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Diese Beitung erscheint brei Mal wöchentlich, und zwa: Dienfiage, Donnerstags n. Sonnabends Abends.

Abonnements: Preis für Berlin incl. Bringerlohn viertel­jabelig pränumerando 17%, gr., mo­natlich 8 Sgr., einzelne Rammern 16gr.; bei den Bostämtern in Prengen 18 gr., bei ben außerpreuß. Poftăm tern in Deutschland gleichfalls 16 gr. ( 58 Kreuzer bb. währ.)

Berlin, Mittwoch, den 7. Januar 1874.

Neuer

Social- Demokrat

Eigenthum des Allgemeinen deutschen Arbeiter- Vereins.

Dreitaufeud Abonnenten

hat uns die erste Postbestellung mehr gebracht, als zu Anfang des vorigen Quartals.

Die erste Bestellung ergab überhaupt schon eine größere Abonnentenzahl, als wir fie mit den zwei­monatlichen und einmonatlichen Abonnenten zum Schluffe des leßten Quartals hatten.

Auch in Berlin ist das Abonnement im Zuneh­men begriffen.

Sternach ist es sicher, daß die Abonnentenzahl fich in diesem Quartal auf 17- bis 18,000 erhöhen wird.

Trop Arbeitslosigkeit, trop der nichtsnugigften Schmähungen der Partei des Allgem. deutsch. Arb.­Vereins, der Leitung deffelben und der Redaktion, die sie von Seiten aller Parteien erfahren, bricht fich der gesunde Sinn unter den Arbeitern immer mehr Bahn und führt der Lassalle'schen Idee mehr und mehr Streiter zu.

Ja, wir möchten fast sagen, daß gerade wegen der Schmähungen, wegen der Berdächtigungen, welche Reaktion, Fortschrittspartei, bürgerliche De= mokratie und allerlei scheinsocialistische Fraktionen auf uns werfen, daß gerade wegen dieses unwür­digen Treibens die Arbeiter immer mehr unserer Partei zuströmen, einmal von Etel erfüllt gegen die Schmäher und Verläumder und dann gerade, weil fie von den Schmähungen unserer Gegner überzeugt werden, daß unsere Partei die Partei der Wahrheit und des Rechtes, die Partei des Volkes ist.

Unsere Erfolge zeigen unsere Kraft, die in unse­rer Organisation und Einigkeit liegt.

Man wird auch fernerhin versuchen, uns diesel­ben zu rauben, die Organisation von Seiten der Machthaber, die Einigkeit von Schein- und Halb­socialisten doch werden fie ebensowenig, wie bis­her, bei den Arbeitern Erfolge erzielen.

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Die Laffalle'schen Ideen haben Wurzel geschlagen schon bei allzuvielen Arbeitern, als daß man sie wie­der ausrotten könnte. Die Einigkeit wird durch die gleichen Ideen für immer befestigt und die äußere Organisation sollte sie von den Machthabern einfach zerstört werden lebt in anderen Formen wieder auf und wird dadurch die Partei des Allg. deutsch. Arb.- Bereins zu immer größerer Blüthe bringen.

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Barteigenoffen, deshalb kämpft immer rüftig wei­ter für das Parteiorgan; dasselbe ist in allen Gefah­ren unser bester Mitstreiter, es ist aber zugleich auch das einigende Band, welches uns für und für zu­fammenhält.

Der Zuwachs von 3000 Abonnenten in dieser Zeit der Arbeitsnoth giebt uns aber auch die Berechtigung, zu glauben, daß am 10. Januar bei ernstem Willen und großer Thätigkeit unsere Bartei einen bedeuten den Wahlsieg erfechten wird.

Armuth schändet nicht! Diesen Ausdruck hört man so oft Armath fchändet nicht, wenn der Mensch nur brav und red­lich ift.

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Run, in unseren Augen schändet die Armuth allerdings nicht; aber wenn man auf die anderen Bar­teien blickt und selbst auf die Gesetzgebung, welche unter der Aegide der Geldfacksparteien zu Stande ge­tommen ist, so ist der Ausdruck wahrlich nur eine leere Phrase.

Das Wahlgefeß zum deutschen Reiche hat eine große Anzahl Mängel, auf welche oft genug und zuletzt noch in dem Programm der Arbeiterpartei" hingewiesen ist, große Mängel von großer politischer Bedeutung.

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Doch einen Mangel haben wir noch weniger in's Auge gefaßt, der auch nicht von untergeordneter Bedeutung ist.

Das Wahlgesetz bestimmt nämlich, daß Personen, über deren Vermögen der Konkurszustand eröffnet worden ist, oder Bersonen, welche eine Armenunter­stüßung aus öffentlichen Mitteln beziehen oder im legten der Wahl vorhergegangenen Jahre bezogen

haben, von der Berechtigung zur Wahl ausgeschlossen find.

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Ohne sein Verschulden, ja durch das Verschulden Anderer, nämlich der Gründer und Aktionäre tommt es oft genug vor, daß ein Bürger oder fleiner Bauer in Konkurs zustand geräth; er ist arm geworden und darf nicht wählen. Schändet hier die Armuth nicht, da sie das höchfte Recht der Staatsbürger aus schließt?

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Der reiche Gründer und Aktionär, der nach­weislich den Konkurs verschuldet hat, darf wählen und kann auch in den Reichstag gewählt werden; der unglückliche arm gewordene Detrogene hingegen ift seines Rechtes verlustig geworden!

Und nun gar noch der Arbeiter, welcher durch eine ganz unverschuldete Krisis brodlos geworden. ift auf längere Zeit und dann, da er bungernde Kinder hat, nur für die Dauer der Arbeitslosigkeit Armenunterstüßung aus öffentlichen Mitteln erhalten hat, der schon seit faft einem Jahre wieder fleißig arbeitet, er ist seines Wahlrechtes verlustig!

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Diejenigen aber, welche durch ihre Geldgier, durch ihre Sucht, durch ihr Haschen nach immer größeren Reichthämern das Unglück des Arbeiters verschuldet haben fie fönnen wählen, fie fönnen in den Reichs­tag gewählt werden, um für neue Gefeße, die dem Kapital günstig, der Arbeit verderblich sind, einzu­treten, während der durch fie in's Elend gebrachte Arbeiter durch die Arme nunterstügung seines Rechtes berluftig wurde.

Klingt das Sprüchwort nun nicht wie trasfer Hohn: Armuth schändet nicht!"

Politische Uebersicht.

Berlin, 6. Januar.

Die alte Seeschlange von einer Enquête( amt­liche Untersuchung) über die sociale Frage, welche in Deutschland durch den Reichelanzler veranlaßt werden foll, ist wieder einmal aufgetaunt. Die So­cialgefengebung des Reiches soll einer Revision un­terzogen und verschiedene Gesetzesvorlagen ausgear­beitet werden. Sollte die Seeschlange diesmal Fleisch und Knochen annehmen, so ioirs eine Enquête, von welcher die Socialisten ficherlich ausgefchloffen werden, für das arbeitende Bolt auch nicht von dem geringsten Rußen fein; es liegt vielmehr die Vermu­thung sehr nahe, daß die kleinen Vortheile, welche die Arbeiter durch die Koalitionsfreiheit xc. erhalten haben, ihnen wieder verkümmert werden sollen.

Die socialistische Bewegung in England drängt sich mit Macht in den Bordergrund der öffent­lichen Interessen. Eine der Hauptforderungen der Arbeiter ist auf die Abschaffung der sogenannten ,, criminal amendment act", des Gesetzes, wel­ches die Propaganda der Strikevereine unter den noch nicht foalifirten Arbeitermassen einschränkt, gerichtet. Wir wollen hierüber einzelne Notizen der Wiener Preffe ,, entlehnen, welche hierüber einen eingehenden Artikel bringt. Eine Reihe von parlamentarischen Kommissionen und Comités hat zu dem Resultate geführt, daß die Massen nicht organisirt find, und daß es blos geringe Abeitergruppen giebt, deren Agitation mehr oder weniger diese Massen mit sich zieht. Die Gesammtzahl der Mitglieder der Trades Unions beläuft sich nicht ganz auf 34 Millionen, während es drei Millionen Arbeiter giebt, welche kei­ner Union angehören. Die Ansprüche der Arbeiter in England find bisher ausschließlich von Trades Unionisten ausgegangen, die Unionisten allein nöthig­ten ihre Meister durch Strikes zu allen jenen Kon­zeffionen, welche die Stellung der Arbeiter um so viel besser machten, als fle vor der Bildung der Union gewefen. Die Nicht- Unionisten haben von dem Re­fultate der Strikes den Nutzen gezogen, ohne durch wöchentliche Geldbeiträge und andere Opfer und Ge­fahren sich an der Union betheiligt zu haben. Das Barlament nahm daher im vorigen Jahre ein Gesetz an, das den Zweck hat, die Propaganda der Unionisten unter den Nicht- Unionisten zu verhindern. Dieses

4. Jahrgang.

Mebattion n. Expedition Berlin, Dresdenerstraße Nr. 63. Bestellungen werben auswärts bei allen Bostämtern, in Berlin in der Expebi­tion, sowie bei jedem Spebiteur eat­gegengenommen. Inserate( in der Erpetition aufzugeben) werben pro breigespaltene etit- Zeile ober beren Raum mit 4 Sgr. berechnet: Arbeiter Annoncen die breifpaltige Zeile oder beren Raum 1 Sgt.

Geses heißt die ,, criminal amendement act", and nie zuvor ist ein Souverän mit solcher Vorsicht in allen seinen Bewegungen vor Gefahren geschüßt wor­den, als diese Atte die Nicht- Unionisten vor den Tra­des Unions beschüßt. Es giebt natürlich zahllose Gefeße, welche einen Mann vor Gewaltthätigkeiten oder Einschüchterungen und Drohungen beschüßen. Das allgemeine Recht genügte aber nicht, da es fich darum handelte, den Nicht- Unionisten, die Säule der gegenwärtigen socialen Ordnung, zu be­schützen. Diese Atte hat die Anomalie zur Folge gehabt, daß ein Arbeiter, welcher eine Gewaltthat begeht und daher nach dem allgemeinen Rechte ver­urtheilt wird, jest eine weit geringere Strafe zu er­leiden hat, als wenn er unter der ,, criminal amend­ment act" verurtheilt wird, eine folche Gewalt­that angedroht zu haben. So oft eine Arbeitsein einstellung ftattfindet, gelingt es den Arbeitgebern, unter den Nicht- Unionisten Arbeiter zu finden, welche die Arbeit fortsetzen. Es handelt sich daher darum, diese Letteren zu beschüßen, und die ,, criminal amendment act" belegt felbft Diejenigen mit großer Strafe, welche einem Nicht- Unionisten von Plaz zu Plaz folgen, selbst wenn sie ihn nicht an­sprechen oder berühren. Wenn die Arbeitswerkzeuge eines Nicht- Unionisten von einem Unionisten verstect werden, so ist dies kriminell. Es ist ein Verbrechen, vor dem Hause zu stehen, in dem ein Nicht- Unionif wohnt, oder in dem er arbeitet, oder selbst wo er fich eben befindet, oder sogar in der Nähe eines solchen Hauses, das er gewöhnlich besucht". Man begreift, welche außerordentlich große Wichtigkeit die Beibes haltung oder Abschaffung dieser Afte für die Kapi taliften und Fabrikanten Englands befizt. Sobald die Akte abgeschafft wird, dürfte es den Nicht- Unio­niften unmöglich fallen, sich von den Trades Unions fern zu halten, und die Macht der Leßteren würde daher ganz außerordentlich vermehrt werden. Dies ist der hauptsächlichste Grund, weshalb die nationale Assoziation der größten Kapitalisten, Fabrikanten und Arbeitgeber Englands" fich gebildet hat, deren Haupt­zweck dahin geht, die Abschaffung der erwähnten Afte zu verhindern und die Nicht- Unionisten zu beschüßen. Diese Assoziation hat den Firmen zufolge, die ihr beigetreten sind, ein Kapital hinter sich, das dem Einkommen manches Staates gleichkommt. Die eng­lischen Kapitalisten find gewiß gute Arithmetifer, und da ihre numerische Analyse des englischen Arbeiter standes ihnen gezeigt hat, daß drei Millionen Arbei­ter nicht den Unions angehören, so haben sie fich nun offen mit diefer enormen unschädlichen Majorität identifizirt. Es ist aber sehr leicht möglich, daß fie fich troß ihrer Arithmetik bedeutend verrechnet haben. Soweit die Preffe"; wir haben nur binzuzu fägen, daß in Deutschland auch ein besonderer Strafparagraph in Bezug auf das Koalitionsgeset besteht; dann aber glauben wir, daß, wenn die eng lischen Arbeiter fich mehr mit der allgemeinen Bolitik in den Kulturftaaten beschäftigen, als mit ihren Gewerkschaften, das heißt, wenn fie Social- Demotra­ten werden, daß sie dann viel leichter noch dem Andrange der Kapitalisten widerstehen können.

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In Frankreich trinken die Arbeiter anstatt Bier leichten Landwein, der nicht viel theurer ift, wie hier zu Lande das Bier, jezt aber auch eben so sehr verfälscht wird. Hierüber gab der radikale Abgeord nete Tolain in dem gefeßgebenden Körper zu Ber­sailles die intereffantesten Enthüllungen, denen wir einige Stellen entnehmen. So zahlt eine Arbeiter­familie in Paris, welche täglich ein Liter Wein aus der Schänke verbraucht, im Jahre dafür mehr als 110 Fr. Steuer. Ueber ein solches Liter Wein per Tag tönnte man ein Buch schreiben. Der Arbeiter, welcher das Liter schlechtesten Weins, der am Erzen= gungsort 10 bis 20 Sts. toftet, mindestens mit 60 Ete., woran 25 Cts. Steuer haften, bezahlt, ift, außer Stand, sich etwas Anderes als ein scheuß­lich gefälschtes Getränk zu verschaffen. Es giebt zahlreiche chemische Fabriken, welche fast ausschließ­lich die Ingredienzien zur Weinfälschung und zur