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No 14.]
Illustrirtes Unterhaltungsblatt für das Volk.
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Erscheint wöchentlich. Preis vierteljährlich 1 Mark 20 Pfennig. - In Heften à 30 Pfennig. Zu beziehen durch alle Buchhandlungen und Postämter.
[ 1876
Die wahre Geschichte des Josua Davidsohn.
12. Kapitel.
( Fortseßung.)
Es war spät am Abend und wir gingen langsam den Boulevard Montmartre entlang, als ich ein augenscheinlich aufs äußerste ermüdetes Weib mit wankenden Schritten auf uns zukommen sah. Ihre Kleider waren zerrissen, ihr bleiches Gesicht wandte sich jedem Vorübergehenden zu mit ängstlich forschendem Blick, weniger neugierig als sehnsuchtsvoll; ihr schönes, üppiges Haar hing ungeordnet über Gesicht und Nacken. Eine bange Ahnung erfaßte mich, und als ich Josua auf die Wandrerin aufmerksam machen wollte, war mir die Kehle wie zugeschnürt. Ich brauchte auch nicht zu reden, sie sah uns fast im selben Moment, wo ich sie erkannt hatte; sie blieb, nach Athem ringend stehn, wir eilten auf sie zu, und uns die Hände entgegenhaltend, sagte sie, während ein mattes Lächeln über ihr todtenblasses Antlitz flog:
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„ Ich wußte, daß ich dich finden würde, Josua." Dann brach sie zu seinen Füßen zusammen, die Arme ausgestreckt und das schöne Haar im, Staube schleifend.
Arme, liebende, treue Mary! Sie war die letzten Tage zu Fuß gewandert, und wenn wir Männer auf unserer Reise nach Paris gelitten hatten, so hatte sie zehnmal mehr gelitten. Wie sich herausstellte, hatte sie sich bald nach uns aufgemacht und war länger als drei Wochen unterwegs gewesen. Man muß bedenken, daß sie ein ganz unwissendes Mädchen war, und von Geographie feinen Begriff hatte.
Was thun? Sie war da, und das ließ sich nicht ändern; wir nahmen sie in unsere Wohnung Nue Blanche; der Hausmann( Portier) lachte bedeutsam, als wir eine Stube für sie verlangten. Statt so zu lachen und von der Seite zu schielen, wie er es that, hätte er ihr lieber den Einlaß ganz verweigern sollen. Das Blut schoß in Josua's bleiches Gesicht, aber nur für den ersten Augenblick. Josua war nicht der Mann, der das Rechte zu thun unterließ, aus Furcht, daß das Rechte Unrecht scheinen möchte. Er reichte Mary die Hand und führte sie ernst in unser Zimmer. Sie machte sich Vorwürfe und war zerknirscht, als sie sich der falschen Stellung bewußt ward, in welche sie sich selbst und Josua gebracht; er wollte jedoch kein Wort hören. Wenn
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du auch nicht klug gehandelt hast, mein Kind," sagte er, so hast du doch treuen Herzens und in gutem Glauben gehandelt; wägen und es hebt sich auf." wir eins gegen das andere ab Unser Hausmann war ein Mensch, der mir vom ersten Moment an Abscheu und eine unbestimmte Furcht einflößte. Er war rothhaarig. grundhäßlich und trug den Stempel der niedersten Leidenschaften auf der Stirn. Legros, so hieß er, spielte jetzt, zur Zeit der Commune, den enragirten( wüthenden) Republikaner und Sozialisten, ich bezweifle aber nicht und es wurde von mehreren Seiten erzählt, daß er unter dem Kaiserreich bei Revuen und anderen derartigen Gelegenheiten mit am lautesten ,, Es lebe der Kaiser " gebrüllt hatte. Er kannte kein leitendes Lebensprinzip, freche, cynische, jedes Feigenausgenommen die Selbstfucht blatt verschmähende Selbstfucht, eine Selbstfucht, die an Nichts glaubte, als an das liebe Ich ein Mann, dessen höchstes Ideal menschlichen Glücks und menschlicher Klugheit es war, kleine, erbärmliche Summen Geld anzusammeln und in gemeinster Sinnlichkeit zu verbringen; ein Mann ohne Treue, Ehre, Gerechtigkeit und Mitleid. Ich glaube nicht, in meinem Urtheil über ihn zu hart zu sein, denn Legros war einer jener, zum Glück seltenen Menschen, welche die Fabel vom Teufel als Wahrheit erscheinen lassen könnten. Wenn ein Satz bei Legros feststand, so war es der, daß weibliche Tugend nur ein Ammenmärchen sei. Er verlachte die Möglichkeit einer reinen Freundschaft zwischen Männern und Frauen und hatte natürlich seine eignen Gedanken über Mary. Eines Tags drückte er dieselben zu deutlich aus. Es war irgendeine rohe Beleidigung ich hörte niemals gedie er sich gegen das arme Mädchen erlaubte. Wir beide waren ausgegangen und hatten Mary zu Hause gelassen; bei unserer Rückkehr fanden wir sie in äußerster Aufregung und Empörung über Etwas, das während unserer Abwesenheit vorgefallen. Sie erzählte es Josua, aber nicht mir; daß Mary schändlich beschimpft worden, erfuhr ich erst, als Josua, der sofort hinausgeeilt war, wieder die Treppe herauffam und mir sagte, er sei im Portierstübchen gewesen und habe Legros so durchgeprügelt, daß derselbe kein Glied mehr regen könne.
nau, was es war
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Dies war das erste und einzige Mal, daß er in einem Privat