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№ 52.]
Illustrirtes Unterhaltungsblatt für das Volk.
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Erscheint wöchentlich. Preis vierteljährlich 1 Mark 20 Pfennig. In Heften à 30 Pfennig. Bu beziehen durch alle Buchhandlungen und Postämter.
Elftes Kapitel.
Im Banne Mammons.
( Schluß.)
Das Scheidungsverlangen, welches Gertrud unmittelbar nach ihrer Flucht stellte, wollte der Graf natürlich durchaus nicht unerfüllt lassen. Er brauchte jetzt Geld, viel Geld. Die Leibrente, welche er bisher regelmäßig von seinem Vater bezogen, wurde ihm nun aus leicht einleuchtenden Gründen versagt; dazu hatte der Graf in der That bedeutende Verluste an der Börse erlitten, - er brauchte Geld, viel Geld. Und das ist für Leute von der Art Friedrich's von Feldersberg immer noch wichtiger, als der Besitz eines schönen Mädchens.
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Und Seine Erlaucht wußte, wo Geld zu bekommen war! Nachdem er sich zum Bewußtsein gebracht hatte, in welch' eine Lage seine Vermögensumstände gekommen waren, zögerte der Graf keinen Augenblick, die Neigung Ludmilla's zu ihm, welche diese oft genug an den Tag gelegt hatte, sich zu nutze zu machen. Von einer warmen Herzensempfindung war natürlich auch diesmal nicht die Rede.
Warum Ludmilla dem Grafen zugethan war, das wissen wir. Sie selbst wußte noch nicht, welches der wahre Grund der wachfenden Annäherung des Grafen war; sie ahnte nichts von dem materiellen Ruin, in den er unaufhaltbar stürzen mußte, wollte er seine Vergnügungssucht, seinen Aufwand in der Folge auch noch so sehr beschränken.
Es war ja an jenem Ballabende im Opernhause gewesen, daß er ihr die Versicherungen seiner heißesten Liebe gegeben: unleugbar hette sie selbst, sie allein, die als die Königin des Abends alle anderen überstrahlt, sein Herz gefangen,-so dachte fie. Von irgend welchen Nebenrücksichten, welche den Grafen hätten bestimmen können, durfte man nach ihrer Meinung gar nicht reben, wie konnte der Graf von Feldersberg, der Befiger von Millionen, sich um ihr Geld kümmern! Hatte er nicht auch die arme, mittellose Gertrib girathet?- Freilich, er mußte fich balb zeugen, daß diese, so schön und anmuthig fie auch war, doch als die Gräfin von Bedersberg in seinen Cirkeln nicht die rechte Figur zu spielen verstand.
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Ludmilla wußte zu prangen und ju prunten, der Glanz ihrer Erscheinung mußte dem Grafen jetzt erit cet zum Bewußtsein
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gelangt sein. Er durfte sich ja auch nicht verhehlen, daß die Verbindung mit einer adligen Dame für einen Grafen viel standesgemäßer" ist, als die ,, Mesalliance" mit ,, einer Bürger lichen ". Das war die einzige Nebenrücksicht nach der Meinung Ludmilla's eine ganz löbliche Nebenrücksicht.
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So meinte Ludmilla noch an dem Tage, wo der Graf bei ihrem Vater um ihre Hand anhielt.-
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Die Scheidung war zu Stande gekommen, über die Maßen schnell die Verbindung des Grafen mit Gertrud Margentheim war ,, rechtskräftig" gelöst worden. Jezt konnte der Abenteurer auf neue Eroberungen ausziehen.
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Der Geheimrath Rudolf von Ennsbeck empfing den Grafen in einem prachtvollen Zimmer. Er war diesen Besuch beiläufig schon gewöhnt. Mit der ruhigsten Miene von der Welt begann der Graf seine Auseinandersetzungen.
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,, Wie Sie wissen, würdigster Herr Geheimrath, wurde meine Verbindung mit Gertrud Margentheim vor kurzem gelöst. Ich überzeugte mich nur zu bald nach unserer Verheirathung, daß ich blos einer augenblicklichen Regung gefolgt war Herzen waren nicht für einander. Dieses Bewußtsein prägte sich sowohl Gertrud, wie mir mit jedem Tage tiefer ein, und ich sprach schließlich nur ihren Wunsch aus, als ich die Lösung des uns verknüpfenden Bandes andeutete. Wie ich Ihnen übrigens nicht verhehle, würdigster Herr Geheimrath, hat auch mein erlauchter Vater diese Verbindung immer mit einigermaßen verbroffenem Blick angesehen. So ist denn unsere Ehe auf beiderfeitigen Wunsch rechtskräftig in aller Form und mit Beobachtung allen Anstandes wieder aufgehoben worden.
,, Ludmilla nun weiß, wie sehr ich mich schon früher zu ihr hingezogen fühlte, und meine Neigung zu ihr wächst jeden Tag. Auch glaube ich hoffen zu dürfen, daß Ludmilla meine Gefühle nicht unerwidert läßt, und unter diesen Umständen, würdigster Herr Geheimrath, gestatten Sie mir wohl, Sie um die Hand Ihres verehrten Fräulein Tochter zu bitten."
Der Geheimrath von Ennsbeddas sagten wir schon- war ein Mann, der seine fünf gefunden Sinne auf dem rechten Fleck hatte. Darum meinte er auch, wachdem er sich höflichft für bas Butrauen des Grafen bebauft batte. n einem fo w
1. 30, Deg. 1976.
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