Nr. 22

Die Gleich beit

für die Uebergangszeit bis zur Durchführung der Einheitsschule Möglichkeiten für die Frauen der Arbeiterschaft verlangt, um neben dem durch die Prüfungsbestimmungen gegebenen Gang über die foziale Fachschule weitere Wege für die Ausbildung zu eröffnen. Von dem Grundsatz höchster Forderung an die Qualität der Aus­bildung ist im Interesse der Arbeit und der Arbeiter unter feiner Bedingung abzuweichen.

Wir müssen aber auch nach Wegen fuchen, um der reiferen Frau, die mit ihren praktischen Lebenserfahrungen gerade für die Fa milienpflege, auch für die Kriegsbeschädigten- und Hinterbliebenen­fürsorge, wie sich das bereits in verschiedenen Fällen gezeigt hat, besonders geeignet ist, Ausbildungsmöglichkeiten zu schaffen. Das wird eine besondere Aufgabe des Hauptausschusses für Arbeiter­wohlfahrt sein, und es ist auf der Tagung in Görlitz auch dieser Punkt in einer Entschließung festgelegt worden.

An diese Ausbildungskonferenz schloß sich der Fürsorgetag und die Jahresversammlung des Deutschen Vereins für öffentliche und private Fürsorge an. Hier stand die Frage der Finanznot sowohl für die freie wie für die öffentliche Wohlfahrtspflege zur Beratung. Wir behalten uns vor, auf diese Verhandlungen noch zurüdzu­H. tommen.

Cehrstellen in der Wohlfahrtspflege.

Die Soziale Braris"( 1921 Nr. 35) berichtet von einem in Frankfurt a. M. gemachten Versuch, Lehrstellen in der Wohlfahrts­pflege zu schaffen, um die langwierige und teure Berufsausbildung zu verbilligen und eine gründliche Ausbildung zu erreichen. Die neue preußische Prüfungsordnung fordert für das Examen eine praktische Berufsausbildung( Kranken- und Gäuglingspflege, Kindergärtnerin, Lehrerin u. a.) oder eine dreijährige Berufs­tätigkeit in der Wohlfahrtspflege. Diese drei Jahre werden bei den Versuchen in Frankfurt a. M. zu einer systematischen Lehre in der Wohlfahrtspflege ausgestaltet. Die Lehrlinge erhalten für ihre Tätigkeit von Anfang an eine Vergütung mit der entsprechenden Teuerungszulage. Diese Lehrzeit soll fein Ersatz der Wohlfahrts­schule, sondern eine Borbereitung auf diese sein.

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H.

Den Teilnehmern der Wohlfahrtskonferenz ist in Görlig ein Buch Gegen Proffifufion und Geschlechtskrankheiten" vom Ge­noffen Dr. Mag Quard überreicht worden. Das Buch kostet im Laden 10 Mt. Um dem Buch aber eine größere Verbreitung zu fichern, ist der Verlag bereit, eine Bolfsausgabe herzustellen. Mindestbestellung pro Organisation sind zehn Stück.

Die Preise sind wie folgt gestaffelt: 10 Stück a 4,50 Mt., 15 Stück a 4,25 Mt., 20 Stück a 4 Mt., 50 Stück und mehr a 3,75 Mt. Das Buch enthält neben einer Abhandlung des Genossen Dr. Quard:

1. Den vielumstrittenen Gesetzentwurf zuz Bekämpfung der Geschlechtskrankheiten.

2. Die polizeilichen Vorschriften aur Reglementierung der Brostitution in Groß- Berlin.

3. Den französischen Gesetzentwurf von 1906. 4. Den Beschluß der Regierung Zürich von 1920.

Also ein sehr wertvolles Material für alle, die sich informieren wollen, ebenso für Referenten und für alle im öffentlichen Leben und in der Fürsorge stehenden Persönlichkeiten, die auch dann, wenn sie nicht ganz restlos allem zustimmen, was der Verfasser

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Wir

sagt, doch auf die strittigen Punkte hingewiesen werden. wünschen deshalb dem Buch weltefte Berbreitung und bitten daher von dem Angebot Gebrauch zu machen. Bestellungen find an die Unterzeichnete zu richten.

Hauptausschuß für Arbeiterwohlfahrt Mazie Juchacz, Berlin SW. 68, Lindenstr. 3.

Frauenbildung und Wirschaftsform

So lautete das Thema einer Tagung, die der Bund entschiedener Schulreformer in Lanfwig bei Berlin , einberufen hatte. Im Bordergrund stand die Lösung der Frage, wie die Frau, besonders die Hausfrau und Mutter, ihre spezifisch weibliche und mütterliche Betätigung in Einklang bringen fann mit ihrer Anteilnahme am staatsbürgerlichen und geistigen Leben. Es war ein ehrliches Suchen und Findenwollen. Von den Frauen, die sich im Rahmen diefer Tagung rednerisch an der Lösung des schwierigen Problems beteiligten, seien genannt: Anna Siemsen, Ilse Müller- Destreich, Helene Simon, Clara Bohm- Schuch , Johanna Heymann( für Fräu lein Irene Witte), Lisa Albrecht , Olga Essig . Anna Giemfen betonte, daß der Hauptgrund unserer wirtschaftlich- geistigen Not in unserem heutigen Wirtschaftssystem begründet liege, das die Produktion in den Vordergrund gestellt hat und nicht den Menschen. Ilse Müller- Destreich wandte sich an die Frau als Konsumentin und verlangte, daß das Verantwortungs­bewußtsein als Ronfumentin in der Frau gestärkt und gesammelt werde. Clara Bohm- Schuch sprach über" Beruf und Mutter­schaft". Durch den Krieg find viele Frauen zum Geldverdienen ge­zwungen worden, und leider zuerst die Mütter, die die meisten Kinder zu ernähren hatten. Es muß alles getan werden, die Lage der doppeltbelasteten Frau zu erleichtern, durch den Ausbau der fozialen Gesetzgebung, durch Einführung eines fürzeren als acht­stündigen Arbeitstages für berufstätige Mütter, durch die Halb­tagsbeschäftigung usw. Auch zur Aechtung der unehelichen Mutterschaft nahm sie gebührend Stellung und forderte durch eine neue Erziehung die freie Persönlichkeitsentwicklung der Frau für Beruf und Mutterschaft. Helene Simon brachte fehr gute Ausführungen über das Thema Beruf und Persönlich feit". Unser Ziel muß die Ueberwindung des bloßen Erwerbs berufes durch den Eignungs- und Leistungsberuf sein. Erst dann fann eine Frau eine Persönlichkeit werden, wenn sie in einem Johanna Beruf steht, der ihrer besonderen Eignung entspricht. Heymann verlangte eine vernünftige Arbeitsteilung der Frauen­arbeit und bezeichnete den Einzelhaushalt, so wie er heute geführt wird, als überlebt. Dabei tauchte die Frage des Einfüchenhauses auf. In der Diskussion beschäftigte man sich lebhaft mit dem Ge­E. Rdt. hörten.

Besonderer Umstände halber war es unserem Mitarbeiter Gen. Dr. Caspari nicht möglich, die laufende Artikelreihe in legter Zeit fortzusetzen. Der nächstfolgende Artikel wird aber in der Nummer der Gleichheit" vom 1. Dezember erscheinen.

Die Redaktion.

Verantwortlich für die Redaktion: Frau Klara Bohm- Schuch. Druck: Vorwärts Buchdruckerei. Verlag: Buchhandlung Vorwärts Paul Singer G. m. b. S. fämtlich in Berlin SW 68, Lindenstraße 3

Sind Lungenleiden heilbar! 70 Jahren

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Bei Afthma, Lungen- u. Kehlkopftuberkulofe, Schwind­fucht, Lungenfpitzen- Katarrh, veraltetem Huften, Ver­fchleimung, lang beftehender Heiferkeit lese jeder die San.- Raf Dr. Strahl's Broschüre mit obigem Titel. Der Verfasser, Herr Dr. med. Guttmann, Chefarzt der Finsenkuranstalt, zeigt darin in volksverständlicher Weise natürliche Wege zur Beseitigung dieser schweren Leiden. Jeder Kranke erhält diese Bro­schüre auf Wunsch vollständig umsonst. Man schreibe nur eine Postkarte an

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