Nr. 45/46

ie Gleich beit

meinden gepflegt wird, der einheitlichen Leitung des Wohlfahrts­amts unterstellt werden muß, ist wohl selbstverständlich. Auch hier wird das Zusammenarbeiten mit den übrigen Abteilungen und die Ausnutzung der von diesen gesammelten Erfahrungen viel dazu beitragen, durch eine vermehrte und verbesserte Kriegs­fürsorge die Dantesschuld gegenüber den Kriegern und deren Angehörigen abzutragen.

Die öffentliche Armenpflege ist ja durch die Kriegswohl= fahrtspflege mehr und mehr in den Hintergrund gerückt. Aber auch sie wird wieder in die Erscheinung treten, da die Kriegs­wohlfahrtspflege doch allmählich abgebaut und immer noch ein Teil Fürsorgebedürftiger vorhanden sein wird, für die die andern Zweige der sozialen Fürsorge nicht in Frage kommen.

Schon bei oberflächlicher Betrachtung muß auffallen, daß die einzelnen Gebiete der sozialen Fürsorge so eng miteinander zu­sammenhängen und derart ineinandergreifen, daß eine Zentrali fation nicht länger aufgeschoben werden darf.

Die ungeheuren Arbeiten, die im Interesse des Wiederaufbaues des deutschen Wirtschaftslebens, einer Stärfung der Volksgesund­heit und der Hebung der sittlichen und moralischen Kraft unseres Volkes geleistet werden müssen, fönnen nur erfüllt werden, wenn fich jeder und jede einzelne freudig und mit ganzem Herzen in den Dienst dieser Sache stellt. Insbesondere wird die soziale Fürsorge nicht auf die Mitarbeit der Frau, besonders auch der proletarischen Frau, verzichten fönnen. Gerade lettere wird sich sehr bald das Vertrauen ihrer Pfleglinge aus den arbeitenden und schaffenden Ständen erwerben, da sie als Klassengenossin geistig und wirtschaftlich mit diesen Kreisen verwachsen ist und die besonderen Nöte meist aus eigener Erfahrung fennt. Wenn die Wohlfahrtspflege auch in Zukunft in der Hauptsache auf ehrenamtliche Tätigkeit angewiesen ist, so wird man doch nicht ohne die Schaffung hauptamtlicher Stellen auskommen. Bei Be­sehung solcher Stellen muß Wert darauf gelegt werden, möglichst Männer und Frauen zu wählen, die aus den Kreisen der Für­forgebedürftigen stammen und hervorgegangen sind.

Geht damit Hand in Hand eine praktische Aus- und Durch­bildung der in der Fürsorge tätigen Personen, so werden in sehr furzer Zeit die Wohlfahrtsämter die stärksten Stüben unseres gesamten Lebens sein. Zum Segen und Nuben unseres Landes und des schwer leidenden Voltes.

Die Liesbeth hat mich genommen. Ihr Rosenglück aber hat biele Dornen gehabt. An ihrem letzten Geburtstag aber schrieb sie mir, sie hätte mich genommen und wenn sie gewußt hätte, daß sie zwei Dugend Kinder bekäme, und dieser Mei­nung sei sie heute noch. Ich bekenne mich zu der gleichen Ueberzeugung, und bin heute noch stolz darauf, daß sie vor 20 Jahren dem Standesbeamten auf die Frage, ob sie mich zum Lebensgenossen wolle, zweimal mit ja antwortete, obwohl sie nur einmal gefragt war.

Frauengestalten des 19. Jahrhunderts

Von Anna Blos , M. d. N.

( Fortsetzung)

Tief erschütterte sie die Nachricht von Robert Blums Tod, und gleichzeitig erfuhr sie, daß Fröbel, der Begründer der Kindergärten, mit dem sie in Korrespondenz stand, in Lebensgefahr gewesen war. Nun vertiefte sie sich in der Heimat in das Studium der Philosophen, namentlich in die Werke Ludwig Feuerbachs, bei dem sie eine Bestätigung ihrer eigenen Ansichten über Religion fand. Schon damals plante sie in Erkenntnis der Lücken in ihrer Bildung eine Ver­bindung der Frauen in Deutschland zu dem Zwede einer besseren Erziehung, zur Erwerbung verschiedenartiger Kennt nisse zur Erlangung ökonomischer Unabhängigkeit. Wie­viel später sollte sich ihre Anregung erst verwirklichen! So überwand sie den Schmerz, der ihr Herz zerrissen hatte. So zerbrach sie die Fesseln, die sie noch banden, und erhob sich weit über Schicksal und Tod in die Reihen seiner Geister, bestrebt, zu verstehen und verstanden zu werden. So be­reitete sie sich darauf vor, vorwärtszudringen, wäre es auch gegen die ganze Welt. In dieser Zeit schrieb Malvida von

Die Urform der Ehe

357

Für uns gibt die Schöpfungsgeschichte der Bibel, nach der Gott ,, einen" Mann und eine" Frau geschaffen hat, keine befriedigende Erklärung über die Entstehung des Menschengeschlechts. Wir wissen, daß es nie nur einen" Mann und nur eine" Frau ge= geben hat. Lesen wir doch in der Bibel selbst, daß die Kinder und Eufel Adams andere Menschen geheiratet haben. Es muß also außer dem ersten" Menschenpaar zu derselben Zeit noch andere Menschen gegeben haben.

Uns befriedigt die Erklärung der Schöpfungsgeschichte nicht, nach der Gott ein einziges Menschenpaar geschaffen hat, um damit zu beurkunden, daß die Einche die" Form des menschlichen Ge­schlechtsiebens sei. Um so weniger, da ja die Bibel selbst von ten Erzvälern erzählt, daß sie zwei und mehr Frauen gehabt hoben. König Salomo hatte gar 1000 Frauen, ohne daß dies seinem Ansehen vor Gott und den Menschen sehr geschadet hat. 28ir wissen heute, daß auch das Verhältnis von Mann und Frau im Laufe der Jahrtausende den mannigfaltigsten Wand­lungen unterworfen gewesen ist. Daß die Form dieses Verhält nisses, das heißt die Form der Ehe eine andere war in der Zeit der Wildheit oder der Barbarei als in der der Zivilisation. Mit anderen Worten: daß auch die Ehe nichts Ewiges", sondern ettras Gewordenes ist, daß auch die Ehe eine Entwicklung durch gemacht hat, Hand in Hand mit der wirtschaftlichen Entwicklung der Menschheit.

Spät erft ist etwas Licht in das dunkle Gebiet der Urche ge­fallen. Spät erst ist es uns gelungen, die Geschlechtsformen unjerer Urbäter aus der vorgeschichtlichen Zeit festzustellen. Denn die Ausgrabungen, denen wir sonst unsere Kenntnisse der grauen Berzeit verdanken, schweigen sich über diesen Punkt natürlich aus. Ob die Wilden, die 10, 20 Jahrtausende vor unserer Zeitrechmang gelebt haben, zwei oder mehr Frauen hatten, davon verraten die Gesteinsschichten nichts, die uns sonst so viel von der Urzeit au erzählen wissen.

Zwei Männern vor allem verdanken wir unsere Kenntnisse von der Urform der Ehe: den Deutschen Ba chofen und dem Ameria faner Morgan. Und das Merkwürdigste ist, daß beide, obgleich fie von ganz entgegengesetten Punkten ausgingen und die ver= schiedensten Methoden der Forschung anwandten, zu dem gleichen oder ähnlichen Ergebnis gekommen sind.

Meysenbug den Schwur einer Frau", in deny. sie dem Ver­langen Ausdruck gab,- zu leben, um der gemordeten Freiheit in den Frauen Rächer zu erziehen dadurch, daß sie fähig würden, eine Generation freier Menschen zu bilden.

Eine neue Prüfung wurde ihr auferlegt durch die Nach­richt, daß der einst so heißgeliebte Mann zu drei Jahren Festungshaft verurteilt worden war, da auch er sich an den Freiheitskämpfen beteiligt hatte. Nun schrieb sie ihm noch einmal Worte inniger Zeilnahme und schickte ihm einen Christbaum, der fein Gefängnis am Weihnachtsabend freundlich erhellte, denn sie war überzeugt davon, daß jedes reine und tiefe Gefühl eine solche Unschuld in sich hat, daß es nicht misverstanden werden kann.

Ihre immer angegriffene Gesundheit veranlaßte Mal

bida auf Anraten des Arztes. Oftende aufzusuchen. Der Aufenthalt dort brachte aber nicht nur ihrem franken Rör­per Heilung, auch ihr Geist fand dort reiche Nahrung. Die Gemeinde derer, die durch das gleiche Streben nach dem Ideal verbunden sind, erstreckt sich ja über die ganze Welt. So war der Aufenthalt in Ostende physisch und moralisch eine Auferstehung für sie. Indessen trübten die traurigen Nachrichten über die Unterdrückung der badischen Revolu tion und den Fall Ungarns auch diese kurzen glücklichen Wochen. In der Heimat wurde sie mehr und mehr als Ab­trünnige behandelt, und die Konflikte spigten sich so zu, daß fie schließlich eine endgültige Trennung als das einzige Mittel erkannte, ihre Individualität, ihre Gedanken- und Gewissensfreiheit vor der Unterdrückung zu bewahren. Sie faßte den Plan, nach Amerifa zu gehen, auf eine neue Erde, wo die Arbeit feine Schmach, sondern ein Ehrentitel war. Als Uebergang wollte sie die in Hamburg nengegründete Hochschule für Frauen besuchen, die den Mädchen vollstän­