und leicht beweglich sind, daß man sie bei der Untersuchung des Blutes( Taf. 11, Fig. 3) sehr leicht übersehen kann. Wenn sie auf ruhende Blutkörperchen stoßen, so können sie dieselben in eine träge Bewegung versetzen.

Man hat diese Pilze, nachdem sie im Blut der Rekurrens­Kranken entdeckt waren, auch in den Sekreten, in den Auswürfen der Patienten, überhaupt im ganzen kranken Körper gesucht, allein außer im Blut nirgends gefunden. Auch in der Leiche des am Rückfalltyphus Gestorbenen findet man die Schraubenfäden nicht. Die mitgetheilten Thatsachen führen zu dem Schluß, daß das Kontagium des refurrirenden Fiebers nichts anderes sein kann, als eben jene schraubenförmigen Spaltpilze, Spirochaete Obermeierii, welche mit dem Fieber in großer Anzahl auftreten, nach dem Fieber wieder verschwinden. Selbstverständlich ist noch mancher dunkle Punkt aufzuhellen, welcher über das Wesen und Treiben dieser Typhuspilze näheren Aufschluß geben soll. Hierzu gehört 3. B. auch die Frage, ob eine verwandte Spaltpilzform, die Spirochaete des Zahnschleimes( Taf. I, Fig. 6) in einer verwandt schaftlichen Beziehung zur Spirochaete des Rückfalltyphus stehe. Dr. Koch hat nämlich konstatirt, daß ganz ähnliche Spiralfäden als regelmäßige Bewohner der menschlichen Mundhöhle, zum Bei­spiel im Inhalt von faulenden", fariösen Zähnen, sowie in dem Schlein, der sich am Grund der Backenzähne und zwischen den Zähnen überhaupt ansammelt, auftreten. Auch sind ähnliche Spiralfäden in Sumpfwasser beobachtet worden, sodaß die Ver­muthung naheliegt, es seien die spiraligen Rückfalltyphuspilze nur besonders angepaßte Formen der Sumpfwasser- Spirochaeten, als deren Uebergangsform die Spiralfäden des Zahnschleimes zu be­trachten wären.

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Gewiß hat die Wissenschaft erst den Anfang gemacht in der Erforschung dieser bis jetzt so geheimnißvollen Beziehungen zwischen Bilzen und ansteckenden Krankheiten. Und dennoch haben die Miasmen und Kontagien in manchen Fällen eine greifbare Ge­stalt angenommen. Die in neuester Zeit mit großer Sorgfalt und mit allem Aufwand von Scharfsinn betriebenen Untersuchungen und Experimente über das Leben und Treiben der Spaltpilze haben es zur Gewißheit gemacht, daß keine anderen Organismen, feine anderen Stoffe geeigneter sein dürften, als die Spaltpilze, bei der Einwanderung in den lebenden Thierkörper kraft ihrer Organisation und ungeheuren Vermehrungsfähigkeit den gesundesten Organismus in fürzester Zeit zugrunde richten.

Die wissenschaftliche Untersuchung der Frage: Was sind Kon tagien, was find Miasmen?" hat zur Evidenz erwiesen, daß diese Stoffe keine Gase sind, daß es nur Körperchen sein können, die unfaßbar klein und in höchstem Grade vermehrungsfähig sind. Nun grenzt die Vermehrungsfähigkeit der Spaltpilze gradezu an's Ungeheuerliche. Sie pflanzen sich einfach dadurch fort, daß sie sobald sie eine gewisse Größe erreicht haben sich auf der halben Länge in zwei gleiche Theile theilen, die selbständig weiter wachsen und sich nach einiger Zeit wieder ebenso theilen, wie das mütterliche Individuum. Man hat beobachtet, daß es Spaltpilze gibt, die in geeigneter Nährlösung liegend sich jeweilen nach zwanzig Minuten durch Theilung verdoppeln können. Dies geschieht beispielsweise unter günstigen Nährverhältnissen bei einer Temperatur von 37 Grad Celsius, während bei niedrigerer oder höherer Temperatur die Vermehrung eine weniger rasche ist. Nun ist wohl zu bedenken, daß dieser günstigste Temperatur­

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grad für die Vermehrung der Spaltpilze grade derjenige unserer eigenen Körperwärme iſt.

Kleine Ursachen, große Wirkung! Nirgends so, wie bei den niedrigsten Organismen ist dieses Wort buchstäblich wahr, was sofort einleuchten wird, wenn wir uns einmal vergegenwärtigen, was geschieht, wenn z. B. ein Milzbrand- Pilzchen oder eine jener kleinen Sporen der Milzbrand- Bacillen( Taf. II, Fig. 2), die in trocknem Zustand mehr als fünf Jahre lang ihre Keim­fähigkeit behalten, im menschlichen oder thierischen Körper eine günstige Stelle zum Wachsen und zur Vermehrung finden. Das kleine stäbchenförmige Pilzchen theilt sich nach zwanzig Minuten durch eine Querwand in zwei Tochter Individuen von halber Länge. Diese werden zu selbständigen Pilzchen und er­reichen bei energischem Wachsthum in den nächsten zwanzig Minuten die Länge des Mutterpilzchens. Dann theilen sie sich ebenso; wir haben also schon nach vierzig Minuten 2 mal 2 gleich 4 Stäbchenpilze. Diese hinwieder zerfallen in weiteren zwanzig Minuten, also bis zum Ende der ersten Stunde, in 8 Indivi­duen. Letztere haben sich bis zum Ende der zweiten Stunde auf 8 mal 8 gleich 64 Individuen vermehrt. Diese 64 Individuen sind bis zum Ende der vierten Stunde auf 64 mal 64 gleich 4096 angewachsen. Am Ende der achten Stunde beträgt die Nach­kommenschaft des einen Stäbchenpilzchens 4096 mal 4096 gleich 16 777 216 Individuen. Vervielfachen wir die letztere Zahl mit sich selbst, so erhalten wir die Zahl der Nachkommen auf das Ende der sechzehnten Stunde; sie beträgt 281 474 976 710 656 In­dividuen. Multipliziren wir zu guterlegt noch mit 4096, so er­halten wir die Zahl der sämmtlichen von einer Milzbrand- Bacille abstammenden Stäbchenpilzchen am Ende der zwanzigsten Stunde; es ist eine Zahl mit 19 Ziffern.

So erklärt sich die rasche Zerstörung einer durch Milzbrand­pilze infizirten Milz; so erklärt sich der Umstand, daß man im Blut von infizirten Kranken, die vielleicht nur einige wenige Spaltpilzchen eingeathmet oder durch eine kleine Wunde auf­genommen haben, schon nach wenigen Stunden, bei etwas lang­famerer Vermehrung der Pilze doch schon nach wenigen Tagen millionen lebender Spaltpilzchen findet.

Hier liegt das Geheimniß der raschen Ausbreitung ansteckender Krankheiten, hier liegt die Erklärung für die Thatsache, daß nur einige Athemzüge in infizirter Luft hinreichen, den stärksten Orga­nismus dem Verderben auszuliefern, hier liegt der Grund, warum man bis heute in den meisten Fällen keinen besseren Rath zu handhaben wußte, als vor der Ansteckung wie vor einem bösen Dämon zu entfliehen.

Aber es gibt ja einen Beruf für Krankenpflege; der Arzt und der Krankenwärter, die nächsten Anverwandten sie dürfen und können vor dem ansteckenden Patienten nicht entfliehen.

Da muß die Wissenschaft helfend beispringen; denn sie hat nicht allein die Aufgabe, das Wesen des Uebels zu erkennen, sondern auch die Pflicht, Abhülfe zu bringen, die Mittel anzu­geben, um dem Umsichgreifen der Epidemien entgegenzutreten.

Und der Wissenschaft wird es ein leichtes sein, kraft ihrer richtigen Erkenntniß die beste Rathgeberin der Heilkunde und der Gesundheitspflege zu sein.

Inwiefern sie das jetzt schon sein kann, werden wir in einem spätern Kapitel zeigen. Dr. A. D.-P.

Nähere Erklärung der Spaltpilz- Tafeln.

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Taf. I. Fig. 1. Verschieden große Mikrococcen( Kugelbakterien) in Schafblut, das vier Tage lang bei einer Temperatur von 8-10 Grad Celsius in einem offenen Gefäße gestanden hatte. M' mittelgroße, M" fleinere und M" fleinste Mitrococcen. Bk, Bk Fig. 2. Reihenförmig angeordnete Blutkörperchen. Vergrößerung 700fach. Mitrococcen, die auf faulendem Wasser eine feine Haut bildeten. In dem Wasser selbst, bas auch abgestorbene Stüdelalgen enthielt, fanden sich auch lange Ketten dieser Micro­coccus Art vor. Die Partien rechts zeigen die Kugelbakterien bei 500facher Vergrößerung, links oben bei 1000facher und links unten bei 2000facher Vergrößerung. In der Mitte oben bei M. p. sind die Kugelbakterien der, blutenden Hostien" und des ,, blutenden Brotes" abgebildet. Sie gehören zu den kleinsten Formen und bilden einen rothen Farbstoff. Fig. 3. Schraubenförmig gewundene Spalt Ehrenberg beschrieb sie unter dem Namen Monas prodigiosa, Cohn taufte fie um und nannte sie Micrococcus prodigiosus. bilze, turze, starre, nicht biegsame Fäden darstellend, welche sich schraubenförmig vor- und rückwärts bewegen, an beiden Enden eine Flimmergeißel befizend. Die dargestellte, nach Fig. 4. Stäbchenförmige Spaltpilze einer Photographie gezeichnete Form, Spirillum undula, tommt in allen möglichen faulenden Flüssigkeiten vor. Vergrößerung 500fach. mit Geißeln an beiben Enden. Diese von Cohn mit dem Namen Bacillus belegten Organismen finden sich häufig an der Oberfläche von faulenden Pflanzenaufgüffen, wo sie nicht felten eine ziemlich bide schleimige Haut bilden. Ihre Bewegung ist eine zitternd rotirende. Bergrößerung 500fach. Fig. 5. Kettenförmig angeordnete Kugelbakterien, Mikro­coccen, die sich konstant und oft in großer Menge im Zungenbelag finden. Lints, in der Mitte bei Z S sehen wir eine kleine Kolonie kleinster Mitrococcen, die, in dichten Haufen beisammen liegend, ben eigentlichen Zahnschleim bilden. Nach einer von Dr. Stoch aufgenommenen Photographie gezeichnet. Bergrößerung 700. Fig. 6. Spirochaete bes Bahnschleims, sehr lange, spiralig gekrümmte, äußerst biegsame Fäden darstellend, die mit rascher Ortsbewegung begabt sind. Ein regelmäßiger Bewohner der menschlichen Mund­höhle, häufig im Inhalt von hohlen( tariösen) Bähnen, sowie in dem Schleim, ber sich am Grund der Backzähne und zwischen den letzteren ansammelt. Dieser weitverbreitete Organismus hat große Aehnlichkeit mit dem Spaltpilz des Rückfalltyphus( vergl. Taf. II, Fig. 3). Bergr. 500.

Zaf. II. Fig. 1. Spaltpilz des Milzbrand, Bacillus anthracis Cohn., in frischem Zustand( noch lebend) photographirt. Diese hier dargestellten Gegenstände sind der Milzsubstanz einer am Impf- Milzbrand gestorbenen Maus entnommen. Die Blutkörperchen find dunkel gezeichnet, die stäbchenförmigen Milzbrandpilze dagegen hell, die Glie­berung derselben ist schwer erkenntlich. Bergr. 700. Fig. 2. Spaltpilz des Milzbrand. Derselbe Bilz wie in Fig. 1, welcher in der wässerigen Feuchtigkeit des Auges zu langen Fäden ausgewachsen ist und Sporen gebildet hat. Nach einer Photographie. Vergr. 700. Die Milzbrand- Pilzsporen bleiben im trocknen Zustand mehr als fünf Jahre ent widlungsfähig, da die Einimpfung derselben regelmäßig Milzbrand verursacht. Fig. 3. Spirochaete Obermeierii Hunger Spaltpilz des Rückfall- Typhus( eine Art typhus)

undeutlich gegliederte, lange, sehr biegsame, spiralige Fäden mit lebhafter Ortsbewegung darstellend. Sie finden sich nach Cohn ausschließlich im menschlichen Blut bei returrirendem Fieber. Einige der in dieser Figur dargestellten Spirochaeten find nach der Photographie des Blutes von einem 22jährigen Mann gezeichnet, das diesem letteren 28 Stunden nach dem zweiten Anfall entnommen wurde. Fig. 4. Blut aus einer nach zwei Tagen sezirten Erstickungsleiche mit stäbchenförmigen Spaltpilzen( Bacillen), wie gewöhnlich zuerst im Blut von Leichen auftreten. Nach einer Photographie. Vergrößerung 700.

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