Nr. 10
Die Gleich beit
neuer Mitglieder in die Wege geleitet werden. Wir hoffen das zu erreichen durch Abhaltung öffentlicher Frauenversammlungen, Verteilung der Gleichheit" und Broschüren. Für die Gleichheit" joll gleichfalls eine besondere Agitation gemacht werden. Emil Richter.
⭑
Zum Kampf der Post- und Telegraphenbeamtinnen um ihre, nach der Verfassung gewährleistete, Gleichstellung mit den männlichen Kollegen ging uns folgende EntschlieBung zu:
In der heute in Münster i. M. im Frauenbundhause von den Boft- und Telegraphenbeamtinnen einberufenen starkbesuchten Bersammlung, zu der auch die Frauenvereine Münsters er schienen sind, wird einstimmig schärfster Widerspruch erhoben Gegen die Minderbewertung der Frauenarbeit durch die Einreibung der Post- und Telegraphenbeamtinnen in die Besoldungsgruppe 3. Wir fordern, unsern Annahmebedingungen entsprechend, mindestens Ginreihung in die 4. Besoldungsgruppe und lehnen, hinweisend auf die im Kriege geleistete Arbeit in höheren Stellen, die 3. Besoldungsgruppe mit aller Entschiedenheit ab.
Wir bemerken hierzu, daß die sozialdemokratische Fraktion absolut den Wünschen der Beamtinnen auf Einreihung in Lohnklasse 4 beitritt, soweit die Leistungen dieselben sind wie die der Beamten im mittleren Dienst.
Arbeitsgelegenheit für weibliche Personen
Während des Weltkrieges war die Frauenarbeit in der Indu strie eingeführt wie nie zuvor. Alle Striegsindustrien waren geradezu vollgestopft mit weiblichen Arbeiterinnen, und Leistungen find vollbracht worden von Frauenhänden, die vordem niemand nur möglich gehalten hätte.
Mit Abschluß des Waffenstillstandes hat sich das Bild in sein Gegenteil verkehrt.
Neben der großen Arbeitslosigkeit der männlichen Bevölke rung ist eine solche für weibliche Personen in noch erhöhterem Maße zu verzeichnen. Nach dem„ Neichsarbeitsblatt" Nr. 9 bes Jahrgangs XVII ist, mit Ausnahme der Landwirtschaft und Dienstbotenberufe, in allen Industrien und im Handelsgewerbe ein riesiges Heberangebot von weiblichen Arbeitskräften vorhanden.
In der Landwirtschaft werden gegenwärtig die wenigsten offenen Stellen befest, nämlich von 100 nur 42. Dann fehlen Dienstboten und Hauspersonal, wo von den freien Stellen nur 50 besetzt wurden. Bei der Kategorie Herd- und Küchenmädchen in Gastwirtschaften fonnten nur 60 Proz. Bewerber gefunden
werden.
Auch bei dem Kochpersonal und Zimmermädchen in Hotels und Gastwirtschaften waren 36 resp. 21. Proz. mehr Plätze zu besetzen, als Bewerberinnen sich meldeten.
Dagegen ist das Angebot der weiblichen Arbeitsuchenden in den verschiedenen Industrien zum Teil über sechsmal größer als Arbeitsplätze zu verzeichnen sind.
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Bei einzelnen Industrien ist die schwierige Beschaffung der Rohstoffe die Hauptursache der geringen Beschäftigungsmöglich feit, wie z. B. in der Spinnstoffe, Tabalindustrie usio. Aber auch im Handelsgewerbe ist das Angebot an Arbeitskräften beinahe biermal größer als die Nachfrage.
Damit unsere Leserinnen sich jedoch über die Verhältnisse in ben einzelnen Berufen eingehend informieren können, bringen wir nachstehend eine Zusammenstellung über die Zahl der Arbeitsvermittelungen nach den Angaben der zur Meldung ver pflichteten 1460 Arbeitsnachweise für den Monat August 1919:
Wichtige Berufsarten
Weibliche Berfonen: Landwirtschaftliche Arbeiterinnen. Metallarbeiterinnen... Arbeiterinnen d. chemisch. Industrie Spinnstoffarbeiterinnen ( eins. Färberei und Appreturarbeit.) Buchbindereis und Kartonnagenarbeiterinnen usio..... Arbeiterinnen der Lederindustrie. Arbeiterinnen im Holzgewerbe. Tabalarbeiterinnen usw. Schneiderinnen, Bukmacherinnen Büglerinnen, Wäscherimen in Wasch und Plättanstalten usw. Buchdruckereiarbeiterinnen. Fabritarbeiterinnen
Angestellte im Handelsgewerbe. Sellnerinnen, Büfettfräulein Hotelzimmermädchen, Beschließe rinnen...
Kochpersonal in Gastwirtschaften. Herd- und Küchenmädchen in Gast wirtschaften...
Putz, Wasch, Lauffrauen, Auf
wärterinnen uſtv. Dienstboten, Hauspersonal Sonstige Tagelöhnerinnen Freie Berufsarten..
Zahl der Auf 100 offene Stellen Bermittlun tommen Arbeltsgesuche
gen im
im
August 1919
August August Jul
1919
1918
1919
**
10 551
42
46
88
10 488
254
77 288
512
284
69
198
3 834
627
365
588
1781
144
89
186
616 170
62
162
488
226
66
216
2560
844
81
489
6817
154
108
168
775 104
59
97
1103
151
77
168
12 700
421
93
485
3 346
875 172
457
5169
122 102
123
1498
79
68
78
1021
64
61
53
5175
60
58
64
81 884
103
83
105
18 224
50
82
50
7749
179
98 227
888 252 161 279
Für die weiblichen in der Industrie und im Handel bisher tätig gewesenen Personen ist voraussichtlich für die nächsten Monate nur geringe Aussicht auf Wiederbeschäftigung vorhanden und dürfte es manchen Mädchen nicht allzu fchiver fallen, ihren früheren Beruf in der Landwirtschaft oder im Dienstver hältnis irgendwelcher Art wieder aufzunehmen, da dort, wie oben ersichtlich, große Nachfrage vorhanden ist und auch die Arbeitsver hältnisse durch die politische Umivälgung in Deutschland doch gana bedeutend freiere, bessere und menschenwürdigere geworden sind. pb. Verantwortlich für die Rebattion: Frau Klara Bohm- Schuch. Druck: Vorwärts Buchdruckerel. Verlag: Buchhandlung Borwärts Pani Singer G. m. b. 5. fämtlich in Berlin SW 68, Lindenstraße 3
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