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Nr. 120.
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Sonntag, den 10. Oktober 1875.
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5. Jahrgang.
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Inhalt.
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Politische Uebersicht: Ein Zeugniß socialen Elends. Unsere ,, Reichstreuen" über die französische Armee. Verurtheilung eines urzer ehemaligen Communekämpfers. Zum Lehrermangel. Arbeiterver
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Innere Parteiangelegenheiten. Korrespondenzen: Osnabrück . Barmen. Harburg . Berlin . Bielefeld . Limmer.
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Gefängnißdiätetik für Zeitungsredakteure. Laienevangelium von Sallet.( Fortsetzung.) Der arme Conrad.( Fortsetzung.) Vermischtes.
Schiffsunglücke und Plimsoll- Verehrer. Unsere Zeitungen aller Farben zeigen heute wieder einmal recht deutlich das Pharisäer- Antlig. Welch' großen Lärm haben sie noch vor wenigen Wochen geschlagen; wie haben sie damals den Engländer Plimsoll in den Himmel erhoben, weil er dem habsüchtigen Treiben der englischen Rheder und Kaufleute, welche das Leben von Mannschaften und Passagieren gewissenlos preisgeben, kräftig entgegentritt. Und jetzt kommt die Nachricht von dem grauenhaften Untergang eines aus einem deutschen Hafen ausgelaufenen Schiffes, welcher offenkundig durch dieselben Leichtfertig teiten hervorgerufen ist, welche Plimsoll so scharf angreift. Aber kein einziger unserer Literaten segt eine Feder darum an; die servile vor der Kapitalmacht kriechende deutsche Presse steht nicht an, das Unglück als„ höhere Schickung" zu betrachten, und von„ menschlichen Gesetzen" zum Schuß gegen Wiederkehr ähnlicher schuldvoller Unglücksfälle ist nicht die Rede. Die englische Presse hätte, trotzdem sie eine Bourgeoispreffe ist, wenigstens das Ding beim rechten Namen genannt; die deutsche Presse bringt aber nur des Klatsches halber die Schreckensscenen für das Publikum, zu dem Muth einer Kritik des Seewesens schwingt sich kein Blatt auf.
Wir wollen nach den jetzt festgestellten Berichten in möglichster Kürze das traurige Ereigniß, die Verbrennung eines Dampfers, schildern.
Mittel und Wege gefunden haben, der Ausbreitung der Social- Demokratie einen Riegel vorschieben zu können. Die Parole lautet nämlich: Einigung der deutschen Krieger- Verbände.
geber der Fracht laden und behaupten, daß in Betreff der erwähnten 52 Ballons, welche angeblich Glycerin, in Wirklichkeit aber 50 Benzin und 2 Aether, oder jedenfalls feuergefährliche Stoffe enthalten hätten; aber abgesehen davon, daß dieses nicht erwiesen ist, kann sehr wohl eine Verwechselung bei dem oben erwähnten Verpacken der als feuergefährlich bezeichneten Flaschen erfolgt sein, so daß die ungefährlichen entfernt wurden, die gefährlichen aber am Maschinenraum zurückblieben. Jedenfalls wäre absolute wir nicht, ebenso wenig wie die Sedanfeier, welche ja jedes
Sicherheit vorhanden gewesen, wenn die Kieler Hafen sebes hätte verbieten müssen. behörde das Mitführen der Decklast auf Grund eines Ge
An die Spitze dieser Agitation ist in selbsteigener Person der Geheime Regierungsrath Illing aus dem Ministerium des Innern getreten. Daß man damit den Arbeitervereinen einen Damm entgegenseßen könne, glauben
Jahr erbärmlicher und jämmerlicher ausfällt, durch solche Manöver über dem Wasser sich wird halten können.
Unsere Aufgabe aber muß es sein, die Arbeiter, die noch solchen Vereinen angehören, für die Sache des Socia lismus zu gewinnen und so ihren Austritt aus diesen Mordspatrioten- Vereinen zu erzielen.
Wenn auch direkt unserer Partei gegenüber die Krieger- Verbände machtlos dastehen, so ist doch der Einfluß, welchen sie in ihren Kreisen ausüben, ein äußerst schädlicher. Die Krieger- Verbände sind die reaktionärsten Vereinigungen, die es überhaupt nur geben kann. Nichts als Lobpreisungen von Kriegen und Länder- Verauüstungen erschallen in ihnen. Das fortwährende Heßen gegen Deutschlands Ruhigsten, wenn es ihm eben nicht zum Ekel wird, zum Franzosenfresser machen, der in ein Horn mit den Reptilen bläst.
Die Katastrophe wollen wir nur kurz berühren. Bis Abend verlief die Reise sehr günstig. Gegen elf Uhr erhob sich aber ein starker Süd- Wind, der in kurzer Zeit sich zum vollständigen Sturme mit schwerem Seegange steigerte. Zwischen 4 und 5 Uhr hatte das Schiff trotz des harten Wetters Kjögebucht erreicht und war ungefähr zwei Meilen von Falsterbo entfernt, als der Kapitän auf der Kommandobrücke einen starken Knall hörte, dem bald andere folgten. Die aus den zerbrochenen Flaschen strömende Flüssigkeit hatte sich an den Feuern der Kessel entzündet. In weniger als 5 Minuten stand das ganze Mittel- ,, alten Erbfeind", die Franzosen , muß selbst auch den schiff in Flammen. Ein vieltöniger, entseglicher Schrei: , Das Schiff brennt!" erweckte die schlafenden Passagiere der ersten Kajüte, die kaum halb angezogen, im bunten Gewirre alle fofort auf's Deck stürzten. Die Scenen, welche sich nun hier abspielten, auch nur annähernd zu beschreiben, ist ein Ding der Unmöglichkeit. Vom Vorderschiff hörte man die Passagiere der zweiten Kajüte, welche schon deshalb, weil der Sturm die Flammen nach der Richtung hin trug, unrettbar verloren waren, in der Todesangst und Dual um Hülfe rufen; auf dem Hinterdeck warfen sich die Damen den Seeleuten zu Füßen und flehten, ihnen das Leben doch zu retten. Es brach mit einem Wort, wie stets in solchen Fällen, ein panischer Schrecken aus. Alles stürzte sich in die Böte, so daß das größte derselben unterging. In dem kleineren retteten sich nur 6 Mann der Besayung und 1 Passagier. und 1 Passagier. Die Uebrigen fanden ihr Grab in den
Wellen.
Wir haben schon erwähnt: wäre ein ähnliches Unglück einem Schiff widerfahren, welches von einem englischen Hafen aus seine Fahrt begonnen hätte, ein allgemeiner Hafen aus seine Fahrt begonnen hätte, ein allgemeiner Sturm wäre in der Presse ausgebrochen gegen Jene, welche die unglücklichen Opfer auf ihrem Gewissen haben. Der deutschen Presse ist die kriechende Feigheit so in Fleisch und Blut übergegangen, daß sie in ihrem Sclavensinn sich nicht einmal zu der geringsten That aufzuschringen vermag, selbst dann nicht, wenn es sich um die offenbarsten Pestbeulen der Gesellschaft handelt.
Nun wohl, dann sollen es die socialistischen Arbeiter sein, welche ihre Stimme auch hier erheben im Namen der Menschlichkeit und des öffentlichen Wohles.
Am 4. Oktober, 4 Uhr Nachmittags, verließ das Dampf- Als der„ große" und" heilige" Krieg von 1870 und schiff. I. Bager", schwer belastet, den Lübecker Hafen 1871 zu Ende war und der„ äußere" Feind geschlagen, da nach Kopenhagen . Die Besatzung des Schiffes bestand aus ging man an die Bekämpfung der„ inneren" Feinde und 19 Mann. An Passagieren waren circa 25 Personen an eröffnete die Socialistenheze. So entstand zuerst die GeBord. Als Decklast waren mehrere große Flaschen eingesellschaft für Volksbildung und gleich darauf kamen schifft worden; von diesen waren einige, welche als feuer auch die deutschen Krieger- Vereine und Kriegergefährlich bezeichnet waren, angeblich vorsichtig bei Seite Verbände, von denen allerdings einige schon vorher vor80] gestellt, um dem Maschinenraum nicht zu nahe und von den handen waren, aber erst durch den Krieg Leben erlangten. übrigen Gütern isolirt zu sein. Der Glaube an den Milliardensegen und anderer Reichs
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brücke befanden sich aber circa 50 große Korbflaschen, welche nach Angabe des Absenders Glycerin, also keinen feuerge fährlichen Stoff, enthielten.
Wir treffen hier also sofort auf einen der von Plimsoll so scharf gegeißelten Mißbräuche, nämlich auf die Beladung des oberen Decks mit sogenannten Decklasten, wenn die Räume des Schiffs bereits gefüllt sind. Lediglich die Gewinnsucht der Rheber hat dieses höchst gefährliche System aufgebracht, weshalb in Plimsoll's Gefeßentwurfe das strikte Verbot der Mitführung von Decklaften gefor dert wird. Meistentheils liegt ihre Gefahr darin, daß bei Sturm die Deckkasten beschädigt werden, auf die eine Seite des Schiffes fallen und dieses derart zum„ Kentern" d. h. Umschlagen bringen. In dem vorliegenden Falle wurden die mit feuergefährlichen Stoffen gefüllten Flaschen der Decklast ebenfalls durch Sturm zerbrochen und es gerieth sodann der Inhalt derselben, indem er in den Maschinenraum strömte, in Brand und entzündete blitzschnell das ganze Schiff.
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Leicht kann man hieraus entnehmen, wie unverant wortlich es überhaupt gewesen ist, einen Dampfer mit folchen brennbaren Flüssigkeiten als Declast zu beladen. Gewisse Zeitungen wollen zwar die Schuld auf die Auf
dusel ließ diese Krieger- Vereine in verhältnißmäßig kurzer Zeit sich ziemlich stark verbreiten.
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Besonders im Norden Deutschlands , in dem preußischen Staate, fand diese Spielerei bei einem nicht geringen Theile der der sogenannten niederen Bevölkerung Anklang. „ patriotische" Gutsbesitzer trat auf dem Lande nicht selten an die Spiße eines solchen Vereins oder half ihn auch erst selbst mitgründen und allerhand vaterländische Festlichkeiten, Enthüllung von Denkmälern für die gefallenen Krieger, Fahnenweihen u. s. w. sollten das Volk seine traurige Lage vergessen lassen. Dabei wurde natürlich von den Leitern und Führern wacker auf die Social- Demokraten und andere Reichsfeinde" geschimpft und der Krieger ermahnt, treu zu „ Kaiser " und Reich" zu stehen und besonders bei den Wahlen nur den Kandidaten, die von Kopf bis zu Fuß ihre„ reichstreue" Gesinnung dokumentiren konnten, ibre Stimme zu geben.
Aber trotz alledem und alledem ging doch die SocialDemokratie vorwärts und die Zahl der übrigen Reichsfeinde verminderte sich ebenfalls nicht.
Lange Zeit konnte man sich diese Erscheinung nicht erklären, und manche schöne patriotische Seele war darüber in großer Trauer. Jetzt auf einmal will man nun die
Ist es doch schon von unserem ,, reichstreuen" Federvieh auf's Eifrigste befürwortet worden, daß man, gleich der offiziösen Presse, einen offiziösen Verein haben müsse, der auf einen Wink von Oben marschire, sei es, um bei den Wahlen als Stimmvieh zu dienen, sei es, die Mordspatriotenfeste zu verherrlichen" helfen u. s. 10. Abwarten und Thee trinken erwidern wir dem gegenüber. Es ist bis jetzt noch kein Baum in den Himmel gewachsen, und ebenso wenig, wie die offiziöse Presse es vermocht, den Geist des gesammten Volkes zu verwirren, ebenso wenig wird es dem geeinten Krieger- Verbande gelingen, den socialistischen Arbeiter- Bataillonen erfolgrei entgegen
treten zu können.
Mögen sich noch so hohe Herren" an die Spitze dieser Mordsvereine stellen, ja, mag auch eine dem Reptilienfonds ähnliche Geldquelle für die Krieger- Vereine und ihre Ausbreitung aufgefunden werden, es wird Alles Nichts helfen. Die Krieger Vereinigungen können nur einen rohen und ungebildeten Geist befriedigen, einen Geist, der nur an Kanonendonner und Trommelschall Vergnügen findet. Ein wahrhaft aufgeklärter Mensch muß sich mit Abscheu
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von diesem wüsten Treiben wenden.
In Deutschland laufen, Dank des Krieges 1870 und 1871, unzählige Krüppel und Invaliden umher, von denen viele kaum wissen, wie sie ihren Hunger stillen und ihre Blöße decken können. Hier hätten nun unsere" Krieger gewiß das beste Feld, auf dem sie ihren Patriotismus be= thätigen könnten, aber Prosit die Mahlzeit!" Da müssen erst die verruchten" Socialisten kommen, um im Reichstage für diese Unglücklichen zu plaidiren. Von den ,, Reichstreuen" fällt es keinem ein, darüber auch nur ein Wort zu verlieren; ist es doch auch eine gar zu garstige und überaus langweilige Sache.
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Nun, mögen diese Vereinigungen sich vollziehen oder nicht, die Social- Demokratie wird nach wie vor ihren Siegeslauf weiter fortseßen und Alle ihre Gegner weit hinter fich lassen. Einst wird doch die Stunde kommen, wo auch die jetzt noch Verblendeten dem Socialismus fich anschließen werden, um gemeinsam dem Prinzipe der Humanität zum Siege zu verhelfen.
Politische Uebersicht.
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Ein Zeugniß socialen Elends giebt die New- Yorker Tribüne" in einem Artikel, der die sogenannte Engelmacherei in New- York schildert. Die ,, Tribune" erzählt, daß sie, nachdem ihr mitgetheilt worden, daß in New- York eine solche Anstalt in der Dit 21. Straße eristire, einen Reporter dahin geschickt habe. Dieser erfuhr denn auch, daß in dem Hause Nr. 183 genannter Straße eine aus dem Reiche der Gottesfurcht“ und„ frommen Sitte" eingewanderte Frau, Namens Quackenbusch, einen Kindergarten halte; ferner daß im Monat April ein Kind gestorben sei und im Juni drei in einer Woche, Kinder von 4 bis 6 Wochen, daß diese Kinder alle gesund aussahen und alle nach kurzer Zeit star
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ben und in der Begräbnißliste nicht verzeichnet waren. Unter dem Vorwande, daß er selbst ein Kind bringen wolle, gelang es dem Reporter, die Alte selbst zu sprechen. Sie erzählte ihm, daß sie 3% Dollar pro Woche verlange, die Kinder mit präpa= rirter Milch füttere, mas auf jedes Kind pro Tag 6 Cts. zu stehen komme und daß Dr. Stewart, welcher in demselben Hause wohnt, ihr behülflich sei.
Dies ist also eine Anstalt, wo die feinen Ladies die Frucht