Maffenversammlungen warfen feine Wellen mehr in dem ftagnieren- vor. Bon dem Tage an, da ich in dem Antiquariat meines Vaters den politischen Sumpf der Reichshauptstadt. In der Deffentlichkeit das Lassallesche Arbeiterprogramm" entdeckte, erhielt mein Leben triumphierte das alternde fortschrittliche Philistertum über den jungen, einen ganz neuen Inhalt. Ich halte auch heute noch das Lassallesche aber durch die Polizeiplempe zu Boden geschlagenen Sozialismus. Arbeiterprogramm" für die wirksamste Einführung unserer Jungs Nur einige antisemitisch- demagogische Steinwürfe fielen von Zeit zu mannschaft in den Sozialismus, in die sozialwirtschaftliche Entwic Zeit in das tote Wasser des Berliner politischen Lebens. Wahrlich, lungsgeschichte und in das Wesen der politischen Kämpfe. für jeden, der aus bürgerlicher Enge in die weite Welt des Sozialismus gelangen wollte, fiel es verteufelt schwer, sich einen Zugang zu der
grundlegenden Literatur des Sozialismus zu bahnen. Dieſe fonnte Etwas von der Hygiene der Ernährung.
Bon Dr. med. Norbert Marg.
felbst in der sozialdemokratischen Wahlbewegung in den für den Tag gefchriebenen Flugblättern nur schwach antlingen. Der Wahlkampf mußte zurückhaltend geführt werden. Der sozialdemokratische Stimmzettelverbreiter setzte sich schweren Verfolgungen bei seinen Gängen durch die Berliner Vorder- und Hinterhäuser aus. Folgender charakteristischer Vorgang ist in meinem Gedächtnis haften geblieben: An der Hinterhaustür unserer Berliner Wohnung schellt es laut. Ich öffne die Tür, aber feine Menschenseele ist zu entdecken. Ich sche mich um und finde schließlich im Dunkel auf der Türschwelle einen Wahlzettel mit dem Namen August Bebels, des sozialdemo- schlechten Beschaffenheit der den Konfumenten gelieferten Waren be= fratischen Kandidaten des 4. Berliner Wahlkreises.
Für den Vorderhausmenschen war allerdings die Verbindung mit der arbeitenden Klasse nicht völlig abgeschnitten. Aber der Sozialismus wurzelte doch in den Köpfen und Herzen der Arbeiter im allgemeinen noch nicht so thef, daß diese geklärte sozialistische Grundanschauungen einer bürgerlich erzogenen Jugend vermitteln fonnten. Biele gelernten Arbeiter waren überdies noch dem Forts Schrittlertum mit Leib und Seele verfallen. Die ersten politischen Gespräche, die ich mit einem geweckten älteren Metallarbeiter, dem Dreher Judis, führte, bewegten sich ganz in dem Geleise des fort Schrittlichen Liberalismus, der auch dem alteingefeffenen Berliner Bürgertum durch die Tante Boß" eingelöffelt wurde. Der Arbeiter Judis zählte zu der Hirsch- Dunckerianern, die treu der Fahne Eugen Richters( Hagen ) anhingen. Er las, wenn ich mich recht erinnere, die Berliner „ Bolkszeitung", die sich unter dem Ausnahmegeseh sehr wacker und anständig gegenüber der verfolgten Sozialdemokratie betragen hat. Aus dem demokratischen Kreise der Berliner Boltszeitung" gingen führende sozialdemokratische Schriftsteller, wie Franz Mehring und Georg Ledebour , hervor.
Mit meinen menigen Spargroschen faufte ich mir Richtersche Broschüren, und die derbe Art, mit der dieser wilde Hagen mit Bismard abrechnete, gefiel mir ausnehmend gut. In den fortschrittBismard abrechnete, gefiel mir ausnehmend gut. In den fortschritt lich- demokratischen Kreisen Berlins , denen noch die Revolution des Jahres 1848 und die Konfliktzeiten 1861-1864 lebendig vor Augen standen, haßte man den Gewaltmenschen Bismard, verdammte seine brutale Innenpolitik und ließ nur seine mit von überraschenden Erfolgen gekrönte Außenpolitik gelten. In diesen Kreisen stieß auch der neudeutsche Schwarm für das herrliche Kriegsheer auf festen Widerstand. Der demokratisch- fortschrittliche Liberalismus fonnte in feiner jungen Anhängerschaft wohl einen starken Oppofitionsgeist gegen den halb absolutistischen Obrigkeitsstaat entwickeln, aber er erschloß ihr nicht das Verständnis für die werdende neue soziale Welt. Die soziale Frage" beunruhigte durchweg noch nicht das sanft lebende Fleisch der Berliner Fortschrittler. Das abgegriffene Wort der zur Neige gehenden liberal- manchesterlichen Weltanschauung: „ Jeder ist seines Glückes Schmied" war in den liberal gerichteten Berliner Familien gang und gäbe. Der Weg zur wohlhäbigen bürgerlichen„ Respektierlichkeit" wurde durchweg in strengem Fleiß und in gut rechnender Sparsamkeit gesehen. Die tiefe und innige Berknüpfung des Einzelschicksals mit der gesammten Organisation unferes sozialen Lebens blieb dem bürgerlichen Auge verhüllt. Jedes Menschenlos war selbst verdient. Die Arbeiter wirtschafteten„ liederglich", sie hatten alfo ihre soziale Not selbst verschuldet!
Die bürgerliche Anschauung von der ausschließlichen Haftbarkeit des Individuums für sein eigenes Wohl und Wehe fchlägt zunächst den jungen bürgerlichen Intellektuellen mit Blindheit für alles, was fich fozial um ihn herumbewegt. Er versteht die Sprache des sozialen Elends nicht, die doch so eindringlich zu feinen fünf Sinnen redet. Die dumpfe Luft der Kellerwohnungen jagt ein Frösteln über seine Haut, der schlechte Fettgeschmack des Armeleuteeffens legt sich auf seine Zunge, die bleichen, abgehürmten Gefichter der Fabrikmädchen fallen ihm förmlich schmerzend auf die Augen, feine Nase schreckt zurück vor dem widerwärtigen Geruch der verschmutzten Arbeitskleidung, und sein Ohr wird heftig von dem wüsten, aus den Mietskasernen drängenden Lärm erschüttert. Aber die Sinne sind sozial tot, sobald sie nicht durch eine soziale Weltan schauung entflammt werden.
In diesem Artikel sollen nicht nach dem Rate der Kochbüche man nehme" Ratschläge für die Zubereitung von billigen Mah!- zeiten gegeben werden. Man versteht unter hygiene der Er nährung die Kenntnis der Methoden einer für die Gesund. heit zuträglichen Zubereitung der Nahrungsmittel. Auf diesem Gebiete wird noch oft gefündigt, wie die vielen Magenund Darmertranfungen beweisen, obwohl diese häufig auch auf der ruhen. Von großem Einfluß ist auch die Sommerhiße, die für die meisten Krankheitsteime erst die nötigen Vermehrungsbedingungen fchafft.
Der erste Grundsay muß sein: alle Nahrungsmittel, die roh gegessen werden, müssen vorher gut gereinigt werden. Dazu gehören alle Obstsorten, besonders die am Boden wachsenden, wie die Erdbeeren. Diese werden sehr häufig beim Düngen mit Jauche besprißt, die überreich an Krankheitsteimen ist. Das gleiche gilt für die Salate; durch sie wird häufig der Typhus weiterverbreitet. An den übrigen Obstsorten ist, wenn kein großer Wert darauf gelegt wird, die Schale zu entfernen, sonst aber durch Abspülen und even tuelles Abtrocknen mit einem reinen Tuch der Schmutz zu beseitigen. Bum Obst, besonders zu Pflaumen und Kirschen, soll man tein Wasser oder Bier trinken. Jedes Jahr fordert dieser sträfliche Leichtsinn seine Todesopfer. Welche Zersetzung dabei im Magen und Darm vor sich geht, warum diese bei dem einen Menschen tödlich, beim anderen gar nicht wirkt, entzieht sich noch unserer Kennt nis. Feststehend ist aber die Tatsache der großen Gefährlichkeit. Vor dem Kochen sollen vom Gemüse alle äußeren holzigen Teile entfernt werden, ebenso beim Fleisch die Sehnen und Bänder, da dieselben im Gegensah zu den Knochen keine Nährstoffe wie das Mark oder Extraktionsstoffe befiken. Lettere verleihen z. B. den Bouillons und sonstigen mit Fleisch zubereiteten Suppen und Saucen den appetitanregenden Geschmad. Die Vorgänge beim Zu bereiten des Fleisches bestehen hauptsächlich darin, daß das Eiweiß gerinnt. War das Fleisch nur kurze Zeit einer größeren Hize aus. gesetzt, so daß diese nicht in das Innere eindringen fonnte, 3. B. beim Roastbeef, so erreicht die Temperatur im Innern nicht 72 Grad und es findet feine Umwandlung des Hämoglobins( Blutfarbstoffs) statt. Das Fleisch erscheint also im Anschnitt roh. Das geronnene Fleischeiweiß ist leichter verdaulich, d. h. es fann vom Magen- und Darmjaft leichter in seinen Bestandteilen aufgelöst und schneller zu arteigenem Körpereiweiß aufgebaut werden. Das gleiche finden wir bei rohen und wachsweich gefochten Eiern; hartgekochte Eier sind wegen ihrer festen Konfistenz( Dichtigkeit) und deshalb verlangsamten Aufspaltfähigkeit schwerverdaulich. Fein gefchabtes rohes Fleisch wird ebenfalls leicht verbaut, weil es den Verdauungsfäften reichlich Angriffspunkte bietet. Es ist aber in der warmen Jahreszeit von seinem Genuß abzuraten, da es unter Umständen eine große 3nfektionsgefahr bietet. Bon Interesse dürfte es sein zu wissen, daß das Fleisch bei den verschiedenen Zubereitungsarten 20-50 Pro3. feines Waffergehaltes verliert, also troden wird. feines Waffergehaltes verliert, also trocken wird.
Die meisten Speisen, mit Ausnahme des Obstes, müssen gewürzt werden, da sie sonst für unseren Gaumen gefhmadlos wären. Eine gut gewürzte Speise, die also sehr appetitanregend ist, braucht aber nicht nahrhaft zu sein. Diesem Irrtum begegnen wir be fonders bei der Fleischbrühe, deren Nährwert mit Ausnahme der paar Fettaugen, die darauf herumschwimmen, gleich Null ist. Ihr ert besteht in der appetitanregenden Wirkung, die sie durch ihre aromatischen Fleischstoffe ausübt, und dadurch den Magen und Darm für die folgenden Speisen vorbereitet. Ein anderes Nahrungsmittel, das in seinem Nährwert sehr überschäßt mird und das in gar keinem Verhältnis zu feinem Breis steht, sind die Gier. Sie enthalten nur 12,2 Proz Eiweiß und 11,5 Broz. Fett, also rund ein Biertet Nährstoffe und drei Biertel Wasser. Am eiweiß. reich it en ist von effen üblichen Nährmitteln der Magertäse mit 33,5 Braz. Eiweiß. Am fettreichst en sind das Schweineschmalz mit 95 Proz. und der Rindertalg mit 93,8 Proz. Diese Prezentzahlen stellen den nach der unumgäng lichen Zubereitung verbleibenden wirklichen Nährwert bar.
Zum Becker der Sinne wurde mir Ferdinand Laffalle. Sein ,, Arbeiterprogramm" machte mich sehend. Ich erschaute die enge Berbundenheit des Individuums mit seiner sozialen Klasse, und die Abhängigkeit diefer sozialen Klasse von grundstürzenden wirtschaftSehr wichtig ist auch die Temperatur der genossenen lichen Umwälzungen. Der soziale Springquell der großen Arbeiter Epeifen. Durch zu heiße Speisen über 55 Grad leiden die Zähne. fulturbewegung erschloß sich mir, und diese erschien mir als eine Es springt der Schmelz ab, dadurch werden die Eingangspforten neue Wende in dem großen Kampfe um die Befreiung des Menschen. Fir die im Munde immer vorhandenen Zahnfäulnisbatterien geIch vin in vierundzwanzig Stunden durch das öffnet und die Zähne werden cariös, d. h. fie stocken. Diesefte Lassallesche Arbeiterprogramm" zum Sozialisten schädliche Wirkung üben auch zu niedere Temperaturen, wie z. B. geworden. Es tam mir blizschnell zum Bewußtsein, daß in der bei Eis und Eisgetränken aus. Sehr disponierend für schlechte Zähme großen Arbeiterbewegung um die höchsten Dinge gerungen wird. ist der reichliche Genuß von Süßigkeiten, mie mir ja bei den Nichts äußerlich Gemachtes, Willkürliches lag in dieser Bewegung. Zuckerbäckern und Zuckerarbeitern eine ganz bestimmte typische Als lächerlich, unsäglich lächerlich stellte sich mir das bürgerliche Ge- Erfrantung der Rähne als Berufskrankheit fennen. Der gewohn schwät von den sozialdemokratischen Hehern als den eigentlichen heitsmäßine reichliche Genuß von sehr heißen Getränken, z. B. Schöpfern der foldemokratischen Bewegung dar. Wie fleinlich Kaffee zwischen 50-60 Grad, führt oft zu einem Marengeschwür, kamen mir nun die Parolen der bürgerlichen politischen Tagestämpfe obwohl da noch andre Fattoren mitspielen. Durch den Genus
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