Nr. 10

Die Gleichheit

lung eine wesentliche Besserung. Die am selben Abend int Elster­garten" stattgefundene Frauenversammlung war wiederum überfüllt und nahm einen glänzenden Verlauf. Genosse Meier erstattete aus­führlich Bericht über die mit dem Bürgermeister stattgefundene Ber­handlung. In der dem Bericht folgenden fachlichen Aussprache er­flärte sich die Versammlung einmütig mit dem Resultat einverstan­den und gab ihrer Freude Ausdruck, daß die Parteileitung sich der Kriegerfrauen in so warmer Weise angenommen habe. Eine An­zahl anwesender Kriegerwitwen schilderte ihre trostlose Lage und ersuchte die Versammlungsleitung, dazu beizutragen, daß das Los der Kriegerwitwen baldigst eine Erleichterung erfahre. Genosse Meier erklärte hierzu, daß die Sozialdemokratie bestrebt sei, eine Erhöhung der Hinterbliebenenrenten herbeizuführen. Leider habe die Regierung dem Beschlusse des Reichstags noch nicht Rechnung ge= tragen. Die Sozialdemokratie werde alles tun, um die allseitig an­erkannte Notlage der Kriegerivitwen zu beheben.

Die Frauenbewegung in Elsterberg hat in den letzten Wochen erfreu­liche Fortschritte gemacht; mögen die Genofsinnen dafür sorgen, daß möglichst alle Frauen der Parteiorganisation zugeführt werden.-ei­e. Bezirk Görlitz . Erfreuliche Fortschritte. Die Tätigkeit des Bezirkssekretariats in der Fürsorge für Kriegerfamilien zur Herbeiführung besserer Unterstügungen und Vermittelung von Not­beihilfen hatte gezeigt, wie notwendig die Frauen der Aufklärung über ihre Rechte und Ansprüche bedurften. Die Frauen, welche früher mit der Partei weniger Verbindung hatten, waren dadurch auf die Tätigkeit der Sozialdemokratie aufmerksam geworden. Was sie bei Gemeindebehörden und beamteten Personen an Rat und Hilfe und Erfüllung ihrer berechtigten Ansprüche an den geschaffenen Unier­flügungseinrichtungen oftmals vergeblich suchten, das fanden die Frauen in unserem Parteisekretariat.

Durch die vom Reichstag und Bundesrat beschlossene und ver= ordnete Erhöhung der Familienunterſtügung wurde unser Partei­jefretariat erneut zum Eingreifen veranlaßt. Die Frauen verlangten Versammlungen, um Aufflärung über ihre Rechte und Ansprüche zu erhalten. So wurden in allen Kreisen des Bezirks Frauenversamm lungen veranstaltet, die sämtlich sehr zahlreich besucht waren. Der mit großem Beifall aufgenommene Vortrag der Genossin Schilling aus Döbeln , die in allen Frauenversammlungen redete, machte den Frauen die Notwendigkeit der Organisation klar. Wie schon in Nr. 6 der ,, Gleichheit" berichtet wurde, traten in den ersten Versammlungen, die in den Kreisen Görlig- Lauban und Bunzlau Lüben statt­fanden, 743 Frauen der Partei als Mitglieder bei. Die im Januar

Bücherschau

Erich Everth , Von der Seele des Soldaten im Felde. Be­merkungen eines Kriegsteilnehmers. Tat- Flugschriften 10. Eugen Diederichs , 1916.

Infolge der Länge des Krieges ist man nachgerade durch die Striegsliteratur übersättigt. Während man in der ersten Zeit vor Wissensbegier darauf brannte, das Neue, Gewaltige und Geheimnis­volle, was sich dort draußen auf den Ebenen Polens , in den Vo­ gesen und Karpathen ereignete, kennenzulernen und die in den Spalten der Zeitungen gedruckten Feldpostbriefe verschlang, möchte man jetzt vom Kriege am liebsten überhaupt nichts mehr sehen und hören. Man hat sich seine Vorstellungen zurechtgemacht und glaubt im übrigen innerlich mit dem Kriege fertig zu ſein. Freilich, das Schicksal der Lieben im Felde bleibt dauernd der Teilnahme sicher und der Wunsch lebendig, ihr Seelenleben lennenzulernen, von dem man wohl ahnt, daß es besonderer Art sein müßte. Hier sind alle die, die selber nie draußen" waren, in der Hauptsache auf briefliche Mitteilungen und Schilderungen heimkehrender Ur­Tauber angewiesen. Das gilt in erster Linie von den Frauen. Aber wie wenig erfahren sie doch im allgemeinen von dem wirklichen Seelenleben der Feldkrieger! Diese werden sich meist selber der be­sonderen Vorgänge in ihrem Innern kaum bewußt, wozu schon ein hohes Maß von Selbstbeobachtung und beherrschtem Innenleben gehört, sie können sie also um so weniger schildern. Anderen, die sich ihrer Regungen bewußt werden, fehlt meist die Fähigkeit der Wieder­gabe, denn vom Hirn bis zur Hand ist ein gar weiter Weg und, was auch als groß und verehrungswürdig im Innern lebt, wird, wenn es geschrieben ist, bei den meisten zur bloßen konventionellen Phrase. Nur wo sich eine geschulte psychologische Beobachtungsgabe mit künstlerischer Darstellungskraft vereinigen, kann ein echtes Spiegel­bild von Seelenleben entstehen.

Hier ist ein Buch, das diese beiden Vorzüge in sich vereinigt und das uns auf seinen 48 Seiten tiefere Einblicke in Herz und Hirn der Feldgrauen tun läßt, als das Hundertfache des üblichen Kriegs­

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in den Kreisen Sagan- Sprottan, Grünberg- Freystadt und Weißwasser veranstalteten Zusammenkünfte brachten weitere 814 Nenaufnahmen, so daß die Gesamtzahl der neu aufgenommenen Mitglieder 1557. beträgt.

Bemerkenswert ist, daß gerade in den Orten, wo früher die Partei am schwersten Fuß fassen konnte und ihr die größten Schwierigkeiten entgegenstanden, die Versammlungen am besten besucht waren und die meisten Neuaufnahmen gemacht wurden. Und aus allen diesen Ortsgruppen wird erfreulicherweise berichtet, daß die Frauen der Partei treu bleiben. Abmeldungen kommen nur in ganz vereinzelten Fällen als Ausnahmen vor und werden durch Neuaufnahmen wie­der wettgemacht.

Die Erhaltung der Mitgliedschaft ist jedenfalls auch ein Verdienst der Gleichheit", deren jetziger Inhalt den Frauen verständlich ist und den unmittelbaren Interessen der Frauen besser Rechnung trägt als früher. Es ist deshalb allen Kreisorganisationen dringend zu empfehlen, ihren weiblichen Mitgliedern die Gleichheit" obligatorisch zugänglich zu machen.

Mögen die Erfolge der bisher stattgefundenen Versammlungen auch anderen Bezirken ein Ausporn sein, die noch fernstehenden Männer und Frauen der Arbeiterkreise für die Parteiorganisation zu gewinnen.

* Bezirk Ostpreußen . Seit furzer Zeit macht die Frauenbewe ging hier starke Fortschritte. Um diese erfreuliche Bewegung zu unterstügen, veranstaltete der Bezirksvorstand einige Versammlungen in der Provinz. Genossin Juchacz behandelte das Thema: Die Frau int Weltkrieg". Sie hatte die Aufgabe übernommen, dabei auch den Frauen das Wirken von Partei und Gewerkschaften während des Krieges für die Feldgrauen und ihre Angehörigen zu schildern.

In Rastenburg war das leider zu kleine Zimmer des Gewerk­schaftslokals schon beinahe eine Stunde vor Beginn überfüllt. Um die Versammlung überhaupt zu ermöglichen, hatten sich die Genossen Petroleum und Kohlen abgespart. Folgende Entschließung wurde hier angenommen: Die anwesenden Frauen und Männer erblicken in dem Beitritt und der Zugehörigkeit zur Sozialdemokratischen Partei Deutschlands das beste Mittel, den Kampf der Partei für einen Verständigungsfrieden, für Brot und gleiches Recht wirksam zu unterstützen. Sie verpflichten sich ferner, mit allen Kräften für die Stärkung der politischen Organisation zu wirken."

In Tilsit sollte die Versammlung im Bürgersaal stattfinden. Die Stadtverwaltung hat ihn gemietet, es soll dort später eine Lesehalle eingerichtet werden. Dieser Saal sowie ebenfalls passende

geschreibsels auch das der Kriegsberichterstatter. Gewiß gibt es unter diesen Künstler von bildhafter Gestaltungskraft, aber sie kennen den Krieg und den Krieger doch nur aus der Ferne, aus den Blick­punkten höherer Stäbe. Mitten drin" sind sie nie, auch wenn sie sich dann und wann in die Feuerzone begeben. Und auch was sie aus Gesprächen mit Schüßengrabenleuten erfahren, ist fast immer, bewußt oder unbewußt, von diesen für die Zwecke der Berichterstat­tung zurechtgemacht, gefärbt und univahr. Man muß da schon selber mitgemacht haben, wie der Verfasser dieser Schrift. Sie ist 1916 geschrieben und fußt anscheinend in der Hauptsache auf Erfahrungen vom östlichen Kriegsschauplag, namentlich in Bolen. In mancher Hinsicht ließe sie sich nach den neueren Erlebnissen an der Somme, in Flandern und Italien ergänzen und bereichern. Der Verfasser hat es aber schon damals verstanden, mit sicherer Hand das All­gemeingültige und Typische aus der Seele des Soldaten herauszu holen, so daß seine Beobachtungen in gleicher Weise, wie wir be­stätigen können, auch für die Seelenvorgänge auf allen anderen Kriegsschauplätzen zutreffen. Was er über Abschied und Ausreise, Gesundheit, Freiheitsgefühl, falsche Idealisierungen, was er über den neuen Lebensstil, das Gehorchen, die Änderungen im Wirklich­keitsbewußtsein, über Wandlungen im Wertbewußtsein, Todes­gedanken und religiöse Gefühle zu sagen weiß, ist überaus sein und tief und gehört zu dem Besten, was auf dem Gebiet der Kriegs­psychologie überhaupt vorhanden ist. Allen denen, die einen intimen Einblick in das Seelenleben des Frontfriegers gewinnen wollen, können wir diese Schrift warm empfehlen. Bernhard Rausch( im Felde).

Eingegangene Schriften. Hermann Kranold, Arbeiterjugend und bürgerliche Jugendbewe­gung. Chemnitz 1917, Verlag Jugendausschuß für die Chemnizer Arbeiterjugend. 16 Seiten. Preis 30 Pf.

Professor Dr. Franz Staudinger, Soziale Wegnotwendigkeiten. Ein Beitrag zur Konsumgenossenschaftstheorie. Verlagsgesellschaft deutscher Konsumvereine m. b. H., Hamburg , Beim Strohhause 38. 115 Seiten. Preis broschiert 1,80 Mt.