449
heere heim und ließen, weil in Bellinzona 20 000 Mailänder sich! ansammelten, 600, geschrieben sechshundert Mann Besayung, zur Sicherung des oberen Livinenthals im Dorfe Giornico zurück.
nde.( Seite 454.)
Graf Torello, der mailändische Befehlshaber, glaubte, mit diesen 600 Schweizern leicht fertig werden zu können, und musterte 15 000 Mann seiner besten Truppen zu dieser Unternehmung
aus.
Der in Giornico ansässige Hauptmann der Liviner verband mit schweizerischer Tapferkeit italienische List, und verhalf den Eidgenossen zum Siege. Richter Stanga, dies war der Hauptmann, rieth den Eidgenossen, die abschüssigen Wiesen in der Nähe des Dorfes mit dem Wasser des Tessins zu überschwemmen und dann mit Eisstacheln, resp. Fußeisen versehen, den Feind auf der Höhe zu erwarten.
Am 28. Dezember( 1478) rückten die 15000 Mailänder an und konnten auf dem mit Glatteis überzogenen Terrain, der Abhänge wegen, nicht in geordneten Reihen vorwärts kommen. Nachdem das Bergvolt an dem Stürzen und Purzeln der Angreifer sich hinreichend ergötzt hatte, stürzte es mit Ungestüm auf den an Zahl überlegenen Feind; ein furchtbares Gemezzel begann und in wilder Flucht eilten die Mailänder, mehr denn 1500 Gefallene zurücklassend, nach dem befestigten Bellinzona zurück.
Noch jezt, nach vier Jahrhunderten, erzählt man im Volke vom Hauptmann der Luzerner , dem Tuchhändler Frischhans Theiling, dessen Tapferkeit den Mailändern schier übernatürlich erschien.
Und noch zu Ende des 18. Jahrhunderts erlebte dieser Theil der Südschweiz das höchst eigenthümliche und schreckliche Schauspiel, daß das Morden und Mezzeln bis in die stillen Hochgebirgsthäler fortgesetzt wurde, daß ein russisches Heer unter Suwarow von der Lom bardei her heraufzog und mit den Franzosen harte Kämpfe an den beiden Abhängen des St. Gotthard , in den Schluchten des Tessin und in den Felsenklüften des Val Tremola( Thal des Zitterns) bestand. Noch erinnert in diesem, von häufigen Lawinenstürzen heimgesuchten Thale die Inschrift: ,, Suwarow victor"( Suwarow Sieger) an den grauenvollen Feldzug. Selbst das Hospiz auf dem St. Gotthard , zum heutigen Kanton Tessin gehörend, entging nicht der Zerstörungswuth der Menschen. Als Seume , vom Spaziergang nach Syracus zurückkehrend, über den St. Gotthard wanderte, fand er die Umfassungsmauern des Hospiz ohne Dächer, im Innern große Schneemassen beherbergend. Noch mehr aber als die Menschen richteten verheerende Naturereignisse, hier vielleicht mehr, als in einem andern Theile der Schweiz , Zerstörung und Vernichtung an.