ landen , vor allem aber in England und der Neuen Welt sollte das neue Menschentum erstehen, als dessen Vorkämpfer Luther geschichtlich berufen schien. Dort erst entwickelten sich jene materiellen Bedingungen, deren Gunst die Grundlage für die geschichtliche Größe jener beiden Länder war.

Aber auch noch in einer anderen Hinsicht verrät sich die ge­schichtliche Rückständigkeit Deutschlands . Was der neuen Gene­ration, die um die Wende des fünfzehnten zum sechzehnten Jahrhundert in Deutschland aufwuchs, noch immer fehlte, das war die Frau. Nicht entfernt spielen die Frauen in dieser Periode unserer Geschichte eine Rolle, wie wir sie in der ver­wandten Entwicklung Italiens spielen sehen. Der reichen An­zahl hochbedeutender, gelehrter, liebenswürdiger und be­geisterter Frauen der italienischen Renaissance hat die deutsche Entwicklung nichts oder so gut wie nichts entgegenzusetzen. Für Luther selber und seine geistige Entwicklung hatten die Frauen feine Rolle gespielt. Er brach zwar mit der priesterlichen Ehe­losigkeit und heiratete seine Käthe, aber er sagte selber von

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ihr, daß er sie, als er sie heiratete, nicht geliebt habe. Noch war die Stellung der Frau in Deutschland zu unentwickelt, als daß bereits bedeutende oder originelle weibliche Persön­lichkeiten eine geschichtliche Rolle hätten spielen können.

Der heutigen Welt hat Luther und seine Zeit nichts mehr zu sagen. Es ist eine abgeschmackte und ungeschichtliche Auf­fassung, zu glauben, daß wir heutzutage noch mit der Geistes­kultur der Reformation durch unmittelbare Zusammenhänge verbunden seien. Uns drängen andere Sorgen, und auch die geistigen wie materiellen Entwicklungsbedingungen unserer Zeit sind völlig andere geworden. Das hindert aber nicht, daß auch die deutsche Arbeiterklasse selbst in den furchtbaren Kämpfen unserer Zeit den Blick zurücklenkt zu jenem entschei­denden Wendepunkt unserer Geschichte, auf dem ewig ein eigen­tümlicher Glanz liegen wird, und von dem einer der stolzesten und unabhängigsten Kämpfer jener Tage das Wort prägen fonnte: es ist eine Lust zu leben, die Geister erwachen im Lande.

Die Spartaner.

Im letheischen Kahn sah Pluto kommen dreihundert Krieger auf einmal: still landeten alle sie an. Das sind Sparter, sprach er; sie fragen die blutenden Wunden Keiner im Rücken, alle in der beherzten Brust. Ruht nun, Tapfere, satt des Krieges! Ruhet in meinem Schlaf aus, Männer des Mars, unüberwundenes Volk.

Zur Frage der Fabrikpflegerinnen.

Herder.

Für Frauen, die ihre Wirtschaft in Ordnung zu halten und Kinder zu versorgen haben, ist immer schon die übernahme außer häuslicher Erwerbsarbeit keine leichte Sache gewesen. Verheiratete Frauen suchten deshalb mit Vorliebe sich Verdienstgelegenheit durch Heimarbeit zu verschaffen. Während des Krieges sind die Nöte für die arbeitenden Frauen noch größere geworden, vor allen Dingen durch die Schwierigkeiten bei der Versorgung mit Lebens­mitteln. Viele Frauen, die gern arbeiten würden, um zu ihrer Kriegsunterstützung etwas dazuzuverdienen, nehmen deshalb da­von Abstand und richten sich lieber mit ihrer Unterstüßung aufs äußerste ein. Die Unmöglichkeit, ihre Kinder gut unterzubringen und sich als arbeitende Frau die nötigen Lebensmittel zu beschaf= fen, ist es zumeist, die Frauen, namentlich Mütter kleinerer Kin­der, von der übernahme außerhäuslicher Erwerbsarbeit abhält.

Mit dieser Situation müssen die Frauenreferate bei den Kriegs­amtstellen rechnen, die zur Heranziehung aller verfügbaren Frauenkräfte für die notwendigen Arbeiten des Heeresbedarfs und der Versorgung der Bevölkerung gebildet worden sind. Man hat bekanntlich die Frauen dem Hilfsdienstgeseh nicht unterstellt. Die Frauenreferate sollen ermöglichen, in weitem Maße Frauen für die notwendigen Arbeiten zu gewinnen und ihnen durch den Aus­bau oder die Neuschaffung von Fürsorgeeinrichtungen die Über­nahme von Arbeit zu erleichtern.

Neben der Sorge um passende Unterkunft für die Kinder der arbeitenden Frauen und die Regelung der Lebensmittelfrage spielt die Beschaffung geeigneter Wohn- und Schlafgelegenheiten für die arbeitenden Frauen und Mädchen eine große Rolle in der Tätig= keit der Frauenreferate. Der ungeheure Bedarf des Heeres an Munition und anderen Dingen war Veranlassung, daß vielfach die dafür tätigen Betriebe stark vergrößert werden mußten. Ver­schiedentlich sind Betriebe während des Krieges neuentstanden in Gegenden, in denen Frauenarbeit in größerem Umfang früher gar nicht anzutreffen war. Das hat Verschiebungen der Arbeitskräfte aus anderen Orten zur Folge gehabt. Am Orte der Arbeit fehlten aber Einrichtungen zur Unterbringung der Arbeiterinnen. Viel­fach waren die Wohngelegenheiten für die zugereisten Arbeitskräfte derartig mangelhafte, daß diese nicht blieben oder größten Gefah­ren für ihre Entwicklung und ihre Gesundheit ausgesetzt waren. Auch der Transport der Arbeitskräfte und ihre Verpflegung boten zu Klagen berechtigten Grund. Die trüben Erfahrungen waren­aber Veranlassung, daß weitere Abwanderungen auf Widerstand stießen, die nicht nur im Hinblick auf die Arbeiterknappheit an manchen Orten, sondern auch wegen der Stillegung von Betrieben aus Rohstoffmangel an anderen Plätzen notwendig sind. Dazu kam dann noch die Art der Beschäftigung der Frauen in den Be­