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Frühlingsglaube
Von Elli Radtke
Die Gleich beit
Jahr für Jahr wird in hundert Liedern und Gedichten der Sieg des Frühlings über den Winter, der Triumph des Lichts über die trübe, hoffnungslose Finsternis gesungen. Alles Lebende wartet mit Sehnsucht auf die ersten sonnigen Tage, um endlich einmal wieder freier atmen zu können. Es ist alte Sehnsucht und alte Hoffnung, die uns trotz allem nicht verlassen will.
Troß allem. Mit Bangen und schwerer Besorgnis sind wir In diesen Winter hineingegangen, und die Sorgen sind auch nicht von uns genommen, nun er vorüber ist. Wir nehmen Sie mit in den Frühling hinüber. Erdrückende Teuerung auf allen Gebieten hemmt fast alle Lebensfreude und viel Tatkraft. Das Leben jedes einzelnen unter uns ist ein Ichweres, erbittertes Ringen um das tägliche Brot, um das Minimum an Existenzmöglichkeit. Es bleibt kein Play in unserem Budget für das, was das Dasein fröhlicher und leichter macht. Die Vertretungen der Arbeiter in Parlament und Gewerkschaft fämpfen schwer um jeden Schritt breit Boden gegen das noch immer allzumächtige Kapital, unseren brutalen und durchtriebenen Feind. Und schwer und erbrückend liegen die Lasten eines verlorenen Krieges auf unserem Wirtschaftsleben.
Es ist wohl jedem noch frisch in Erinnerung, unter welch schwierigen Umständen vor einigen Wochen das Steuerfompromiß im Reichstage zustande tam, auf Grund dessen der von der Entente geforderte Stundungs- und Garantieplan der Reparationsfommission vorgelegt wurde. Inzwischen ist die Antwort der Reparationskommission eingetroffen. Sie enthält die Mitteilung, daß die Kommission die gegebenen Garantien nicht für genügend ansieht und unter Ankündigung von Kontrollmaßnahmen die Bewilligung von weiteren 60 Milliarden Papiermark Steuern bis zum 31. Mai d. J. fordert. Im Weigerungsfalle wird mit der Zurücknahme der Stundung und mit der Geltendmachung des Londoner Ulti matums in seiner ganzen Schwere für das Jahr 1922 gedroht. Das Verlangen, bis zum 31. Mai 60 Milliarden neue Stevern zu bewilligen und in Kraft zu fetzen, ist sowohl wirtschaftlich wie politisch und technisch- parlamentarisch eine Unmöglichkeit. Die Zusammenbringung des Steuerkompromisses war so schwer und krisenreich, daß es ausgeschlossen ist, jetzt noch einmal eine Mehrheit für ein zweites Kompromiß zu finden. Wir fönnen auch nicht der Entente Die Oberhoheit über unsere Steuerverwaltung einräumen, wie dies unter den angekündigten Kontrollmaßnahmen zu verstehen ist. Im übrigen steht dies auch in Widerspruch zu dem Versailler Vertrage, ganz abgesehen von den neuen Kosten, die derartige Kontrollfommiffionen uns verursachen würden.
Diese Stellungnahme enthielt auch die Rede des ReichsPanglers, die mit wenigen Ausnahmen die Zustimmung des ganzen Reichstages fand. Er bezeichnete das Verlangen der Entente als eine völlig unmögliche Bedingung und Zumutung". Der Reichskanzler hat aber trotz Ablehnung der Bariser Note ausdrücklich die Absicht betont, an der bisherigen Erfüllungspolitik unbeirrt festhalten zu wollen, und besonders die Bereitschaft zu weiteren Verhandlungen ausgesprochen. Es muß ein Weg gefunden werden, auf dem wir in Uebereinftimmung mit den Ententekommissionen zur Erfüllung unserer Verpflichtungen weitergehen können. Bir Sozialbemokraten haben immer den Willen gezeigt, den uns auferlegten Verpflichtungen soweit wie möglich nachzukommen, unsere Schulden zu bezahlen. Doch muß von den Ententeregierungen soviel Einsicht verlangt werden, daß sie nichts Unmögliches fordern und uns durch derart abschnürende Maßnahmen wie die jetzigen nicht selbst an der Durch führung unserer Absicht behindern. Auf dem Wege, den die Reparationsfommission mit ihrer letzten Note einschlägt, geht es jedenfalls nicht weiter.
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Doch lassen wir trotz alledem die Hoffnung nicht sinken. Nicht nur die wirtschaftliche Lage Deutschlands , sondern auch die der Siegerländer, in denen ebenfalls Teuerung und noch größere Arbeitslosigkeit herrscht, wird deren Machthaber zu der Einsicht zwingen, daß man mit der Politik der Gewalt nichts erreicht und dem Problem anders zuleibe gehen muß. Soll Deutschland seinen Verpflichtungen wirklich nachkommen, dann muß vor allem seine innere Gesundung gefördert werden. Deutschland ist innerlich frank; das merken am besten die Arbeiter und Angestellten, deren Lebenshaltung infolge der unsicheren Verhältnisse immer elender wird und die die Fieberschauer des franken Wirtschaftskörpers am schmerzlichsten empfinden. Unser Wirtschaftsleben muß un bedingt sehr bald wieder stabilere Formen annehmen, das dauernde Sinken der Mark muß aufhören, ihr Wert gehoben werden. Das ist aber nach den jetzigen Verhältnissen nur möglich durch die Gewährung eines Auslandskredits. Auf diese Auslandsanleihe müssen wir unsere Hoffnung setzen; es ist dies die einzige Möglichkeit, zu einigermaßen übersichtlichen Verhältnissen zu gelangen. Außerdem hat dann das Land, das uns den Kredit gibt, ein Interesse daran, daß Schwankungen bei uns vermieden werden. Wir hätten dann die notwendige Atempause", die uns Zeit und Möglichkeit zu einer Erholung gibt.
Mit der Hoffnung auf diesen Auslandskredit verbinden wir unsere Gedanken an die Konferenz in Genua . Die Bertreter von 30 Nationen versammeln sich dort, um über die Besserung der Weltwirtschaftslage zu beraten. Wenn man sich nun nicht abfichtlich den Tatsachen verschließt oder von natio nalistischem Eigenfinn leiten läßt, so ist doch anzunehmen, daß man zu der für alle Teile besten Lösung des Welt fredites kommen muß. Viele Jahre lang sind die Völker Europas im Finstern gegangen und haben sich selbst und einander ungeheuerlichen Schaden zugefügt. Sollten denn nicht endlich Vernunft und Einsicht die Oberhand gewinnen?
Wir lassen die Hoffnung nicht finfen. So zögernd, wie der Frühling dieses Jahres fam, mit Schneefällen und falten Tagen bis in den April hinein, so langfam, zögernd und mit schmerzlichen Rückschlägen wird auch endlich einmal den Völkern und ihren Regierungen die Erkenntnis kommen, daß wir alle aufeinander angewiefen sind und nur die Bernunft, nicht die Gewalt, Siegerin bleibt.
Vom Werden der Partei
Bon Franz Klühs
II. Die Zeit der geheimen Bünde
In den vormärzlichen Zeiten war von einem Vereinsrecht so wenig die Rede, wie von einem Recht der freien Meinungsäußerung in der Presse. Nicht nur in Deutschland waren politische Vereine verboten. Auch Frankreich und die Schweiz . von der habsburgischen Monarchie ganz zu schweigen, unterschieden sich in dieser Hinsicht nur in sehr geringfügigem Maße von unserer Heimat.
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So war es denn ganz natürlich, daß politische, auf staatliche Reformen gerichtete Bestrebungen sich in geheime Zirkel flüchteten, die für beide Teile gefährlich zu sein pflegen: sowohl für den Staat, den die Verschwörerflubs nur um so lebhafter bekämpfen, je mehr er sie ächtet; als auch für die Geheimbündler, denen bei ihrer Entdeckung selbst die harmlosesten Dinge zum Verderben werden können. Auch der schon erwähnte Bund der Gerechten", in dem Wilhelm Weitling und andere deutsche Proletarier führend waren, entsprach dem üblichen Muster der Geheimbünde. Im Auftrage des„ Bundes der Gerechten" und als dessen Programmschrift hat Weit ling sein Buch„ Die Menschheit, wie sie ist und wie sie fein sollte" verfaßt, dessen Grundgedanken er später in einem größeren Werke unter dem Titel„ Garantie der Harmonie und Freiheit" weiter ausspann. Ein Buch, das wert ist, auch heute noch eifrig ge