Nr. 9

Die Gleich beit

eigenes Einkommen in dem Jahr oder Steuerjahr vor der Entbindung den Betrag von 4000 Mt. nicht überstiegen hat. Dieser Betrag erhöht sich für jedes vorhandene Kind unter 15 Jahren um 500 mt.

Die Wochenfürsorge wird durch die Allgemeine Orts­frankenkasse, in deren Bezirk der gewöhnliche Aufenthalts­ort der Wöchnerin liegt, und, wo eine solche Kasse nicht be­steht, durch die Landkrankenkasse geleistet. Als Wochen fürsorge wird die bereits erwähnte Leistung gewährt. Dabei beträgt das Wochengeld 1,50 mt., das Stillgeld 0,75 Mt. täglich.

Die Ansprüche werden durch Borlage des Geburtsscheines bei der Kaffe geltend gemacht. Bezüge, die die Minder­bemittelten von der Allgemeinen Orts- oder Landfranken­taffe ihres gewöhnlichen Aufenthaltsortes erhalten, werden der Kasse vom Reich ersetzt.

( Fortsetzung folgt)

Geschlechtliche Aufklärung

Ein Umschwung im christlichen Lager

Bisher stießen wir auf große Empörung und erregten Wider. stand bei der Kirche und den der christlichen Kirche nahestehenden Streifen, wenn wir forderten, daß unsere Jugend nicht blind ins Leben hineingestoßen werden sollte. Wenn wir be­haupteten, daß Schule und Elternhaus die Pflicht hätten, die Jugend aufzuklären über die wichtige Frage der Herkunft des Menschen, über die Gefahren der Geschlechtskrankheiten, der ge schlechtlichen Ansteckung, der geschlechtlichen Ausschweifung. In jenen christlichen Kreisen hielt man nach wie vor Unwissenheit für Tugend, um dann auf die, nur zu oft aus eben diefer Unwissen heit gefallenen" Mädchen den ersten Stein zu werfen und über die Unfittlichkeit der heutigen Jugend zu zetern. Wobei die Groß­stadtjugend natürlich stets besonders schlecht wegkommt. Die viel geschmähte November- Revolution hat aber auch hier. ,, revolutio­nierend" gewirkt. Ja, im Hinblick auf die Ansicht über die Not­wendigkeit der geschlechtlichen Jugendaufklärung kann man geradezu von einem Umschwung im christlichen Lager sprechen.

In der Weiblichen Jugend", der Fachschrift für weibliche Ju gendpflege, herausgegeben vom evangelischen Verband für die weibliche Jugend Deutschlands , wird mit bemerkenswerter Frische und Offenheit dieses Thema angeschnitten. Mit den alten Bor. urteilen wird gründlich aufgeräumt: Bon ber Sittenreinheit der

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Feuilleton

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Zwei Gedichte von Marthe Rose Thomas Mur nicht...

Schickfal, du gabit mir den Schmerz.

Nun gib mir die Kraft, ihn zu tragen.

Gib mir den Mut, der mit eifernen Feffeln zwingt Die entfelfelte Sehnsucht.

Laß mich hart fein und töte,

Was an weichem Begehren mir lebt. Schickfal, fei kalt, fei Stahl,

Trink mir das Herzblut

Aber gib Kraft!- Kraft! nur nicht Erliegen ertrinken

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ich duld' es-

Bereitschaft

Wenn der Tag kommt, mußt du gerüstet stehn, Hell dem Morgen ins Auge fpähn, Was er dir bringt an Freud und Leid, Was an Gewinn für die Ewigkeit.

Und dann ans Werk! Aufrecht und grad. Nach keinem Umfchau, von keinem Rat. Dein eigner Weg, deine eigne Kraft,

Die fei's, die aus Morgen den Tag dir schafft.

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Landbevölkerung fann taum noch geredet werden." Die, er­schreckende(!) Entdeckung" wird gemacht, daß in vielen Bauern­dörfern ,, durchweg das Zweifinder- System" herrscht. Aber was für mich das Erschreckendste war heißt es weiter daß der Mann mit Wissen der Frau sein Dienstmädchen als Kebswelb nimmt. Eine Tatsache, die ein Pfarrer der dortigen Gegend mir bestätigte. Die Gemeindeschwestern haben die Dienstmädchen in ihren Jungfrauenvereinen, und wundern sich, daß ihre Arbeit an ihnen so wenig Früchte bringt!"

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Natürlich hat die böse Sozialdemokratie an allem schuld. Eine Seite weiter aber wird richtig erfannt: ,, Solange durch die Woh. nungsnot dem Laster der Unsittlichkeit Vorschub geleistet wird, so­

lange hilft alles Reden und Bredigen nicht." Aber troß dieser Er­fenntnis ist die erschreckende" Gedankenlosigkeit viel zu groß, als daß man den vollkommenen Widerspruch bemerkte, einmal die So­zialdemokratie und einmal die sozialen Mißstände als Ursache für die sittlichen Schäden unserer Zeit zu beschuldigen.

Zum Teil geht man noch sehr vorsichtig an das Problem der ge­schlechtlichen Aufklärung heran: ,, Aber wo wir jetzt die Jugend nicht mehr davor schützen können, daß sie von all diesen Dingen hört, so soll sie wenigstens durch uns davon hören, sonst tommt sie leicht auf den Gedanken, die Vereinsleiterinnen feien ein wenig rück­ständig und wüßten nicht, wie es in Wirklichkeit zugeht... aber die Aufklärung muß doch vorsichtig gegeben werden..."

Auch von der Geschlechtertrennung scheint man nichts mehr wissen zu wollen: ,, Schön ist es, wenn wir in voller Harmlosigkeit, Natür­lichkeit und Reinheit Jungen und Mädchen im Verein zusammen. bringen können." und in einem anderen Auffaz: ,, Einen reinen, offenen, geselligen Verkehr zwischen Jungen und Mädchen in unferem Berein herbeizuführen", wird als eine der wichtigsten Aufgaben unserer evangelischen Jugenderziehung" bezeichnet. ,, Eine gänzliche Veränderung unserer Erziehungsmethoden" wird gefordert ,,, womit das Elternhaus den Anfang machen muß".

Noch zielflarer heißt es in einem anderen Heft: Ein bloßes Ver. schweigen und Darüberhinweggleiten tann nie und nimmer das Rechte sein. Eine bewußte Erziehung muß auch auf diesem Gebiet einsetzen. Daß sie bisher so völlig gefehlt hat, das rächt sich ja heute so furchtbar!"

Das bedeutet eine völlige Abkehr von den bisher beschrittenen Wegen. Man fommt eben allmählich zu der Erkenntnis, daß das alte Erziehungssystem in diesem Punkt restlos versagt hat. Ist es nicht geradezu ein Zusammenbruch der alten Erziehung, wenn man feststellen muß, daß ,, Mädchen in diesem Alter( 14-18 Jahre) sich fast nie ber Mutter gegenüber aussprechen"!? Gerade in dieser Zeit der Entwicklung, des Uebergangs! Eine Zeit, in welcher jedes

Emil Gött

Bon Charlotte Buchow

( Schluß)

Lnd dieses Leben der Welt dreht sich für ihn immer um die beiden Pole: Mann und Weib, und strebt zum Menschentum. Wie weit aber faßt er diesen Begriff! So schön werden, daß die Seele teines Schleiers mehr bedarf, außer um ihre eigene Schön­heit zu verhüllen so start werden, um den anerkannt besten

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und edelsten Grundzug des eigenen Wesens in unwandelbarer Treue zu bedienen ist sein Streben, seine Lat ,,, das eigene Leben herrisch lebend, dem Ganzen dienend untergehen" sein heiliger ernster Wille.

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nein

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Und das Weib muß mit ihm auf diesem Wege zur Höhe, denn die schweifende, irrende, suchende Mannesseele würde in den Schauern der Unendlichkeit vergehen, wenn sie nicht in der mütter. lichen Geborgenheit des Weibes ausruhen und neue Kräfte fam­meln könnte, aber ihre Seele darf nicht unbeweglich sein, nur Hafen, nur Antergrund sie muß mit der seinen wachsen und sich dehnen, es muß bei ihr Raum sein für eine Mannesseele". Aber dafür gelobt er sich und dem Weibe auch immer wieder: ,, Ich muß werden, so werden, daß sich mir die Liebe und Sehnsucht des Weibes zuwendet und auch die noch schmelzen möchte, die mich gestern verschmäht hat" oder seine Selbstbesinnung im Ge danken an eine Freundin: Meine Liebe zu dir ist wieder ein tieferes Gebet geworden zu dem Mädchen, das ich denke, und eine Erschütterung vor dem, was mir zum blizenden Manne fehlt". Was will bei einer solchen seelischen Durchdringung der Liebe noch die körperliche Erfüllung bedeuten:

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Wenn es eine Lust ist, in dein Auge zu blicken, in deine Seele zu tauchen,