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Kohlenftaubexplostonen. Wieder einmal hat die Entfesselung der unheimlichen, im Echoße der Erde schlummernden Kräfte gewaltige Opfer an Men- schenleben gefordert. Schlagende Wetter und Kohlenstaubexplosionen gib die verderblichsten Feinde des Bergmanns, den sie bei seiner rbeit auf Schritt und Tritt umlauern, um oft bei der geringsten Unachtsamkeit Tod und Verderben über ihn und seine Genossen zu bringen. Bei der Katastrophe auf der Zeche Mont Cenis war es eine Kohlenstaubexplosion, die das Unheil ausgelöst hat. Es ist das stets die verhängnisvollere Gestalt des unterirdischen Unheils; denn während Explosionen schlagender Wetter meist nur aus Verhältnis- mäßig kleine Stollengebiete beschränkt bleiben, wirken Kohlenstaub- explosionen durch ihre oft gewaltigen Ausdehnungen stets verheeren- der. Nun stehen allerdings beide Arten von Explosionen oft in enger Verbindung, derart, daß durch eine Explosion schlagender Wetter die Kohlenstaubexplosion erst ausgelöst wird. Aber auch ein versagender Sprengschuß mit seiner glühenden Stichflamme ver- mag zur Kohlenstaubexplosion zu führen. E» ist bekannt, daß die sogenannten Schlagenden Wetter Grubengase sind, die in Verbindung mit Sauerstoff ein äußerst explosibles Gasgemisch darstellen. Der gleiche chemische Prozeß, der die ungeheuren Farnwälder der Vorzeit zu Kohle werden ließ. erzeugt auch die Grubengase, die Fäulnis und Verwesung der pflanzlichen Stoffe in den Hohlräumen der Erde ansammeln ließen. Diese Gruben- oder Methangase sind Kohlenwasserstoffgase, die eine Verbindung von Kohlenstoff und Wasserstoff darstellen. Das Methangas bildet sich auch in Sümpfen und Erdhöhlen; auch das sogenannte Erdgas, wie es beispielsweise in Neuengamme bei Ham- bürg vor 11 Jahren in so gewattigen Mengen angebohrt ist, ist nichts anderes als Methan. Da seine Entzündung schon bei 700 Grad Celsius eintritt, so genügt eine offene Flamme, um eine Explosion hervorzurufen: aus diesem Grunde bedienen sich die Berg- leute schon seit mehr als 100 Jahren der sogenannten Daoyschen Sicherheitslampe, die die Flamme mit einem ganz engen Draht- gestecht umgibt. Beim Austritt durch diesen zylindrischen Draht- korb kühlen sich die Verbrennungsgase der Lampe so weit ab, daß eine Entzündung der Schlagenden Wetter nicht möglich ist. Ist aber die Lampe auch nur im geringsten beschädigt, oder wird durch schlechtes Funkttonieren der Sicherheitslampe das Geflecht glühend, so kann gerade die Sicherheitslampe die Ursache einer Explosion werden, und sie ist es auch tatsächlich in mindestens 25 Proz. aller Fälle. Der erfahrene Bergmann merkt übrigens an dem Zustand der Lampe, ob die Luft im Stollen mit Schlagenden Wettern durchsetzt ist. DI« Wetterführung, die mittels großer Ventilatoren ständig stische Lust in das Bergwerk pumpt und die Grubenluft absaugt, sorgt bald für eine Beseitigung der Gefahr. Aber es kommt vor, daß der Bergmann mit seiner Haue plötzlich eine Gas- höhle anschlägt, aus der die Schlagenden Wetter in großen Massen ausströmen. Dann kann bereit« der von dem Eisen auf hartem Gestein erzeugte Funke das Gasgemisch zur Entzündung bringen. Eine Kohlenstaubexplosion kann durch eine offene Flamme allein Nicht ausgelöst werden: hierfür bedarf es weit höherer Hitzegrade. Aber diese werden bei jeder Schlagwetterexplosion erzeugt; denn sie erhitzt die Grubengase auf mehr als 3000 Grad Celsius, wodurch wiederum die Gase sich um das Zwanzigfache ihres Volumens inner- halb des winzigen Bruchteils einer Sekunde ausdehnen. Dieser Umstand erklärt die gewaltigen Verwüstungen, die eine Explosion Schlagender Wetter stets zur Folge hat. Aber die ungeheure Hitze und die gewalttge Erschütterung hat oft weitere schlimme Folgen. Der in den Stollen überall vorhandene feine Kohlenstaub wird da- durch aufgewirbelt, und durch die hohen Temperaturen wird der Kohlenstaub augenblicklich gewissermaßen destillier. Die in den Unzähligen Staubpartikelchen enthattenen Kohlenwasserstofsmoleküle nehmen gasige Form an und entzünden sich gleichzeitig, wobei durch die sich nach allen Richtungen verbreitend« Erschütterung und Explo- stonshitze immer weitere Kohlenstaubmengen zur Detonation ge- langen. Erst dadurch entstehen die verheerenden Folgen: die Wände und Decken der Stollen und Strecken stürzen ein; die stärksten Stem- pel werden von der Gewalt der Explosion weggeblasen, und nicht selten greift die Zerstörung in darüber oder darunter liegende Sohlen über. Am verhängnisvollsten für die Belegschaft eines von einer Explosion heimgesuchten Schachtes wirkt die Verschüttung der Strecken, durch die großen Teilen der vor Ort arbeitenden Knappen der rettende Weg abgeschnitten wird. Es kommt hinzu, daß nicht nur die ungeheure Explosionshitze, sondern auch das giftige Gasgemisch, die sog. Nnchlchwadcn, die'Belegschaft unter Tage mit dem Tode bedroht. Meist fallen die zahlreichsten Opfer nicht der Explosion selbst, sondern der augenblicklich tötenden Hitze anheim. Zur Verringerung der durch den Kohlenstaub verursachten Ge- fahren strebt die bergmännische Technik seit langem möglichste Ver- meidung der Staubbildung an, besonders durch umfangreiche Wasser- berieselung aller Stellen des Bergwerks, die durch Staub gefährdet erscheinen. Außerdem wählt nian für die heut« noch unentbehrlichen Sprengungen des Gesteins, die sog. Schießarbeit, solche Sprengstoffe. durch die bei bestimmten Lodemengen der Kohlenstaub nicht mehr entzündet wird. Wohnungseinrichtungen. Von Anton Michael. Der Engländer sagt, mein Heim ist ntdin Schloß, der Deutsche spricht von den lieben vier Wänden. Er will pch in seiner Wohnung gemütlich fühlen, und tatsächlich kann sie die Quelle reichen Lebens- glückes werden. Ob wir eine oder mehrere Stuben besitzen, sagt nur etwas über den größeren oder kleineren Geldbeutel aus. Praktischer Verstand, Ordnungsliebe, solider Geschmack sind die Reichtümer, die ohne Unterschied des Standes ausgetcllt wurden, und die jedes Heim behaglich und ansprechend gestatten können. Bei der heutigen Teuerung und Minderwertigkeit der Waren haben es die jungen Leute, die einen Hausstand begründen wollen, besonders schwer, sich hübsch und gediegen einzurichten. Es gibt aber allerlei Vorschläge, die ungefähr auf die Wege weisen, die zum Paradies führen. Haben uns ungünstige Umstände genötigt, einen dunklen Raum zu mieten, müssen wir vor allem suchen, ihn freundlich zu gestalten. Eine helle Tapete oder Wand- anstrich schafft da sofort Wandlung, auch die geweihte Decke Hilst zum Zweck. Möglichst bequem muß es immer der Frau Sonne gemacht sein, uns in die Fenster zu gucken. Für den Fußboden ist heut ein Teppich kaum erschwinglich, aber auf dem gewachsten oder stischgestrichenen Untergrund sieht auch da und dort ein Vor- leger, ein Läufer oder eine Matte sehr nett aus. Wer sich einen Linoleumbelag leisten kann, wird es gewiß nicht bereuen. Die Wände mit einfarbigem Anstrich lassen sich durch ein schabloniertes Friesmuster, auch durch gemalte Randstreifen wirksani beleben. Dünne schwarze Holzleisten kosten etwas mehr, aber sind sehr aus» drucksooll. Im allgemeinen sollte man den Leitgedanken festhalten, daß schlichte, leere Flächen den Raum erweitern Helsen . Nicht nur jedes Fleckchen bestellen oder behängen wollenl Wenn unter einer Zimmerdecke geschlafen und gewohnt werden muß, suche man Betten und Waschtisch zusammenzuhalten, richte den größeren Stubcnteil zur Wohnstube ein. Ich kannte eine Malerin, die den ganzen Tag fleißig in ihrem Atelier arbeitete. Kamen Gäste, dann wurde nur ein Vorhang zurückgerafft, und es öffnete sich ein reizendes Tee-Eckchen, und hinter einem Wandschirm verbargen sich die Kochgelegenheit und das Speisekämmerchen. In einer anderen Atelierecke stand das Cefa, das abends zum Bett wurde, und die Kommode, die sich dann zum Waschtisch verwandelte. Harte Nüsse gibt uns heute die Anschaffung der Möbel zu knacken. Nur Gutgearbeitetes, Materialechtes, nichts Ueberslüssige» heißt da die Parole. Wo ein Badezimmer ist, kann der Waschtisch fortfallen. An den Betten sind die hohen Fußenden unnötig, weil sie Holz verschwenden und den Raum beengen. Stücke, die verschie» denen Zwecken dienen, spielen heut auch im Mittelstand eine wich» tige Rolle. Man kauft gern das Drehbett, das sich tagsüber in den Diwan verwandelt, den Tisch, dessen Unterteil zum Arbeitsschrank ausgebaut ist, den Stuhl, der sich mit einem anderen zur Sitzbank verbinden läßt. Wo sehr wenig Raum ist, wäre auch der Falttisch praktisch. Die erste Ueberlegung für jede Wohnetnrichtung muß überhaupt das Praktische sein. Die Dinge in unserer Umgebung müssen es uns bequem und behaglich machen. Um es auch möglichst hübsch zu haben, heißt es ebenso an die Farben denken. Man glaubt es gar nicht, wie sie die Stimmung beeinflussen. Möglichst müssen wir versuchen, daß die Wände recht ruhig aussehen. Zu grauen, bräunlichen, gelblichen Tönungen paßt jedes Blau und Rot, auf ihnen sieht auch jedes Bild gut aus. Haben wir vielleicht eine bunte, großmusterige Tapete, dann sollten Sofa, und Stuhlbezug ruhig gehalten sein. Sind Wände und Möbelstoffe sehr schlicht, dann kann eine lebhaft getönte Vase, eine bunte Decke, ein Kissen das Zimmer ungemein beleben. Solche Schmuckstücke könnte sich auch jeder leicht herstellen, irgendein Kasten kann einen leuchtende» Anstrich bekommen, geschickte Frauen» Hände benutzen FÜckenreste, um wirklich reizvolle Kissen zu nähen. Hat der Mann geholfen, nur Solides und Praktisches für die Heim« ausstattung zu beschaffen, dann ist es Aufgabe der Frau als guter Hausgeist zu walten. Sie muß das Scheuern und Staubwischen verstehen, muß auch gern einmal den frischen Blumenstrauß aus den Tisch stellen. Es lohnt, über das Kapitel Wohnungseinrichtung sorgfältig nachzudenken, denn die meisten Menschen ahnen nicht, wie stark das Wohl und Wehe ihrer Lebensführung vsn dieser Vorbedingung abhängt.