-

-

Gleichung hat mit diesem Vorgang garnichts gemein; denn nach dem Stoß starrer Massen, die völlig ihre fortschreitende Bewegung eingebüßt, haben wir dann eine der Summe ihrer Bewegungs­größen gleichwerthige Quantität Wärme oder Molekularbewegung, welche Thatsache für Isenkrahe garnicht zu existiren scheint. Uebrigens aber fußt Isenkrahe wie seine sämmtlichen genannten Vorgänger, mit Ausnahme von Newton, Zöllner und Spiller, auf der huyghens'schen grundlegenden Hypothese, und zwar wendet er auf das materielle Medium, in dem die gravitirenden Massen­kugeln schweben, die von Clausius und Krönig in neuerer Zeit ausgebildete sogenannte kinetische Gastheorie an, wonach seine Atome mit irgend welcher durchschnittlichen Geschwindigkeit den Raum durchfliegen", und bemerkt weiter darüber: Eine weitere Voraussetzung auszusprechen, ist eigentlich nicht mehr nöthig. Denn wenn wir etwa sagen wollten, wir denken uns die Aether­atome unelastisch, so ist das durchaus keine positive Voraussetzung, welche zu späteren Schlüssen die nöthige Grundlage zu liefern hätte, sondern es ist nur ein ausdrückliches Verzichten auf die Sen Atomen von andern beigelegte Kraft der elastischen Reaktion. Außerdem ist die Starrheit, wie früher gezeigt, eine schon im Begriff des Atoms gegebene Qualität." Jenkrahe will aber auch auf seine Weise das Prinzip der Erhaltung der Kraft ( Bewegungsquantität) zur Anwendung bringen und argumentirt daher an anderer Stelle folgendermaßen: Zunächst erinnere ich daran, daß die Stoßformeln für zwei beliebige Massen identisch werden mit den gewöhnlich für elastische Körper entwickelten, so bald man das Prinzip von der Erhaltung der lebendigen Kräfte in Anwendung bringt.... Daher können wir im folgenden statt des Ausdrucks:, starre Massen, deren Bewegungen nach dem Gesetz von der Erhaltung der lebendigen Kraft erfolgen,' immer einfach sagen:, vollkommen elastische Körper."" Das ist in der That doch ein gar zu autoritatives Verfahren; als ob des Mathematikers Formel die Zauberpfeife wäre, nach der Atome und Körper nicht blos tanzen, sondern auch ihre Natur wandeln müßten, bald unelastische, unter ausdrücklichem Verzicht auf elastische Reaktion, bald zwar auch unelastische, aber in ihrem Verhalten, einfach zu sagen, vollkommen elastische Körper sein könnten"! Wir lernen eben auch durch Isenkrahe nicht die wahre Natur der Moleküle kennen, und das ist ganz erklärlich: er kann sich ebensowenig wie andere Leute ganz positiv über das aus­sprechen, was er zu sehen oder zu beobachten keine Möglichkeit gehabt hat und daher, einfach zu sagen, nicht weiß.

Zudem scheint die Berechtigung, die kinetische Gastheorie, die auf Beobachtungen an Gasen beruht, welche innerhalb fester Wände eingeschlossen sind und in einen gewissen Spannungs zustand versezt oder in demselben erhalten werden, auf das intraplanetarische Medium anzuwenden, durchaus nicht so auf der Hand liegend, da wir dieser gasartigen Materie bei ihrer unbegrenzten man kann nicht einmal sagen Ausdehnungs­möglichkeit sondern nur: bei ihrem unbegrenzten Ausgedehnt

-

546

sein, doch keinen unsern in Gefäßen eingefangenen Gasen, oder auch nur der Atmosphäre ähnlichen Spannungszustand zuschreiben können. Und wenn J.'s Hypothese, daß der Aether sich kinetisch unsern bekannten Gasen gleich verhalte, sich noch fruchtbar erwiese als Stüße für seine Theorie der Gravitation! Aber während er das Gravitiren zweier Körper gegen einander, wie andere seiner Vorgänger, auch auf den Schuß basirt, den von einer Seite jeder dem andern gewährt gegen den ,, Aetheratomhagel", ist doch gar nicht einzusehen, warum sich die zwischen den zugewandten Seiten der Körper befindlichen Aethergasmassen nicht kinetisch ganz ebenso, wie zufällig an einem andern Ort befindliche ver­halten sollten in ihrer nach allen Seiten mit reißender Geschwindig­feit herumschießenden Weise? Dann aber scheint uns gar kein prinzipieller Unterschied zu sein zwischen dem konstanten Druck von Spiller und dem allseitigen, konstanten Atomhagel nach Isenkrahes Ansicht. Denn, und das sei hier noch betont, kommt die lebendige Kraft( nach J.'s Bezeichnungsweise), welche sich als Gravitation wirksam erweisen soll, aus dem intraplanetaren Mittel, dem Aether her, und verhält sich dieser, wie unsere be­kannten Gase, so ist seinem Einzelmolekül jede Bewegungsrichtung recht und durch das Gemisch aller Richtungen könnte man sich dann, nach dem Gesetz vom Durchschnitt, die gleichmäßige Span­nung nach allen Seiten hin vorstellen.

Warum sollten wir nach allem nicht das Fazit aus J.'s Theorie mit seinen eignen Worten ziehen, die er freilich nur auf die Vertreter der Elastizität der Aetheratome angewandt wissen will, nämlich: Einerseits der logische Zwang, den Atomen ver­schiebbare Theile abzusprechen, andererseits das Gesetz von der Erhaltung der lebendigen Kraft: wer beiden in vollem Maße gerecht werden und doch auf der huyghens'schen Fundamental­hypothese bauen will, der befindet sich allerdings einer Auffassung gegenüber, deren Lösung meiner Meinung nach unmöglich ist." Wenn er uns nun auch um diese Unmöglichkeit durch den er­wähnten Kunstgriff, starre Massen so geschmeidig wie vollkommen elastische Körper in ihrem Verhalten zu machen, herumzuführen verspricht und uns den Schaden, den der Satz von der Erhaltung der Kraft gemäß seiner Theorie erfahre, als verschmerzbar vor stellt, indem er zu dem Resultat kommt, daß die Totalsumme der lebendigen Kraft, welche die in diesem unfaßbar großen Tummelplaz einherfliegenden Aetheratome besigen, durch die wäh­rend einer endlichen Zeit vorkommenden Zusammenstöße nur um einen unendlich kleinen Bruchtheil abnehmen könne", so erkennen wir zwar an, daß J. hierin konsequent ist; aber da hilft kein Markten! wir können und dürfen aus der Summe von Energie im Weltall nicht eine Pferdekraft als ohne Schaden vernichtbar ansehen, denn wir bedenken, daß die Erhaltung der Energie der erste und einzige feste Punkt in der Naturerkenntniß ist; fällt dieses Prinzip, so bleibt nichts mehr nach, denn alles übrige ist ungewiß", wie Dellingshausen an dieser Stelle Isenkrahe vorhält. ( Fortsetzung folgt.)

Irrfahrten.

Von Ludwig Rosenberg. ( Fortsetzung.)

Wie ich mir meine Zukunft zurecht gelegt habe?- Diese Frage verläßt mich nicht mehr. Wenn ich im Schlafe plöglich erwache, springt sie mir sogleich ins Gedächtniß; wenn ich an noch so fremde Gegenstände denke, ist der Schluß plößlich: Wie hast du dir deine Zukunft zurecht gelegt? Es ist kein Zweifel: Elisabeth liebt mich, und ich? Wenn ich von Elisabeth gekommen noch unter dem Eindruck ihres Zaubers stehe, noch in ganz frischen Farben ihr Bild vor meinen Augen sehe, in meinen Ohren noch den weichen melodischen Klang ihrer Stimme vernehme, dann bin ich fröhlich, und unwillkürlich summe ich auch wohl eine Melodie vor mich hin, und wenn dann Freimann kommt und mich fragt, was meine Studien machen und ob ich soviel Zeit habe, um müßig zu gehen und zu singen, dann fällt mir gleich wieder die Frage nach der Zukunft ein und ich bin trübseliger und einsilbiger als je.

Theuerste Seele! Ich warte die Antworten auf meine Briefe nicht erst ab. Ich weiß ja schon halb, was du mir schreiben wirst. Aber ich habe das Bedürfniß mich auszusprechen, mit jemand, der mich versteht, zu plaudern und während dieses

Plauderns über mich selbst ins reine zu kommen. Eigentlichen Rathes bedarf ich nicht; er würde, selbst aus lauterem Herzen kommend, mich nur verwirren und mich von dem richtigen Wege, den ich selbst nach einiger Zeit infolge eines gesunden Natur­triebes finde, ablenken. In mir sind zwei Mächte lebendig. Noch weiß ich nicht, welche davon das Uebergewicht erlangen wird. Ich bin ein Mensch, der auf der einen Seite eine behag­liche Beschauung liebt und, wenn er dazu gelangt ist, sich als das unglücklichste Geschöpf unter der Sonne fühlt, der aber auf der anderen Seite ebenso unzufrieden ist, wenn ihm die Fried­lichkeit abgeht. Wie diese beiden Richtungen zu vereinigen?

-

Ich sehe kein Mittel, so sehr ich auch meinen Scharfsinn anstrenge und mich Grübeleien hingebe! Ich versuche, mir diese Liebesgeschichte aus dem Kopf zu schlagen, sie ganz aus meinem Gedächtniß zu streichen. Es gelingt nicht. Du bist

ja in den Jahren, in denen der Mensch ein Bedürfniß fühlt, in einem weiblichen Wesen seinen Schatten zu finden, spricht mein Inneres, und da meine Einsicht in die Natur des Menschen diesen Grundsatz nicht hinweg disputiren kann, so muß ich sehr