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A* 4�. 4. Januar? 925 HeWwett Anterhaltungsbeilatze öes vorwärts

Gericht.

Twe Studie von P. Haupt. Wo lag hier Schuld? War's Vergehen? Verbrechen? W«r war Landfriedenbrecher? Der Agitator sah hinaus zum Zellcnfenster, vor dem sich ge- schwind« Wolken frisch und munter herschoben, durch dessen Fugen herb-kühler Hauch wohl srösteln machte, aber Frische, Ahnen vom freien Leben da draußen mit sich brachte. Er mußte lachen, spöttisch und siegesbewußt. Landfriedensbruchl" Wie entsetzt der Untersuchungsrichter es ausgesprochen. Und wie gehässig, verärgert er hinzugefügt:Bei den heutigen Zuständen ist ja so was an der Tagesordnung." Jawohl der Gefangene legte sich sein« Gedanken zurecht wie Waffen, die er gebrauchen würde, da seit mehr als fünf Jahren eine schlecht ernährte, gegen die immer schlimmer werdenden Lebensver- hälmisse nur schlecht gewappnete Masie in Deutschland lebte neben einer Schicht schlemmender und bornierter, grenzenlos verdienender und machtgierigerVolksgenossen". Jawohl, in einem solchen Lande warsowas" möglich. War es möglich, daß eine durch wachen- langen Streit um Ausgleichung der Löhne an gestiegene Teuerung erhitzte Menge, als sie erfuhr, daß der Gutsbesitzer alle Kartoffeln hatte einmieten lassen, mit den hämischen Worten:Die Streiker sollen krepieren,«he sie was kriegen," diesem in den Hof einfiel und ihn zwang, ihr Kartoffeln abzugeben.Wir waren kein« Diebe," würde er sagen,nur Hungernde, die die bitter nötigen Kartoffeln bezahlten mit dem amtlichen Marktpreis." Gewiß, das wußte er auch, die Gesellschaft durste solche Explosionen nicht dulden. Aber war sie nicht selbst mitschuldig, da sie zuließ, daß frevelhaft Zünd- stoff gehäuft wurde? Das Leben draußen war anders als es sich vom Richterstuhl aus ansah. Vom Richterstuhl aus. Da war es wieder das beklemmende Gefühl, gegen das er bei den Vernehmungen angekämpft, das zu nisten schien im ganzen Gefängnis und Gericht. Ein Gefühl wie dumpfe Erstarrung, langsames Töten des Herzens, Trüben der Augen, gewaltsame» Zwängen der Gedanken In bestimmt« Kanäle. Ein Druck, brutal rote«ine Vergewaltigung des warmen Lebens. Wie dicke Gefängnismauern, gepolstert« Sitzungssaaltüren, die jeden Aufschrei hochmutsvoll überhörend verschluckten. Zur Verhandlung." Die Tür wurde geöffnet, der Beamte wartete. Da war es wieder im Verhandlungssaal: jenes ekelnde Er- starren. Einfrieren alles dessen, was draußen Gefühl und Trieb, heiße Not und Bedrängnis gewesen. Gleich einem Messer, das In ge- tötetem Körper wühlt und schneidet, um die Erscheinungen des Lebens zu finden und doch nur zerfetzt, In blutige häßliche Klumpen zerlegt, was atmet«, was Willen, Tat gewesen, waren die Fragen des in totschwarze Talare gekleideten Gerichts. Advokaten, Staats- anwalt und Richter fochten mit Paragraphen, suchten einander zu übertrumpfen in Gesetzkenntnis und Auslegung. Sie glichen zwei Kartenspielern, die einander zu beweisen suchten, daß Pik, nein Herz 'hättestechen" müssen. Der HauptangeNagte schauerte. Ihm schien, als würde ein fremdes Ding, nicht das, was ihn damals an Herz und Seele er- griffen, verhandelt. Di« anderen Angeklagten, simple Arbeiter, suchten seinen Blick, hilfeheifchend, als müsie er ihnen verständlich machen, was der Ankläger dort aneinanderreihte an Begriffen, die ihnen fern, unfaßbar. Cr aber sah die dicken Bände auf dem Richtertisch, die von Hand zu Hand gierig gegriffen wurden, in denen geblättert wurde, gesucht, gelesen. Er hätte aufschreien mögen: Geht hinaus ins Leben und suchtl" Und er sah das protzig« Fürstenbildnis hinter dem Richterstuhl, Krone und Zepter am Kopfe des häßlichen Goldrahmens, er sah die narbenzerhackten Gesichter, die Barette, und wußte: hier sollten frühere Zeiten, frühere Mittel über eine neue Welt richten.

Hat der Angeklagte noch etwas zu bemerken?" Unwillig, nachlässig die Frage, als wollte sie sich selbst beant- warten:Ihr könnt reden, aber da ihr nicht juristisch gebildet seid, laßt es lieber. Wieder die Blicke zu ihm. Er mußte reden. Mit den Worten schwand die Lähmung, und wie er die Ereignisse jenes Tages auf- rollte, fühlte er die Starre sich verkriechen. Tückisch, riesengroß, be- herrschend drohte ihm gegenüber Zepter und Krone, als müsse er mit ihnen ringen, sie niederringen. Da fiel sein Blick auf den Richterstuhl. Eelangweilt blätterte der Vorsitzend« in einem Gesetzbuch, der Staatsanwalt lächelte spöttisch, der Protokollführer hatte aufgehört zu schreiben, er wußte: was er dort sagte, sei juristisch belanglos. Einen Augenblick zitterte seine Stimme. Aufhören? Aber da waren Blicke, die ihn verstanden, die Mitangeklagten, da waren Ohren, die ihm lauschten, und er fuhr fort, lebendiger, siegesbewußter als vorher. Was kam es auf Ihn an, auf seine Strafe? Sein Wort würde wirken, würde oerstanden, würde hinausgetragen in das Leben, in die Welt, dort mithelfen am Auf- bau und Werden der neuen Well. Feuer und Herzschlag, Kampfruf und Sieg seine Verteidigung, Ankläger aus ihm, dem Hauptangeklagten, Ankläger gegen die Para« graphen, die im Leben wühlten, wie zerreißende Mesierl Er wußte, als er geendet, er wurde bestraft, ober die neue Welt, die sich ankündigte, die neue Welt, die täppisch wie«in Kind noch nicht immer geraden Kurs hielt: sie würde, sie mußte kommen! Januar. Eine Umschau in der Natur. Von Hedwig Stange. Kälte herrscht und scharfer Wind. lieber Berg und Tal, über Wald und Feld streicht das Noubgeschlecht der Lüfte, Falke und Habicht, Bussard und Ar, scharfäugig suchend spähen sie hinab. Jetzt stirbt das Reh im feuchten Schnee an Hunger und Lungenseuche, das Wildschwein wird matt vor Winterclend und der Hase kränkelt am gefrorenen Futterkohl. Wenn der Fuchs nicht schnell abräumt, ist da die Tafel gut gedeckt und Raben und Krähen, die sich deutsches Land zum Sommeraufenthalt für diese Zeit gewählt haben, können getrost mitludern. Rur ihr Aristokrat, der prächtige Kolkrabe, dem die Abstammung von Odin noch immer im Blute liegt, begehrt hie und da das Mahl für sich allein und treibt selbst den stärksten Mitbe- werber, den Steinadler,krak-krak" mit körftigen Hieben fort, wenn dieser Kühne sich überhaupt noch bei uns sehen läßt. Die Krähen halten es sonst auch mit den Kulturstätten, am Rande der Städte liegt noch immer genug, und wenn auch unsere graue Nebelkrähe zur Brutzeit sibirische Steppeneinsamkeit gewöhnt ist, macht es ihr hier nichts aus, den Schulhof nach zerbröckeltem Kinderfrühstück ab- zulefen. In den Straßen übernimmt der Spatz die Führung. Jetzt wird sein« Frechheit endlich gewertet. Das Ziel der dampfend« Pferdeapfel, und die Gefolgschaft? Goldammer und Haubenlerche, die Kohlmeise mit dem schwarzen Samtkäppchen und die Blaumeise mit der gelben.Weste, das scheue Rebhuhn, das es draußen nicht mehr.ertrug und«in zurückgebliebener, ermatteter Star, dessen zitterndes Körperchen wir ohne Widerstand in die Hand nehmen können. Mitunter ist gar in diesem Monat schon eine vorzeitig von Donau oder Rhein heimgekehrte Feldlerche dabei. Sie mag aber später von dieser degradierenden Gemeinschaft nichts mehr wissen und geht lieber noch mal weg in etwas geschütztere Gegend. Wenn nur der unerbittliche Lerchenfalk nicht immer hinter ihr her wäre. Im Walde hat Wintersnot eine andere Künftlergesellschaft ver­eint. Hier führt der Buntspecht mit hellermunterndem Rufe an. Er geht um den Baum, die Splitter fliegen nur so hin und her, nun steht man es erst, wieviel Jnsektenzeug da unter der Rinde als Ei oder Larve in den Frühling hineinwollte. Der Specht holt sie mit seiner langen Klebezunge vor und läßt für Baumläufer und Meisenvolk noch genug. Da huscht auch das Eichhörnchen herum, es hat seine Vorratskammer vergessen die merken wir erst int Sommer am kurzen Eichen- und Buchengestrüpp, mit wenigem