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Die Gleichheit
große Nebenräume wurden jedoch nicht hergegeben. Das kleine Jugendheim im Gewerkschaftshaus, das nunmehr gewählt wurde, fonnte trotz Überfüllung nicht die Hälfte der Besucher fassen. Die böse Lokalfrage wird im Osten trotz des Krieges große Anstrengungen unserer Organisationen beanspruchen.
Auch Memel hatte eine stark besuchte Versammlung. Trotz der frühen Sonntagvormittagsstunde hatten Frauen und Männer weite Wege nicht gescheut. Man sah viele Frauen in der Tracht der litauischen Bäuerinnen. In Königsberg waren die Frauen der gewerkschaftlich organisierten Kriegsteilnehmer geladen worden. In allen Versammlungen fam es stark zum Ausdruck, daß die Frauen über das Vorgehen der Vaterlandspartei, für die sich gerade hier im Osten Bürgermeister, Landräte und andere beamtete Personen betätigen, stark erbittert sind. Es ist eine Freude, zu sehen, wie die Frauen Ostpreußens ihre politische Urteilsfähigkeit befunden. Etwa dreihundert weibliche und männliche Mitglieder für die Partei, eine Anzahl Leser für die„ Gleichheit" und die„ Volkszeitung" sind der rein ziffermäßige Erfolg dieser Versammlungen. Es wird nunmehr noch rascher vorwärts gehen.
Vom Fortgang des Frauenrechts
*** Das Frauenwahlrecht in der Gemeinde. Der erste Anirag, den die neu in das Rathaus in Köln eingezogenen drei sozialdemokratischen Stadtverordneten stellten, galt der Einführung des allgemeinen, gleichen, geheimen und direkten Wahlrechts für Manu und Weib zu den Gemeindevertretungen. Sie beantragten, daß das Stadtverordnetenkollegium der preußischen Regierung eine ent sprechende Forderung unterbreiten möge. Die ganze rohe politische Vergewaltigung der arbeitenden Massen geht daraus hervor, daß von den Kölner Gemeindewählern 111557 in der dritten Klasse zusammengedrängt sind, während 14965 zur zweiten Klasse und nur 1141 zur ersten Selasse gehören. Der Besitzende hat also hundertmal soviel Einfluß wie der Besizloje. Mit besonderer Wärme begründete Genosse Sollmann die Forderung des Frauenwahlrechts. Er wies darauf hin, daß die Stadtverwaltung auf zahlreichen Gebieten der kommunalen Tätigkeit die Hilfe der Frauen gesucht habe. In vielen Verwaltungszweigen hätten die Frauen nicht weniger gute Arbeit geleistet wie die Männer. Es seien in Köln zurzeit Frauen in folgenden Deputationen und Kommissionen tätig: Armendeputation, Waisendeputation, Deputation für das Wohnungswesen, Schuldeputation, Deputation der städtischen Bäder, Verwaltung der Kinderbewahranstalten, Gesundheitskommission, Küchenkommission, Kommission für die Säuglingsmilchanstalten, Kommission für die Fürsorgestelle für Lungenkranke, Kommission für die Heimarbeit, Kommission für Strohhutnäherinnen, Lebensmittelkommission, Preis prüfungsstelle, außerdem in den Seuratorien für höhere Lehranstalten, Mittelschulen und kaufmännische Fortbildungsschulen. Allerdings seien noch zu wenig Vertreterinnen der Arbeiterklasse vorhanden. Die Stadtverwaltung selbst habe wiederholt erklärt, daß die Frauen den Befähigungsnachweis erbracht hätten. So habe Bürgermeister Löhe am 4. November 1915 bei der Beratung der Armenordnung auf die Mitarbeit der Frauen in der Armenpflege ein hohes Loblied gesungen und dies dahin ausgedehnt, daß die Frau sich durch ihre Tätigkeit auf den verschiedensten Gebieten des öffentlichen Lebens besonders in dieser Kriegszeit in ganz hervorragendem Maße bewährt habe. Mit solchen Lobsprüchen und dem Verdienstkreuz für Kriegshilfe sei den Frauen jedoch nicht gedient. Sie wollten ihre Rechte.
Die bürgerlichen Parteien nahmen die Anträge natürlich nicht glatt an, sprachen sich aber bezeichnenderweise in ihrer Antwort auch nicht gegen das Frauenwahlrecht aus. Die Anträge wurden der Verfassungskommission, in die Genosse Sollmann gewählt wurde, als Material überwiesen.
M. Q- H. Frankfurt a. M. Vor einiger Zeit konnten wir berichten, daß sich in Frankfurt a. M. Vertreter der sozialdemokratischen Frauen mit denen der beiden bürgerlichen Frauenstimmrechtsvereine von Zeit zu Zeit zusammenfinden, um aktuelle wichtige Fragen zu be raten und geeignete Maßnahmen zu beschließen. Diese Zusammen arbeit hat sich bis jetzt bewährt und unter anderem zu einer Aktion geführt, die nicht nur die bürgerlichen Frauenstimmrechtsvereine, sondern alle im Verband Frankfurter Frauenvereine zusammengeschlossenen bürgerlichen Frauenorganisationen umfaßt.
Seit Bekanntgabe des zweiten Teilberichts des Reichstagsausschusses für Bevölkerungspolitik( Schuß für Mutter und Kind) stand dessen letzte Forderung über die rechtliche Stellung des unehelichen Kindes und die Organisation seiner Fürsorge im Vordergrund des Interesses. Sowohl die sozialdemokratischen Frauen wie der Verband Frankfurter Frauenvereine veranstalteten Versamm
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lungen und ließen über diese Vorschläge referieren. Dabei ergab sich, daß bei aller Anerkennung der Arbeiten der Kommission doch eine Reihe von Ergänzungen und Forderungen für nötig erachtet werden, die über die Vorschläge der Kommission hinausgehen. Als ganz besonderer Fehler wurde der Mangel eines leistungsfähigen Trägers der Fürsorge für das uneheliche Kind angesehen und beschlossen, dem Reichstag die Auffassung der Frauen Frank furts in einer Petition zur Kenntnis zu bringen, deren entscheidende Forderungen lauten:
1. Den Antrag C 10 bahin abzuändern, daß die übernahme der Fürsorge für die unehelichen Kinder und die Übertragung der Generalvormundschaft auf die Kommunalverbände beschlossen wird. 2. Den Antrag C 1 dahin umzuändern, daß im§ 1717 des Bürgerlichen Gesetzbuchs die Worte es sei denn, daß ein anderer ihr beigewohnt hat" gestrichen werden.
3. Als Ergänzung zu den Anträgen C 3 und 4 hinzuzufügen: den§ 1708 des Bürgerlichen Gesetzbuchs dahin zu ändern, daß die auf und absteigenden Verwandten ersten Grades zur Alimen tation verpflichtet werden, falls der Vater des unehelichen Stindes sterben sollte;
ferner im§ 1603 in Absatz 1 des Bürgerl. Gesetzbuchs die Worte: „ ohne Gefährdung seines standesmäßigen Unterhalts" zu streichen. 4. Das Erbrecht des unehelichen Kindes dem des ehelichen gleichzustellen und Bestimmungen zu treffen, die dem unehelichen Vater eine Vernachlässigung seiner Verpflichtungen durch Auswanderung unmöglich machen.
Wir sprechen die Hoffnung aus, daß sich recht viele Städte in Deutschland finden möchten, die ähnlich wie in Frankfurt am Main zu diesen nicht nur für die Frauen, sondern für die ganze Bevölkerung wichtigen Fragen Stellung nehmen und ihr Interesse bekunden.
Im Sächsischen Landtag wurde am 28. Januar über einen von der Fortschrittlichen Volkspartei eingebrachten Antrag verhandelt, der forderte, daß in die Gemischten Ausschüsse der Gemeinden überall Frauen gewählt werden können und ihnen das Stimm recht gesichert sein soll. Wider Erwarten war das Haus mit Einstimmigkeit für die Forderung. Man würde aber sicher fehlgehen, so bemerkt zu diesem Beschluß die„ Dresdener Volkszeitung", wenn man die bürgerlichen Parteien nun als Förderer der Gleichberechtigung der Frauen einschäßen wollte. Wenn sie dem Antrag schließlich zustimmten, so, weil er sich in sehr bescheidenen Grenzen hielt und vor allem die Gemeinden zu nichts verpflichtet. Auch wenn die von den Fortschrittlern geforderten Gesezesänderungen durchgeführt und die Frauen ohne weiteres in die Gemeindeausschüsse gewählt werden könnten, würden sie größtenteils noch lange auf eine Zulassung zu dieser bescheidenen Mitwirkung warten können. Was in dieser Hinsicht möglich ist, zeigt die Tatsache, daß selbst in der fortschrittlich regierten Stadt Zittau den Frauen durch den Stadtrat die Zulassung zu den Ausschüssen versagt worden ist. Und in Dresden lehnten die Stadtverordneten unter Führung der Nationalliberalen es ab, den Frauen Stimmrecht in den Ausschüssen zu erteilen. Es bedarf also auch in Sachsen noch einer unablässigen und rührigen Bewegung der Frauen, wenn sie ein Scheinrecht zu einem wirklichen Recht gestalten wollen.
Kleine Mitteilungen. Die Vorsigende des Preußischen Landesvereins für Frauenstimmrecht, Frau Regine Deutsch , seit vielen Jahren in sozialer Arbeit und städtischer Wohlfahrtspflege tätig, wurde von der Stadt Wilmersdorf als stimmberechtigtes Mitglied in die Armendeputation gewählt. In einer an den Rat der Stadt Leipzig gerichteten Eingabe bat die Leipziger Ortsgruppe des Deutschen Reichsverbandes für Frauenstimmrecht gemeinschaftlich mit der Ortsgruppe des Allgemeinen Deutschen Frauenvereins, eine Revision der Städteordnung in der Richtung vorzunehmen, daß Frauen in die städtischen Kommissionen und Deputationen mit beschließender Stimme aufgenommen werden können". Die Eingabe wurde auf Antrag des Verfassungsausschusses von den Stadtverordneten dem Rate der Stadt zur Berücksichtigung überwiesen.- Die türkische Regierung, die jüngst den Frauen das Studium an der medizinischen Fakultät gestattet hat, hat nunmehr auch an der Handelsschule eine Frauenabteilung errichtet. Auch zur Batte riologie sind die Frauen zugelassen. Die Ausbildung erfolgt in der Weise, daß Frauen, welche die Mittelschulbildung erlangt haben, ins Bakteriologische Institut aufgenommen, um nach zweijähriger Praris zu Hilfsbakteriologen herangebildet zu werden. Achtzehn türtische Frauen wurden im letzten Jahr zum erstenmal aus der Frauenabteilung der Universität Konstantinopel( sieben aus der philolo gischen, drei aus der mathematischen, acht aus der naturwissenschaftlichen Fakultät) promoviert.
Verantwortlich für die Redaktion: Frau Marie Juchacz , Berlin SW 68. Druck und Verlag von J. H. W. Diez Nachf. G.m.b.H. in Stuttgart .