Einzelbild herunterladen
 
  

Wissen und Schauen Die Herkunst unserer Gebrauchsgegenstände. Wir täuschen uns oft, indem wir annehmen, die uns wohlbekannten Gegenstände seien Uralt Verschiedene von ihnen, wie z. das Portemonnaie. sind sogar sehr jungen Datums. Das Portemonnaie ist eine Er- findimg, die noch nicht hundert Jahre alt ist und von Karl Heue stammt, der 184Z als Buchbindergeselle von Dresden nach New Dort auswanderte. In einer New Jorker Fabrik sertigte Heue Arbeits- taschen, Necessaires u. dgl. an und erfand dabei das Portemonnaie, das rasch zum Modeartikel wurde und den alten Geldbeutel bald überall verdrängte. Aelter ist bis Bürste, wie wir ste heute aebrauchen. Sie stammt von Leodegar , einem Bürgerssohne aus Todtnau im badischen Schwarzwald ?. Als Müllerbursch« wollte sich Leodegar dos lästige Zusammenkehren des Mehlstaubs erleichtern und kam auf den Gedanken, ein Stück Holz zu durchbohren und in die Bohrlöcher Schweinsborsten zu befestigen. Später betrieb er in Todtnau einen kleinen Viehhandel und begann im Jahre 1770 auch E erbsmäßig Bürsten zu verfertigen und in der Umgebung, be- >ers in der Breisgausiadt Freiburg, zu verkaufen. Bald nahm > ganze Familie an der Bürstenerzeugung teil, und er konnte so- gar einige Hausierer anstellen. Wohl noch vor dem Jahr« 1800 fing ein gewisser Balthasar Brender an, aus der Herstellung von Bürsten- hölzern einen eigenen Crmerbszweig zu machen. Das war der un- scheinbare Anfang einer wichtigen Hausindustrie, die in Todtnau und anderen Orten ani Südabhange des Feldbergs besonders heimisch wurde. Die Erfindung des Briefumschlags fällt in das Jahr 1820 und wird dem Papierhändter Vrewer in Brighton zugeschrieben. Die Visitenkarte rder Besuchskarte, wie man jetzt sagt, nahm man unter Ludwig XIV. in Frankreich erstmals in Gebrauch. Man benutzte einfache Spielkorten, deren Rückseite man mit seinem Namen beschrieb und in das Schlüsselloch des zu Be- luchenden steckte, wenn er nicht anzutreffen war. Der Gebrauch der Servietten und Tischtücher wurde zur Zeit Kaiser Karls V. zuerst eingeführt, doch dauerte es lange Zeit, bis sich dieser Brauch allgemein einbürgerte. In früheren Zeiten man an schlichten tjülzernen Tischen und benützte als Unterlagen für Schüsseln und Tellern gegerbte Felle. Tischtücher von Leinwand und Damast sand man lang« Zeit nur an sürstlichen Tafeln. Die Diamanlschleiserei. Bis zur Kriegszeit war das Schleifen der Diamanten fast ausschließlich die Arbeit einiger Amsterdamer Fabriken. Portugiesische Juden, die ihres Glaubens wegen aus der Heimat flüchteten, hatten die Kunst mitgebracht und weitcrgepflegt. Sie war auch ganz in jüdischen Händen. Besuchte man«ine Amster­damer Diamanlschleiserei, was die meisten Fremden taten, so fand man, daßk alles, vom Direktor herunter bis zum Lehrsungen und Portier, Juden waren. Die Diamantfchleiferei ist übrigens technisch «ine«insachere Sache, als mancher denkt. Noch heute steht Amper- dam an der Spitze, aber es hat schon Konkurrenz bekommen. Eng- kand hat in Brighton eine Diamontlchlekferei eingerichtet, um eine Beschäftigung für seine Kriegsbeschädigten zu haben. Dort haben belgische Flüchtlinge, die während der deutsche » Besetzung ihres Landes noch England aekommen waren, meist Antwerpener, die Lehr- Meister abgegeben. Weitere englische Diamantschleifereien sind ge- plant. Auch in Südafrika , wo die meisten Diamanten gefunden werden, will man Diamantschleifereien einrichten, also die Steine gleich an Ort und Stelle bearbeiten. Die Amsterdamer sehen sich also mit einemmal auf einem Gebiete, das bisher ihr Monopol war, stark dedroht, und die hollandische Regierung geht daran, ihre Lager aus Borneo intensiver abzubauen, um ihren Diamantschleifern Beschäf- kigung zu geben. Diese gesteigerte Förderung von Edetgestein hält man für unbedenklich, da auch die Nochfrag« gestiegen ist. Auch Amerika baut seine Arkansasfelder jetzt energischer ab, da man fest- gestellt hat, daß die Einfuhr von Diamanten fortgesetzt steigt: im Jahre 1919 betrug sie 105 Millionen Dollars, doppelt so viel wie vor dem Kriege. In unruhigen Zeiten legen viele ihr Vermögen lieber in den dauerhaften und leichttransportablen Juwelen an als im zweifelhaften Papiergeld. Naturwissenschast ' Tiere als Aerzke. Wenn«in wilder Bogel oder eln freilebendes Säugetier ein Glied bricht, so muß es deshalb noch nicht sterben: «der der ohnehin schwere Kampf um» Dasein wird ihm dadurch noch erschwert. Um möglichst schnell den Schaden zu überwinden, unter- stützt dos beschädigte Tier in manchmal geradezu erstaunlicher Weise »ie 5)cilkraft der Natur und ist als sein eigener Arzt tätig. ' Ebenso merkwürdig« wie hochin leressante Beobachtungen in dieser 5)inficht verösseutlicht ein englischer Naturforscher Oliver Pike in eineur'Londoner Bialt. Er erzählt uns von einer Schnepfe, die ein Dein brach. Es war ein einfacher Bruch, der schnell zu heilen begann: aber der Bogel unterstützte den Heilungsprozeß, in- dem er das gebrochene Bein mit dem heilgebliebenen Fuß mit feuchler Erde bedeckte, die schnell hart wurde und dadurch für die Wunde einen sehr wirksamen Berband bildete. Manche Böget zeigen, wenn ihnen ein Unfall zugestoßen ist, erstaunliche Verstandes- kraft.Bor einigen Tagen," berichtet Pike,beobachtete ich einen Zwergfalken, der sich aus einer Schlinge befreite, in der er sich gefangen Halle. Der Strick halte sich ihm dicht um das eine Lein gelegt. Nachdem der Falke einige Minuten vergeblich versucht hatte, durch Zerren und Ziehen sich zu betreten und bemerkte, daß die Schlinge sich nur-ach fester zusammenzog, betrachtete er ste ein« Zeitlang aufmerksam. Dann begann er mit dem Schnabel an dem Knoten zu zerren und hatte so innerhalb von 5 Minuten die Schlinge geöffnet, sein Bein herausgezogen und flog davon. K a n i n ch e n, Wiefel, Ratten und andere Nager werden oft mit einem fehlenden Glied erlegt. Und man findet dann immer, daß die Wunde vortrefflich geheilt ist. Kürzlich wurde ein Wiesel mtt nur einem einzigen Fuß geschossen; die anderen drei Füße waren ihm abgeschossen oder in einer Falle abgeklemmt, aber die Stümpfe waren vortrefflich ausgeheilt, und aus der Körperbeschaffenhelk de» Tiere» tonnte man ersehen, daß es sich trotzdem reichliche Nahrung zu verschaffen gewußt hatte. Wenn ein Waldhuhn oder ein Rebhuhn einen Fuß verloren hat und nachher erlegt wird, so findet man oft eine dicke Hülle von Schafwolle um den'Stumpf ge- wickelt. Da es sehr häufig vorkommt, kann man annehmen, daß der Bogel selbst diesen Berband sich anlegt, um damit das Blut zu stillen und den Heilungsprozeß zu unterstützen. Die tapferste Tat. die ich jemals unter freilebenden Tieren sah, wurde von einer gewöhnlichen Ratte ausgeführt. Die Ratte hatte sich in einer Stahlfalle ge- fangen. Als ich die Fall« am nächsten Morgen untersuchte, kämpft« die Ratte mtt allen Kräften, zu entkommen, und als sie mich sah. mußte sie wohl, daß sie rasch handeln müßte. Sie wandte.sich daher entschlossen nach dem Hinterbein, das von den Stahlzähnen gepack» war, und nagte Fleisch und Knoch durch. Ohne den geringsten Schmerzenslaut hören zu lassen, amputierte sich so das Tier inner- halb von S Minuten selbst und lief dann frei davon." Das von der Ernte durch Pflanzenkrankheit verloren geht. Di« ungeheuren Berluste an der Ernte, die durch Pilanzenkrantheiten und Schädlings verursacht werden, kennzeichnet Dr. Frickhinger in der Umschau" durch einige Zahlen. Durch den Steinbrand Hot im Jahre 1919 in der Rheinprovinz der Weizen einen minderen Ertrag von 30 000 Tonnen im Werte von 15 Millionen Mark gehabt. Im vorigen Jahr verursachten Feldmäuse in einem Kreise der Rhein . Provinz Schäden von 200 000 M in diesem Jahre noch größere. Raupen und andere Schädlinge vernichten jährlich ein Fünftel unserer Obsternte. Insgesamt erleidet die deutsche Landwirtschast durch Pflanzcnkrankheiten einen Berlust, der aus 1 b i» 2 Mit- liarden Mark jährlich zu schätzen ist. Die ältesten Waldbäume Deutschlands . Die Birke wird als der älteste deutsche Waldbaum bezeichnet. Sie soll sich am Schlüsse der Eiszeit am frühesten auf dem germanischen Boden ausgebreitet haben, und zwar geschah das wahrscheinlich schon viel früher, als der Mensch zur Siedelung in diese nun eisfreien Gebiete einzog. Neben ihr steht dem Alter nach fast gleichzeitig dl« E s p e, die in der ältesten Waldzeit Norddeulschlands, namentlich auf sumpsigem Loden, der wichtigst« Baum gewesen fein dürfte. Die Dreizahl wird durch die K l e f« r vervollständigt, welche etwas später als Birke und Espe in der vord» deutschen Tiefebene auftritt. Birke, Espe und Kieler dürften deshalb als die ältesten Waldbäume Deutschlands angesprochen werden. Die anderen deutschen Waldbäume haben wohl alle gleichzeitig, mit Ausnahm« der Buche, die norddeutsche Tiefebene besiedelt. Dt« Buche kam süßer erst viel später dazu. Zu der Buche trat dann noch die Eiche, die als letzte der ältesten der deutschen Waldbäume sich ansiedelt«, aber dann eine besonders weite Verbreiterung fand und manchen Gegenden ihr eigentümliche» landwirtschofiliches Gepräg« gab. Da» Auftreten der Eiche bezeichnet den Beginn der nou« Waldzeit. WlZ�UZW Urgeschichte Geologische Zeikräume. Biel Scharfsinn Ist schon aufgewendet worden, um zu einigermaßen begründeten Schätzungen der Dauer geologischer Zeiträume und damit des Alters der verschiedenen Tier- und Pflanzenformen, auch des Menschengeschlechtes selbst, zu ge- langen. Alle diese lleberlegungen ruhten aber auf sehr unsicherem Boden. Erst der große schwedische Geologe Gerard de Geer fand in jungen Vooenabtagerungen Schwedens und Finnlands , den sogen. Bändertonen, ein« Erscheinung, die den Jahresringe» im Wachstum eine» Baumes zu vergleichen ist. Jede der dünnen Tonschichten, die zu vielen Hunderten aufeinander liegen, stellt näm- lich den Niederschlag der Sinkstoffe eines einzelnen Jahres in einem See dar, so daß sich durch einfaches Auszählen der Tonlamellen di« Gesamtzahl der Jahre, die bei der Ablagerung der ganzen Bänder- tonschicht vorging, feststellen läßt. Da nun die Bändertone während der letzten Abschnitte der letzten Eiszeit und weiterhin seit dem Ende der Eiszeit bis zur Gegenwart abgelagert worden sind, so konnte de Geer die Zahl der Jahre, die diese Zeiträume umfaßt haben, genau ermitteln. Danach sind seitdemEnde derEiszeltbiszum Jahre 1920 K580 Jahre verflossen, und di« Bändcrlone tonnten noch 5000 Jahre weiter rückwärts in die letzte Eiszeit hinein oerfolgt werden. Diese Zahlen, die viel Neiner sind, als die meisten früheren Schätzungen, sind deshalb so Interessant, weil wir aus allen diesen Zeiträumen auch menschliche Ekelettreste und Spuren menschlicher Tätigkeit, Werkzeug«, Waffen, Reste von Mahlzeiten usw., kennen und die Spuren der Menschen sogar noch viel weiter zurück verfolgen können, so daß wir das Aller der Menschheit heute mit Sicherheit aus einig« Jahrzehntousende ansetzen können. Wen» man erkennt, daß da» Leben des Menschen so schwankend ist wie da» Bild de» Mond « im Wasser, so wird man glücklich. I»»ts«.