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Die Gleichbeit
den Gemeindemitgliedern als ein neues Recht übertragen werden. Den männlichen und weiblichen Mitgliedern einer Gemeinde wird danach das Recht zugestanden, durch allgemeine periodisch wiederkehrende Abstimmungen selbst zu entscheiden, ob für ihr Wohngebiet der Ausschant geistiger Getränke einzuschränken oder ganz zu verbieten ist. Zur Gültig keit des Beschlusses ist die Zustimmung von drei Fünfteln der Abstimmenden erforderlich. Die Erfahrungen, die man mit diesem Gesetz in anderen Ländern( Dänemart, Schottland usw.) gemacht hat, sind recht günstig. Der Alkoholismus wird durch das Verbot des Alkoholhandels tatsächlich wesentlich gemindert; Kriminalität, Armenlasten, Krankheits- und Sterblichkeitsziffern nehmen ab. Für das Gemeindebestimmungsrecht einzutreten ist unbedingte Pflicht jeder Frau.
Ein in Schweden eingeführtes Gefeß, das sogenannte Gothenburger System, hat auch eine Zeitlang bei uns viel von sich reden gemacht, ist aber durch das vorerwähnte Gesetz ganz in den Hintergrund gedrängt worden. Der Grundsatz dieses Systems besteht darin, daß die Konzession für den Alkoholausschant nur an Gesellschaften erteilt wird, welche sich verpflichten, den Gewinn zu gemeinnützigen Zwecken an die Behörden abzuliefern. Die Verkäufer verlieren durch dieses System das Interesse an der Steigerung des Ausschanks. In Schweden sind jedoch seinerzeit Mißbräuche festgestellt worden, wodurch das Gesetz sehr diskreditiert wurde. Zweifellos wird es aber im Reichstage bei der Debatte über den Entwurf von anderer Seite empfohlen werden. Es gibt natürlich noch eine Reihe von Bestimmungen auf dem Gebiete der Schankgesetzgebung, die dahin zielen, den Alkoholverbrauch einzuschränken. So ist in manchen Staaten die Konzession an hohe Patentgebühren geknüpft. In anderen Ländern werden nur so viele Wirt schaften gebilligt, als dem Bedürfnis entsprechen. Schwe. den hat seit einiger Zeit auch die Branntweinkarte, einen Bezugsausweis ähnlich unserer Brotkarte, nach welcher Ar mengenössige und Trinker vom Branntweinbezug ausgeschlossen werden können.
Es ließe sich noch eine Reihe von Bestimmungen und Reformvorschlägen anführen, ich will es jedoch bei den bisher
Mein Unmut ist verflogen, sanft streiche ich ihr über das Haar.
..Vielleicht gehen die Flecken noch wieder fort."
Nr. 24
genannten bewenden lassen. Der Zweck meiner Zeilen ist, ble Genofsinnen mit der Materie etwas vertraut zu machen und damit ihr Interesse an den kommenden Verhandlungen im Reichstag zu erhöhen. Wir sind in unserer Eigenschaft als Frauen und Mütter in erster Linie an diesen Fragen inter essiert und ich möchte deshalb empfehlen, sich an den Frauen. abenden näher damit zu befassen. In fast allen größeren Städten existieren Ortsgruppen des Arbeiter- Abstinenten bundes, die gern bereit sind, den Genofsinnen einen Refe renten für dieses Thema zu stellen. Auch die Geschäftsstelle des Bundes in Berlin SD. 16, Engelufer Nr. 29, gibt gern jede gewünschte Auskunft.
Die Kirchen brauchen neue Glocken.
In letzter Zeit, besonders in den Sommermonaten, waren in den Zeitungen häufig Anzeigen zu finden, in denen zum Besuche von Versammlungen aufgefordert wurde, deren Reinertrag zur Anschaffung neuer Glocken bestimmt war. Solche Veranstaltung ist wie eine richtige rheinische Kirmes, mit Schaubuden , Karussels, Verlosungen, Jurbuden usw. usw. In den großen Tanzzelten werden alle modernen Tänze getanzt. Die Besucher haben Gelegenheit, recht viel Geld auszugeben, und die Veranstalter( der Pfarrer ist meist die Hauptperson dabei) sind mit dem Ergebnis immer recht zu frieden. So wurde von einem solchen Glockenbazar, der in einem fleinen Orte in der Nähe von Bonn stattfand, be richtet, daß er einen Reinertrag von über 130 000 mt. ge habt habe. Allgemein predigt man ja in den Kirchen gegen Tanzwut und Bergnügungstaumel. Aber der 3meck helligt die Mittel, und in folchem Falle drückt man ein Auge zu.
Gewiß ist nichts dagegen einzuwenden, wenn die Kirchen gemeinden die Glocken, die sie im Kriege abgeben mußten, ersetzen wollen. Könnte man damit aber nicht warten, bis bessere Verhältnisse eingetreten sind und das Geld für andere Zwecke verwenden? Staat und Kommunen wissen nicht, woher die Mittel nehmen, um all den armen, kranken und unterernährten Menschen helfen zu können. Tausende von der Tuberkulose Befallene gehen langsam einem sicheren Ende entgegen, weil ihnen alles das fehlt, wodurch die
Bücherschau
In der vorigen Nummer haben wir bereits auf Ottilie Durch bice Tränen hindurch bricht, leise und schüchtern ein Baaders Buch:„ Ein steiniger Weg", Vorwärts- Dietz- Berlag, Strahl der Hoffnung.
Schneeflocken
Berlin , aufmerksam gemacht. Es kostet, in schönem Geschenk einband gebunden, einzeln 16 Mt. Durch die Parteiorganisationen bezogen tritt eine wesentliche Ermäßigung ein, und zwar bei Bestellung von 10 Exemplaren auf je 12 Mt., bei 25 Exemplaren auf je 10 Mt. Bestellungen können auch an Frau Marie Juchacz , Berlin SW. 68, Lindenstr. 3, gesandt werden. In einer der nächsten Nummern werden wir die ihm zukommende ausführliche Be
Schneeflocken tanzen, tanzen, ohne zu ruhen, immerzu. sprechung folgen lassen.
Ich wollte, ich dürfte eine kleine Schneeflocke sein, die mit den Geschwistern den schönsten Reigen tanzt, nach einer Musik, die kein menschliches Ohr zu vernehmen vermag. Tanzen möchte ich, so wie die Schneeflocken, die in weißen Schleiern dahinschweben, die ihnen kleine Engel auf die Schultern legten. Einen herrlichen Reigen, ganz leise und zart auf den leichtesten Sohlen tanzen sie.
Und lange währt ihr Tanz. Ein ganzes Leben lang, bis zum Sterben, Bersinken.
Der Schneeflocken Tanz ist immer schön, ihre Gewänder fint immer rein. Aus den Wolfen herab tommen sie, und langsam und feierlich tanzen sie in der Luft. Und auf der Erde vollendet sich ihr Leben. Jung und rein, wie sie vom Himmel kommen, sterben sie, froh und glücklich, wenn sie der Sonne ins Auge schauen durften. Dann sterben sie vor über. großer Freude, in Erfüllung höchster Sehnsucht, und eine blinkende Träne ist alles, was von ihnen bleibt.
Kleine, feine, zarte Schneeflocke! Maria Steinfeld.
Bugleich weisen wir nochmals auf den von Wilhelmine Kähler herausgegebenen Frauen- Hausschah" hin. Wir hatten in Nr. 18/19 der„ Gleichheit" Näheres über das Buch und seinen Inhalt mitgeteilt. Es ist bei Auer u. Co. in Hamburg erschienen und kostet 8 Mt. durch die Buchhandlungen, 6 Mr. durch die Dr ganisationen bezogen. Auch dieses Frauen- Jahrbuch wird als Ge schent sehr willkommen sein.*
Der Zentralbildungsausschus gibt unter dem Titel:„ Gute und billige Jugendbücher, einen Ratgeber fürs Arbeiterhaus", ein Ber zeichnis empfehlenswerter Jugendschriften heraus. Das Verzeich nis ist von einer Kommiffion der Arbeitsgemeinschaft sozialdemo kratischer Lehrer und Lehrerinnen, Ortsgruppe Berlin , bearbeitet worden und bringt eine kleine Auswahl der besten Kinder- und Jugendschriften. Der Wert der Arbeit liegt darin, daß jedes ein zelne Buch nach Sinn und Inhalt kurz charakterisiert ist, so ba den Arbeitereltern die Auswahl der Bücher erleichtert wird. Das Verzeichnis ist zum Preise von 1,15 Mt.( einschließlich Porto ) gegen
schuß der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands ( R. Weimann)) Berlin SW. 68, Lindenstr. 3, zu beziehen.