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Die Gleichheit
bund soll überdies aufgefordert werden, eine alljährliche Frauenkonferenz einzuberufen, die einer internationalen Regelung von Frauenfragen gilt.
In Ergänzung der Beschlüsse des Völkerbundes bezüglich des Frauen- und Kinderhandels empfahl der Kongreß die Reglementierung der Prostitution, die der Grundpfeiler des Frauenhandels ist, allgemein abzuschaffen. Er forderte im Interesse der Rassengesundheit eine energische Bekämpfung der Geschlechtskrankheiten mit allen Mitteln, die mit Freiheit und Gerechtigkeit vereinbar sind. Er verlangte ferner eine hohe, gleiche Moral für Mann und Frau, Abschaffung aller Sondergeseke gegen die Frau, allgemeine seguelle Aufklärung in der Erziehung der Jugend, unentgeltliche Behandlung bon Geschlechtskranken.
Die Frauen und Kinder, die während des Krieges deportiert oder Opfer des Frauenhandels geworden sind, sollen sofort ihren Familien oder ihren Ländern wiedergegeben werden, sofern die Frauen selbst es wünschen; Maßnahmen zur Aufspürung Vermißter sind zu treffen.
Ein Beweis für Verantwortungsgefühl und Solidarität ist die Resolution zur wirtschaftlichen Krise. Sie fordert: Die Frauen, als die natürlichen Trägerinnen des Lebens und Schüßerinnen des Kindes, werden aufgefordert, angesichts der wirtschaftlichen Krise, die Leben und Gesundheit dieser und der kommenden Generation, ja die Grundlagen der Zivilisation selbst aufs schwerste gefährdet, allen Einfluß aufzubieten, daß internationale Hilfsmaßnahmen für die hungerbetroffenen Länder und für den gemeinsamen Wiederaufbau des europäischen Wirtschaftslebens getroffen werden. Zugleich sollen die Frauen durch ihr eigenes Leben ein Beispiel der Sparsamkeit und Einschränkung geben, solange noch eine Welttnappheit an Notwendigkeiten des täglichen Bedarfs besteht.
Mit überwältigender Majorität wurde beschlossen, den Weltbund, obwohl ein großer Teil der angeschlossenen Länder das Frauenstimmrecht besitzt, nicht aufzulösen, sondern ihn weiter bestehen zu lassen, um die Staatsbürgerrechte der Frauen in der ganzen Welt und für die volle Gleichberechtigung der Frau auch in den politisch schon fortgeschritteneren Ländern zu erkämpfen.
Die Tagung war reich an bedeutsamen Einzelmomenten. Bei der ersten großen Abendversammlung sprach unmittelbar nach dem männlichen Vertreter der französischen Regierung die deutsche Vertreterin der Reichsregierung, Frau Marie Stritt . Ihr folgten fünf Barlamentarierinnen, darunter die deutsche Landtagsabgeordnete Thekla Kauffmann , da die erst tags zuvor abgehaltenen Reichstagswahlen eine Vertretung auch durch eine Reichstagsabgeordnete noch nicht ermöglichte. Zwischen französischen und deutschen Frauen fand am letzten Rongreßtag auf Veranlassung einiger Schweizerinnen eine private, inoffizielle Aussprache statt, die zwar von der Deutschen Tageszeitung" inzwischen als würdelos" bezeich net worden ist, die aber nach der einmütigen Ueberzeugung der anwesenden Gäste anderer Länder ein wertvoller erster Schritt der Wiederannäherung, ein ergreifender Augenblick menschlichen Verstehens war. Daß nicht nur die neutralen, sondern auch die amerikanischen und englischen Frauen den wenigen deutschen Vertreterinnen mit aller Herzlichkeit und Güte entgegenkamen, sei besonders betont, auch daß man bei der Neuwahl des Vorstandes von elf Personen uns zwei Bläge gab, erkennen wir dankbar an.
All dies legt uns doppelt die Pflicht auf, nun selbst im Be. fizze des vollen Bürgerrechts, für unsere Mitschwestern in den politisch noch rückständigen Ländern zu wirken, insbesondere auch durch unsere Mitarbeit an der neuen deutschen Gesetzgebung unsere ganze Kraft für mustergültige Reformen einzusetzen, die als Vorbild den Frauen der ganzen Welt zugute kommen. Auch auf diesem Wege tragen wir bei zum Fortschritt internationaler Kultur und zur Wiederanerkennung unseres eigenen Vaterlandes als eines führenden KulturLandes.
Nr. 28
Du liebit mich allo, hait es mir vertraut, und bebend Schweigft du und warteft, und ein blaffer Schein
Bedeckt dein Angelicht.
Du willit, ich foll dir Kuß und Lippen weih'n, Willft meiner frifchen Jugend Blütenlicht!...
Doch fage mir, kennit du die Angit, die Kämpfe, Die Stürme eines Ideals voll Mut?
Weißt du, was Leiden heißt?... Was nützt dir deine Kraft, dein warmes Blut, Dein Atem, deine Seele und dein Geift?...
bait du gearbeitet?... Kennit du die Mächte, In denen ichlaflos man und ohne Rub Ein ernites Werk gefchafft?... Sag', welcher Glaubensfahne weihteft du Die blühende und Schöne Jugendkraft?...
Du gibit mir keine Antwort... o fo gehe, Kehr zu verlorener Stunden müffiggang,
Zum goldnen Kalb zurück;
Zu Karten, Bällen, Dirnen, Becherklang, Mir find nicht feil mein Herz, mein Kuß und Blick.
O wärelt du ermattet und zerlumpt,
Doch mit dem Stolz der Arbeit im Geficht,
Dem Funken in der Bruit;
Die Arme müde, doch ein helles Licht Im großen Auge ftrablend dir voll Luit; Wärft ein Plebejer du, doch unerichrocken, Hoch über aller Menschheit бaß und Пleid бöbit du die ftolze Stirn,
Und der Gedanken unermeßlichkeit Erglühte fiebrilch dir im kühnen birn;
Dann, ja, dann liebt ich dich, um deine Taten Und um dein ehrlich Leben liebt ich dich,
An tapfrer Arbeit reich;
An deine Bruit mein Haupt dann lehnte ich, Stolz, dich zu achten, und vor Liebe bleich...
Doch was bift du?... Was hoffit du, fchwacher Sklave, Der wohl fich fühlt im goldnen Schlamm, von mir Mach' Platz mir, tritt bei Seit'...
Du bist mir nichts- Verachtung weih' ich dir, Schwachherz'ger Jünger einer Schwachen Zeit!...
Etwas zur Gleichberechtigung
Ist das Endziel wirklich erreicht und stehen wir mit der Er rungenschaft des Frauenwahlrechts auch vor der Tatsache der Gleichberechtigung? Der Kampf ist schwerer, als wir Frauen ihn uns gedacht haben. Einen Rückhalt haben wir allerdings an den Arbeitern, welche mit uns das gleiche Los getragen haben. Aus ihren Reihen tommt die Forderung, aus ihren Reihen er hoffen wir die Verwirklichung unseres Zieles.
Liest man in der neuen Reichsverfassung den Artikel 128, worin es heißt: Alle Ausnahmebedingungen gegen weibliche Beamte werden beseitigt, die gleichen Prüfungs- und Aufnahmebedingungen und die gleiche Entlohnung mit den Männern"... dann freut man sich als weibliche Beamtin sehr über dieses gerechte Geset. Und wie mir, so ist es noch vielen meiner Kolleginnen ergangen. Aber nach der Be verschwunden und hat einer berechtigten tiefen Verstimmung Blaz fanntgabe des neuen Besoldungsgesetzes ist meine Freude schnell gemacht. Ich suche und suche darin bergebens die sehnlichst er wartete Gleichberechtigung. In der Besoldungsreform hat man den Artikel 128 noch nicht in die Pragis umgesetzt. Warum wer den Post- und Telegraphengehilfinnen nur in Gehaltstlaffe III