Nr. 44
Die Gleich beit
es weiß. Es ist aus der Naturgebundenheit zur Freiheit des Kulturmenschen vorgedrungen.
Vergleichen wir, um nicht immer bei der Gärtnerei zu bleiben. den Kindeswillen mit einem Fuhrwerk, so haben Sie erst einen Wagen, den Sie mit Ziehen und Schieben, mit Lohn und Strafe ,, Zuckerbrot und Peitsche vorwärts bringen müssen. Dann setzen Sie ihn auf Geleise, auf denen ihn schon ein leiser Anstoß reibungslos zum Rollen bringt. Jest schaffen wir drittens das Pferd ab und setzen an seine Stelle den Motor im Innern. Das Automobil fährt vorzüglich, Sie müssen es nur noch mit leichtestem Steuerdrud lenken. Endlich hebt es sich ganz und gar vom trogenden und hemmenden Boden und schwebt, dem Willen des Fliegers gehorchend, im Schrankenlosen.
-
-
Abstürzen kann es freilich immer noch aber es fonnte auch schon unter den Rädern des Leiterwagens Hals und Bein brechen und schließlich Ist es nun nicht doch etwas Schönes, was bei der Freiheitserziehung herausgekommen ist? Getreulich Ihr Dr. Benzig.
Aus der Frauenbewegung des Auslandes
Die Macht der englischen Arbeiterfrauen. Wie die Morning Best" berichtet, versucht nicht nur die National Political League, sondern auch die Primrose League, eine Vereinigung fonservativer und imperialistischer Politiker in England, einen Einfluß auf die neue Organisation der englischen Arbeiterfrauen zu ge= winnen. Agitatoren der Primrose League sammeln die Frauen der vor dem Streitbeschluß stehenden Arbeiter in kleinen Gruppen und warnen se vor den Folgen eines Etreits, um eine Aftion der Arbeiterfrauen gegen ihre Männer zu unterstützen. Man sieht daraus, mit welchen Mitteln von kapitalistischen Kreisen überall versucht wird, Arbeiterkämpfe unmöglich zu machen.
Die
Basel . Wählbarkeit der Frauen in Kirchenbehörden. Synode der evangelisch- reformierten Kirche von Baselstadt nahm in ihrer ordentlichen Herbsttagung eine Revision der Kirchenverfassung vor. Ter Religionsunterricht wird von nun an von der Schule getrennt; die Kirche übernimmt ihn allein. Eine sehr lange Lebatte ging der Verfassungsänderung voraus, welche die Wählbarkeit der Frauen in die Kirchenbehörden vorschlägt. Der Antrag errang sich schließlich die Zustimmung der Synode. Das firchliche Frauenstimmrecht ist, wie bekannt, in Basel seit einigen Jahren in Anwendung.
gang stehen junge Arbeiter und lauschen. Sie kommen von der beendeten Mittagschicht. Und der Geiger, die Zaungäste, seine gewöhnten Zuhörer erblidend, grüßt ihre ernsten Jungmenschenaugen. Dankbar nickt er den proletarischen Kunstfreunden zu. Wir sind Brüder die Arbeiter und die Künstler!
-
Bücherscha u
Nikolaus Ofterroth. Vom Veter zum Kämpfer", Buchhandlung ,, Vorwärts", Berlin W., Lindenstr. 3.
Tas Buch ist die Geschichte einer Jugend, oder besser gesagt, die Geschichte einer Entwicklung. Es sind die gesammelten Jugenderinnerungen eines Genossen, der heute als eifriger Kämpfer in unseren Reihen steht. Als kleinen, nichtsnußigen Bub lernen wir Nikolaus Osterroth fennen, als Eprößling einer finderreichen Familie, die aus einstigem Wohlstand immer tiefer in wirtschaftliche Vedrängnis versinkt. Und so begleiten wir den Jungen, den eine frommgläubige Mutter mit aller Gewalt zum ,, Heiligen " machen will, durch die mannigfachen Leiden und Freuden der Jugend hindurch, bis er am Ende seiner Militärzeit ein Wissender, Erkennender, ein reifer Mensch, ein ,, Kämpfer" geworden ist. Es ist sehr viel in diesem Buche, was zum Nachdenken Anlaß gibt. Und es ist ja auch nicht die Geschichte eines Menschen, es ist die der Befreiung unserer Zeit überhaupt. Das Schidsal dieses einen ist ein Spiegelbild des ganzen heutigen Proletariats. Mit erschütternder Tragik finden wir die Kinderarbeit in der Ziegelfabrik geschildert, die so verheerend auf die Gesundheit der jugendlichen Arbeiter wirkt. daß sie alle, Jungen und Mädchen, nach kurzen Monaten, blutspeiend und in wirren Fieberphantafien stammelnd, zusammenbrechen. Aber
361
Norwegen . Ebenso wie in Dänemark ist auch hier das Prinzip des gleichen Lohnes bei gleicher Leistung durchgeführt. Die staat lich angestellten Männer und Frauen erhalten für die gleiche. Arbeit die gleichen Gehälter, und man geht dabei auch von dem Grundfaz aus, daß die Zuschüsse für die Kindererziehung Angelegenheit des Staates find.*
In der ersten Hälfte des Monats September fand in Kristiania der Kongreß des Weltfrauenrates statt. Bon. etwa 29 Ländern waren zirka 150 Delegierte entsandt, ausschließlich Vertreterinnen bürgerlicher Frauenvereinigungen. Der Bund deutscher Frauen vereine " hatte die offizielle Entsendung von Vertreterinnen zu dieser Tagung abgelehnt mit der Erklärung, erst dann wieder an den Tagungen teilnehmen zu wollen, wenn Deutschland Mitglied des Völkerbundes ist.
Der Kongreß beschäftigte sich im wesentlichen mit allgemeinen Mütter-, Erziehungs- und Schulfragen, sowie der Forderung nach politischer, wirtschaftlicher und rechtlicher Gleichstellung von Mann und Frau, und befaßte sich des ferneren mit dem Thema Völker bund .
-
Es wurde allgemein bebauert, daß die deutschen Frauen nicht anwesend waren. Bereits vor einiger Zeit hatte Genossin Hedwig Wachenheim in der„ Gleichheit"( Nr. 28 und 29) zu dem Beschluß des Bundes deutscher Frauenvereine" Stellung genommen und die Ablehnung der Einladung seitens der deutschen bürgerlichen Frauen vom Standpunkte der Völkerversöhnung scharf kritisiert.
K
Aus dem Bericht des Internationalen Frauenrates in Kristiania wäre über den Fortschritt der Frauenbewegung in den einzelnen Landern noch folgendes zu erwähnen:
Der ständige Ausschuß für Frauenstimmrecht berichtet in den letten sechs Jahren Erfolge in 23 Ländern. Die führende Rolle scheint Skandinavien zu spielen.
In Norwegen hat seit 1915 das uneheliche Kind Anspruch auf eine Erziehung, die im Verhältnis zum Einkommen des Vaters fteht; ferner hat es dasselbe Erbrecht vom Vater wie die ehelichen Kinder. Außerdem ist die Verantwortlichkeit des Vaters in Nor wegen vom Gesetz schärfer erfaßt. Mit zwei Jahren Gefängnis kann bestraft werden, wer die Mutter seines Kindes vernach Tässigt.
K
Schweden hat fürzlich ein neues Ehegesetz angenommen, dessen Prinzip zweifellos in den zukünftigen Gesetzgebungen anderer
-
immer neue Echaren Kinder kommen und füllen die Fabrikräume, denn sie müssen ja mitverdienen, und sie bekommen doch 85 Pf. für den Tag, an dem sie zehn Stunden lang bis zur Erschöpfung gearbeitet haben! Und dann die Arbeit in der Tengrube. So fann nur jemand schildern, der es miterlebt hat, und man begreift, wie ein Mensch, der dieses ganze Proletarierelend gesehen, erlitten und erkannt hat, von dem heißen Willen erfüllt wird, an der Befreiung seiner Klasse mitzuarbeiten.
Aber über all das Traurige seiner Jugend breitet Osterroth den freundlichen Schimmer eines urwüchsigen, nicht tot zu kriegenden Humors. Geradezu köstlich ist es zu lesen, wie er in sarkastischem Tone von der Henchlerischen Salbaderei der katholischen Geistlichen und Würdenträger und der stumpfsinnigen Frömmelei seiner Dorfkameraden erzählt. Nein, ein Heiliger" im Sinne des hohen Klerus ist Osterroth nicht geworden, wenn er auch selbst als dreißigjähriger Mann, der schon mehrere Male als sozialdemokratischer Breßsünder hinter Schloß und Riegel gesessen hatte, immer noch in den Listen des Kindheit- JesuVereins" geführt wurde.
Sein Buch ist ein Bekenntnis zur Nächstenliebe, zur Religion der Erlösung der geknechteten Menschheit durch den freien menschlichen Geift! Elli Radtke.
Der Selbitgerechte
Er wirft den Kopf zurück und spricht: Wohin ich blicke, Lump und Wicht!" nur in den Spiegel blickt er nicht. *
Das ist kein Mann, wo das Größere zu gewinnen iſt, am Kleinen lich genügen läßt.