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den Dittat- Friedens" von Versailles ließe fich ja unendlich viel fagen. Sowohl bezüglich der Wohlhabenden in den friegführenden Staaten, als auch in den neutralen Ländern. Besonders wenn ntan sich der schönen angstgeborenen!- Versprechungen und Gelöbnisse aus den ersten Kriegsjahren in Deutschland erinnert. Und wenn man sich weiter erinnert, daß es in den Mittelländern inzwischen eine joziale Revolution gegeben hat. Für heute aber möchte ich nur die warmherzige Schilderung auszugsweise wieder­geben, die eine holländische bürgerliche Frau und Mutter im 1. R. E." über ihre Erfahrungen mit einem deutschen Kinde gibt: ... Also wir schrieben um ein deutsches Kind. Bei Tisch er­zählten wir unsern eigenen Kindern, daß wir bald ein deutsches Mädchen auf einige Wochen hier haben würden. Natürlich fanden fie das wunderbar. Gleich suchten sie ihre deutschen Sprach tenntnisse zusammen und übten sich, um das liebe deutsche Maisje" würdig begrüßen zu können.

Ja, Kinder, nun müßt Ihr aber bedenken, daß es vielleicht nicht gerade ein solch liebes Mädchen ist, wie Ihr es Euch vorstellt und daß Ihr es darum aber nicht minder liebhaben dürft.

Ja, jal erwiderte das Duett fröhlich.

Als sie dann eines Sonntags hörten, daß das Mädchen für den Abend erwartet würde, verschwanden sie mittage, tamen nach einiger Zeit wieder. um uns einzuladen, zu schauen, wie sie ihre Schlafkammer ausgeschmückt hatten. Sie hätten es nicht besser tun können. Die Auswahl der an den Wänden aufgehängten fröh­lichen Bilder war besonders sorgfältig gewesen. Der Junge fam noch mit einem Soldatenbild an. Nein, wehrte sein Schwesterchen energisch ab, den Soldat nicht, sonst muß das Mädchen vielleicht wieder an den bösen Krieg denken....

Zum Abendessen war die Erwartete da. Zehn Jahre war sie; aber blaß und klein. Das Kind schien nicht älter als sechs Jahre. Es benimmt sich beim Essen durchaus nicht so, wie wir nach Er­zählungen vermutet, sondern es ist wie ein Kind, das eben von einer Krankheit genesen. Vorsichtig, und es fühlt sich sehr bald gesättigt.

Alsbald erzählt die Kleine uns tief bewegt, wie ihr auf der Reise ihre Puppe abhanden gekommen und daß sie diese schließlich mit Silfe eines gräuleins wieder erlangt habe. Kaum hatten wir unsern Kindern die schlimme Geschichte übersetzt, da war die leb hafteste Puppenunterhaltung im Gange, wobei die Kleine freilich nicht recht zu folgen vermochte. Alsbald aber, beim Spiel, taute die Kleine auf. Es schien, als ob die verschiedene Sprache kein Hindernis mehr für das gegenseitige Eichverstehen sei.

Ob einer von uns allen, das deutsche Kind und die unseren, diesen Sonntagabend je vergessen werden?... Und dann zu denken an all die deutschen, österreichischen und ungarischen Kinderchen, die in diesen Monaten ein sicheres Plätzchen in holländischen Häusern haben. Sollte das alles nicht auch für unsere aufwachsenden Kinder von Bedeutung sein? Haben wir nicht während der letzten Jahre voller Parteilichkeit und Schroff­heit, von" pro" und" anti", haben wir nicht inmitten all dieser harten und leidenschaftlichen Urteile auch hin und wieder sanftere Klänge gehört wie: Jch fann nicht frohlocken bei dem Gedanken an eine Niederlage eines Landes, in dem ich meine harten Stu­dienjahre verbracht" Oder: Ich kann das Volk nicht absolut verurteilen, unter dem ich die besten Freunde habe, die ich hoch schätzen lernte."

Und sollten unsere holländischen Kinder, die in diesen Wochen und Monaten Freundschaftsbande knüpfen mit deutschen, öster­reichischen und ungarischen Kindern, in ihren späteren Jahren jemals Gefühle der Feindseligkeit gegen die fremden Länder auf­feimen lassen tönnen, wenn sie in einem Edchen ihres Herzens die liebe Erinnerung bewahren: Es kam einst ein Kind aus jenem fremden Land, das eine Zeitlang bei uns wie Bruder und Schwester war?"

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Und unser fleiner Gast nun? Beim Zubettgehen fragte das Kind vertraulich, wie es sagen solle: Tante oder Mama?" Frau... zu sagen, tam ihr offenbar gar nicht in den Einn. Sage, wie Du am liebsten sagen magst. ,, Wenn ich darf, dann Mama und Papa." Ihr eigener Vater ist im Krieg ge­blieben!...

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Eines Tags erzählte uns die Kleine, daß fie in Berlin noch täglich einen halben Liter Milch bekommen habe. Kranten­milch von ihrer Mutter, die frant war. Meine Mutti hat sie immer mir gegeben." Was muß es für die Mutter für ein Gefühl gewesen sein, selbst tranf und dann ihr Kind in die unge­

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wisse Fremde gehen zu lassen.... Wie, wenn wir unsere Kinder so hinausschiden müßten, etwa nach Berlin , und zu Leuten, deren Namen wir nicht einmal wiffen?

Das Kind selber ist inzwischen ganz heimisch gevorden, ist auf­geweckt und entzückt über die neuen Spielsachen. Da, an einem der ersten Tage, fam die Reaktion. Sie spielt still und zurück­gezogen in einer Ede, gibt auf Fragen einfilbige Antworten. Geht ans Fenster, drückt das Gesichtchen an die Scheibe, starrt auf die dunkle Straße, hastiges Suchen nach dem Taschentuch. Sie weint. Meine Mutti!...

Sind wir je hilfloser als gegenüber einem an Heimweh leiden­ben Mind, das wir nicht gleich zu seiner Mutter zurüdbringen fönnen? Wir suchen sie auf alle mögliche Weise zu beruhigen; fagen ihr, daß sie hier nach Wunsch essen und trinken könne, daß eher gesund sein werde. Aber sie schluchzt weiter und versucht ihre Mutter jetzt ihre Krankenmilch selber trinken und deshalb etwas zu sagen, das ich nicht zu reimen vermag. Bis ich schließlich die herausgepreßten Worte höre: Meine Mutti hungert fo...

den Zeitungen über die Not zu lesen, oder die schluchzende Wirk­Es ist doch noch etwas anderes, die herzzerreißenden Berichte in lichkeit selber auf dem Schoß zu haben! Es ist erschütternd zu

lesen, wie Eltern in Tränen ausbrechen über das Los ihrer Kinder. Aber unser Innerstes wird aufgewühlt, wenn wir weinende Kinder trösten müssen, die über das nackte Elend ihrer Eltern aufschreien. - Und immer wieder hören wir von hier zu Gast weilenden deut schen Kindern: Ich wollte, ich könnte Vater und Mutter etwas davon abgeben!" Oder: Wenn mein kleines Brüderchen auch hier mitessen fönnte...

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Entgegen einem fatalistischen Ausruf von Jean Webster , daß in Holland nicht genug Arme und Schöße seien, um all das Kinder­elend auch nur in etwas zu lindern, appelliert die Schreiberin an die Arme derer, die immer nach einem Kinde verlangt haben. Und auch an die, die das Vorrecht hatten, Kinder ihr eigen zu nennen. und sie schließt ihre warmherzigen Zeilen also:

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Halt ja, ein wenig geopfert muß schon werden. Aber wenn wir erst das Kind im Haus haben. Das Kind, das ungeachtet des Unterschieds von Land, Art und Sprache vielerlei Hinsichten unseren eigenen Kindern gleich ist, so anhäng­doch eigentlich in so lich, so nedisch, so naseweis und so lieb.

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Und wenn wir dann das Kind sehen- ganz abgesehen von seiner sichtlichen förperlichen Erholung in der wohltuenden Ruhe unserer sicheren Häuslichkeit, dann ist das stärkste Gefühl, das sich schon eher geöffnet haben." unserer bemächtigt, die Scham darüber, daß wir unsere Arme nicht

Das ist ehrlich gesprochen. Möchte diese schlichte Erzählung tausendfältige Nacheiferung zeitigen. Nicht weil wir in der Wohl.

tätigkeit an sich einen wünschenswerten Zustand erblicken, noch

weil sie, selbst in ausgedehnterem Maße geübt, das maßlos schwere Problem zu lösen vermöchte. Das Wiedererstehen der unter­legenen, durch die Sieger auch im Frieden noch dem Hunger überantworteten, wirtschaftlich gefesselten und geknebelten Völker ist nur durch großzügige wirtschaftliche und finanzielle Hilfe von augen ber möglich. Woher diese fommen soll, ist noch in völliges Dunkel gehüllt. Um so größer und unabweisbarer die Menschen­

pflicht aller derer, die mit Geld, vor allem aber mit Lebens­mitteln helfen können, die Hungrigsten unter den Hungrigen zu unterstützen und ihre Kinder vor dem Untergange zu be wahren. B. W.

Splitter

Von Walther Sturm

Was ich in der Liebe verlor und am Leben, Das hat mir die Arbeit wiedergegeben.

Und ob ihr alle irre an mir werdet Und laẞt euch trügen durch den äußern Schein Es kann ein Menfch, der heiter lich gebärdet, Im Herzen einfam, ernit und elend fein. Berantwortlich für die Redaktion: Frau Klara Bohm- Schuch. Drud: Borwärts Buchdruckerei. Verlag: Buchhandlung Vorwärts Paul Singer 9. m. b. 5. sämtlich in Berlin SW 68, Lindenstraße 3