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Nr. 126.
Diese Zeitung erscheint
dreimal wöchentlich,
und zwar:
Dienstags, Donnerstags und Sonnabends Abends.
Bestellungen
werden bei allen Bostämtern, in Berlin bei der Expedition, sowie bei jebem Spediteur entgegengenommmen.
Sonntag, den 24. Oktober 1875.
Neuer
5. Jahrgang.
Inserate
( nur in der Expedition aufzu geben) werden pro fünfgespaltene Petitzeile mit 50 Pf. berechnet. Ver: sammlungs- Annoncen die fünfgespaltene Petitzeile oder deren Raum 20 Pf. Sogenannte Reflame- Anzeigen werden nicht aufgenommen.
Abonnements- Preis: Für Berlin incl. Bringerlohn vierteljährlich praenumerando 1 m. 95 Pf., monatlich 65 Pf., einzelne Nummern 10 Pf.; bei den Bostämtern in Deutschland incl. Berlin 1 Nm. 60 Pf., frei in's Haus 1 Rm. 95 Pf. Kreuzband- Abonnements pro Duartal und Exemplar: für Deutschland und Desterreich 3 Rm., für Niederlande und Belgien 3 Rm. 60 Pf., für Frankreich 4 Rm, 50 Pf., für England und Amerika 3 Nm. 55 Pf. Bestellungen auf Kreuzband- Abonnements sind nur bei der Expedition aufzugeben und müssen praenumerando gezahlt werden.
Abonnements- Einladung.
Wir machen darauf aufmerksam, daß man auf unser Blatt für die Monate November und Dezember bei allen Postanstalten für 1,07 Mark, so wie in Berlin bei unseren Spediteuren für 1,30 Mark frei in's Haus abonniren kann.
Im Post- Zeitungs- Katalog ist unser Blatt unter Nr. 2554
eingetragen, worauf wir hiermit besonders aufmerk
sam machen.
Wir hoffen, daß unsere Freunde und Parteigenossen diese Gelegenheit zu einem zahlreichen Abonnement benutzen werden, um so mehr, da Ende dieses Monats die Reichstagsverhandlungen wieder beginnen.
Die Expedition des ,, Neuen Social- Demokrat".
Inhalt.
Zur Ernährung des Militärs.
Ein Beitrag zur Todesstrafe.
Steuern und immer Steuern.
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Von der preußischDie Socialisten 69 Jahre am
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Laien Evangelium von Sallet.( Fortsetzung.) Sprechsaal.
Vermischtes.
Fünf Tage unter der Erde! Wie durch ein Wunder dem Tode entgangen ist ein Bergmann , welcher fünf Tage lang verschüttet war, und es kann somit nicht fehlen, daß die nach aufregenden Mittheilungen haschende Tagespresse diesen merkwürdigen Vorgang zum Kigel der Neugier ihrer Leser ausgebeutet. Auch wir wollen nicht schweigen, obschon wir einige Fragen an diesen Vorfall zu knüpfen haben, welche ernst hafter und für die Grubenbefizer jedenfalls mißliebiger nd, als die nackte Erzählung, welche mit einem Jubel über die glückliche Rettung schließt; wir fragen kurz und bündig: Was ist Schuld daran, daß sich ein solches Unglück überhaupt ereignen konnte, und ferner: wer entschädigt den mit knapper Noth dem Tode entronnenen Bergmann für die ausgestandene Angst und die Schädigung seiner Gesundheit?
Wenn in der Weise stets ein solcher Unfall besprochen wird, wenn vor allen Dingen die Bergleute selbst sich klar werden über das Loos, welches ihnen beschieden ist, wenn sie nicht allen sie brückenden Jammer als eine Fügung des Himmels demüthig hinnehmen, sondern Abhülfe forbleiben, daß Bergleute in den Schacht fahren, wie Soldaten in die Schlacht ziehen, diese, um als Opfer des Mammons, jene, um als Kanonenfutter zu dienen. Das von uns erwähnte Unglüc ereignete sich in Sachjen, dort im Windbergschacht- Revier des Botschappler Aktien vereins war der Bergarbeiter Beier aus Schweinsdorf während fünf Tage lebendig begraben. Dem veröffentlichten amtlichen Protokoll entstammen die nachstehenden Thatsachen. Der Bergmann erzählt:
„ Kurz nach der Frühschicht am Donnerstag, den 30. September, war ich in meinem ungefähr 10 Meter langen und 2 Meter breiten Orte damit beschäftigt, mittelst einer Brechstange die an der Firste desselben zum Theil noch antehende Kohlenpartie hereinzuwuchten, als nicht nur lettere, jondern auch das darüber abgelagerte Gebirge in solcher Menge hereinbrach, daß mir dadurch der Ausgang aus mei
nem Orte versperrt wurde."
Wir schalten hier sofort die Frage ein: Wie war es möglich, daß keine Sicherheits- Maßregeln gegen diesen Bruch getroffen waren? Ist die Auszimmerung des Schachtes aus " Sparsamkeit" ungenügend gewesen? Oder bestand selbige wie im Lugauer Schachte, der Hunderte begrub, aus verfaultem Holze? Oder eristirt auch dort in Sachsen , um möglichst viel Gewinn zu machen, das System, über welches fich die Bergleute im Harz so sehr beschweren: allzu breite Gänge zu treiben, welche nicht genügend gegen Ginſturz gesichert sind? Der offizielle Bericht schweigt bar et, wir aber sagen: Kein Unfall ohne eine begangene Doch wir wollen zunächst zur Vervollständigung der Erzählung des verſchütteten Bergmanns weiter folgen.„ Ich ,, da mein Grubenlicht
Schuld!
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so berichtet er
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ausgelöscht war, mit den Händen umhertastend, den Raum, in welchem ich, als die Gebirgsmassen hereinbrachen, geflüchtet, und fand, daß derselbe ungefähr 2 Meter lang, Meter weit und so niedrig war, daß ich in demselben / nur gebückt stehen konnte. Die Auszimmerung dieses Raumes bestand in drei paar Thürstöcken, welche beim Bruche unversehrt geblieben waren und von denen ich die Ueberzeugung gewann, daß sie den Einsturz meiner Zufluchtsstätte verhindern würden."
gen durchseßten Bergmasse die menschliche Kraft ohnmächtig. Aber andere Unfälle, welche die Zeitungen fast tagtäglich berichten, Explosionen, Herabstürzen des Förderforbes, Zusammenbruch ungenügender Zimmerung und dergleichen mehr, denen alljährlich Tausende braver Arbeiter zum Opfer fallen das sind nicht die Folgen einer Naturmacht, oder gar eine göttliche Schickung", sondern die Gier nach Dividende und Tantieme und die rücksichtslose Verachtung des Arbeiterlebens tragen allein die Schuld.
gestürzten Zimmerung die Festigkeit jenes Holzwerks. Aber hingewiesen, daß in dem hier behandelten Falle wohl ein
Demnach, so schalten wir ein, fehlte der übrigen einaus welchem Grunde? Kein offizieller Bericht verräth dies aus guten Gründen wohl! Doch hören wir den Bergmann weiter:
,, Nachdem ich nun einige lose Gebirgsstücke, welche
zwischen den Thürſtöcken hingen, mit den Händen entfernt hatte, rief ich, indem ich letztere zur befferen Fortsetzung des Schalles rohrförmig gekrümmt an den Mund hielt, mit allen mir zu Gebote stehenden Kräften um Hülfe, nahm sodann meine Haue und schlug mit derselben gegen einen Thürstock und die Ortfohle. Da aber keine Erwiderung von der anderen Seite tam, setzte ich mich nieder und mit dem Gedanken:„ Nun mag es kommen, wie Gott es will", ergab ich mich meinem Schicksale. Alsbald bemerkte ich jedoch, wie auf der andern Seite des Bruchs gearbeitet wurde. Ganz deutlich hörte ich das Werfen von Gebirgsstücken in den Förderwagen, was meinen Muth wieder belebte und wohl auch die Veranlassung war, daß ich eigentliche Todesangst nicht gehabt habe. Nur wenn ich den donnernden Schall nachbrechender Gebirgsmassen vernahm, beschlich mich ein wehmüthiges Gefühl, da ich recht wohl wußte, daß dadurch meine Rettung nur verzögert werden würde. Anfangs verfiel ich, jedenfalls in Folge der Wärme in meiner Zufluchtsstätte, in heftigen Schweiß, welcher sich jedoch all mälig verlor und später sich nicht wieder eingestellt hat. Hunger habe ich nicht viel gehabt, wohl aber plagte mich brennender Durst. Meine Lippen wurden ganz trocken und waren mit Staub, welchen das nachbrechende Gebirge verursachte, bedeckt. Um dieselben zu beneßen, trank ich das Del meiner Grubenlampe und sog endlich auch noch den Del meiner Grubenlampe und sog endlich auch noch den Docht derselben mit den Lippen aus. Der Durst wurde hierdurch zwar nicht gelöscht, doch waren wenigstens Sunge und Lippen feucht. Athmungs- Beschwerden habe ich nicht gehabt und wenn ich auf der Ortsohle geschlafen hatte und mich erheben wollte, fühlte ich zuweilen eine solche Betäubung, daß ich wieder niederfiel. Bei derartiger Erscheinung machte ich mir, soweit möglich, Bewegung, richtete mich so dann in der vordern rechten Ecke des Orts, über welche frische Wetter hinweggingen, auf und athmete diefelben ein. Mein Geist beschäftigte sich während meiner Verschüttung in der Hauptsache mit der Hoffnung baldiger Befreiung aus dem engen Raume, in welchem ich mich befand. Einer Erscheinung, die darin bestand, daß, sobald ich mit der Hand über die Zimmerung fuhr, an den berührten Stellen ein schwacher Lichtschein sich zeigte, möchte ich hier auch noch tungsarbeiten und endlich trat der Augenblick ein, wo ich mich mit meinen Kameraden verständigen konnte. Ich fragte nach der Zeit und erfuhr, daß es Montag Abend 912 Uhr wäre, was wich in großes Erstaunen seßte, da ich vermuthete, daß erst zwei Tage nach meiner Verunglückung verstrichen sein könnten. Gegen Morgen des Dienstags kam endlich die Rettungsstrecke in meine Zufluchtsstätte ein, und obwohl der Durchschlag nur in einem engen Loche bestand, so mochte ich doch auf dessen Erweiterung nicht länger warten, ich kroch hinein, meine Kameraden zogen mich hindurch, und ich war gerettet."
Soweit gehen die Aussagen des Bergmannes und da mit schweigt der offizielle Bericht; kein Wort weiter,
daß eine Untersuchung über den Unfall erfolgt, oder daß der Bergmann Entschädigung erlangt hätte. Zwar melden die Zeitungen, daß die Kameraden ihren geretteten Freund die Zeitungen, daß die Kameraden ihren geretteten Freund im Triumph nach Hause geleitet hätten und dieser Jubel wird ihnen so recht von Herzen gekommen sein auch
läßt sich voraussehen, daß am nächsten Sonntag der Pastor von der Kanzel herab jalbungsvolle Worte über„ wunder bare Rettung" geäußert hat aber ist damit dem Ge= rechtigkeitsgefühl Genüge geschehen? Wir sagen:
Nimmermehr!
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Selbstredend werden wir nicht bestreiten, daß das Leben
des Bergarbeiters zahlreichen Gefahren ausgefekt ist und stets bleiben wird. Aber was die heutigen Unfälle betrifft, so erklären wir beſtimmt, daß von je hundert nur ein ein siger sich ereignen würde, wenn die von der Wissenschaft in Anwendung kämen. Wohl bleibt gegen den plötzlichen, burch kein Vorzeichen angekündigten Hereinbruch von Waj
Wir haben schon im Eingange dieses Artikels darauf derartiges Sparsamkeitsversehen" stattgefunden haben wird. Zugleich ist noch zu fragen: Wie kam es, daß erst nach fünftägiger Arbeit die Rettungsmannschaften wenige Meter weit bis zum Verschütteten vordrangen? Gewiß haben nachträgliche Stürze von Gestein stattgefunden, aber so
viel steht doch fest, daß, wenn mit genügender Mannschaft gearbeitet und die Zimmerung in gutem Zustande gewesen wäre, ein Zeitraum von fünf Tagen nicht zur Rettung erfordert wäre.
Die Sachlage ist einfach, aber bitterernst: Für die Kapitalmacht muß der Bergmann hinein in den Schacht, für die Kapitalmacht jetzt er sich den drohendsten Gefahren aus, und die Kapitalmacht wird allein mächtiger und gewaltiger durch die Schäße, welche der Bergmann mühe-. voll zu Tage fördert. Ihn selbst aber treibt der Hunger in den Schacht und der drohenden Gefahr entgegen. Und ihm wird nichts anderes zu Theil als ein Lohn, bei dem der Bergmann und seine Familie mühselig dahindarbt; entgeht er den tückischen Gewalten, die ihn im Schacht be= drohen, dann ist doch sein Loos ein frühes Altern und ein klägliches Invalidenleben.
Wahrlich, eine herrliche Belohnung für die muthvolle Aufopferung zum Wohle der Menschheit! Wann wird dem Bergmann sein natürliches Recht werden?
Die Volks- Zeitung"
des Herrn Dunder steigt in ihrer Nummer vom 22. Oktober wieder einmal auf das hohe Roß der Wissenschaftlichkeit. und zwar umfaßt der betreffende Artikel nicht blos, wie wir dies bei der alten Tante durch die Bank gewohnt sind, das Wesen der Volksschule und der Lehrlingsfrage, sondern erstreckt sich auch auf die Gymnasien und Universitäten refp. auf die Gymnaſtaſten und Studenten. Unter der Ueberschrift: Schüler und Lehrlinge" schreibt die„ VolksZeitung":
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Zu den wichtigsten Aufgaben unserer Zeit gehört unzweifelhaft die Erziehung und Heranbildung unserer Jugend, und namentlich der Jugend unserer sogenannten Arbeiter Bevölkerung, zu nüßlichen Gliedern der Gesellschaft und verständigen Bürgern des Staates. Die Vernachlässigung dieser Aufgabe, das Begnügen mit dem bloßen Unterricht der Volksschule bedroht Gesellschaft und Staat mit der Gefahr, daß das allgemeine Wahlrecht doch einmal ein Hebel wachsenden unreifen Jugend das folgsamste Werkzeug ihrer Agitationen fänden."
Das klingt Alles ganz gut und schön, aber schade, daß es in Wirklichkeit anders aussieht. Heranbildung und Erziehung unserer Jugend und namentlich der Jugend unserer Arbeiter- Bevölkerung, damit nicht die Demagogen in ihr das folgsamste Werkzeug finden" das ist also der Wunsch des Herrn Duncker und Genossen. Wer ist es denn in der That, der der Erziehung der Arbeiter- Jugend entgegentritt. Doch Niemand Anders als Herr Duncker und seine Geschäftsfreunde, also das Fabrikantenthum. Das Fabrikantenthum in Gemeinschaft mit der heutigen Produktionsweise lassen den Kindern des Proletariats feine Zeit, sich Kennt
nisse anzueignen. Vom zwölften Jahre ab geht es in die Fabrik und wenn dann in den dumpfigen Fabriksälen der
kleine Körper einige Stunden mit dem Aufgebot aller seiner Kräfte gearbeitet hat, dann ist er nicht mehr im Stande, zu Die Hause sich irgend welche Kenntnisse noch anzueignen.
Volks- Zeitung" sieht dies auch zur Hälfte ein, denn in ihren weiteren Ausführungen bespricht sie das Mangelhafte der heutigen Volksschule und kommt auf die sogenannten Fortbildungsschulen zu sprechen, von denen sie alles Heil erwartet. Es heißt da:
Wenn die Fortbildungsschule ihre Aufgabe erfüllen
soll, so darf sie sich nicht begnügen mit ein wenig mehr Kenntniß von Geschichte, Geographie, Naturkunde und Mathematit, sondern muß die ethische Heranbildung mehr im Auge haben, welche einem fünftigen Bürger in Staat steht noch mit beiden Beinen in der guten alten Zeit, wo der Staat von den Beamten regiert, und die Geſellſchaft
bereits gefundenen Sicherheitsmaßregeln überall sorgfältig und Gesellschaft nicht fehlen darf. Unsere Schulbildung
sermassen und gegen das Niederbrechen einer von Höhlun
von der Obrigkeit geleitet wurde, ohne Wissen und ohne