Nummer 14 y.flpcumt �lnterhaltuntzsbeilage LS öes Vorwärts <* -<« Revolutionen lassen sich nidit aus dem Stegreif machen, wir erfahren dies beute nur zu sehr. Clm eine Gesellschaft zu bekehren, um aus einer von langer Band zur Knechtschaft erzogenen �lenge eine intelligente, freie und gerechte Ration zu machen, dazu reichen politisch» Veränderungen nicht aus; sogar die Erziehung genügt nicht, dazu bedarf es einer Regeneration von f'teisd» und ßlut. Pierre ProudHon. fe s Zriöa Reimers Meineid. Von Paul Dohms. Als Friedrich PeHlfe aus der Kreisstadl in das Dorf zurückge- kehrt war, Halle er seine kleine Stube aufgesucht und noch lange über den gewaltigen Eindruck nachgedacht, den er in der Stadt auf dem Schwurgericht empfangen hatte. Die Gedanken fagten wirr in seinem Kopfe hin und her und blieben immer an einem Namen hängen, an einem Mädchennamen: Frida Reimer. Das war ein Mädchen aus dem Dorfe, das auf der Anklagebank vor den Geschworenen wegen Meineids gestanden hatte. Das Dorf und die ganze Nachbarschaft war vorher voll des Geredes gewesen, denn der Straftat lag eine zwar alltägliche, doch immerhin heikle Angelegenheit zugrunde, die nun unter die Leute gekommen war. In das kleine Dorf war feit Iahren regelmäßig wöchentlich ein junger Mann aus der Großstadt gekommen, um bei den Bauern Einkäufe zu machen. Auch bei den Großeltern der Frida Reimer — ihre Eltern waren schon tot— erstand er stets eine Kleinigkeit. Der Mann wußte allerlei schöne Sachen zu erzählen. Und wenn Frida Reimer in der Küche stand, dehnte er die Gespräche besonders aus und blickte wohlgefällig auf das Mädchen. So war es gekommen, daß Fünfroth ein ständiger Gast auf dem kleinen Gehöft wurde. Er hatte ein« Eigenart, mit dem Mäd- che» umzugehen. Und er war auch, wie die Leute sagten, ein bild- schöner Kerl mit krausem Haar und hatte so lustige Augen und einen kleinen schwarzen Schnurrbart. Er ging immer aufs Ganze. Und als dieser Fünfroth einmal die Frida eine Wegstrecke begleiten durfte, da erzählte er so viel liebes und gutes und übermütiges Zeug, daß das sonst verschlossene Mädchen hell auflachen mußte und selber ge- sprächig wurde. Sein frisches bewegliches Wesen war auch so ganz anders als das schwerfällige Benehmen der Burschen aus dem Dorfe. Eie wußte selbst nicht, wie sie zu dem Urteil gekommen, daß der gutmütige Friedrich Pehlte im Vergleich mit diesem feinen hübschen Menschen doch ein Trottel sei. Zwar vertrieb ste diesen Gedanken recht schnell wieder aus ihrem Kopf, aber der Eindruck blieb doch nun einmal haften, obgleich der Bauernsohn Friedrich Pehlke längst ihr heimlich Versprochener war. Als ste einmal allein mit Fünfroth in der Stube war, da konnte ste es nicht o-rhindern, daß er ste nahm und küßte. Seit jenem Augenblick wanderten ihre Gedanken vom Herrn Fünfroch zum Friedrich Pehlke und vom Friedrich Pehlte zurück zum Herrn Fünf- roch und blieben dort schließlich haften. Das Geplänkel zwischen den beiden aber»ahm festere Formen an. Fünfroth sagte schon„Du" zu dem Mädel, und einmal hatte sie selber auch lachend mit einem„Du" geantwortet. An einem Sommerabend erwartete ste Fünfrvth wieder draußen vor dem Hoseingang am Garten, hinter der Hecke. Da Fünfrvth gehört hatte, daß Frida Reimer noch auf der Wirtschaft im Wiesen» grund eine Bestellung auszurichte» hatte, wollte er ein Stück mit ihr gehen. Und sie kam und war ganz verwundert, daß Herr Fünfroth auf ste wartete. Er ging an ihrer Seite, lochte und scherzte und sang leise neckische Lieder, die Frida Reimer noch nie gehört hatte. Die Luft war weich und warm. Und Frida ging e» heiß über den Rücken, als Fünfrvth versuchte, sie an sich zu ziehen. Sie sprachen lange kein Wort. Er strich mit der Hand an ihrem Arm herunter und sagte leise: „Es ist so schön hier, Frida. Mit dir möcht ich heute die ganze Nacht durchlaufen." Fünfroth wurde stürmischer und Frida ver- wirrt. Und sie sagte plötzlich:„Ich muß gehen!" Sie war über und über rot im Gesicht und drängte Fünfroth zurück. Ueber dem Felde lag eine große Stille gebreitet. Und Frida wurde sonderbar ums Herz. Was war das nur für ein Mann! Fünfroth drängte das Mäd- chen nach den Weidenbüschen hinüber. Er sagte, es wäre noch Zeit und sie könnten einen Umweg machen. Und dann küßte er sie ein- mal über das andere Mal. Frida Reimer wehrte sich.„Lassen sie mich... Wie seh ich am Kops aus!" Sie wollte sich losreißen und schlug mit den Händen nach ihm. Er aber nahm sie mit beiden Armen und drückte ihren Kopf an seine Brust, daß sie nicht schreien konnte. Und es zeigte sich, daß er doch der Stärkere war!--- Am anderen Tage ging Frida Reimer mit einer Hacke unterm Arm auf das Feld. Friedlich Pehlke war der erste, dem sie begegnete und Ihr frohen Tag bot. Das Mädchen wurde über und über rot, konnte ihm nicht in die Augen sehen, sagte kein Wort und lief plötzlich weiter. Dem Friedrich kam das Gebaren recht sonder» bar vor. In seinem Kopf aber steckte auch schon ein bißchen Starr- köpfigkeit. Darum lief er nicht hinterdrein, sondern ging seinen eigenen Weg. Bald darauf begegnete Frida Reimer Spirows Minna, der man nachsagte, daß sie eine spitze Zunge habe. „Frida, du wirst nu all bald auch eine feine Dame sein. Wo» wird bloß Pehlte» Friedrich sagen." Frida Reimer glaubte, daß ihr das Blut aus dem Kopf heraus« breche. „Nu verstell dich auch nicht. Hast mich gar nicht tm Wiesen- grund gesehen, als du gestern abend bei den Weiden warst?" Und sie lachte. „Das lügst du," sagte ihr Frida Reimer wütend ins Gesicht. „Ich tümmer' mich auch nicht darum. Aber der Friedrich wird's später schon merken." „Laß mich...", schrie das Mädchen und lief davon mit puter- rotem Gesicht. Am Abend lief Frida Reimer auf die Straße und wartete auf Friedrich Pehlte, der um diese Zeit vom Felde kam. Sie trat ihm entgegen. Er gab ihr die Hand und wunderte sich, daß sie ihn noch immer nicht wie sonst ansehen tonnte. „Was ist mit dir, Frida?" Und nun heulte sie wieder und erzählte ihm alles. Er möge nichts Unrechtes denken. Sie habe keine Schuld. Sie hätte sich auch gewehrt. Aber der Fünfroth wäre grob geworden. Ein lautes Schluchzen zitterte durch ihren Körper. Frida Reimer bat, doß er nichts tun möge, der Fünfroth dürfe nie mehr wiederkommen, es solle alles vergesien sein. „Das überlasse mir, Frida." Und dann gingen ste auseinander. Der Friedrich mochte sich am andern Tage auf zum Vormund de« Mädchens. Und der Vormund lief zu den Großeltem. Es stand fest, daß sie den Mann anzeigen mußten. Die Schande durften sie auf dem Mädel nicht sitzen lassen. Und ste machten beim Wachtmeister eine Anzeige. Frida Reimer wurde von ihm. vorgeladen, wo ihre Aussage niedergeschrieben wurde. Es lag danach klar auf der Hand, daß dem Mädel Gewalt angetan war. Dann bekam sie eine Vorladung vor den Unter- suchungsrichter in der Kreisstadt. Sie wiederHolle dort ihre erste Aussag« und legte den Eid ab. Fünfroth wurde in Venn festgenommen und nach der Kreis- stadt in das Untersuchungsgefängnis übergeführt. Natürlich sagte er hier vor dem Untersuchungsrichter das Gegenteil. Und Frida
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