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Die Gleich beit
Baterland wirfen, und vor allen Dingen follten Deutschlands Frauen fich in diesem Streben zufammenfinden.
Wir wissen sehr gut, warum es gerade den Deutschnationalen un angenehm ist, über dieses Thema Ausführungen zu hören. Sie er sählen ihren Wählern und hauptsächlich den Frauen, daß die Recolution und die rote Regierung an dem ganzen Unglüd, das wir jezt zu tragen haben, schuld set. Sie tämpfen mit den schofelsten Mitteln, fcheuen bie schlimmsten Lügen nicht, um unsere Bertreter, die in schwerster Zeit die Verantwortung mit übernommen haben, herunterzureißen. Das alles aber nur darum, um dem Bolle Sand In die Augen zu freuen, damit es vergißt, wer die wirklich Schuldigen find. Leider läßt sich ein großer Teil Frauen noch badurch beeinflussen und unterstützt Parteien, bie niemals baran gedacht hätten, den Frauen das Wahlrecht zu gewähren. Die vor bem Kriege predigten, die Politik tauge nicht für die Frauen; sie follten als züchtige Hausfrauen am häuslichen Herd schaffen, bie uns mit Zuchthäuslern und Idioten auf eine Stufe stellten.
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Als dann der Krieg erst einige Monate dauerte, da holte man alle die züchtigen Hausfrauen zur Fabrikarbeit heran. Obwohl der Mann im Felde stand, mußte die Frau oft täglich 12 bis 14 Stun ben beruflich tätig sein, immer von dem Gedanken gepeinigt, daß av Haus die unmündigen Rinder ohne Pflege und Aufsicht sind. Ran magte es fogar, Frauen, die sich weigerten, außer dem Hause zu arbeiten, die Kriegsunterstützung vorzuenthalten. Als dann im Herbst 1918, anläßlich der preußischen Wahlrechtsbewegung, auch die Frauen das Wahlrecht forderten, hielt gerade die konservative, Jetzt deutschnationale Partei, die Frau für zu zart besaitet, um in bie politische Dredlinie gezogen werden zu fönnen. Und das im Bahre 1918, als schon all das Leid und die Entbehrungen eines sterjährigen Krieges auf unseren Schultern lafteten. Als dann im November 1918 nach dem Zusammenbruch Bertreter der fozialistischen Arbeiterschaft, das traurige Erbe anfraten, mar es eine felbstverständliche Pflicht, zuerst dem Volke Männern und Frauen vom 20. Lebensjahre an das gleiche Wahlrecht zu geben. Bei den nun folgenden Wahlkämpfen erlebten wir, daß alle bürgerlichen Barteien, troß der früheren Gegnerschaft zum Frauenwahl recht, ein wahres Wettlaufen um die Stimmen der Wählerinnen veranstalteten. Mit einer bewunderungswürdigen Unverfrorenheit erzählten sie, wie sie von jeher bemüht waren, den Frauen ihr Recht zu geben und wie einzig und allein die Rechtsparteien im wahren Boltsinteresse wirken. Und ein großer Teil der Wählerinnen hat wirklich alles vor und in dem Kriege Erlebte vergessen und leistet ben Parteien Gefolgschaft, die niemals im Ernst daran denken, die Frauen und Mädchen des Proletariats als gleichberechtigte Staatsbürger gelten zu laffen. Die Stimmen der Frauen sollen ihnen bie Mehrheit bringen, auf daß fie wieder allein herrschen fönnen. Und fehr bald würden die Frauen merken, daß diese Herrschaft in der Hauptsache benutzt werden würde, uns das Wahlrecht wieder zu nehmen.
Das darf aber nicht geschehen; wir müssen vielmehr unsere ganze Kraft einsetzen, daß wir Vertreter in die Parlamente schicken, die nicht mur bestrebt sind, das Errungene zu halten, sondern die auch bei den fünftigen Aufgaben thr Augenmerk darauf richten, daß alle Gefeße aufgebaut werden auf dem Boden des gleichen Rechtes aller Staatsbürger.
Und zwischen den Wahlen ist es notwendig, sich um die Politik au bekümmern, in den Organisationen zu arbeiten und unsere Presse zu lesen und zu verbreiten. Die Frauen müssen reif werden, zur Busübung ihres Staatsbürgerinnenrechts, für die Betätigung ihrer politischen Freiheit. Elfriede Ryned.
Soziale Rundschau
Erwerbslosenfürjorge des Reichs. Der Hauptausschuß des Reichstages bewilligte am 4. Februar 1 Milliarde Mart für unterüzende und produktive Erwerbslosenfürsorge. Ueber die Ver. wendung der Mittel berichtete Ministerialrat Dr. Weigert( Reichsarbeitsministerium): In dem Aufwand von 1 Milliarde an Reichsmitteln für die Erwerbslosenfürsorge steden 600 Millionen für die unterstützende und 400 Millionen für die produktive Erwerbslofenfürsorge. Für Wohnungsumbauten und reparaturen find zunächst in Groß- Berlin 9 Millionen Mark aus der produktiven Erwerbslofenfürsorge bereitgestellt worden. Das gleiche soll auch für andere Bezirke mit großer Erwerbslosigkeit geschehen. In Groß- Berlin find biefe Mittel bisher nicht so start in Anspruch genommen, wie wir es gewünscht hätten. Das liegt zum Teil baran, daß Mieter und Vermieter für den Rest der Kosten herangezogen werden müffen und fich vielfach nur schwer dazu bereitfinden. Daneben gelgen aber auch die Arbeitgeber eine Zurückhaltung gegenüber blefen Mitteln, deren Gründe wir noch bemüht sind aufzuklären.
Bücherschau
Mr. 7
Die rationelle Haushaltführung. Betriebswissenschaftliche Stu dien von Chriftine Frederick, überseẞt von Irene Witte.( Berlag Julius Springer , Berlin 1921.)
Von der Uebertragung des Taylor- Systems auf die Hauswirt. schaft handelt die vorliegende Schrift. Das Taylor- System ist betanntlich jene Form der Betriebsführung, bei der durch eine bis ins fleinste ausgearbeitete Gestaltung und Bereinfachung des ge. famten Arbeitsprozesses Zeit und Kraft gespart und die Leistungsfähigkeit auf ein Höchstmaß gesteigert wird.
Fruchtbar für jeden Betrieb kann es seine von störenden Nebenerscheinungen befreite Wirkungsmöglichkeit am reinsten da entfalten, wo es in der Hauswirtschaft sich um einen durchaus individuali. fierten Allein- oder mit wenig Hilfskräften arbeitenden Betrieb handelt. Die Verfafferin zeigt, wie durch zweckmäßige Einteilung bes Arbeitsstoffes, ebenfolche Anordnung und Bereitstellung des Arbeitsgerätes und endlich durch eine Reihe fleiner Behelfe und Hilfsmittel die hauswirtschaftliche und die Küchenarbeit erleichtert, pereinfacht und der Zwed behaglicher Lebensführung in einem wohlgeordneten und sauberen Hauswesen weit beffer und billiger erreicht werden kann, als dies heute zumeist der Fall ist.
Sehr zu begrüßen ist die Forderung genauer und übersichtlicher Buchführung. Die hier auch in bezug auf Wäsche, Bücherbestände, Adressen, Rezepte usw. gegebenen Winke und Vorschläge seien allfeitiger Beachtung empfohlen. Eine ganz besondere Aufmerksam. teit verdient das Rapitel Hausfrau und Hausangestellte". Bon besonderem Bert ist auch jenes Kapitel, das in eindringlicher Weife die Wichtigkeit der hausfraulichen Vorbildung und Wert, Würde und kulturelle Bedeutung hausfraulicher Arbeit fennzeichnet.
Außerordentlich beachtlich sind die Winke, die der Frau als Ronsumentin gegeben werden. Die Frau als Konsumentin ist eine wirtschaftliche Macht. So erwächst ihr angesichts unserer wirtschaftlichen Notlage die Pflicht, unter Berzicht auf Mode und Modetorheiten den Bedarf für sich und ihre Angehörigen so zu becken, daß der gerechte Kaufmann ordnungsmäßig disponieren und dabei auch bestehen kann und daß Schwindel- und Schleuderware dem verdienten Schicksal des Liegenbleibens verfällt. Hier wäre übrigens der Ort gewesen, auf Wesen und Bedeutung der Ronfumgenoffenfchaften einzugehen. Daß das nicht gefah, ist als ein Mangel des Buches zu bezeichnen.
Es geht nicht an, auf den reichen Inhalt der Schrift im Einzelbeispiel näher einzugehen. So ist nur das eine zu sagen, daß dies Buch mit seiner ebenso übersichtlichen wie flaren, faßlichen und zwingenden Darstellung in die Hand einer jeden denkenden Haus» frau gehört. Henr. Fürth .
Besonderer Umstände halber ist es Genossen Dr. Cafpari nicht möglich gewesen, den folgenden Artikel der Serie Recht und Wohlfahrtspflege" zu schreiben. Wir bitten daher unsere Leserinnen, fich bis zur nächsten Nummer gedulden zu wollen. Die Redaktion.
Ein fozialdemokratischer Kulturfag findet vom 23. bis 28. März 1921 in Dresden statt. Wir werden in der Gleichheit“ über diese erfte derartige Beranstaltung ausführlich berichten.
Bei Bestellungen auf die Gleichhelt" ist am besten das Boft. abonnement zu wählen. Die einzelnen Bestellungen tönnen dem Wahlverein des Wohnortes überwiesen und dort gesaminelt wer ben, von wo aus fie dann zusammen der Boft aufzugeben find.
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