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niitteilüngs*BIaft
des Verbandes der sozialdemokratischen Wahlvereine Berlins und Umgegend. Zu beziehen durch die BejirK.führer die Rummer ,u 10 Pf.»der durch die Post.— Redaktton u. Verlag: 0.27, Schicklerstr. S. Fernruf: Alexander, Z007.
Nr. 48.
Berlin, den 24. Februar 1918.
12. Jahrgang.
nieder mit den BoKdKWiki!
Das alte Lied der Reaktion! Der Geist der berüchtigten„Deklaration Seiner Hoheit des� regierenden Herzogs von Vraunschweig- Lüneburg, Befehlshabers der verbündeten Heere Ihrer Majestäten des Kaisers(von Oesterreich) und des Königs von Preußen, gerichtet an die Einwohner Frankreichs" vom 25. Juli 1792 geht wieder um. Damals kündigte man dem revolu- tionären französischen Volke die Wiederaufriditung „der gesetzlichen Macht" mit preußischen und öfter, reichischen Bajonetten an, richtete einen Appell an alle„Gutgesinnten", sich den„Befreiern" an- zuschließen und drohte dem, der sich weigere, bei der Wiederherstellung der„Ordnung" mitzuhelfen, als Rebellen zu bestrafen. Im Ottober 1848 erließ Fürst Windischgrätz, der Henker der Wiener Revolution und Mörder Robert Blums, eine Proklamation an die Wiener, in der es heißt:„Die Stadt ist befleckt worden durch Greueltaten, welche die Brust jedes Ehrenmannes mit Entsetzen erfüllen.... Wien befindet sich in der Gewalt einer kleinen, aber verwegenen, vor keiner Gewalttat zurückschaudernden Faktion: Leben und Eigentum sind einer Handvoll Ver- breche? preisgegeben!" 1871, in den Tagen der Pariser Kommune, konnte man dieselbe Melodie in allen erdenklichen Variationen und in allen Sprachen hören. Der deutsche Spießbürger war da ganz ein Herz und eine Seele mit dem französischen„Erbfeinde" und wandte seine ganze Sympathie den Versailler Kommuneschlächtern zu. Denn diesmal war es keine bürgerliche, sondern eine soziale Revolution. Den Pariser„Petroleuren" und „Petroleusen" konnte nicht schlimm genug mitge- spielt werden. Die wüste Hetzschrift Scherrs„Das rote Quartal" war und ist noch heute das Evange- lium aller„Gutgesinnten". In unseren Tagen hören wir die gleiche reak- tionäre Litanei. Jedes Zeitungsblatt bringt Nach- richten über die Verworfenheit der derzeitigen russischen Revolutionsregierung, über die russische „Anarchie", über Schandtaten und Greuel bolsche- wistischer„Banden", über Bestialitäten der„roten Gardisten" usw. Was dem reaktionären Chorus von heute aber noch eine besondere Note verleiht, ist die be- schämende Tatsache, daß auch angebliche Sozia- listen das alte Lied der Vraunschweig, Windischgrätz. Scherr usw. mitsingen. Im regierungssozia- listischen Zentralorgan konnte man in den letzten Wochen dutzendweise heimtückische Angriffe aus die Bolschewiki finden. Einem Mitglieds des Partei-' Vorstandes, Herrn Otto Braun, blieb es vorbe- halten, den Vogel dabei abzuschießen. *.' Mus will das werden? Die Volschewiki-Regierung hat den Kriegs- zustand mit den Mittelmächten für aufgehoben er- klärt und die in Wirklichkeit schon längst einge- tretene Demobilisierung des gegen den äußeren Feind kämpfenden Heeres offiziell bestätigt. Die Regierungen der Mittelmächte höben er- klärt, daß sie sich an den Abbruch des Kriegs- zustandes mit Rußland nicht für gebunden erach- ten. Der Heeresbericht vom 17. Februar kündigte in aller Form den Ablauf des Waffen- st i l l st a n d e s mit Rußland für den 18. Februar 12 Uhr mittags an. Vorher war amtlich mitgeteilt worden, daß die deutsche Regie- rung„sich freie Hand nach ieder Richtung vor- behalte". Daneben hatten Wiener und Berliner Blätter mehrmals drohend erklärt, daß die Mittel- mächte der derzeitigen Regierung der Ukraine
unter Umständen auch militärische Hilfe gegen die Bolschewiki leisten würden, um den„Brotfrieden" mit der Ukraine auch wirklich in Kraft zu setzen. Später hat sich dann die Ukraine-Regierung selbst mit einem beweglichen Hilferuf an die Mittelmächte gewandt. Diese Regierung ist durch die soziale Revolution im eigenen Lande in arge Bedrängnis gekommen, ihre gesetzgebende Körper- schaft, die Raada, hat ihren Sitz aus der Haupt- stadt Kiew näher an die österreichische Erenze> und unter den Schutz österreichischer Kanonen, nach Shitomir, verlegen müssen und verlangt jetzt nach österreichischen und deutschen Bajonetten, um ihre Herrschaft zu sichern. Damit hat diese national- soziale Regierung ihren reaktionären Wesenskern enthüllt. Wenn nun einmal die Vorgeschichte der nationalen Ukraine-Revolution geschrieben werden kann, wird erst klar werden, in welchen engen Be- Ziehungen politischer und finanzieller Art manche Macher dieser Revolution zum Imperialismus der Mittelmächte gestanden haben. Es ist ganz falsch, anzunehmen, daß die jetzige Regierung der Ukrainer nur mit den Bolschewiki Petersburgs zu kämpfen hätte, nein, es sind in der Hauptsache ukrainische Proletarier, Kleinbauern und Sol- daten, die den sozialen Kampf gegen die herrschen- den bürgerlichen und pseudosozialistischen Kliquen führen, wobei sie natürlich von der großrussischen Sowjet-Regierung unterstützt werden. Es muß immer und immer wieder betont werden, daß die Bolschewiki den verschiedenen Nationen Rußlands im weitesten Maße Selbständigkeit und Selbst- bestimmungsrecht zugestehen, sie wollen einen großen Bund aller national selbständigen russischen Republiken. Das nationale Eigenleben der Ukraine ist also von ihnen nicht bedroht, ihr Ver- brechen besteht in den Augen aller ganzen und hal- den Reaktionäre nur darin, daß sie als Sozialisten Anwälte der breiten unteren, werktätigen Schich- ten des Volkes sind, daß sie das neue Rußland auf sozialistischer Grundlage aufbrnien wollen, was allerdings den Kapitalisten uno Grundbesitzern und deren Trabanten sehr wehe tut. Und da diese Kreise sich der Hilfe der zaristischen Generäle be- dienen, sich aus Zehntausenden von gegenreoolu- tionären Offizieren, Kriegsschlllern usw. eine Schutztruppe gebildet haben und mit Maschinen- gewehren und Bajonetten die Gegenrevolution durchführen wollen, wären die großrussischen wie die ukrainischen Bolschewiki Toren, wenn sie ihren Gegnern nicht mit gleichen Waffen entgegentreten wollten. Natürlich wird da auf beiden Seiten nicht mit Zuckererbsen geschossen. Aber die reaktionäre Presse verschweigt schämig, was von den Generälen und Offizieren, die durch die Schule des zaristischen Militarismus gegangen sind, und den Elementen, die die Traditionen der„Schwarzen Hundert" und „echt russischen Leute" in der Gegenrevolution ver- körpern, begangen wird, und sehen nur„die Greuel der bolschewistischen Banden". Die gleichen Ereuelgeschichten kommen in den letzten Wochen dutzendweise aus Finnland, Estland. Livland usw. Finnlands Bourgeoisie mit ihrer „weißen Garde" oerführt natürlich nur nach den Gesetzen edelster Menschlichkeit mit ihren sozial isti- schen Gegnern. Nur die„rote Garde" der sozio- listischen Regierung haust wie eine unmenschliche Bestie. Kein Wunder, wenn man da die Hilfe schwedischer Kanonen und schwedischer Bajonette herbeifleht und wenn die Klassensolidarität der schwedischen Bourgeoisie diesem Flehen gern Er füllung bringen möchte. Aber auch in bezug auf Schweden, Finnland usw. wird eine spätere Zeit noch manches Licht hinter die diplomatischen jtulissen werfen und zeigen, wie.die Gegenspieler der russischen Revolution am Werke waren. Die
B erlitt, den 19. Februar 1918. Bolschewiki denken nicht daran, Finnlands natio- nale Selbständigkeit anzutasten. Die finnländische Revolution hat eine sozialistische, aus allen Rich- tungen bestehende Regierung ans Ruder gebracht, die eine gründliche Umwandlung der Wirtschaft- lichen und sozialen Verhältnisse vornehmen will. Dem stemmt sich die Bourgeoisie und der Groß- grundbesitz mit Waffengewalt entgegen, daher der Kampf zwischen roter und weißer Garde in Finn- land, der, wie alle Bürgerkriege, mit leidenschaft- licher Erbitterung geführt wird. Aber alles Licht nur auf die eine, die weiße, und allen Schatten nur auf die andere, die rote Seite zu werfen, ent- spricht weder der geschichtlichen Wahrheit noch der Gerechtigkeit: allerdings sind das Dinge, die in unseren Tagen bei der internationalen Reaktion einen verflucht geringen Kurswert haben. Aehnlich liegt es mit den Greuel- und Banden- geschichten aus Estland, Livland usw. Man kann es den baltischen Baronen nachfühlen, daß sie alle Versuche der dortigen Bevölkerung, die Land- und Vauernfrage nach russischem Muster zu regeln, als teuflisches Verbrechen ansehen, daß sie über den „roten Schrecken" zetern. Nun, der„weiße Schrecken", den sie in den Jahren 1906 und 1907 zur Zeit der zaristischen Strafexpeditionen unter der Bevölkerung ihres Gebietes verbreitet haben, war noch grausiger. Wie sich ja überhaupt über das Thema„weißer Schrecken" eine Greuel- geschichte schreiben ließe, gegen die alle wirtlichen und erlogenen Greuel des„roten Schreckens" ver- blassen würden. Von allen Seiten brandet die reaktionäre Welle an der russischen Revolution empor. Daß sie den Zarismus gestürzt hat, hätte man ihr vergeben, wenn dadurch der Imperialismus der einen oder der andern Seite Vorteil gehabt hätte. Daß aber jetzt in ihr sozialistische Kräfte und Ziele zur Gel- tung drängen, ist ein Verbrechen, das mit Vernich- tung gestraft werden muß. Daher in London und Paris das Geschrei über die„Anarchisten" und „Verbrecher" in Petersburgs daher in der reak- tionären Presse der Mittelmächte das Gezeter über die Greuel der„bolschewistischen Banden".— Die deutsche und die österreichische Regierung haben ihre Kommissionen, die in Petersburg über wirtschaftliche Fragen, über die Kriegsgefangenen usw. verhandeln sollten, abberufen. Der Waffen- stillstand ist für abgelaufen erklärt. Die Mittel- mächte haben sich freie Hand nach jeder Richtung vorbehalten. Was will nun werden? «« « Der Abendbericht vom 18. Februar des Großen Hauptquartiers meldete: AndergroßruffischenFronthaben heute 12 Uhr mittags die Feind- seligkeiten begonnen. Im Vormarsch auf Dünaburg ist die Düna kampflos erreicht. Von der Ukraine zu ihrem schwe- ren Kampf gegen die Eroßrussen zu Hilfe gerufen, haben unsere Trup- pen den Vormarsch auf Richtung Kowel angetreten. Am 19. Februar wurde gemeldet: Deutsche» Truppen sind gestern abend in Dünaburg eingerückt. Sie fanden nur wenig Widerstand. Der Feind wa.r größtenteils geflüchtet. Die vorbereitete Sprengung der Dünabrllcken ist ihm nfcht gelungen. Beiderseits von Luck find umsere Divisionen im Vormarsch. Luck wurde kampflos besetzt.